80 Plus ist ein österreichisch-deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2024 von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl mit Margarethe Tiesel als Toni und Christine Ostermayer als Helene. In Deutschland wird die Tragikomödie auch unter dem Titel Toni und Helene geführt.
Handlung Helene Hochstetter war früher eine gefeierte Theaterschauspielerin und lebt mittlerweile mit 86 Jahren zurückgezogen in einer Seniorenresidenz. Aufgrund der Diagnose einer unheilbaren Krankheit hat sie sich in der Schweiz einen Termin organisiert, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Allerdings kann Helene nicht mehr selbst ihren Oldtimer fahren und ihr Neffe Josef, ein konservativer Politiker, verweigert ihr die Unterstützung als Chauffeur für die letzte Reise. Josef will sie entmündigen lassen. Ein Flug kommt wegen Flugangst nicht infrage, mit dem Zug möchte sie nicht fahren, weil sie teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen ist.
Die frühere Krankenpflegerin Toni Leitner muss sich nach einem Sturz vorübergehend in Helenes Seniorenresidenz erholen, Toni und Helene werden dort Zimmernachbarinnen. Bald sitzen die beiden im Oldtimer und fahren in die Schweiz. Was Helene zunächst nicht weiß, ist, dass Toni keinen Führerschein hat. Bei einer Polizeikontrolle gibt Helene daher an, dass sie gefahren sei. Auf der Fahrt werden sie von Josef verfolgt, der seine Tante davon abbringen möchte, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.
Unterwegs kommen auch Toni Bedenken, als ihr Helene eröffnet, dass sie die Behandlung verweigert hat. Toni raucht und trinkt, während Helene abstinent lebt. Toni wirft Helene vor, dass sie keinen Spaß versteht. Helene schlägt daraufhin vor, ein paar Tage länger in der unterwegs aufgesuchten Unterkunft zu bleiben und die Zeit zu genießen. Toni redet auf Helene ein, es sich doch noch einmal zu überlegen. Helene möchte jedoch keine Chemotherapie und Operationen mehr. Ihre beste Freundin sei elend zugrunde gegangen und habe sie angefleht, sie zu erlösen. Helene konnte ihr nicht helfen und hatte sich damals für die Sterbehilfe angemeldet.
An der Schweizer Grenze werden die beiden angehalten, weil Helene als vermisst gemeldet wurde. Mit der Ausrede, dringend Tabletten aus dem Fahrzeug zu benötigen, begeben sich die beiden auf die Flucht. Den Oldtimer bringen sie in eine Werkstatt zur Generalüberholung und leihen sich stattdessen ein Elektroauto.
In Zürich treffen sie sich mit Thea König, Helenes früherer Schauspielschülerin. Als Thea erfährt, dass Helene zur Sterbehilfe in die Schweiz gekommen ist, ist sie entsetzt. Toni lotst Thea und Helene in eine Diskothek und erleidet beim Tanzen einen Schwächeanfall. Am nächsten Morgen findet Helene Toni am Boden liegend in ihrem Hotelzimmer. Die zu Hilfe gerufene Ärztin Dr. Brücker diagnostiziert bei Toni eine akute Herzinsuffizienz. Helene ruft daraufhin Ferdinand, den Sohn von Toni, an, der seine Mutter nach Hause holen möchte.
Mittlerweile hat Josef die beiden in ihrem Hotel ausfindig gemacht. Die von ihm gerufenen Polizisten sehen jedoch keinen Grund, die beiden festzunehmen. Diese besuchen danach Theas Generalprobe, wo Helene für ihr Lebenswerk geehrt wird. Bei der Feier würdigt sie Toni auf der Bühne dafür, dass sie ihren Sohn allein großgezogen, ein schwieriges Leben gemeistert und das Beste daraus gemacht hat.
Veröffentlichung Der Film wurde am 7. August 2024 in Wien im Rahmen von Kino am Dach gezeigt. Der österreichische Kinostart war am 3. Oktober 2024.
In Deutschland wurde der Film unter dem Titel Toni und Helene ab dem 4. September 2024 auf dem Fünf Seen Filmfestival gezeigt und kam am 5. Dezember 2024 in die deutschen Kinos.
Auf ORF 2 wurde der Film am 18. Juni 2026 anlässlich der Verleihung des Österreichischen Filmpreises erstmals ausgestrahlt.
