mini|Malvina Hoffman mini|Malvina Hoffman (1928) Malvina Cornell Hoffman (* 15. Juni 1885 in New York; † 10. Juli 1966 ebenda) war eine amerikanische Bildhauerin, die für ihre lebensgroßen Bronzefiguren, Porträts und Tanzskulpturen bekannt war.
Leben Malvina Hoffman wurde als jüngstes Kind von Fidelia Marshall Lamson Hoffman, einer Amateurpianistin aus einer angesehenen New Yorker Familie und Richard Hoffman, einem englischen Konzertpianisten (der bei den New Yorker Philharmonikern spielte), Komponisten und Lehrer geboren. Bis sie zehn Jahre alt war, wurde sie zu Hause unterrichtet. Anschließend besuchte Hoffman Privatschulen in Manhattan, zuerst die Chapin School und anschließend die Brearley School. Schon in frühen Jahren wurde Malvina Hoffman zu künstlerischen Aktivitäten ermutigt und nahm an Abendkursen an der Veltin School for Girls teil, wo sie Bildhauerei bei Herbert Adams und George Gray Bernard studierte. Samstags besuchte sie Malkurse bei John White Alexander an der Art Students League of New York sowie an der New York School of Applied Design for Women.
Malvina Hoffman nahm Unterricht in Malerei und Zeichnen bei Harper Pennington, einer Freundin der Familie, und in Bildhauerei bei John Gutzon de la Mothe Borglum. Im Jahre 1907 begann sie als Assistentin von Alexander Phimister Proctor zu arbeiten.
Der volle Stundenplan und die intensive künstlerische Produktion führten Zeit ihres Lebens zu Überarbeitung und periodischen Anfällen von Erschöpfung und Krankheit. Im Jahre 1909 schuf Malvina Hoffman unter der Anleitung von John Gutzon de la Mothe Borglum ihre erste Skulptur, eine Porträtbüste ihres Vaters aus Marmor, die sie in Phimister Proctors Atelier in MacDougal Alley herstellte, einer Anlage mit umgebauten Pferdeställen, wo sie die Ateliers von James Earle Fraser, Laura Gardin, Edward Deming und Gertrude Vanderbilt Whitney besuchte. Die positive Aufnahme der Marmorbüste ermutigte Hoffman, sich auf die Bildhauerei zu konzentrieren. Nach dem Tode ihres Vaters im Jahre 1910 besuchten Malvina Hoffman und ihre Mutter zunächst Italien und London und wohnten anschließend bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges in Paris.
Für 16 Monate studierte Malvina Hoffman dort Bildhauerei bei François-Auguste-René Rodin und arbeitete als Atelierassistentin der amerikanischen Bildhauerin Netta Deweze Frazee Janet Scudder. Während des Ersten Weltkrieges kehrte Hoffman nach New York zurück, studierte Anatomie an der Columbia University Medical School, schloss sich dem Amerikanischen Roten Kreuz an und reiste nach Serbien. Malvina Hoffman befreundete sich unter anderem mit Gertrude Stein, Romaine Brooks und Anna Pawlowna Pavlo.
In Murray Hill, Manhattan richtete Hoffman ein Atelier im Sniffen Court Historic District ein und bezog eine Wohnung direkt darüber, in der sie zwischen 1914 und 1966 lebte. Hoffmans Vermieterin war die Philanthropin und Sammlerin Carol Averill Harrington. Der Gebäudekomplex bestand aus 10 zweistöckigen Ställen aus Ziegelstein, die 1863–64 im Stil der Neuromantik erbaut und in den 1920er-Jahren in Wohnungen und Ateliers umgebaut wurden. An der Rückwand des Stalles befinden sich zwei von Malvina Hoffman erstellte Gedenktafeln. mini|Sniffen Court Historic District mini|Sniffen Court Historic District – Gedenktafeln Nach dem Krieg kehrte Malvina Hoffman nach Paris zurück. Bis zum Tode ihrer Mutter im Jahre 1922 lebte Malvina Hoffman mit ihr zusammen. Am 4. Juni 1924 heiratete Malvina Hoffman ihren langjährigen Freund Samual Bonarius Grimson und wohnte mit ihm in Sniffen Court. 1925 lernte Malvina Hoffman den kroatischen Bildhauer Ivan Meštrović kennen, der sich zur Eröffnung seiner Ausstellung im Brooklyn Museum in New York aufhielt. Sie lud ihn ein, am Sniffen Court zu arbeiten, bis er sein eigenes Atelier in der Stadt fand. Während dieser Zeit fertigten beide Porträts voneinander an – Hoffman schuf eine überlebensgroße Bronze von Meštrović, die sich heute im Brooklyn Museum befindet, während Meštrović eine Terrakotta-Büste von Hoffman anfertigte. Malvina Hoffman kaufte 1927 ein Grundstück in Paris, wo sie die Villa Asti baute, ihr Haus und Atelier, das im Juni 1928 fertiggestellt wurde. Im nächsten Jahr verschiffte sie alle fertigen Arbeiten, die sie im Laufe der Jahre in Paris angefertigt hatte, nach New York.
