mini|Innenansicht eines Salonwagens 1. Klasse mini|Zwei beim FEK erhaltene Wagen des Rheingold hinter einer Dampflokomotive der DB-Baureihe 23 Die Rheingold-Wagen 1928 waren Reisezugwagen, die von der Deutschen Reichsbahn in den Jahren 1928 bis 1929 für den damals neu eingeführten Fernschnellzug Rheingold beschafft wurden. Es waren besonders komfortable und zum Teil mit Küchen ausgestattete Großraumwagen, die von der Reichsbahn als Salonwagen bzw. Salonspeisewagen bezeichnet wurden.

Salonwagen Um gegenüber den Pullmanwagen der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) wettbewerbsfähig zu sein, wurden für den Rheingold Wagen beschafft, die ebenfalls entsprechend dem Pullman-Prinzip überwiegend als besonders komfortable Großraumwagen („Salongroßraumwagen“) ausgeführt wurden. Lediglich in den Wagen der ersten Klasse ohne Küche (Gattung SA4ü) gab es neben dem Großraumbereich auch Einzelabteile.

Die Wagen boten äußerlich ein einheitliches Erscheinungsbild, dazu waren sie zum Zeichen ihrer Exklusivität in den Farben Violett und Beige mit silbergrauem Dach lackiert. Die Reichsbahnadler, die Klassenziffern sowie die Buchstaben für „Deutsche Reichsbahn“ und „MITROPA“ waren in Messing-Rotguss gefertigt, 1930 kam noch die Beschriftung „RHEINGOLD“ unterhalb der Fensterbrüstung hinzu.

Im Innern waren die Wagen unterschiedlich gestaltet. Wände und Decken waren mit Hölzern (Zebrano, Palisander oder Ahorn) vertäfelt oder mit Stoffen bespannt. Die erste Klasse wurde mit losen Sesseln ausgestattet. Die Inneneinrichtungen der Wagen waren von angesehenen Künstlern und Architekten entworfen worden.

Wie die Pullmanwagen der CIWL waren diese Wagen zur Versorgung der Reisenden mit Speisen und Getränken am Platz etwa zur Hälfte mit einer Küche ausgestattet, was allerdings auch Beschwerden über Küchendämpfe an den Fahrgastplätzen zur Folge hatte. Speisen und Getränke wurden am Platz auf besonderem Porzellangeschirr und mit Silberbesteck serviert, das Speiseangebot hatte einen gehobenen Standard. Eine Küche versorgte jeweils den eigenen Wagen und den angrenzenden Wagen ohne Küche, somit mussten in den Küchenabteilen auf nur rund sechs Quadratmetern Essen für bis zu 60 Fahrgäste zubereitet werden. Neben einem Kohleofen fanden auf diesem beschränkten Raum auch noch die Anrichte, ein Kühlschrank, sowie Vorratsschränke für Geschirr und Lebensmittel Platz.

Die Wagen wurden gebaut von:

WUMAG (Waggon- und Maschinenbau AG) in Görlitz, Waggonfabrik Gebrüder Credé in Kassel, Wegmann & Co. in Kassel, van der Zypen & Charlier in Köln-Deutz, Linke-Hofmann-Lauchhammer in Breslau.

Von den Wagen erster Klasse mit (Gattung SA4ük) und ohne Küche (Gattung SA4ü) wurden jeweils vier Stück gefertigt, von denen der zweiten Klasse ohne Küche (Gattung SB4ü) acht Stück und mit Küche (Gattung SB4ük) zehn.

Alle Wagen erhielten Drehgestelle der Bauart „Görlitz II schwer“, diese wurden bei den letzten fünf Wagen (24 513, 24 515–517, 24 519) direkt mit Rollenachslagern ausgeführt. Die vorherigen 21 Wagen wurden 1933 auf Drehgestelle der Bauart „Görlitz III schwer“ umgebaut.

