Le voyage dans la lune (deutsch: Die Reise auf den Mond) ist eine Oper (französische Originalbezeichnung: „Opéra-féerie“) in vier Akten und dreiundzwanzig Bildern von Jacques Offenbach (Musik) mit einem Libretto von Albert Guillaume Florent Vanloo, Eugène Leterrier und Arnold Mortier nach Motiven aus den Romanen Von der Erde zum Mond (De la terre à la lune) und Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (Voyage au centre de la terre) von Jules Verne. Sie wurde am 26. Oktober 1875 im Théâtre de la Gaîté in Paris uraufgeführt.

Handlung

Kurzfassung

Erster Akt. König V’lan will zurücktreten und die Regentschaft seinem Sohn Caprice überlassen. Der hat daran jedoch kein Interesse, sondern ist von der Vorstellung besessen, auf den Mond zu reisen. Da die Hof-Astronomen keine Lösung kennen, konstruiert der königliche Berater und Ingenieur Microscope in seiner Schmiede eine gewaltige Kanone, die Caprice, den König und ihn selbst in einer Art großer Tabaksdose auf den Mond schießt. Ihr Reiseproviant besteht überwiegend aus Äpfeln.

Zweiter Akt. Die Landung auf dem Mond ist erfolgreich, zerstört aber ein dortiges Gebäude. Der Mondkönig Cosmos befiehlt daher, die Ankömmlinge zu verhaften. Auf Bitten seiner Tochter Fantasia begnadigt er sie jedoch und lädt sie in seinen Glaspalast ein. Caprice verliebt sich sofort in die Prinzessin. Da Fantasia noch nie von der Liebe gehört hat, reagiert sie auf seine Erklärung mit einem Lachanfall. Darüber enttäuscht beißt Caprice in einen Apfel aus seinem Reisesack und lässt auch Fantasia davon probieren. Die Wirkung ist erstaunlich: Ihr Herz klopft, sie entwickelt ungewohnte Gefühle und verliebt sich in Caprice.

Dritter Akt. Da die Liebe auf dem Mond als gefährliche Krankheit gilt, wird Fantasia in ihrem Zimmer eingesperrt. Cosmos will sie auf dem Frauenmarkt verkaufen, damit sie keine anderen Frauen im Palast ansteckt. Caprice beauftragt Microscope, sie dort für ihn zu erstehen. Der Plan scheitert jedoch, weil der Frauensammler Quipasseparla Microscope unter einem Vorwand von der Auktion fernhält, sie für sich selbst ersteigert und unverzüglich mit ihr in das Reich der Dicken abreist. Microscope kann Cosmos immerhin etwas Apfelcidre als vermeintliches Elixier andrehen. Cosmos trinkt davon, verliebt sich in seine eigene Frau Popotte und lässt auch sie davon trinken. Da in diesem Moment Microscope eintrifft, verliebt sie sich in diesen statt in Cosmos. Inzwischen haben V’lan und Caprice Quipasseparla und Fantasia aufgespürt. Bevor sie mit der Prinzessin fliehen können, werden sie von Cosmos und dessen Berater Cactus festgenommen.

Vierter Akt. Die Ehrendamen der Prinzessin haben ebenfalls von dem Cidre gekostet und eine Apfelplantage aufgebaut. Cosmos empfindet das als Verrat. Er stellt V’lan, Caprice und Microscope, die er für diese Entwicklung verantwortlich macht, vor Gericht und verurteilt sie zu fünf Jahren Haft im Krater eines erloschenen Vulkans. Er selbst führt die Delinquenten dorthin. Als sie am Boden des Kraters ankommen, reißt das Seil des Aufzugs. Popotte hat aus Rache dafür gesorgt, dass ihr Mann das Schicksal ihres geliebten Microscope teilen muss. Während alle nach einem Ausweg suchen, bricht der Vulkan aus und befördert sie unbeschädigt zur Mondoberfläche. Cosmos begnadigt die Erdlinge und verspricht Caprice die Hand seiner Tochter. Am Horizont geht die Erde strahlend auf.

Erster Akt

Erstes Bild: „Prinz Caprice“, vor König V’lans Palast

Szene 1. Im Rahmen eines prächtigen Fests (Chor: „Quelle splendide fête“) verkündet Microscope, der Berater des Königs V’lan IV., dass dessen Sohn Caprice demnächst von einer zweijährigen Bildungsreise um die Welt zurückkehren werde. Anschließend möchte Microscope zu einem Rendezvous mit der Tänzerin Cascadine eilen, doch das Eintreffen des Königs verhindert dies.

Szene 2. Der König stellt sich dem Publikum mit seinen Stärken und Schwächen vor (Couplets: „V’lan, V’lan, je suis V’lan“) und schickt das Volk fort.

