Emmerich Assmann (* 8. Jänner 1926 in Leibnitz; † 3. Mai 2005 in Kaindorf an der Sulm) war ein österreichischer Industrieller, Gewerke und Politiker (ÖVP).

Am 18. März 1957 zog er in den steirischen Landtag ein und gehörte diesem bis zum 7. April 1965 in zwei aufeinanderfolgenden Gesetzgebungsperioden als Landtagsabgeordneter an.

Seltener – etwa im Nachruf des steirischen Landtages – wird er in der alten Schreibweise als Emerich Assmann, wie bereits sein Vater (1899–1964) und Großvater (1863–?) hießen, geschrieben.

Leben und Wirken Abstammung und Anfänge der Firma Assmann Emmerich Assmann entstammt einer alteingesessenen Gewerkenfamilie, deren steirische Geschichte im Jahr 1809 mit dem aus dem Sudetenland eingewanderten Sattlermeister Stefan Assmann begann.Aufstieg und Fall der Assmann-Dynastie, In: Leibnitz aktuell, Unabhängiges Monatsmagazin für die Südsteiermark, 39. Jahrgang, Jänner 2013, S. 14/15 Dieser hatte damals in Leibnitz einen bescheidenen Gewerbebetrieb gegründet, der sich in weiterer Folge über mehrere Generationen zu einem regelrechten Imperium entwickelte. Schon bald war die Erzeugung von Taschner- und Sattlerwaren über die rein handwerkliche Erzeugung hinausgewachsen und die industrielle Fertigung begann. Allein schon aufgrund der Etablierung des Fahrrades gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte sich die Firma Assmann mit der Produktion von Werkzeugtaschen und ab den 1920er Jahren auch mit der Produktion von Fahrrädern verdient. Sein Großvater, der im Trauungsbuch von Leibnitz als Lederwarenerzeuger aufgeführt ist und von 1913 bis 1917 Bürgermeister von Leibnitz war, war Emerich Assmann (* 5. Februar 1863 in Leibnitz; † unbekannt), der am 4. Oktober 1898 eine Maria Aloisia Kappaun (* 17. Februar 1879 in Kundl, Tirol; † 10. November 1953 in Leibnitz) heiratete.Trauungsbuch Leibnitz, tom. X, fol. 389 (Faksimile), abgerufen am 19. August 2024 Aus dieser Ehe ging unter anderem der Vater Emmerich Assmanns, der ebenfalls diesen Vornamen erhielt, hervor. Dieser wurde am 30. Juli 1899 in Leibnitz geboren († 26. Juni 1964) und übernahm in späteren Jahren den nunmehrigen Industriebetrieb seines Vaters.Taufbuch Leibnitz, tom. XVIII, fol. 83 (Faksimile), abgerufen am 19. August 2024Trauungsbuch Leibnitz, tom. XIII, fol. 110 (Faksimile), abgerufen am 19. August 2024 Am 8. Jänner 1926 wurde der Sohn Emmerich in Leibnitz geboren. Als dieser sechs Jahre alt war, heiratete der Vater am 26. Jänner 1932 die Mutter des gemeinsamen Sohnes, die am 21. Mai 1906 in Wildon geborene Gastwirtstochter Gertrude „Trude“ Maria Anna Elisabeth Margareta Stift († 19. Juni 1993).Taufbuch Wildon, tom. X, fol. 302 (Faksimile), abgerufen am 19. August 2024 Zum damaligen Familienimperium gehörten damals auch noch sechs Hektar Weingärten am sogenannten Assmannsberg im Wellinggraben bei Heimschuh und am Kogelberg.

