mini|400px|Animierte Darstellung des Verlaufs der russischen Invasion in der Ukraine ab dem 24. Februar 2022

Diese Chronik stellt eine Übersicht zur Chronologie des russischen Überfalls auf die Ukraine von Anfang März 2024 bis Ende Juli 2024 dar.

Hinweis: Aussagen zum Kriegsverlauf während einer kriegerischen Auseinandersetzung sind aufgrund der kriegsbedingt nicht herstellbaren Objektivität und der sowohl politisch beschränkten als auch oft gelenkten Informationsfreigabe beider Seiten in der Regel unüberprüfbar. Auch seriös klingende Vermutungen sind aufgrund der Nachrichtenlage in der Regel weder von inneren Überzeugungen der Beitragenden noch von vorsätzlich betriebener Meinungs- und Medienbeeinflussung unterscheidbar.

März 2024 1. März Der russische Auslandssender RT veröffentlichte über seine deutschsprachige Sparte RT DE eine Aufzeichnung eines im Februar 2024 stattgefundenen und abgehörten vertraulichen Gesprächs zwischen dem Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, dem Brigadegeneral Frank Gräfe und zwei weiteren Offizieren zum Thema Marschflugkörper Taurus und dessen möglichem Einsatz im Russisch-Ukrainischen Krieg.

2. März mini|Wohngebäude in Odessa nach dem Angriff

Laut ukrainischen Angaben wurden bei einem russischen Drohnenangriff auf die Großstadt Odessa 12 Zivilisten getötet und 18 Wohnungen zerstört.

Der britische Militärnachrichtendienst berichtete, dass die russischen Streitkräfte aufgrund des Abschusses eines A-50-Aufklärungsflugzeuges entschieden haben, vorerst keine A-50 mehr einzusetzen, bis geklärt sei, wie die ukrainische Flugabwehr überwunden werden kann. Laut dem britischen Nachrichtendienst gibt es mit dem Verzicht auf den Einsatz von A-50-Aufklärungsflugzeugen Defizite in der Aufklärung bzw. bei der Lagebeurteilung.

3. März Der britische Militärnachrichtendienst schätzte, dass im Februar 2024 pro Tag 983 russische Soldaten getötet oder verletzt wurden, und erklärte, dass die russischen Streitkräfte in keinem Monat seit Beginn des Krieges so hohe Verluste zu beklagen hatten (28.507 bei 29 Tagen). Die hohe Durchschnittszahl spiegele wider, dass Russland sich einem Massen- und Abnutzungskrieg verschrieben habe, sagte der Dienst. Das koste zwar viele Menschenleben, habe aber den Druck auf die ukrainischen Stellungen entlang der Front erhöht. Der Nachrichtendienst bezifferte die russischen Personalverluste in der Ukraine seit Februar 2022 auf 355.000 (einschließlich Verwundete).

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe sind Einsätze der russischen Luftwaffe über der Ostukraine merklich zurückgegangen: „Die von westlichen Partnern zur Verfügung gestellten Abwehrmittel zeigen Wirkung.“

4. März Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR gab bekannt, für die am selben Tag erfolgte Sprengung einer Eisenbahnbrücke über den Wolga-Nebenfluss Tschapajewka in der russischen Oblast Samara verantwortlich zu sein. Der HUR erklärte, Russland habe die Bahnstrecke genutzt, „um militärisches Material zu transportieren, insbesondere Sprengstoff, der in der Polymer-Fabrik in der Stadt Tschapajewsk hergestellt wurde“.

5. März mini|Videoaufzeichnungen der Zerstörung der Sergei Kotow Nach ukrainischen Angaben wurde die russische Korvette Sergei Kotow nahe der Krim durch Drohnenboote versenkt. Die ukrainische Luftabwehr zerstörte nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe 18 von 22 angreifenden russischen Drohnen in der Oblast Odessa. Die Ukraine kündigte an, ab 2025 den Transit von russischem Gas nach Europa nicht mehr zu gestatten.

6. März Russland zerstörte zum ersten Mal ein ukrainisches HIMARS-System durch eine Iskander-Rakete. Die Vereinigten Staaten haben der Ukraine bislang 39 Systeme zur Verfügung gestellt. Während eines Treffens des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis in Odessa wurde die südukrainische Hafenstadt ukrainischen Angaben zufolge von Russland mit Raketen beschossen, dabei wurden fünf Menschen getötet.

