Das Haus Liechtenstein zählt zu den ältesten Adelsfamilien Österreichs, den sogenannten „Apostelgeschlechtern“. Um 1136 wird mit Hugo von Liechtenstein erstmals ein Träger dieses Namens erwähnt. Im Jahr 1608 in den Rang von Reichsfürsten erhoben, gelang der Familie 1719, nach dem den Kauf der reichsfreien Territorien Schellenberg und Vaduz der Aufstieg zu einem regierenden Haus mit Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat des Heiligen Römischen Reichs. Mit dessen Erlöschen im Jahr 1806 wurde ihr Fürstentum Liechtenstein souverän. Es war zunächst Mitglied des Rheinbunds und seit dem Wiener Kongress 1814/1815 des Deutschen Bunds. Da die Familie vor allem innerhalb der Österreichischen Erblande begütert war, verlegte sie ihren Hauptsitz erst 1938, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, in das nach ihr benannte Fürstentum am Alpenrhein. Das Haus, das bis heute die Landesfürsten stellt, zählt über hundert Mitglieder, von denen nur ein kleiner Teil im Fürstentum lebt.

Herkunft mini|Burg Liechtenstein in Niederösterreich, südlich von Wien, ist der namensgebende Stammsitz der Familie.

Der Name Liechtenstein stammt von der um 1130 erbauten Burg Liechtenstein in Maria Enzersdorf südlich von Wien. Der Stammvater Hugo von Liechtenstein wird 1133–42 als huc de lihtensteine erwähnt.Jakob von Falke: Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein. Band 1, Wien 1868, S. 16 ff. Er soll um 1122–36 die Burg Liechtenstein auf einem Lehen erbaut haben, das er von den Babenbergern erhalten hat. Er besaß schon zuvor die beiden etwa 10 km südlich bei Baden liegenden Burgen Leesdorf und Weikersdorf, nach denen er in früheren Urkunden ebenfalls benannt ist. Hugo war wohl ursprünglich als edelfreier Gefolgsmann des Markgrafen Diepold III. von Vohburg und Cham (aus dem Hause der Diepoldinger-Rapotonen) nach Österreich gekommen und hatte von diesem die Herrschaft Petronell als Lehen erhalten, die sich 45 km weiter östlich, an der Donau zwischen Wien und Preßburg, nahe der damaligen Grenze zum Königreich Ungarn, befand. Sie erstreckte sich von der Donau im Norden bis zur Burg Rohrau an der Leitha im Süden. Nachdem Hugo diesen Lehnsbesitz 1142 zu freiem Eigen übertragen bekommen hatte, nannte er sich auch Hugo von Petronell. Petronell und Rohrau wurden im Hochmittelalter zu Hauptsitzen der Liechtensteiner.

Im Herzogtum Österreich war es dem böhmischen Königssohn und späteren König Ottokar II. Přemysl, der die Babenbergerin Margarete von Österreich geheiratet hatte, nach dem 1246 erfolgten Aussterben der Babenberger im Mannesstamm gelungen, vorübergehend die Macht zu übernehmen. Die historisch belegbare Ahnenreihe der österreichischen Adelsfamilie Liechtenstein beginnt mit Heinrich I. von Liechtenstein († 1265), der 1249 die Herrschaft Nikolsburg in Südmähren von Ottokar II., den er politisch unterstützte, als freies Eigentum geschenkt erhielt. Diese Schenkung war für die Geschichte der Liechtensteiner von großer Bedeutung, weil die Familie hierdurch neben ihren Besitzungen in Niederösterreich namhaften Besitz im Gebiet der böhmischen Länder erhielt, die erst 1526 an die Habsburger gelangten.

Heinrichs I. Sohn Heinrich II. stellte sich allerdings, als der römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg die Legitimität von Ottokars II. Herrschaft in Österreich bestritt, auf die Seite des Habsburgers, der 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen siegreich blieb. In der Folge waren die Liechtensteiner bis 1918 zumeist treue Verbündete der Habsburger und wurden für ihre Loyalität entsprechend belohnt.