Unter seinem Vater produzierte das Unternehmen während des Zweiten Weltkriegs zwischen 1938 und 1945 komplette Fahrräder. Bereits 1927 hatte der Vater zusammen mit Ernst Weikert von der Achilles Fahrrad- und Motorfahrzeugfabrik mit Sitz in Oberpolitz in Höflitz bei Bensen im Sudetenland die Assmann-Werke für die Produktion von Fahrradsätteln, Felgen, Schutzblechen und später auch Speichen für die eigenen Fahrradfabriken gegründet.Assmann-Werke, abgerufen am 19. August 2024 Auch in Oberpolitz fand sich ab dieser Zeit ein Assmann-Werk, das in einem gepachteten Schloss Fahrradsattelfedern produzierte, während vom Assmann-Werk in Leibnitz die entsprechenden Satteldecken und -taschen zur Produktion von Fahrradsätteln und -taschen bezogen wurden. Später kam in Oberpolitz die Produktion von Speichen und Nippeln hinzu, wobei die Maschinen hierfür ebenfalls aus Leibnitz geschickt wurden. Nach der Anschaffung von Verchromungbädern, Trommelbädern, Entfettungs- und Verkupferungsanlagen und einem großen Nickelbad besaß das Assmann-Werk in Oberpolitz den gleichen Maschinenpark wie das Werk in Leibnitz. Durch die Wirtschaftskrise in der Tschechoslowakei, durch die es vor allem in der Textilindustrie viele Zusammenbrüche gab, gelang es 1938 die münzbergische Spinnerei im nahegelegenen Höflitz bei Bensen zu kaufen, wohin das Unternehmen von 1939 bis 1940 vollends übersiedelte. Während des Krieges wurde unter anderem auch Heeresbedarf produziert und die Werke fielen nach Kriegsende völlig unbeschädigt in die Hände der Tschechen.

Ausbildung, Polit-Laufbahn und Start in die Industriellenkarriere Emmerich Assmann selbst besuchte die Pflichtschule in seiner Heimatstadt Leibnitz und danach das Lichtenfelsgymnasium in der Landeshauptstadt Graz. Noch nicht einmal volljährig wurde er von 1943 bis 1945 von der Wehrmacht eingezogen, versah zuerst einen Arbeitsdienst und anschließend seinen Kriegsdienst bei einer Panzertruppe der Wehrmacht, ehe er in Kriegsgefangenschaft geriet. Nachdem er aus dieser nach Österreich zurückgekehrt war, inskribierte er an der Juridischen Fakultät der Universität Graz, an der 1951 zum Doktor der Staatswissenschaften promovierte. Verschiedenen Quellen zufolge (u. a. laut Austria-Forum) soll er zeitweilig auch an der Montanuniversität Leoben studiert haben; über einen dortigen Abschluss ist allerdings nichts bekannt. Nach seiner Promotion sammelte Assmann umfangreiche Auslandserfahrungen in den Vereinigten Staaten sowie in Mexiko und kehrte 1954 wieder in seine Heimat und zum elterlichen Betrieb zurück. Bereits ein Jahr später wurde er auch erstmals in einer wesentlichen Funktion politisch aktiv und fungierte sodann von 1955 bis 1959 als Gemeinderat der Stadt Leibnitz. Während diesem Zeitraum schaffte er im Zuge der steirischen Landtagswahl 1957 den Einzug in den steirischen Landtages, dem er in weiterer Folge vom 18. März 1957 bis zum 7. April 1965 in zwei aufeinanderfolgenden Gesetzgebungsperioden (IV. und V.) als Landtagsabgeordneter und in einer Reihe von Ausschüssen als Ersatzmitglied angehörte. Nach seinem Ausscheiden aus der Landespolitik begann für Assmann erst die eigentliche Industriellenkarriere, in der er davor im elterlichen Betrieb bereits Fuß gefasst hatte. Bedingt durch die Übernahme der Geschäftsführung in verschiedenen Betrieben der aufstrebenden Assmann-Gruppe war der Gewerke Emmerich Assmann in verschiedenen anderen politischen Funktionen und Interessensvertretungen aktiv.