Auf der Suche nach Modellen für ihren Auftrag The Living Races of Man mit 27 lebensgroßen Figuren, 27 Büsten und 50 Köpfen reiste Malvina Hoffman im Jahre 1931 sieben Monate lang in Begleitung ihres Mannes, der als Expeditionsfotograf fungierte, Jean Macao, ihrem Assistenten und Gipsgießer sowie Gretchen Green als Expeditionssekretärin durch Hawaii, Japan, China, Bali, Burma, Java, Malaysia, Indien und Sri Lanka. 1936 ließ sich Malvina Hoffman scheiden und man spekulierte, dass die Scheidung durch die Affäre mit der Ballerina Anna Pawlowna Pavlo bedingt war. Ab 1938 lebte Malvina Hoffman wieder in New York. Im Mai 1948 kehrte Malvina Hoffman nach Paris zurück. Auch in den 1940er und 1950er Jahren schuf Hoffman weiterhin Porträtbüsten, Figuren und Medaillen. Sie nutzte ihre bildhauerischen Fähigkeiten auch dazu, Prothesen und medizinische Modelle für pränatale Studien herzustellen.
1951 wurde Malvina Hoffman zur Ritterin der Ehrenlegion ernannt, 1957 zur „Woman of the Year“. Im Jahre 1958 erlitt sie einen Herzinfarkt, der sie ans Bett fesselte, so dass sie nur noch kleine Figuren modellieren konnte und beendete ihr Kunstschaffen 1963. Sie starb 1966 im Alter von 81 Jahren.
Werk
1906: The Way of a Serpent on the Rock, Gips 1906: Despair, Bronze 1909: Porträtbüste des Vaters, Marmor 1910: Richard Hoffmann, Marmor 1910: Samuel B. Grimson, BronzeDer Geiger Samuel B. Grimson war ein Freund der Familie. Die Büste erhielt 1910 eine lobende Erwähnung im Pariser Salon. 1910: William Astor Chanler, Bronze 1910: Robert Bacon, Bronze 1911: Russian Dancers, Bronze, Detroit Institute of ArtsDies ist die erste Tanzskulptur von Malvina Hoffman und gewann 1912 den ersten Preis im Pariser Salon. Sie entstand unter Anleitung des italienischen Bildhauers Emanuele de Rosale. Die Statuette war von Anna Pawlowas und Michail Mordkins Aufführung „Herbstbacchanale“ inspiriert, die Malvina Hoffman und ihre Mutter in London gesehen hatten. Die Umsetzung der freien Bewegungen des modernen Tanzes in Skulpturen wurde zu einem der Hauptthemen von Hoffmans Arbeit. 1912: La Frileuse, Vero Beach Museum of Art, Vero Beach 1912: Mrs. Irwin L. Laughlin, Marmor 1912: Bacchanale Russe, BronzeDie Tanzskulptur stellt Anna Pawlowa und Michail Mordkin dar. 1912: L’Après-midi d’un Faun, BronzeDieses Skulptur wurde von einer Aufführung von Vaslav Nijinsky inspiriert. 1912: John Keats, Marmor 1913: Frileuse, Bronze 1913: Mort Exquise, Marmor 1913: Roger Kahn, Terrakotta 1914: Les Orientales, Bronze, Santa Barbara Museum of Art 1915: Mort Exquise 1915: Roger Kahn, Marmor 1915: La Gavotte, Bronze, Metropolitan Museum of Art 1915: Boy and Panther Cub, Bronze, Cleveland Museum of Art Ca. 1916: Small Study for the Column of Life, Bronze 1917: Richard Hoffman 3rd, Marmor und Gips 1917: Bacchanale Russe, Bronze, Jardin du LuxembourgDie überlebensgroße Bronze wurde 1919 im Jardin du Luxemburg platziert. Damit war Malvina Hoffman die erste Frau, deren Skulptur dort aufgestellt wurde. Die Skulpturengruppe wurde im Zweiten Weltkrieg angeblich im Jahre 1941 von den Nazis gestohlen oder zerstört und nie wiedergefunden. 1917: Frederick Pierce, Marmor 1917: Colonel Milan Pribicevic in Uniform, Bronze 1917: Column of Life, Marmor und Bronze 1918: Fidelia M. Hoffman, Marmor Ca. 1918: Modern Crusader, Bronze, Smithsonian American Art Museum 1918: James G. Croswell, Bronze 1918: General Sir David Henderson, Simili Pierre 1918: Colonel Philippe Bunau-Varilla, Bronze 1918: John Muir, Bronze 1918: My Mother, Marmor 1919: Helen Clay Frick, Gips, Frick Collection, New York 1919: Offrande, Marmor und Bronze, Art Institute of Chicago Ca. 1920: The Offering, Bronze, Glenbow Museum, Calgary 1920: Hindu Incense Burner, Bronze 1920: Henry C. Frick, Marmor 1921: La Péri, BronzeBei diesem Werk handelt es sich um eine Tanzskulptur, die Pavlova und Hubert Stowitts bei der Aufführung des Balletts La Péri von Paul Dukas zeigt. 