Geschichte mini|Schloss Feldsberg, Tschechien, bis 1938 Hauptresidenz der Fürsten, 1946 enteignet mini|Schloss Eisgrub, Tschechien, 1946 enteignet mini|Gartenpalais Liechtenstein in der Wiener Vorstadt Roßau, heute im 9. Bezirk, um 1759 / 1760 von Canaletto gemalt mini|Stadtpalais Liechtenstein in Wien, 1. Bezirk mini|Schloss Wilfersdorf, Landsitz des Fürsten in Niederösterreich mini|Schloss Vaduz, Fürstentum Liechtenstein, seit 1938 offizielle Residenz der Fürsten

13. bis 16. Jahrhundert Im 13. Jahrhundert teilte sich die Familie in die Liechtensteiner, die Rohrauer und die Petroneller Linie. Die beiden letztgenannten Linien starben aber schon in der nächsten Generation im Mannesstamm aus; ihre Erbinnen heirateten in andere Familien ein, wodurch den Liechtensteinern umfangreiche Grundherrschaften verloren gingen. So fielen um 1295 die Stammburg Liechtenstein und die Burg Rohrau mit ihren Ländereien und Untertanen an die Herren von Stadeck und 1306 die Burg Petronell an die Herren von Kranichberg.

Die Bedeutung der Herrschaft Nikolsburg sollte sich 1394 erweisen, als Johann I. von Liechtenstein (Hans von Liechtenstein zu Nikolsburg und Feldsberg), der während fast 30 Jahren als Hofmeister die Regierungsgeschäfte von Herzog Albrecht III. von Österreich geführt hatte, in Ungnade fiel und gemeinsam mit seiner Familie gezwungen wurde, auf einen Teil ihrer Besitztümer zu verzichten, vor allem auf jene südlich der DonauOb Johann I. von Liechtenstein tatsächlich nur ein Opfer der machtpolitischen Bestrebungen der Habsburger-Dynastie wurde, ist nicht gesichert; die konkreten Gründe für seinen Sturz sind jedenfalls in der wissenschaftlichen Forschung bisher nicht geklärt. Dazu Christian Lackner: Aufstieg und Fall des Hans von Liechtenstein zu Nikolsburg im 14. Jahrhundert. In: Jan Hirschbiegel (Hrsg.): Der Fall des Günstlings. Hofparteien in Europa vom 13. bis zum 17. Jahrhundert. 8. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Stadt Neuburg an der Donau, der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und dem Deutschen Historischen Institut Paris in Neuburg an der Donau, 21.–24. September 2002. Ostfildern 2004, S. 251–262.. In den folgenden Jahrzehnten bemühte sich die Familie, den niederösterreichischen Besitz durch Neuerwerbungen zu festigen. 1394 erwarb Johann die Grundherrschaft Feldsberg und nannte sich nun Herr von Nikolsburg und Feldsberg. Das bis 1919 niederösterreichische, dann südmährische Dominium um Feldsberg wurde von den folgenden Generationen weiter ausgebaut.

Eine weitere Teilung gab es Anfang des 16. Jahrhunderts, als sich mit dem Familienvertrag von 1504 eine Nikolsburger, eine Feldsberger und eine Steyregger Linie bildeten. Von diesen setzte sich aber nur die Feldsberger Linie fort. Das für die Frühzeit der Liechtensteiner so bedeutende Schloss Nikolsburg wurde 1560 verkauft und danach zum Hauptsitz der Fürsten von Dietrichstein. Das 1406 durch Heirat erworbene Schloss Steyregg wurde 1581 veräußert. Danach wurde aber ein Hausgesetz erlassen, das dafür sorgte, dass der Besitz aussterbender Linien an die überlebende Linie überging.

16. und 17. Jahrhundert Seit Hartmann I. von Liechtenstein († 1539) war das Schloss Feldsberg, das bis 1919 zu Niederösterreich gehörte, der Hauptsitz der Linie, die nun allein übriggeblieben war und noch einige weitere Besitzungen in Niederösterreich hatte. Um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert waren es die drei Brüder Karl, Maximilian und Gundakar, die eine neue Periode der Familiengeschichte einleiteten. Adel und Bevölkerung in Österreich, Ungarn und Böhmen waren in der Reformationszeit des 16. Jahrhunderts überwiegend zum Protestantismus übergegangen; die drei Brüder konvertierten jedoch zum rechten Zeitpunkt vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges zurück zum katholischen Glauben, den die Habsburger immer bewahrt hatten, die bis 1806 fast durchgehend den römisch-deutschen Kaiser stellten.

