Die Geschichte des Brückenbaus begann in vorgeschichtlicher Zeit mit umgestürzten Bäumen, bewusst platzierten Stämmen, Lianen, Steinen und hölzernen Planken, die als Brücken mit geringer Spannweite kurze Distanzen überwanden, und mündet in der Gegenwart mit vielen kilometerlangen Brücken und mit Hänge- und Schrägseilbrücken, deren Schwingungsdämpfer computergesteuert sind.
Ur- und Frühgeschichte Holzbrücken Alte Holzbrücken haben nirgends die Zeiten überdauert, aber aus der Mittelsteinzeit sind Bohlenwege bekannt, auf denen Sümpfe überquert wurden. Bekannte Beispiele für solche vorgeschichtlichen Moorwege stammen aus den Somerset Levels in England und aus Niedersachsen. In London haben sich bronzezeitliche Brückenreste in der Themse bei Vauxhall erhalten. Reste einer eisenzeitlichen Holzbrücke wurden in La Tène in der Schweiz gefunden.
Keilschrifttexte aus altassyrischer Zeit belegen, dass es in Kleinasien Brücken gab. So gab es eine Brücke in Purušhattum; ein assyrischer Kaufmann zahlte hier eine Maut von 15 Schekel Kupfer pro Esel.Jan Gerrit Dercksen: The old Assyrian copper trade in Anatolia. Nederlands Historisch-Archaeologisch Instituut te Istanbul, Istanbul 1996, S. 11. Eine andere Brücke lag zwischen Šalatuar und Wahušana.Jan Gerrit Dercksen: The old Assyrian copper trade in Anatolia. Nederlands Historisch-Archaeologisch Instituut te Istanbul, Istanbul 1996, S. 13.
In hethitischer Zeit ist eine Brücke bei Tapikka schriftlich belegt. Die Pfeiler am Ufer bestanden aus Stein, die Brücke selber aus Holz.
Die älteste römische Holzbrücke war laut der Überlieferung der im 7. Jahrhundert v. Chr. errichtete Pons Sublicius über den Tiber.
In den regenreichen Regionen Südostasiens, Indiens und in Bangladesch hat es sicher schon früh die leicht zu bauenden Bambusbrücken gegeben. Seit wann die aus Meghalaya in Indien und aus Sumatra in Indonesien bekannten Lebenden Brücken gebaut wurden, ist ebenfalls nicht mehr feststellbar.
SchiffbrückenZur Geschichte der Schiffbrücken siehe Pontonbrücke. hat es ebenfalls schon früh gegeben.In Assyrien und in Babylonien seit dem 9. Jh. v. Chr. (Brockhaus, 15. Auflage, 1929) Herodot berichtet, der persische König Dareios I. sei bei seinem Feldzug gegen die Skythen (513/512 v. Chr.) mit seinem 70.000 Mann starken Heer auf der von ihm befohlenen Schiffbrücke über den Bosporus nach Europa gelangt.Herodot 4,87 Im Laufe desselben Feldzuges habe seine Armee die Donau ebenfalls auf einer Schiffbrücke überquert.Herodot 4,89 Xerxes I. habe (ca. 480 v. Chr.) die Schiffbrücken über den Hellespont, zwei aus jeweils über 300 Schiffen bestehende Brücken, bauen lassen, um die Dardanellen zu überqueren.Herodot 7,36
Steinbrücken mini|Tarr Steps in England, vielleicht aus der Bronzezeit
Steine wurden zuerst in der Form von Trittsteinen zur Überquerung von Bächen verwendet und vermutlich bald zu Steinplattenbrücken weiterentwickelt. Diese sind einfache Brücken aus großen Steinplatten, die lose auf die Ufer oder auf Steinpfeiler gelegt wurden. Beispiele sind die Brücke in LablachèreFoto: :Datei:Pontmegalithique0002.jpg in Frankreich und die Tarr Steps im Exmoor-Nationalpark in England, die möglicherweise aus der Bronzezeit stammen. Solche Steinplattenbrücken (Clapper bridges) wurden jedenfalls seit dem Mittelalter in England und Wales, aber auch in Spanien und Portugal gebaut. Die längste Steinplattenbrücke ist die über zwei Kilometer lange Anping-Brücke, die zwischen 1138 und 1151 in Jinjiang, Provinz Fujian, China gebaut wurde und bis 1905 die längste Brücke Chinas war.