Produktion und Hintergrund Die Dreharbeiten fanden unter dem Arbeitstitel Achtzig Plus an 32 Drehtagen vom 22. Mai bis zum 7. Juli 2023 in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt, gedreht wurde in Wien, Niederösterreich, Tirol, Zürich und Bayern. Drehorte war unter anderem Gloggnitz sowie die Dolomitenhütte, der Schleierfall in Kals am Großglockner und St. Jakob in Defereggen.
Produziert wurde der Film von der österreichischen Orbrock Filmproduktion (Produzent Ulrich Gehmacher) und der deutschen Tivoli Film Produktion der Produzenten Gerald Podgornig und Thomas Hroch, die Serviceproduktion in der Schweiz übernahm die Hugofilm Productions (Service Producer Christof Neracher). Den Verleih übernahm in Österreich Filmladen.
Unterstützt wurde der Film von der Filmförderungsanstalt, dem FilmFernsehFonds Bayern, Cine Tirol, dem Österreichischen Filminstitut, dem Filmfonds Wien und der Kulturförderung des Landes Niederösterreich, beteiligt war der Österreichische Rundfunk.
Die Kamera führte Anna Hawliczek, die Musik schrieb Dirk Reichardt, die Montage verantwortete Benedikt Rubey und das Casting Marion Elisabeth Rossmann und Angelika Kropej. Den Ton gestaltete Benedikt Palier, das Kostüm- und Szenenbild Andreas Donhauser und Renate Martin und die Maske Germaine Mouth und Barbara Spenner. Als Green Film Consultant fungierte Marion Rossmann.
Laut Produzent Gerald Podgornig war dies für Hauptdarstellerin Christine Ostermayer der letzte Film ihrer Schauspielkarriere.
Im Film wurden Szenen aus Die schwarze Sonne (1968) Was ihr wollt (Salzburger Festspiele 1973) Viel Lärm um nichts (1976) Faus (Wiener Festwochen 1982) Der Talisman (Salzburger Festspiele 1976) Anfang 80 Die Notlüge verwendet.
Musik Sommernacht – Tanz den Takt (NHOAH ft. Mello1) Klaviersonate Nr. 21 (Beethoven) Klaviersonate Nr. 13 (Mozart) Klaviersonate Nr. 17 (Mozart) Sakura Serenity – Yat Fung Wong Mojito Relaxo – Jessica Charlotte Dannheisser Big Star – Emily Lynn Jalving, Marc Ferrari, Wendy Ellen Feldstein Tchip Tchip – Thomas Werner, Terry Rendall
Rezeption Kritiken Dieter Oßwald meinte auf programmkino.de, dass diese Komödie mit geschliffenen Dialogen kontinuierlich gut punkten könne. Die kurzweilige Dramaturgie gelinge nicht zuletzt wegen der beiden Hauptfiguren, die bei all ihrer amüsanten Schrulligkeit immer psychologisch plausibel blieben und deren Liebenswürdigkeit für hohe Empathie-Werte sorge. Mit erstaunlicher Leichtigkeit gehe es an Themen von existenzieller Bedeutung wie Alter, Würde und Sterbehilfe.
Oliver Armknecht vergab auf film-rezensionen.de 6 von 10 Punkten. Auch wenn die Roadmovie-Komödie über weite Strecken ausgetretenen Pfaden folge sei der Film amüsant und stimme mit einem schönen Einfall zum Schluss versöhnlich.
Andreas Köhnemann bewertete den Film auf kino-zeit.de mit vier von vier Sternen. Dieser verzichte auf die ganz große Dramatik im Stil von Thelma & Louise (1991) ganz bewusst und beweise stattdessen, dass sehr viel Können vonnöten ist, um mit Leichtigkeit schwere Themen zu behandeln. Christine Ostermayer und Margarethe Tiesel legten in ihren glaubhaft gezeichneten Figuren reichlich Spielfreude an den Tag, das Drehbuch liefere den erforderlichen Wortwitz.
Auszeichnungen Österreichischer Filmpreis 2025: Auszeichnung als publikumsstärkster Kinofilm 2026: Austrian Ticket für mehr als 75.000 Kinobesucher
Siehe auch Now or Never (2019)
Weblinks
80 Plus auf filmladen.at 80 Plus auf tivolifilm.tv
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2024 Kategorie:Österreichischer Film Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Roadmovie Kategorie:Sterbehilfe im Film