7. März Bei einem russischen Raketenangriff auf die nordukrainische Stadt Sumy wurden nach ukrainischen Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt.Ukraine-Liveblog: Tschechien will 800.000 Schuss Munition liefern www.tagesschau.de, 7. März 2024. Im Stahlwerk Severstal in der nordrussischen Stadt Tscherepowez, ca. 900 km Luftlinie von der Grenze zur Ukraine entfernt, schlug nach Angaben des Gouverneurs der Oblast Wologda eine Drohne nahe einem Hochofen ein. Niemand sei verletzt, der Hochofen nicht beschädigt worden. Hinweise auf eine Herkunft der Drohne aus der Ukraine gab er nicht.

Laut dem tschechischen Präsidenten Petr Pavel hat Tschechien ausreichend Zusagen erhalten, um den Kauf von 800.000 Artilleriegranaten für die Ukraine aus sogenannten Drittstaaten außerhalb der EU finanzieren zu können. An der Initiative wollen sich 18 Staaten beteiligen, darunter Deutschland mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Bereits in den nächsten Wochen solle die Munition in der Ukraine eintreffen. Laut Financial Times hatte Tschechien 1,5 Milliarden US-Dollar (1,37 Milliarden Euro) für den Kauf zusammenbringen wollen. Infolge des Ukrainekrieges wurde nach Finnland im Jahre 2023 am 7. März 2024 auch Schweden als 32. Staat Mitglied der NATO.Zeit.de: Schweden ist jetzt offiziell Mitglied der NATO, 7. März 2024.

8. März Der ukrainische Staatspräsident unterschrieb ein Dekret, das an der Front dienenden Wehrpflichtigen, die bereits vor dem Überschreiten der Grenze durch russische Truppen im Februar 2022 zum Militärdienst eingezogen wurden, für eine längere Pause eine Versetzung in die Reserve ermöglicht. Die indischen Behörden berichteten von Gesprächen mit der russischen Regierung über die Rückkehr indischer Staatsbürger, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Arbeit für die russische Armee gebracht worden seien. Man habe Maßnahmen gegen ein Agentennetzwerk eingeleitet, von dem Männer unter dem Vorwand nach Russland gelockt worden sein sollen, sie bekämen dort Arbeit. Die Männer seien für den Kampf trainiert und gegen ihren Willen an Stützpunkten an der Front eingesetzt, einige von ihnen schwer verletzt worden.

Russland und die Ukraine meldeten jeweils die Abwehr dutzender Drohnen bei gegenseitigen Angriffen. In der Ukraine wurden mehrere Zivilisten durch russische Drohnen- und Raketenangriffe getötet.

9. März Die ukrainischen Streitkräfte konnten nach eigenen Angaben ihren Brückenkopf am südlichen Ufer des Dnipro bei Cherson ausweiten. Ukrainische Truppen hatten schon vor Monaten Brückenköpfe am südlichen Dnipro-Ufer errichtet; diese sollten zu einem späteren Zeitpunkt möglichst als Startpunkte für eine Offensive in Richtung Krim genutzt werden. Russische Versuche, diese Brückenköpfe einzudrücken, scheiterten bisher. Bei russischem Artilleriebeschuss wurden nach ukrainischen Angaben zwei Menschen getötet, ein 16-Jähriger in Tscherwonohryhoriwka am Dnipro-Ufer gegenüber dem von der russischen Armee besetzten Kernkraftwerk Saporischschja und ein weiterer Mensch in Tschassiw Jar in der Oblast Donezk.

In der Nacht wurde der russische Militärflugplatz Taganrog, an dem das Stammwerk des Flugzeugherstellers Berijew angeschlossen ist, von einer Salve mehrerer ukrainischer Drohnen angegriffen. In dem Werk soll nach ukrainischen Angaben mindestens ein Frühwarnflugzeug des Typs Berijew A-50, das sich dort zur Wartung befand, zu Schaden gekommen sein;British intelligence tells how attack on aircraft factory in Taganrog, where A-50 is being repaired, affected Ukrainian news (ukranews.com), 12. März 2024. Dies wäre schon das dritte Flugzeug dieses Typs innerhalb weniger Wochen, das beschädigt oder zerstört wurde.

10. März In der russischen Oblast Kursk stürzte nach Angaben des Gouverneurs eine ukrainische Drohne ab und setzte ein Öllager in Brand. In den Oblasten Leningrad und Nowgorod wurden nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums drei ukrainische Drohnen zerstört.

