mini|291px|Topografie von Mallorca mini|Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum) vor dem Bergdorf Valldemossa mini|Rosmarinblüte im Tramuntanagebirge mini|Bewaldete Küste bei Sóller Die Flora und Vegetation Mallorcas zeichnet sich durch einen typisch mediterranen Charakter aus, mit einer im Frühjahr opulent blühenden Küstenflora, von Hartlaubgewächsen dominierte Macchie, einer artenreichen Felsheide und im Hinterland immergrünen Steineichen- und Kiefernwäldern. Mit etlichen Endemiten besonders interessant ist die Serra de Tramuntana, ein etwa 90 Kilometer langer Gebirgszug, der sich vom äußersten Südwesten bis in den Nordosten der Insel erstreckt. Mit Höhen von bis zu 1436 Meter gehört das Mittelgebirge seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe.
Geografie und Klima Die spanische Insel Mallorca liegt im Westlichen Mittelmeer, zusammen mit Menorca, Ibiza und Formentera sowie 146 kleineren unbewohnten Inseln bildet sie die Inselgruppe der Balearen. Die Hauptinsel Mallorca hat einschließlich vorgelagerter Inseln eine Fläche von 3622 km².
Auf Mallorca herrscht ein gemäßigtes subtropisches Mittelmeerklima mit heißen Sommern und milden, teils feuchten Wintern vor. Die jährliche Niederschlagsmenge kann erheblich variieren, im nordwestlichen Bergland fallen mitunter mehr als 1400 mm, das entspricht in etwa der doppelten Menge von Frankfurt am Main. An der überwiegend trockenen Süd- bzw. Südostküste sind es lediglich 300–350 mm.Gerhard Beese: Reiseführer Natur Mallorca, BLV Verlagsgesellschaft, München 1994, ISBN 3-405-14510-4, S. 15 f. Die meisten Niederschläge fallen in den Monaten Oktober bis Dezember, im Winter kann es in höheren Lagen schneien. Den Sommer bestimmt von gelegentlichen unwetterartigen Gewittern abgesehen eine lange Trockenphase, in der die meisten Pflanzen eine Ruhephase einlegen, sprich verdorren, um erst wieder nach dem ersten Herbstregen zu neuem Leben zu erwachen. Der Winter ist relativ kurz, die Mandelblüte setzt schon im Januar ein.
Historie Die Erforschung der Flora Mallorcas begann zu Anfang des 18. Jahrhunderts. 1712 gab der Botaniker Juan Salvador erstmals einen Pflanzenkatalog über die auf den Balearen vorkommenden Arten heraus. Gut hundert Jahre später erforschte der französische Botaniker Jacques Cambessèdes im Frühjahr 1824 während einer mehrmonatigen Exkursion die Flora Mallorcas.Enumeratio plantarum quas in insulis Balearibus collegit. Earumque circa mare Mediterraneum distributio geographica. Paris 1827 (Digitalisat) Etliche endemische Arten tragen den Namen Cambessèdes als Epitheton im wissenschaftlichen Namen, u. a. Mallorca-Kugelblume (Globularia cambessedesii), Balearen-Krokus (Crocus cambessedesii) und Balearen-Pfingstrose (Paeonia cambessedesii).Rolf Goetz: Mallorcas Flora. Bergverlag Rother, München 2023, ISBN 978-3-7633-6107-6, S. 166, 170 f. u. 182
Auf früheren Arbeiten aufbauend erschien 1879–1881 von Francisco Barceló y Combis mit Flores de las Islas Baleares das erste umfangreiche wissenschaftliche Werk zur Flora der Inselgruppe.
Der mallorquinische Priester, Dichter und Botaniker Francesc Bonafé Barceló (* 1908; † 1994) veröffentlichte 1977–1980 Flora de Mallorca. Obwohl mit Schwarzweißbildern ausgestattet ist die vierbändige Ausgabe mit insgesamt 1565 Seiten bis heute eines der Standardwerke der mallorquinischen Pflanzenkunde.
1992 eröffnete der Botanische Garten Sóller. Die rund 1300 Arten umfassende Sammlung widmet sich unter besonderer Berücksichtigung der auf Mallorca vorkommenden Pflanzen überwiegend der mediterranen Flora.
Artenvielfalt und Endemismus Auf Mallorca einschließlich der Nachbarinseln Menorca, Ibiza und Formentera gibt es je nach Quelle rund 1500 bis 1800 Gefäßpflanzen, etwa 180 davon stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten.Infotafel im Botanischen Garten SóllerTom Gebhardt: Wildwuchs im World Wide Web, Mallorca Zeitung Nr. 412, 2008 Der überwiegende Anteil der Arten kommt auch in anderen Teilen des Mittelmeergebietes vor. Geobotanische Beziehungen gibt es zur Küstenflora von Katalonien, Südfrankreich und der nordafrikanischen Küste zwischen Marokko und Tunesien.