Der Bau von Steinbogenbrücken begann mit Kragbogenkonstruktionen. Die Brücken von Arkadiko auf dem Peloponnes, die von den Mykenern um 1300 v. Chr. zur Verbindung mit der Küste errichtet wurden, sind die ältesten erhaltenen Steinbogenbrücken Griechenlands und vielleicht sogar der Welt. Sie werden noch heute genutzt.Mycenaean bridge at Kazarma by the Hellenic Ministry of Culture
Römische Antike
Der echte Bogen wurde schon im Alten Ägypten verwendet, so in einer der Pyramiden von Meroe, bei einem Portal zu einer Pyramide am Jebel Barkal und in einem Gewölbe in einem der Bauwerke von Amenophis I. Mindestens je einmal fand er auch bei den Griechen (beim Steg von Rhodos) und den Etruskern (in der Porta all’Arco in Volterra) Anwendung; er erlangte in diesen Kulturen aber noch keine große Verbreitung.
Rundbogenbrücken mini|Pons Fabricius, die älteste erhaltene Brücke in Rom (errichtet 62 v. Chr.) mini|Die monumentale Brücke von Alcántara in Spanien
Steinbrücken mit echten Rundbögen wurden erst von den Römern entwickelt und im Zuge der für Militär und Handel notwendigen Verkehrswege quer durch das Reich in großer Zahl errichtet. Es waren meist Brücken mit mehreren schweren Rundbögen auf massiven, dicken Pfeilern, gelegentlich aber auch mit nur einem schlanken Bogen hoch über Gebirgsflüsse. Einige davon sind erhalten. Die Römer verwendeten beim Bau der Brücken häufig bereits Opus caementicium, einen Vorläufer des Betons, wodurch deren Belastbarkeit erhöht werden konnte. Die erste steinerne Bogenbrücke in Rom, der Pons Aemilius, wurde 142 v. Chr. gebaut. Im Jahr 115 v. Chr. wurde in Rom die hölzerne Milvische Brücke am Beginn der Via Flaminia mit steinernen Pfeilern verstärkt. Die Ponte dell’Abbadia wurde 90 v. Chr. zwischen den etruskischen Städten Vulci und Tarquinia im Latium gebaut. Der 62 v. Chr. errichtete Pons Fabricius ist die älteste erhaltene Brücke Roms, die Engelsbrücke wohl die berühmteste.
Im französischen Apt überspannt der etwa 70 m lange Pont Julien, eine um 3 v. Chr. erbaute Römerbrücke, den Calavon. Auch in Vaison-la-Romaine überbrückt in 12 m Höhe und mit einer Spannweite von 17,2 m ein Bauwerk der Römer, der Pont Romaine, den Fluss Ouvèze.
Die berühmteste Römerbrücke dürfte die Brücke von Alcántara sein, die 98 bis 106 n. Chr. von Gajus Julius Lacer vollständig aus Granit und ohne Verwendung von Mörtel erbaut wurde. Die Brücke führt mit einer Länge von 188 m und einer Breite von 8 m über den Fluss Tajo. Der maximale Pfeilerachsabstand beträgt 34 m bzw. 36 m in den beiden Mittelbögen. Die längste noch erhaltene Römerbrücke ist wohl die über 700 m lange Puente Romano in Mérida, die den Guadiana mit 62 Bögen überquert.
Segmentbogenbrücken Die Römer begannen schon bald, den Halbkreis des Rundbogens zu verkürzen und den so entstehenden Segmentbogen seitlich abzustützen. Bei einer aus nur einem Bogen bestehenden Segmentbogenbrücke zwischen Felswänden können die seitlichen Kräfte vergleichsweise leicht in die Uferwände abgetragen werden; deutlich schwieriger auszuführen sind Segmentbogenbrücken mit mehreren Bögen, die sich auf den Pfeilern gegenseitig abstützen. Eine der ersten Segmentbogenbrücken überhaupt ist die in Padua unter moderner Bebauung verborgene Ponte San Lorenzo, die sich obendrein durch ihre ungewöhnlich schlanken Pfeiler auszeichnet, deren Stärke lediglich ein Achtel der Spannweite misst. Die um die Zeitenwende errichtete Pont Saint-Martin im Aostatal ist ebenfalls ein frühes Beispiel einer Segmentbogenbrücke und zählt in jeder Hinsicht zu den spektakulärsten Römerbrücken; ihre dünne Bogenrippe misst lediglich 1/34 des Pfeilerdurchmessers. Weitere römische Segmentbogenbrücken sind die bis ins Hochmittelalter in Betrieb gewesene Puente de Alconétar über den Tajo und die Brücke bei Limyra in der Südtürkei, die mit einer durchschnittlichen Pfeilhöhe von 5,3 zu 1Wurster & Ganzert (1978), S. 288–307. wohl bis ins Spätmittelalter die am flachsten gespannte Steinbogenbrücke der Welt blieb.
Spitzbogenbrücken Eine der ersten Brücken mit einem Spitzbogen war die spätrömische Karamagara-Brücke (5./6. Jh.) in der Osttürkei; sie ist in der Keban-Talsperre untergegangen.Galliazzo (1995), S. 92 f.(Abb. 39)
mini|hochkant=1|Die Teufelsbrücke, eine römische Aquäduktbrücke bei Tarragona (Spanien) aus dem 1. Jh. n. Chr.