Der Befehlshaber der russischen Kriegsmarine Nikolai Jewmenow wurde nach einem offiziell unbestätigten Bericht der Iswestija in den Ruhestand versetzt und durch Alexander Moissejew ersetzt, den bisherigen Befehlshaber der Nordmeerflotte. Ein Grund für die Ablösung wurde von der Zeitung nicht genannt. Zuletzt hatte die russische Schwarzmeerflotte aber erhebliche Verluste an Kampfschiffen durch Angriffe ukrainischer Raketen und Seedrohnen erlitten; wegen dieser Bedrohung hatten sich die russischen Marineeinheiten weitgehend von der Krim zurückgezogen.

Ein Gericht in Moskau verurteilte einen Studenten laut einem Bericht von RIA Novosti zu zehn Tagen Haft, weil er sein WLAN in „Slawa Ukraini“ umbenannt hatte, ein Kampfruf der ukrainischen Streitkräfte („Ruhm der Ukraine“).

12. März Die Ukraine meldete einen russischen Angriff auf die Großstadt Krywyj Rih: Dieser habe drei Menschen getötet und mindestens 36 Menschen verletzt.

In der Nacht zum 12. März drangen die Legion Freiheit Russlands, das Russische Freiwilligenkorps und das Sibirische Bataillon von der Ukraine aus in die russischen Grenzregionen Belgorod und Kursk vor und griffen russische Soldaten an.Bedrettin Bölükbasi: Russische Partisanen greifen Putin-Armee an und drohen mit Sturz des Regimes – Kreml reagiert. In: fr.de. 12. März 2024, abgerufen am 12. März 2024.Legion „Freiheit Russlands“, RDK und „Sibirisches Bataillon“ dringen in russische Regionen Kursk und Belgorod ein. In: ukrinform.de. 12. März 2024, abgerufen am 12. März 2024. Das russische Verteidigungsministerium gab an, dass 234 ukrainische Kämpfer beim Versuch des Eindringens in russische Grenzregionen getötet und sieben Panzer und fünf gepanzerte Fahrzeuge zerstört worden seien. In Russland wurden eine Raffinerie in Kstowo und ein Tanklager in Orjol Ziel eines Drohnenangriffs. Außerdem geriet in der russischen Oblast Rjasan südlich von Moskau nach Angaben des dortigen Gouverneurs nach einem ukrainischen Drohnenangriff eine Ölraffinerie in Brand, mehrere Menschen seien verletzt worden. Das russische Verteidigungsministerium meldete 25 feindliche Drohnen und sieben Raketen, die in den russischen Luftraum eingedrungen seien.

Die US-amerikanische Regierung gab bekannt, Militärtechnik im Wert von 300 Millionen US-Dollar an die Ukraine zu liefern.

13. März Die EU-Mitgliedstaaten einigten sich auf eine Fortsetzung der gemeinsamen Finanzierung von militärischer Ausrüstung im Wert von mindestens fünf Milliarden Euro für die Ukraine.

Nach ukrainischen Angaben wurden in der Stadt Sumy durch russischen Raketenbeschuss eines Wohnhauses eine Person getötet und acht verletzt. 15 Wohnungen wurden dabei völlig zerstört und 15 weitere beschädigt. In der Kleinstadt Myrnohrad wurden nach Angaben des Gouverneurs der Oblast Donezk zwei Menschen durch nächtlichen Beschuss getötet und weitere fünf verletzt. Am 13. März griff eine ukrainische Drohne die Raffinerie in Nowoschachtinsk an. Bei der bereits getroffenen Raffinerie in Rjasan betrug der Produktionsausfall 70 Prozent.kommersant.ru/doc/6563571 Von September bis November 2023 hatte in Russland ein Verbot von Kraftstoffexporten gegolten, ab März 2024 wurde dieses Exportverbot für den Zeitraum bis August wiedereingeführt.kommersant.ru/doc/6564150

15. März mini|Odessa am 15. März 2024

Die Kommission des UN-Menschenrechtsrates zu Kriegsverbrechen in der Ukraine berichtete, sie habe weitere Belege dafür gesammelt, dass Russland ukrainische Kriegsgefangene systematisch und in großem Ausmaß foltere. In einem Bericht dokumentierte die Kommission Vergewaltigungsdrohungen und Elektroschocks an Genitalien; einige ukrainische Gefangene seien in russischem Gewahrsam so hungrig, dass sie Seife, Würmer und Hundefutterreste äßen.