Gattung (DR) Betriebs-Nrn. (DR) Gattung (DB) Betriebs-Nrn. (UIC, 1966) Bemerkungen SA4ük-28 20 501 (1928)10 501 (1931) WRüg(e)-28/51 (1951)WRüg(e)151.1 (1964) 50 80 88-46 230-6 1951 Umbau in Speisewagen DSG 1230, 1968 ausgemustert SA4ü-28 20 502 (1928)10 502 (1931) ÷ ÷ Verbleib unbekannt SA4ük-28 20 503 (1928)10 503 (1931) ÷ ÷ 1945 an CSD, Umbau in Speisewagen SA4ü-28 20 504 (1928)10 504 (1931) ÷ ÷ Verbleib unbekannt SA4ük-28 20 505 (1928)10 505 (1931) ÷ ÷ 1945 an ČSD, Umbau in Speisewagen SA4ü-28 20 506 (1928)10 506 (1931) ÷ ÷ Verbleib unbekannt SA4ük-28 20 507 (1928)10 507 (1931) WRüg(e)-28/51 (1951)WRüg(e)151.1 (1964) ÷ 1951 Umbau in Speisewagen DSG 1231, 1966 ausgemustert SA4ü-28 20 508 (1928)10 508 (1931) WRüg(e)-28/51 (1951)WRüg(e)151.1 (1964) 50 80 88-46 232-1 1951 Umbau in Speisewagen DSG 1232, 1970 ausgemustert, 1971 an FEK, aktuelle Betr.-Nr. SB4ük-28 24 501 (1928)10 701 (1931) WRüg(e)-28/51 (1951)WRüg(e)151.1 (1964) 50 80 88-44 234-0 1951 Umbau in Speisewagen DSG 1234, 1967 ausgemustert SB4ü-28 24 502 (1928)10 702 (1931) ABüe-28/52 (1952)Aüe-28/52 (1956) ÷ 1952 Umbau in Sitzwagen, 1968 ausgemustert SB4ük-28 24 503 (1928)10 703 (1931) WG4üke-28/50 (1950)WGüke822 (1964) 50 80 89-43 520-256 80 89-35 020-7 1950 Umbau in Gesellschaftswagen, 1977 ausgemustert, 1978 an FEK SB4ü-28 24 504 (1928)10 704 (1931) WRüg(e)-28/51 (1951)WRüg(e)151.1 (1964) 50 80 88-46 236-3 1951 Umbau in Speisewagen DSG 1236, 1967 (1973?) ausgemustert, heute Privatbesitz SB4ük-28 24 505 (1928)10 705 (1931) WRüg(e)-28/51 (1951)WRüg(e)151.1 (1964) 50 80 88-46 237-1 1951 Umbau in Speisewagen DSG 1237, ausgemustert 1967 SB4ü-28 24 506 (1928)10 706 (1931) ABüe-28/34/52 (1952)Aüe-28/34/52 (1956)Aüe303 (1964) 51 80 18-43 040-6 1934 Umbau in Sitzwagen, 1972 ausgemustert, an FEK, heute TEAG SB4ük-28 24 507 (1928)10 707 (1931) WG4ük-28/51 (1951)WGüke822.0 (1964) 51 80 89-43 521-9 1951 Umbau in Gesellschaftswagen, 1980 ausgemustert, an Intraflug, 1992 an MThB, 2002 an FEK, heute TEAG SB4ü-28 24 508 (1928)10 708 (1931) ABüe-28/52 (1952)Aüe-28/52 (1956)Aüe305 (1964) 51 80 18-43 060-4 1952 Umbau in Sitzwagen, 1982 ausgemustert, heute TEAG SB4ük-28 24 509 (1928)10 709 (1931) WRüg(e)-28/51 (1951)WRüg(e)151.1 (1964) 50 80 88-46 238-9 1951 Umbau in Speisewagen DSG 1238, ausgemustert 1967 SB4ü-28 24 510 (1928)10 710 (1931) ÷ ÷ 1934 Umbau in Sitzwagen, Verbleib unbekannt SB4ük-28 24 511 (1928)10 711 (1931) ABüe-28/39/52 (1952)Aüe-28/39/52 (1956)Aüe304 (1964) 51 80 18-43 050-5 1939 Umbau in Sitzwagen, 1969 ausgemustert SB4ü-28 24 512 (1928)10 712 (1931) ABüe-28/52 (1952)Aüe-28/52 (1956)Aüe305 (1964) 56 80 28-35 061-6 1952 Umbau in Sitzwagen, 1982 ausgemustert, an FEK SB4ük-29 24 513 (1928)10 713 (1931) WRüg(e)-29/51 (1951)WRüg(e)151.1 (1964) 51 80 88-46 235-0 1951 Umbau in Speisewagen DSG 1235, 1974 ausgemustert, an KBE, danach Bierbahnsteig 11 in Bellinghausen, 2009 an TEAG SB4ü-29 24 514 (1928)10 714 (1931) ÷ ÷ Verbleib unbekannt SB4ük-29 24 515 (1928)10 715 (1931) WRü(e)-29/51 (1951)WRüg(e)151.1 (1964) 51 80 88-46 239-6 1951 Umbau in Speisewagen DSG 1239, 1973 ausgemustert, an Intraflug, 1992 an MThB, 2002 an TEAG SB4ü-29 24 516 (1928)10 716 (1931) ÷ ÷ Verbleib unbekannt SB4ük-29 24 517 (1928)10 717 (1931) WG4üke-29/50 (1950)WG4üke822.0 (1964) 51 80 89-43 522-7 1950 Umbau in Gesellschaftswagen, 1980 ausgemustert, bis 2007 an FEK, aktuelle Betr.-Nr. SB4ük-29 24 519 (1928)10 719 (1931) ÷ ÷ 1945 an ČSD, Umbau in Speisewagen