Szene 3. V’lan teilt Microscope mit, dass er nach beinahe dreißig Jahren an der Regierung den Thron seinem Sohn überlassen wolle. Microscope weist ihn darauf hin, dass der Prinz keinerlei („absolut null“) Fähigkeiten besitze.

Szene 4. Mit großem Gefolge erscheint Prinz Caprice (Chor: „Rataplan, rataplan“) und erzählt seinem Vater, wie viel er auf seiner Reise gelernt habe (Couplets: „Ah! j’en ai vu!“). Als V’lan ihm die Krone übergeben will, weist er sie zu dessen Entsetzen in aller Öffentlichkeit zurück.

rahmenlos|hochkant=2.7|Caprice. Stereoskopie von Jules Alexandre Marinier, um 1875

Szene 5. Nach V’lan die anderen Anwesenden vertrieben hat, erklärt Caprice ihm, dass er kein Interesse an der Politik habe. Er benötige Freiheit, Luft, Raum. In diesem Moment spiegelt sich der Mond in einem Brunnenbecken, und Caprice gerät in Ekstase. Er sehnt sich nach dieser unbekannten Welt, der „Königin der Nacht“ (Romanze: „O reine de la nuit“). Microscope, der bedeutendste Ingenieur des Landes, soll eine Möglichkeit finden, dorthin zu reisen.

Zweites Bild: Das Observatorium

Szene 1. Cosinus, A-Plus-B, Omega, Coefficient, Rectangle, Phichipsi und die anderen Astronomen des Königshofs bewundern den Nachthimmel (Chor: „Les cieux!“).

Szene 2. Caprice, V’lan und Microscope treffen ein. Der Observatoriums-Wächter Parabase versucht kurz, sie am Einlass zu hindern, entschuldigt sich aber schnell, als er den König erkennt. Auf die Frage, ob eine Reise zum Mond vorstellbar sei, antworten die Astronomen mit einer verdrehten Formulierung Parabases: „Es ist nicht unmöglich, dass es möglich ist, aber dass es möglich ist, ist unmöglich“. Für die Astronomen ist das Gespräch damit beendet. Da die Antwort Caprice natürlich nicht zufriedenstellt, muss Microscope alleine ans Werk. Diesem fällt ein, dass er bereits seit drei Jahren an seiner ähnlichen Maschine arbeitet. Caprice solle ihn in einer Woche in seiner Schmiede besuchen. Microscope bedauert, dass er Cascadine heute nicht mehr sehen kann.

Drittes Bild: Die Schmiede

rahmenlos|hochkant=2.7|Die Schmiede. Stereoskopie von Jules Alexandre Marinier, um 1875

Szene 1. Eine Woche später bauen Schmiede und Schmiedinnen eifrig eine riesige Kanone (Chor: „A l’ouvrage!“). Microscope treibt sie zur Arbeit an.

Szene 2. V’lan und Caprice erscheinen, um nach dem Fortschritt der Arbeit zu sehen. Caprice kann an nichts anderes mehr denken als seine bevorstehende Reise (Walzer: „Monde charmant que l’on ignore“). Microscope erklärt ihm die Funktionsweise der Kanone. Dreihunderttausend Kilo Schießpulver dürften ausreichen, um sie abzuschießen. Die Reise werde zwar lange dauern, doch sie werden ausreichend Proviant mitnehmen, darunter eine große Menge Äpfel. V’lan befiehlt ihm, seinen Sohn auf der Reise zu begleiten. Im Gegenzug muss er Microscopes Vorschlag zustimmen, auch selbst mitzureisen.

Viertes Bild: „Der Abflug“, eine gigantische Kanone

rahmenlos|hochkant=2.7|Die Kanone. Stereoskopie von Jules Alexandre Marinier, um 1875

Die Rückwand der Schmiede verschwindet und zeigt eine zwanzig Meilen lange Kanone, deren Lauf über Land, Städte und Dörfer bis zu einem Berggipfel reicht (Finale: „En route pour la lune!“). Artilleristen jeglicher Größe sollen sie bedienen (Chor: „Nous sommes les petits artilleurs“). V’lan verabschiedet sich kurz von seinem Volk. Dann betreten er, Caprice und Microscope die Reisekapsel, die wie eine große Tabakdose aussieht. Der Abschuss erfolgt mit einer gewaltigen Explosion, die alle übrigen Personen auf der Bühne zu Boden schleudert.

Zweiter Akt

Fünftes Bild: „Der Mond“, Anflug auf den Mond

Der Mond, der den gesamten Bühnenhintergrund einnimmt, ist von Wolken umgeben. Sanfte Musik und geheimnisvolle Stimmen erklingen. Der Mond wird allmählich heller und scheint näher zu kommen. Nach und nach werden seltsame Gebäude sichtbar.