Karl wurde nach seiner Konversion von Kaiser Rudolf II. als Obersthofmeister an den Kaiserhof in Wien berufen. 1606 verlieh ihm der Kaiser den großen Pfalzgrafenbrief, 1608 die erbliche Würde eines Reichsfürsten. 1613 verlieh ihm Kaiser Matthias, zu dessen Beratern er zählte, das Herzogtum Troppau; 1623 folgte das benachbarte Herzogtum Jägerndorf. Deren Titel trägt seither jeder regierende Fürst, obwohl die Herzogtümer 1849 erloschen sind. Durch das Eingreifen seines Bruders Maximilian – zum Feldmarschall berufen – konnte Kaiser Ferdinand II. 1620 den entscheidenden Sieg über die böhmischen Rebellen in der Schlacht am Weißen Berg erringen. Der jüngste der drei Brüder, Gundakar, bereitete auf diplomatischen Missionen die im Dreißigjährigen Krieg für die Habsburger kämpfende Katholische Liga vor. Ferdinand II. erhob daher 1623 Maximilian und Gundakar ebenfalls in den erblichen Reichsfürstenstand. Maximilian und seine Gemahlin stifteten 1633 in Wranau bei Brünn ein Kloster der Paulaner, wo man auch die Grablege für das Haus Liechtenstein anlegte. Fast alle Fürsten aus dem Haus Liechtenstein wurden hier begraben. Erst 1960 wurde bei der heutigen Kathedrale St. Florin in Vaduz eine neue Gruft für die fürstliche Familie errichtet.

Den drei Brüdern gelang es, den liechtensteinischen Besitz um ein Mehrfaches zu vergrößern. Eine gewaltige Besitzerweiterung gelang ihnen, seit Karl 1622 Statthalter und Vizekönig von Böhmen wurde. Als solchen legitimierte der Kaiser ihn, zur Begleichung der Kreditschulden, die er selbst bei dem Fürsten hatte, sogenannte Rebellengüter zu annektieren, also Ländereien der seit Ausbruch des Ständeaufstands von 1618 geflüchteten (zumeist protestantischen) adeligen Grundbesitzer, die der Statthalter namens des Kaisers enteignete und deren eingezogene Güter er zu günstigen Preisen an sich selbst verkaufte, was seinen Landbesitz enorm vergrößerte. 1622 erwarb er Schloss Moravská Třebová (Mährisch Trübau), das bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Liechtensteiner verblieb. Karl erwarb außerdem am Kleinseitner Ring in Prag fünf Bürgerhäuser, die er zu einem Palais vereinigen ließ, das bis 1825 im Besitz der Familie verblieb.

Maximilian hatte bereits 1597 Schloss Butschowitz durch Heirat erworben (das 1798 um Neuschloß ergänzt wurde). Bei der Erbteilung nach dem Tod des Vaters 1598 erhielt er das Schloss Rabensburg in Niederösterreich, das bereits seit 1385 im Familienbesitz war, blieb aber kinderlos.

Gundakar erhielt in der Erbteilung die Burg Wilfersdorf, die sich seit 1436 im Besitz der Familie befindet und die er zu einem Wasserschloss umbauen ließ, außerdem Schloss Niederabsdorf mit der Herrschaft Ringelsdorf; beide Schlösser mit ihren Ländereien gehören bis heute zum Familienbesitz. Diesen konnte er aber wie sein Bruder Karl ebenfalls erheblich erweitern: 1624 erwarb er die Herrschaft Mährisch Kromau und 1625 schenkte ihm Kaiser Ferdinand II. die Herrschaft Ostroh mit den Gütern Kunowitz und Hluk sowie mehreren Ortschaften. Schloss Mährisch Kromau blieb bis zum Erlöschen der Zweiten Karlischen Linie 1908 im Besitz der Familie, Ostroh mit Zubehör bis zur Enteignung 1945.

Bereits 1606 hatten die drei Brüder einen neuen Familienvertrag geschlossen, mit dem der gemeinsame Besitz in einen Fideikommiss eingebracht wurde. Der jeweils Erstgeborene der ältesten Linie hatte nun Anrecht auf die erblichen Titel, vertrat als Oberhaupt des Hauses das Geschlecht nach außen und verwaltete das ihm nicht mehr persönlich gehörende Familienvermögen, aus dem das Leben aller Familienmitglieder finanziert wurde. Die Bestimmungen dieses Vertrags sowie weitere Bestimmungen wurden 1993 im neuen Liechtensteinischen Hausgesetz (nach heutigem juristischen Verständnis ein Familienvertrag, der bei einer regierenden Dynastie auch staatsrechtliche Wirkungen haben kann) zusammengefasst, das die Grundlage für das im Fürstentum Liechtenstein gültige Thronfolgerecht bildet.

Schloss Eisgrub wurde ab 1680 auf einem zu Feldsberg gehörenden Gutshof erbaut. Feldsberg und Eisgrub wurden durch eine schnurgerade Allee verbunden. 1695 wurde die Burg Šternberk (Mährisch Sternberg) erworben, die wie Feldsberg und Eisgrub bis 1945 im Familienbesitz blieb. 1802 kam Schloss Velké Losiny (Groß Ullersdorf) an das Haus Liechtenstein und blieb ebenfalls bis 1945 in seinem Besitz.

17. bis 19. Jahrhundert