mini|hochkant=1.0|Stolperstein in Jersey Die Liste der Stolpersteine auf den Kanalinseln listet alle Stolpersteine, die auf den Kanalinseln verlegt worden sind. Die Stolpersteine liegen in der Regel vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers und erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden vom Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden im Regelfall von ihm selbst verlegt.
Die ersten Verlegungen auf dieser Inselgruppe erfolgten am 25. Juli 2024.
Verlegte Stolpersteine Guernsey In Guernsey wurden bisher fünfzehn Stolpersteine an vierzehn Stellen verlegt. Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben 120px HIER LEBTESIDNEY ASHCROFTGEBOREN 1921VERHAFTET 1.5.1942WEGEN WIDERSTANDSINTERNIERT GUERNSEYDEPORTIERT 1.6.1944DEUTSCHLAND12 ARBEITSLAGER UND GEFÄNGNISSEGESTORBEN 15.5.1945GEFÄNGNIS STRAUBING 2, Pont Vaillant, St Peter PortGuernsey wurde am 2. Juni 1921 geboren. Seine Eltern waren James Ashcroft und dessen Frau Charlotte, die 1915 in Tunbridge Wells, Kent, geheiratet hatten. Er hatte zwei Schwestern, Margery und Hilda, die beide im Kleinkindalter starben. Sein Vater kämpfte im Ersten Weltkrieg, er kam danach öfter mit dem Gesetz in Konflikt und verlor mehrmals seine Arbeit. Die Familie lebte in Armut. Ashcrofts Vater verließ die Familie und seine Mutter fand in den frühen 1930er Jahren einen Job als Haushälterin in Guernsey. Den einzigen Sohn nahm sie mit. Während der NS-Besatzung der Kanalinseln arbeiteten Mutter und Sohn in Glashäusern. Eines Tages stahl Sidney Ashcroft, er war damals 20, Lebensmittel aus einer Küche für die Deutschen. Er wurde von einem Soldaten beobachtet und zur Rede gestellt, die Mutter wollte sich vermutlich dazwischenstellen, sie wurde weggestoßen, es kam zu einem Handgemenge mit Schlägen. Sidney Ashcroft wurde am 1. Mai 1942 verhaftet und zwei Wochen später zu zwei Jahren und neun Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Er wurde am 1. Juni 1942 deportiert und musste in zwölf Lagern und Gefängnissen in Deutschland und im besetzten Frankreich Zwangsarbeit verrichten – in Caen, Fresnes, Fort de Villeneuve, Bernau, Diez, Limburg, im Klapperfeld Polizeigefängnis von Frankfurt am Main, in Bamberg und zuletzt im Gefängnis Straubing. Sidney Shcroft starb dort nach der Befreiung an den Folgen von Tuberkulose, an der er aufgrund der unmenschlichen Haftbedingungen erkrankt war. Als Todesdatum wird der 15. Mai 1945 angegeben. Bestattet wurde er im Friedhof St. Michael in Straubing.Frank Falla Archive: Sidney Ashcroft, abgerufen am 24. August 2024
Eine BBC-Dokumentation von 2015 berichtete über sein Schicksal, im Zuge der Dokumentation wurde auf dem Friedhof von Straubing ein Gedenkstein für ihn verlegt. 120px HIER LEBTEKINGSTON BAILEYGEBOREN 1916VERHAFTET 3.3.1942WEGEN WIDERSTANDSINTERNIERT IN GUERNSEYDEPORTIERT 1942 DEUTSCHLAND8 GEFÄNGNISSE UND ARBEITSLAGERDEPORTIERT NACH DACHAUBEFREITLAUFEN The Old Barn, Les CroutesSt Peter Port wurde am 1. Januar 1916 in Norfolk geboren. Als Guernsey von deutschen Truppen besetzt wurde, war er dort Polizist. Frau und Tochter hatten rechtzeitig evakuiert werden können. Bailey und einige seiner Kollegen hörten regelmäßig die BBC-Sendungen von Douglas Ritchie alias Colonel Britton. Diese Sendungen gaben Zivilisten Anweisungen zur Sabotage und zum zivilen Widerstand, sie waren nicht für die Kanalinseln gedacht, sondern die von Deutschen besetzten Gebiete in