Sechstes Bild: „Die Ankunft“, eine Stadt auf dem Mond, links ein Gebäude

Szene 1. Zwei Seleniten (Mondbewohner) beobachten besorgt den Himmel (Chor: „Ah!“). Von allen Seiten treffen Männer und Frauen ein. Alle starren auf denselben dunklen Punkt im Himmel (Chor: „C’est un point noir“).

rahmenlos|hochkant=2.7|Die Seleniten. Stereoskopie von Jules Alexandre Marinier, um 1875

Szene 2. Der Mondkönig Cosmos ist verärgert über das kopflose Verhalten der Einwohner. In nur einem Tag hat es 309 Fälle von Wahnsinn und 749 Selbstmorde gegeben. Sein Berater Cactus meint, dass es durchaus Grund zur Sorge gebe. Der schwarze Fleck sei ein Teil der Erdkugel, den deren Bewohner abgelöst hätten, um sie alle auszulöschen. Cosmos glaubt nicht daran, denn die Wissenschaft habe längst festgestellt, dass die Erde keine Atmosphäre besitze und daher unbewohnbar sei. In diesem Augenblick ist ein furchtbares pfeifendes Geräusch zu hören und der Himmel verdunkelt sich. Alle laufen in Panik davon.

rahmenlos|hochkant=2.7|König Cosmos. Stereoskopie von Jules Alexandre Marinier, um 1875

Szene 3. Das Gebäude an der linken Seite bricht zusammen, das Tageslicht kehrt zurück, und die Raumkapsel ist inmitten der Trümmer zu sehen. V’lan, Caprice und Microscope steigen unversehrt aus (Rondo: „Dans un obus qui fend l’air“). Erstaunt stellen sie fest, dass sie sich in einer Stadt befinden, obwohl ihnen die Wissenschaft gesagt hat, dass der Mond unbewohnt sei. Inzwischen sind auch die Seleniten zurückgekehrt und bestaunen die Ankömmlinge. Die Begrüßung verläuft wenig freundlich, und Cosmos befiehlt, die Besucher festzunehmen. Da verkündet eine Fanfare das Nahen der Königin Popotte.

Szene 4. Popotte trifft in Begleitung ihrer Tochter Fantasia und einem Gefolge aus sechs Pagen und sechs Ehrendamen ein. Caprice verliebt sich auf der Stelle in die Prinzessin, während Microscope die Schönheit der Königin bewundert. Als sie von der bevorstehenden Verhaftung erfährt, bittet Fantasia ihren Vater für sie um Vergebung. Dafür verzichtet sie sogar auf die für ihren Geburtstag versprochenen Juwelen (Couplets: „Tu devais le jour de ma fête“). Cosmos lädt alle in seinen Palast ein. Er selbst reitet auf einem Dromedar (Chor und Marsch: „Salut à notre roi“).

Siebentes Bild: „Der Glaspalast“, ein Saal in Cosmos’ Palast

Szene 1. Microscope hat sich für einen Moment zurückgezogen, um Cascadine mit einem selbst erfundenen Taschen-Telegrafen über seine erfolgreiche Ankunft auf dem Mond zu informieren.

Szene 2. Cosmos und V’lan unterhalten sich über ihre Erfahrungen bei der Regierung. Cosmos leidet darunter, dass er keinen Moment der Ruhe findet. Weil die Palastwände aus Glas sind, steht er ständig unter Beobachtung.

Szene 3. König Cosmos muss sich nun seinen Dienstpflichten widmen. Seine Berater bringen kleine Tische in den Raum. Cosmos zeichnet den Gewinner des jüngsten Gedichtwettbewerbs aus, indem er ihm einen seiner Orden abnimmt. Er erklärt dem verwunderten V’lan, dass die Mondmenschen bei ihrer Geburt bereits sämtliche Auszeichnungen besitzen. Bei jeder herausragenden Tat werde eine davon entfernt. Erst wenn man wie er selbst überhaupt keine mehr habe, werde man allgemein geschätzt. Cactus gesteht, dass er noch mehrere besitze, sie aber verstecke.

Achtes Bild: „Die Perlmuttgalerie“, ein anderer Saal

Szene 1. Bei der Suche nach seiner angebeteten Prinzessin trifft Caprice auf Microscope, der gerade Cascadines Antwort-Telegramm liest.

Szene 2. Caprice trägt Fantasia ein Madrigal vor, das ihre Schönheit beschreibt (Madrigal Caprice: „Je regarde vos jolis yeux“). Als er ihr anschließend seine Liebe gesteht, versteht Fantasia überhaupt nicht, was er meint. Sie verlässt laut lachend den Raum.

Szene 3. Caprice erzählt seinem Vater und Microscope, dass die Liebe auf dem Mond völlig unbekannt sei, und zieht sich traurig zurück.