Für die Balearen sind 140 Endemiten nachgewiesen. Fast alle davon finden sich auf der Hauptinsel Mallorca. Mehr als die Hälfte der Endemiten kommt in der Serra de Tramuntana vor. Die Gattung Ginster ist mit etwa zehn endemischen Arten vertreten, an den Küsten gibt es rund 20 Arten aus der Gattung Strandflieder.
Vegetation Küstenvegetation mini|Küstenflora bei Cala Mesquida mini|Neptungrasbänke an der Cala en Tugores Mallorca verfügt über eine stark gegliederte Küstenlinie von 550 Kilometern Länge, wobei Sandstrände einen Anteil von unter 10 Prozent ausmachen. Der größte Teil der Küste wird von Steilküsten und Kieselstränden eingenommen. Unmittelbar am Spülsaum und dahinter liegenden Dünen oder Felsen siedeln vornehmlich Salzpflanzen (Halophyten), die an das salzhaltige Milieu angepasst sind. Am Spülsaum finden sich u. a. Strand-Wolfsmilch (Euphorbia paralias), Meerfenchel (Crithmum maritimum) und Stranddistel (Eryngium maritimum).
Die Salzmarschen und Ufer der Feuchtgebiete in dem an die Bucht von Alcúdia grenzenden Parc natural de s’Albufera de Mallorca sind vornehmlich mit Gliedermelden (Arthrocnemum sp.), Soden und der Stechenden Binse (Juncus acutus) bewachsen.Jo Newbould: Plants of Paths, Marsh and Meadows. Pisces Publications, Newbury 2003, ISBN 1-874357-24-2 Die kilometerlangen Entwässerungskanäle säumt ein dichter Gürtel aus Pfahlrohr (Arundo donax), im Hinterland stehen große Kolonien von Breitblättrigem Klebalant (Dittrichia viscosa).
Auf den kalkhaltigen Plateaus an der Südküste bilden Küstenstrandstern (Pallensis maritima) und Geißkleeartiger Hornklee (Lotus cytisoides) kissenförmige Polster aus. In den Dünen von Cala Mesquida und dem als Naturpark ausgewiesenen Strand Es Trenc sind u. a. Dünen-Trichternarzisse (Pancratium maritimum), Mittelmeer-Strohblume (Helichrysum stoechas) und verschiedene Strandfliederarten anzutreffen. Mancherorts reicht Phönizischer Wacholder (Juniperus phoenicea) bis dicht ans Wasser heran.
Vornehmlich an unbewirtschafteten Stränden bilden sich mitunter meterhohe Ablagerungen von angeschwemmtem Neptungras (Posidonia oceanica). Aus abgestorbenem und zusammengerolltem Material finden sich vielerorts an Stränden tennisballgroße Seebälle. Das wegen der Fähigkeit CO2 zu speichern für das Ökosystem immens wichtige submarine Wassergras (fälschlicherweise oft als Alge bezeichnet) wächst in den balearischen Küstengewässern in großen Kolonien. Ein geschütztes Gebiet von Neptungraswiesen liegt im zwischen Ibiza und Formentera ausgewiesenen Parc Natural de ses Salines, dieser Naturpark ist seit 1999 UNESCO-Weltnaturerbe.
Macchie und Garrigue Jenseits der Küste bedeckt eine teils bis zu fünf Meter hohe Macchie aus vornehmlich immergrünen Sträuchern und Hartlaubgewächsen weite Teile der nicht als Kulturland genutzten Fläche der Insel. Ein typischer Vertreter davon ist die Zwergpalme (Chamaerops humilis), sie steht oberhalb der Küsten und ist auch im Tramuntanagebirge und in der bis zu 561 Meter hohen Serres de Llevant im Bergland von Artà anzutreffen. mini|Zwergpalmen im Naturpark Llevant mini|Wolfsmilchflur bei Cala Figuera
Eine der am weitesten verbreiteten Arten auf Mallorca ist der Diss (Ampelodesmos mauritanicus). Das invasive Süßgras besetzt mitunter zusammenhängende Flächen von mehreren Quadratkilometern und verdrängt dabei zunehmend lokale Arten. Es reicht von der Küste bis auf die Kammhöhen der Serra de Tramuntana hinauf. Eine Bekämpfung der ursprünglich als billige Futterpflanze eingeführten bis zu drei Meter hoch wachsenden Horste erwies sich bislang als wirkungslos.