Expansion des Assmann-Konzerns; insbesondere ab den 1980er Jahren Ab Ende der 1950er Jahre wurde das Unternehmen um weitere Geschäftszweige erweitert. So kam etwa Ende der 1950er Jahre die Erzeugung von Elektrosicherungsmaterial hinzu, ehe man mit der Produktion von Geschäftseinrichtung begann und so zu einem der größten Ladenbauer Europas heranwuchs. Zu den Assmann-Werken gehörte in den nachfolgenden 1960er Jahren neben dem Stammunternehmen (Brüder Assmann in Leibnitz) auch noch die 1957 gegründete Südsteirische Metallindustrie, die 1965 gegründete Assmann & Co. sowie die 1968 gegründete Assmann Kunststoffindustrie. Über die Südsteirische Metallindustrie belieferte er ab 1958 das österreichische Bundesheer mit Platzpatronen aus Kunststoff und stieg um das Jahr 1980 mit dem Unternehmen auch in das Geschäft mit scharfer Militärmunition ein. 1981 wurde er von der österreichischen Handelszeitung in der Kategorie „Industrie & Service“ mit einem Goldenen Merkur, der seit 1977 alljährlich engagierte und wirtschaftlich erfolgreiche Kaufleute verliehen wird, ausgezeichnet., abgerufen am 21. August 2024 Speziell nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1964 startete ein stetiger Expansionskurs, im Zuge dessen zahlreiche Mitbewerber und andere Unternehmen übernommen wurden. Er machte sich dabei auch als „beinharter Sanierer maroder Betriebe“ durch beträchtliche Subventionen der öffentlichen Hand einen Namen. Das österreichische Wirtschaftsmagazin trend betitelte Assmann etwa in seiner Ausgabe vom Oktober 1987 als „Österreichs härtesten Industriellen“. So übernahm er vor allem ab den 1980er Jahren pleitereife bzw. konkursgefährdete Staatsbetriebe, die er zumeist unter dem Schlagwort Arbeitsplatzsicherung mit öffentlichen Zuschüssen sanieren sollte.Teil 129: ÖVP-Landtagsabgeordneter Emmerich Assmann – Verstrickungen & Pleite des Imperiums, abgerufen am 20. August 2024 Nachdem er anfangs vor allem in zivilen Tätigkeitsfeldern aktiv war und Unternehmen in Bereichen wie der Steinaufbereitungstechnik, dem Ladenbau und der Produktion von Kunststoffteilen oder Umwelt-Recyling-Anlagen tätig war, erwarb Assmann im Laufe der Jahre nach und nach die großen Waffenschmieden Österreichs wie etwa das Sprengstoffunternehmen Dynamit Nobel (1987) oder die Hirtenberger Patronenfabrik (1989). Während er für erstgenannte Firma noch 60 Millionen Schilling an Subventionen erhalten hatte, erhielt er für die Übernahme von Hirtenberger zur Verlustabdeckung und Arbeitsplatzsicherung 240 Millionen Schilling an Förderungen. Seine Funktionen als ÖVP-Politiker und als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei der VÖEST werden bei der Übernahme dieser Betriebe als für ihn sehr dienlich angesehen. Eine weitere Aufsichtsratsposition hatte er unter anderem auch in der Österreichischen Beteiligungs AG (ÖIAG).Der Aufsichtsrat der ÖIAG im Bericht an den Nationalrat gemäß § 3 ÖIAG-Gesetz über die Lage der verstaatlichten Industrie zum 31.12.1985 (PDF; 44 MB), abgerufen am 18. September 2026 Im Jänner 1991 erfolgte die Übernahme der nunmehrigen Maschinenfabrik Liezen, die aufgrund des wenige Jahre zuvor – damals hieß das Unternehmen noch Noricum und war davor ein Teil des verstaatlichten VÖEST-Konzerns – stattgefundenen Noricum-Skandals, der international für Aufsehen sorgte, als skandalträchtig galt. Eine darüber hinaus von Assmann geplante Zentralwerkstätte für das Bundesheer Anfang der 1990er Jahre wurde nie realisiert. In den Jahren 1987 bis 1993 soll Assmann für seine Übernahmen 412 Millionen Schilling an Zuschüssen erhalten haben. Nebenbei produzierte er in weiteren Betrieben Übungsmunition, Granaten und Zündhütchen und hatte damit bis in die 1990er Jahre Österreichs größten Waffenkonzern aufgebaut.

Niedergang des Assmann-Imperiums – Konkurs – Haftstrafe