1921: Bill Working, Bronze 1921: The Misses Cromwell (zusammen mit Edward McCartan), Basrelief, Bronze 1922: The Sacrifice, Stein und Pierre de Caen, Harvard Art Museums, CambridgeBei dieser Skulptur handelt es sich um die drapierte Figur einer trauernden Mutter, die auf dem Boden sitzt und den Kopf eines toten Kreuzfahrers aus dem 13. Jahrhundert auf ihrem Schoß hält. Die Statue soll an den verstorbenen Robert Bacon, Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich und an alle Alumni der Harvard University erinnern, die im 1. Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Die Statue besteht aus Caen-Stein, der speziell für dieses Werk aus Frankreich importiert wurde. Sie wurde von Robert Bacons Frau Martha für die Harvard Memorial Chapel in Auftrag gegeben. Die Skulptur wurde am 19. Januar 1923 in der Kapelle St. Ansgar der Cathedral of Saint John the Divine in New York eingeweiht und verblieb dort bis zur Fertigstellung der Harvard-Kapelle im Jahre 1932. 1922: Robert Bacon, Bronze 1922: Paderewski the Statesman, Bronze 1922: Paderewski the Artist, Bronze 1922: Paderewski the Man, Bronze 1923: Paderewski the Friend, Gips 1923: Paderewski the Man, Bronze auf Holz, Smithsonian American Art Museum 1923: The Stateman 1923–1925: Hand of Jean-Julien Lemordant, Bronze 1924: Bacchanale Russe, Gips 1924: Mrs. E. H. Harriman, Marmor und Bronze 1924: Paul M. Warburg 1924–1925: Anglo-American Friendship, Stein, Bush House, LondonDiese Architekturskulptur wurde von dem amerikanischen Geschäftsmann Irving Bush für das Bush House, einem Handelszentrum, in Auftrag gegeben und gedenkt der angloamerikanischen Freundschaft. Das Bush House wurde am 4. Juli 1925 eröffnet. Das Projekt besteht aus zwei monumentalen jugendlichen Figuren über dem Portikus, die England und Amerika repräsentieren und gemeinsam eine Fackel in die Höhe halten. Das Paar befindet sich in einem Bogen, der zwei Säulen überragt, die den Eingang zum Gebäude bilden. 1925: Boy Neptune, Bronze 1925: Agnes Yarnall, Stein 1925: Jean-Julien Lamordant, Simili Pierre 1925: Ivan Mestrovic, Bronze, Brooklyn Museum 1925: Frank Damrosch, Bronze 1926: Keeling Girl, Marmor und Bronze 1926: Torso, Granit 1927: Elephant Hunter, Gips, Cedar Rapids Museum of Art 1927: Vita Nova, Simili Pierre 1927: Vita Nova, Bronze 1927: Four Horsemen of the Apocalypse, SteinDas Werk entstand auf Anfrage eines Dekans der Harvard Medical School und sollte vor der Schule aufgestellt werden. 1927: War, Mosaik 1927: Pegasus, Stein 1927: Dr. William H. Draper and Dr. William K. Draper, Bronze 1927: Senegale, Marmor 1927–1932: 104 Skulpturen (Porträts, Köpfe, Büsten und Figuren) 1928: Reitergruppe Death, Pestilence, Famine, War, Gips 1928: Martinique Woman, Marmor, Brooklyn MuseumHier handelt es sich um einen von mehreren Porträtköpfen, die auf Malvina Hoffmans Reisen durch Afrika um 1928 basieren. Der modernisierte Realismus dieses Werks signalisierte einen bewussten Bruch mit früheren Bearbeitungen afrikanischer Themen. Die kritische Rezeption von Hoffmans Werk blieb jedoch viele Jahre lang fest in der rassistischen Sprache und einer eurozentrischen Sichtweise verankert. 1928: Cockfighter and Cock, Bronze 1928: Giovanni Boldoni, Bronze, Smithsonian American Art Museum 1928: Arab Stallion, Bronze 1928: La Javanese, Harvard Art Museums, Cambridge 1928: Mme. La Motte, Simili Pierre 1928: Coal Man, KohleHierbei handelt es sich um einen belgischen Bergarbeiter. 1928: Brick Man, Ziegel 1928: Lady Next Door, Simili Pierre 1928: Mattressmaker, Bronze 1928: Mme. Emma Eames, Marmor 1928: Giovanni Boldoni, Bronze 1928: Java Woman, Marmor 1928: Senegalese Soldier, Marmor, Brooklyn Museum, New York