Besonders artenreich zeigt sich die Garrigue, die außer küstennahen Flächen auch felsige Kammlagen der Serra de Tramuntana besetzt. Die Pflanzen dieser durch Überweidung und Brände entstandenen degradierten Strauchformation werden selten höher als eineinhalb Meter. Hier gedeihen etliche wilde Orchideen, neben der im westlichen Mittelmeerraum weit verbreiteten und auch nördlich der Alpen heimischen Pyramiden-Hundswurz (Anacamptis pyramidalis) auch die endemische Balearen-Ragwurz (Ophrys balearica).
Die Baum-Wolfsmilch (Euphorbia dendroides) bildet an küstennahen Standorten große Kolonien aus, mancherorts ist sie landschaftsprägend. Ein toxischer Milchsaft schützt die sukkulente Pflanze vor Verbiss. Auch verschiedene Affodillgewächse, etwa der auf Mallorca allgegenwärtige Ästige Affodill (Asphodelus ramosus) sind durch einen giftigen Inhaltsstoff für Wild- und Weidetiere unattraktiv. Außer auf Felsfluren steht der Affodill häufig in Olivenhainen und auf Brachflächen.
Relativ selten ist der endemische Balearen-Kreuzdorn (Rhamnus ludovici-salvatoris). Das immergrüne Kreuzdorngewächs ist nach Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich-Toskana benannt, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sich als Chronist Mallorcas einen Namen machte und viel über die mallorquinische Flora zu berichten wusste.Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich: Die Balearen. Verlag Woerl, 2 Bde., Würzburg-Leipzig 1897
Verbreitete Wildblumen und Disteln in Macchie, Garrigue und auf Brachflächen: mini|Weichhaariges Schwefelkörbchen Glöckchen-Lauch (Allium triquetrum) Spanische Golddistel (Scolymus hispanicus) Kronenwucherblume (Glebionis coronaria) Französischer Lavendel (Lavandula dentata) Wilde Malve (Malva sylvestris) Milchfleckdistel (Galactites tomentosus) Illyrische Siegwurz (Gladiolus illyricus) Weichhaariges Schwefelkörbchen (Urospermum dalechampii) Montpellier-Zistrose (Cistus monspeliensis) Weißliche Zistrose (Cistus albidus)
Immergrüner Wald mini|Steineiche bei Cúber Einer der Charakterbäume Mallorcas ist die Steineiche (Quercus ilex). Vor der menschlichen Besiedlung waren weite Teile der Insel mit ausgedehnten Wäldern überzogen. Trotz der in den letzten Jahrhunderten durch Holzeinschlag und Köhlerei stark dezimierten Bestände blieben vornehmlich im Tramuntanagebirge größere zusammenhängende Wälder erhalten. Das Hartlaubgewächs bildet in Lagen zwischen 500 und 1000 Meter einen teils dichten „Steineichengürtel“. Prächtige Bestände stehen z. B. im Gebiet rund um Santuari de Lluc und im Gemeindewald von Bunyola. Die dortigen Waldwege und Rastplätze sind ein beliebtes Ziel für Wanderer.Rolf Goetz: Mallorca – Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen, Bergverlag Rother, München 2024, ISBN 978-3-7633-4618-9, S. 136–137 u. 144–147 Das dichte Kronendach der Steineichen lässt nur wenig Licht hindurch, die Begleitflora fällt von daher weniger artenreich aus. Behaupten können sich u. a. Stechender Mäusedorn (Ruscus aculeatus), Spitzblättriger Spargel (Asparagus acutifolius), Zwergölbaum (Cneorum tricoccon) und das Balearen-Alpenveilchen (Cyclamen balearicum), das ungeachtet seines hübschen Erscheinungsbildes im Mallorquinischen pa porcí (deutsch Schweinebrot) genannt wird. Der Name wird auf die früher häufig in Steineichenwäldern weidenden Schweine zurückgeführt, die außer für Eicheln auch eine Vorliebe für die Knollen des Veilchens entwickelten.Rosa Mejías, Maurici Mus: Auf der Spur der Naturgebiete Mallorcas, Edicions de Turisme Cultural, Palma de Mallorca, S. 22
Die vornehmlich im östlichen Mittelmeerraum anzutreffende Kermeseiche (Quercus coccifera) ist auf Mallorca nur wenig verbreitet.
Der vorherrschende Nadelbaum ist die Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis). Sie steht bevorzugt in Küstennähe, kann jedoch auch bis in Lagen von 1000 Meter hinaufreichen. Die im ganzen Mittelmeerraum vorkommende Konifere wurde auf Mallorca vermutlich im 16. Jahrhundert in großem Stil aufgeforstet, um durch Waldbewuchs besser vor Piratenangriffen geschützt zu sein.Peter Mertz: Mallorca. Tecklenborg Verlag, Steinfurt 2015, ISBN 978-3-939172-85-7, S. 19 Im Unterwuchs der Kiefern stehen u. a. Stech-Wacholder (Juniperus oxycedrus), Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) und verschiedene Zistrosen. mini|Steinfrüchte des Mastixstrauchs