Festlandeuropa. Bailey und seine Kollegen, die in den Krieg gegen die Deutschen hätten ziehen wollen, saßen auf den Inseln fest und beschlossen, die Anweisungen von Colonel Britton umzusetzen. Sie zerschnitten Telefonkabel, schütteten Sand in den Tank der deutschen Automobile und malten V-Zeichen überall hin. Im zweiten Besatzungswinter litt die Bevölkerung an Hunger, während die deutschen Besatzer Nahrungsmittel horteten. Bailey und sein Freund Frank Tuck brachen in die Lager ein und verteilten Konserven an Menschen in Not. Sie überzeugten ihre Kollegen sich an den Aktionen zu beteiligen. Auch Kaufleute beteiligten sich am Widerstand. Am 3. März 1942 wurden Bailey und Tuck auf frischer Tat ertappt, verhaftet und auf Guernsey interniert. Ihre Häuser wurden durchsucht, sie wurden verhört und geschlagen, bekamen von Tag zu Tag weniger zu essen. Am 1. Juni 1943 standen sie vor Gericht, Kingston Bailey wurde zu 32 Monaten Zwangsarbeit verurteilt, zusätzlich zu drei Monaten vom Royal Court. In der Folge wurden die Polizisten nach Caen verschleppt. Es folgte eine Odyssee von Lager zu Lager – Fort de Villeneuve-Saint-Georges, Bernau, Schwabmünchen, München, Landsberg und schließlich das KZ Dachau. Kingston Bailey überlebte die Kälte, den Hunger, die katastrophalen hygienischen Zustände, die Gewalt und die Ungerechtigkeiten. In den letzten Tagen wurde er in ein Lager in Laufen an der Salzach überstellt. Dort wurde er am 4. Mai 1945 befreit.Frank Falla Archive: Kingston George Bailey, abgerufen am 9. März 2025 120px HIER LEBTEELISABET DUQUEMINGEB. FINK 1909 ÖSTERREICHDEPORTIERT 12.2.1943FRANKREICHINTERNIERT ROYALLIEU-COMPIÈGNEBEFREITBIBERACH Cobo Village Centre, Route de CarteretCastel geb. Fink wurde 1909 geboren. Sie war jüdischer Herkunft, hatte auf Guernsey Zuflucht gesucht und Harry Duquemin geheiratet. Sie, ihr Ehemann und die 18 Monate alte Tochter Janet wurden im Februar 1943 verhaftet und verschleppt – zuerst nach Compiègne, dann nach Biberach. Elisabet Duquemin sprach niemals über diese Zeit. „Es hat sie offensichtlich enorm betroffen gemacht“, sagt ihre Tochter. Die Familie überlebte den Holocaust und kehrte später nach Guernsey zurückBBC News: Stumbling stones memorials laid in Guernsey, 26. Juli 2024 120px HIER LEBTEFRANK FALLAGEBOREN 1911VERHAFTET 3.4.1944WEGEN WIDERSTANDSINTERNIERT GUERNSEYDEPORTIERT 4.6.1944DEUTSCHLANDINTERNIERT FRANKFURTBEFREITGEFÄNGNIS NAUMBURG Dolce Huis, Brock RoadSt Peter Port (1911–) 120px HIER LEBTEJOSEPH GILLINGHAMGEBOREN 1901VERHAFTET MÄRZ 1944WEGEN WIDERSTANDSINTERNIERT GUERNSEYDEPORTIERT 4.6.1944DEUTSCHLANDINTERNIERT FRANKFURTGESTORBEN 11.3.1945POLIZEIGEFÄNGNIS HALLE42, BordageSt Peter Port 120px HIER LEBTEMARIANNE GRUNFELDGEBOREN 1912 POLENEMIGRATION NACH ENGLANDANKUNFT IN GUERNSEY 1940DEPORTIERT 1942 FRANKREICHVERHAFTET 15.7.1942INTERNIERT IN ANGERSDEPORTIERT NACH AUSCHWITZERMORDET 23.7.1942 Duveaux Farm, Duveaux RoadSt Sampson 120px HIER LEBTEJOHN INGROUILLEGEBOREN 1920VERHAFTET 31.12.1940INTERNIERT IN GUERNSEYDEPORTIERT 7.3.1941FRANKREICHINTERNIERT CAENRHEINBACHBRANDENBURG-GÖRDENGESTORBEN 13.6.1945BRÜSSELSpringtides, La Miellette LaneVale 120px HIER LEBTECHARLES MACHONGEBOREN 1893VERHAFTET 11.2.1944WEGEN WIDERSTANDSDEPORTIERT 17.5.1944DEUTSCHLANDINTERNIERT RHEINBACHGESTORBEN 28.10.1944HAMELIN74, Victoria RoadSt Peter Port HIER LEBTEPERCY MILLERGEBOREN 1883VERHAFTET 12.7.1943WEGEN WIDERSTANDSINTERNIERT GUERNSEYDEPORTIERT 1.9.1943DEUTSCHLAND6 