Aquädukte Die Aquäduktbrücken Pont du Gard, von Tarragona und von Segovia zeugen ebenfalls vom hohen Stand römischer Brückenbaukunst bei der Wasserversorgung.
Holzbrücken Die Römer bauten außerdem große Holzbrücken, zum Teil als Jochbrücken, oft auch mit Steinpfeilern und einer Holztragwerkskonstruktion. Beispiele aus Deutschland sind die Rheinbrücken bei Mainz, bei Köln und bei Xanten sowie die Flussübergänge in Koblenz und die erhaltene Römerbrücke in Trier. Zu den bekanntesten Brücken dieser Epoche dürfte die von Militärpionieren in nur zehn Tagen errichtete Rheinbrücke des Caesar bei Neuwied zählen.
Die Trajansbrücke, die auf Steinpfeilern mit hölzernen Segmentbögen über die untere Donau führte, war über tausend Jahre sowohl hinsichtlich ihrer Gesamtlänge als auch ihrer Bogenspannweiten die längste Brücke der Welt.
Liste römischer Brücken Die Liste römischer Brücken enthält eine möglichst umfassende und mit Bildern versehene Aufzählung antiker Brücken aus dem sich quer über Europa bis nach Nordafrika und in den vorderen Orient erstreckenden Römischen Reich. Die Ausdehnung dieses Reiches mag illustriert werden durch die Ponte Romana in Chaves (Portugal), die Brücke über den Sebcha Halk el MenzelFoto: Brücke über den Sebcha Halk El Menzel bei Hergla in Tunesien und die Brücke in Mopsuestia über den Pyramos, den heutigen Ceyhan nicht weit von Adana in der Türkei.
Mittelalter
mini|links|Puente la Reina (11. Jh.) auf dem Jakobsweg
Steinbogenbrücken Mit dem Zerfall des Römischen Reiches entfiel der Bedarf an Verkehrswegen. Zahlreiche antike Brücken, die durch Hochwasser, Eis und laufende Belastung beschädigt wurden, verfielen, mit wenigen Ausnahmen in den maurischen Gebieten wie der Römerbrücke in Córdoba, die mit 16 Bögen den Guadalquivir überspannt, und die Puente Romano über den Guadiana in Mérida. Man begnügte sich im frühen Mittelalter in der Regel mit Holzbrücken, die aber häufig durch Hochwasser zerstört wurden. Zu den wenigen neu gebauten Steinbrücken zählten die im 11. Jahrhundert über den Arga am Jakobsweg gebaute Puente la Reina und die Drususbrücke über die Nahe bei Bingen am Rhein.
mini|Steinerne Brücke in Regensburg (Mitte 12. Jh.) Steinbogenbrücken wurden im größeren Maße erst wieder ab dem 12. Jh. errichtet. Große Pilgerströme, deren Menschenmassen den Brückenbau erforderlich machten, zogen durch Europa, teils auf dem Weg ins Heilige Land, teils auf dem Weg nach Santiago de Compostela und zu anderen Orten, an denen Reliquien aus dem Heiligen Land verehrt wurden. Die 16-bogige Steinerne Brücke in Regensburg (336 m lang) war der Ausgangspunkt des Zweiten Kreuzzugs auf dem Weg nach Jerusalem (1147).
Ebenfalls im 12. Jahrhundert wurde in Besalú an den spanischen Pyrenäen die Pont Vell errichtet, eine eigenwillig gewinkelte Bogenbrücke über den Río Fluvià, die noch stark an römische Vorbilder erinnert. Zwischen 1158 und etwa 1170 entstand die erste Prager Steinbrücke, die Judithbrücke (Juditin most), die Vorläuferin der Karlsbrücke. Etwa zur gleichen Zeit wurde in Rouen die Pont de Pierre über die Seine gebaut. In den Jahren 1176–1209 wurde die London Bridge mit 19 steinernen Spitzbögen und einer Zugbrücke als Durchfahrt erneuert. Mit der Dresdner Brücke wurde erstmals eine steinerne Brücke über die Elbe gebaut. 1223 wurde die Werrabrücke Creuzburg fertiggestellt.
mini|links|Werrabrücke Creuzburg Im 13. Jahrhundert wurde die hölzerne Brücke über die Rhone bei Avignon durch den berühmten Pont Saint-Bénézet ersetzt, eine steinerne Bogenbrücke mit 21 Bögen, von denen seit einer Flut im Jahr 1660 heute nur noch vier Bögen erhalten sind. Diese Brücke hat erstmals elliptische Bögen, die erst wesentlich später wieder verwendet wurden. Im Jahr 1230 ließ der Bischof von Lorenzo bei Ourense die Ponte Vella,Foto: Ponte Vella, Orense eine Bogenbrücke über den Río Miño, erbauen.
mini|Pont Saint-Bénézet in Avignon