Zwei Wagen SB4ü-28 (10 706 und 10 710) wurden bereits 1934, ein weiterer Wagen SB4ük-28 (10 711) 1939 zu reinen Sitzwagen 1./2. Klasse umgebaut. Planungen, die Ende der 1930er Jahre äußerlich im Vergleich mit den neueren Schürzenwagen nicht mehr ganz modern wirkenden Fahrzeuge durch neue Wagen zu ersetzen, wurden im April 1939 vom Reichsbahn-Zentralamt mit Verweis auf die Überlastung der Waggonbaufirmen zurückgestellt.Oliver Strüber: Luxus auf der Schiene, in: Bahn-Extra 1/2023, S. 46–51, hier S. 50

Da die Wagen nicht mehr gehobenen Ansprüchen genügten und außerdem ein Mangel an Sitzwagen bestand, wurde 1943 geplant, die Wagen in Sitzwagen 2. Klasse umzubauen, was jedoch kriegsbedingt nicht mehr zustande kam.

Gepäckwagen Neben den Personenwagen wurden drei Gepäckwagen für den Rheingold bestellt. Da laut Vorschrift zwischen (Dampf-)Lokomotive und Personenwagen ein Schutzwagen laufen musste, wurden je zwei Gepäckwagen badischer (Pw4ü bad 12) und preußischer Bauart (Pw4ü pr 16) in Mannheim vorgehalten und für den Abschnitt Mannheim – Basel in den Zug eingestellt. Die Gepäckwagen waren einheitlich violett lackiert und liefen alle auf Drehgestellen der Bauart „Görlitz II schwer“.

Gattung (DR) Betriebs-Nrn. Gattung (DB) Betriebs-Nrn. (UIC, 1966) Bemerkungen SPw4ü-28 90 201 (1928)105 001 (1931) D4ü-28 (1950)Düe949 (1964) 55 80 92-35 021-1 1968 ausgemustert, an FEK SPw4ü-28 90 202 (1928)105 002 (1931) D4ü-28 (1950)Düe949 (1964) 51 80 92-43 310-2 spätestens 1977 ausgemustert SPw4ü-28 90 203 (1928)105 003 (1931) D4ü-28 (1950)Düe949 (1964) 51 80 92-43 311-0 spätestens 1977 ausgemustert

Entwicklung nach 1945 Nach dem Krieg wurden zunächst 14 der Rheingold-Wagen in den Westzonen aufgefunden, acht befanden sich in der Tschechoslowakei, fünf in Österreich. Der Wagen 10 714 scheint in den Kriegswirren zerstört worden zu sein. Später kamen weitere drei Wagen nach Deutschland, die tschechoslowakische Staatsbahn Československé státní dráhy (ČSD) ließ drei Wagen zu Speisewagen umbauen.

Bereits 1950/51 wurden in Westdeutschland drei Wagen zu Gesellschaftswagen hergerichtet. 1954 ließ die DB dann weitere neun Wagen zu Speisewagen umbauen, diese wurden von der Deutschen Schlafwagen- und Speisewagengesellschaft (DSG) unter den Nummern 1230 – 1232 und 1234 – 1239 übernommen. Der letzte Wagen wurde 1980 ausgemustert.

Die noch erhaltenen Originalwagen sind inzwischen äußerlich in den Originalzustand zurückversetzt, allerdings mit Inneneinrichtungen aus späteren Umbauten. Sie werden, soweit sie betriebsfähig sind, für Sonderfahrten eingesetzt. Vier Salon- und ein Packwagen sind beim Freundeskreis Eisenbahn Köln (FEK) im Einsatz. Sechs Wagen sind bei der Transeurop Eisenbahn AG (TEAG) eingestellt, davon sind zwei betriebsfähig.

Literatur Joachim Deppmeyer: Reisezugwagen der Deutschen Reichsbahn 1, EK-Verlag, Freiburg 2018, ISBN 978-3-8446-6414-0

Weblinks www.modellbahn.net: Rheingold 1928 Website des Freundeskreises Eisenbahn Köln e. V (Betreiber eines Teils der noch vorhandenen Rheingold-Wagen von 1928) Website der TransEurop Eisenbahn AG (Betreiber eines Teils der noch vorhandenen Rheingold-Wagen von 1928)

Einzelnachweise

Kategorie:Reisezugwagen (Deutsche Reichsbahn 1920–1945)