GEFÄNGNISSEGESTORBEN 16.7.1944FRANKFURT-PREUNGESHEIMLa Turquie, Grande RueVale 120px HIER LEBTEMARIE OZANNEGEBOREN 1905VERHAFTET 5.9.1942WEGEN WIDERSTANDSINTERNIERT GUERNSEYENTLASSEN 16.10.1942GESTORBEN 25.2.1943Imladris, Dehus LaneVale 120px HIER LEBTEHERBERT SMITHGEBOREN 1904VERHAFTETWEGEN WIDERSTANDSINTERNIERT IN GUERNSEYDEPORTIERT JUNI 1942DEUTSCHLAND8 GEFÄNGNISSE UND ARBEITSLAGERGESTORBEN 5.4.1943GEFÄNGNIS AUGSBURG13, Rue FlèreVale 120px HIER LEBTEAUGUSTE SPITZGEBOREN 1901 IN ÖSTERREICHDEPORTIERT 21.4.1942FRANKREICHVERHAFTET 15.7.1942INTERNIERT ANGERSDEPORTIERT DEUTSCHLANDAUSCHWITZERMORDET 23.7.1942 Castel Hospital, La Neuve RueCastel 120px HIER LEBTETHERESE STEINERGEBOREN 1916 ÖSTERREICHEMIGRATION NACH ENGLANDANKUNFT IN GUERNSEY 1939DEPORTIERT 21.4.1942FRANKREICHVERHAFTET 15.7.1942INTERNIERT IN ANGERSDEPORTIERT NACH AUSCHWITZERMORDET 23.7.1942 Castel Hospital, La Neuve RueCastel 120px AUF 11 CLARKES HOUSES LEBTELOUIS SYMESGEBOREN 1885VERHAFTET 25.10.1940WEGEN WIDERSTANDSINTERNIERT GUERNSEYDEPORTIERT 8.12.1940FRANKREICHINTERNIERT CHERCHE-MIDIGESTORBEN 22.12.1940 11, Clarkes Houses, Grande BouetSt Peter Port 120px HIER LEBTEFRANK TUCKGEBOREN 1914VERHAFTET 3.3.1942WEGEN WIDERSTANDSINTERNIERT GUERNSEYDEPORTIERT 15.6.1942ZWANGSARBEIT8 GEFÄNGNISSE UND LAGERBEFREITGEFÄNGNIS LANDSBERG Les Huriaux, Rue Des HuriauxSt Martin
Jersey in Jersey wurden bisher 20 Stolpersteine an neunzehn Stellen verlegt. Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben 120px HIER LEBTEHEDWIG BERCUGEBOREN 1919ANKUNFT 1938AUS ÖSTERREICHÜBERLEBTE IN EINEM VERSTECK 28, New StreetSt Helier , auch Hedy Bercu, wurde mini|hochkant|Zeitungsausschnitt als Hedwig Goldberg am 23. Juni 1919 geboren. Als Land, in dem sie geboren wurde, werden Österreich und Rumänien genannt. 1938 flüchteten sie und ihre vier Geschwister aus Wien, die Eltern blieben zurück. Die junge Frau kam bis nach St. Helier, in die Hauptstadt Jerseys. Sie fand Arbeit als Hausangestellte. Als die Invasion deutscher Truppen bevorstand, flüchteten die meisten Juden nach England. Ihr jedoch blieb dieser Weg – als „enemy alien“ – versperrt und befand sich 1940, als die Nazis die Kanalinseln besetzten, in einer Falle: Die Fährverbindungen nach England waren gekappt, der Norden Frankreichs war ebenfalls von Truppen des NS-Regimes besetzt. Die auf der Insel verbliebenen Juden mussten sich registrieren lassen. Hedwig Bercu versuchte die Registrierung mit einer erfundenen Geschichte zu umgehen, doch glückte es nicht.The Times of Israel: Novel revives true story of gutsy Jew who survived Nazis to marry German soldier, 21. November 2020
Trotzdem gelang es ihr, von der Besatzern als Übersetzerin beschäftigt zu werden. 1942 verliebte sie sich in einen Offizier der Deutschen Wehrmacht, Kurt Rümmele.On this Day in Jersey: 23rd June 1919: Jersey refugee Hedy Bercu is born, abgerufen am 10. März 2025 An ihrem Arbeitsplatz war sie mit der Verteilung von Benzingutscheinen betraut. Sie soll zahlreiche Gutscheine veruntreut und an Ärzte der Insel, die sie dringend benötigten, weitergegeben haben. Dies wurde im November 1943 entdeckt. Hedy Bercu inszenierte ihren Suizid und verschwand spurlos. Sie wurde 18 Monate lang von einer englischen Dame versteckt und vom deutschen Offizier mit Lebensmitteln versorgt. Nach der Befreiung Jerseys heiratete sie den Offizier und zog mit ihm nach Deutschland. Das Paar bekam drei Kinder, doch Rümmele starb bereits 1956.