Das Kloster Maria Friedenshort, offiziell „einfaches Priorat der seligen Jungfrau Maria von Neuzelle“ (), ist ein vom Stift Heiligenkreuz abhängiges Zisterzienserpriorat, das 2018 auf die Initiative des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt hin kanonisch errichtet wurde. Nach anfänglichen Bemühungen, das neue Kloster im historischen Kloster Neuzelle zu etablieren, wird ein neues Kloster im Neuzeller Ortsteil Treppeln errichtet, da das historische Klostergelände samt allen klösterlichen Anlagen im Besitz der staatlichen Stiftung Stift Neuzelle ist. Voraussichtlicher Baubeginn ist 2026.
Der Konvent bestand Stand 2025 aus 8 Mönchen. Neben dem Zisterzienserkonvent bestehen vor Ort seit 2022 Niederlassungen der Dienerinnen vom Heiligen Blut und seit 2024 der Thuiner Franziskanerinnen.
Die Stiftskirche St. Marien in Neuzelle ist Marienwallfahrtskirche des Bistums Görlitz und Ort einiger anderer überregionaler Veranstaltungen. Die Zisterzienser übernehmen sowohl die Pfarr- als auch die Wallfahrtsseelsorge in Neuzelle.
Geschichte
Ursprüngliche Ordensniederlassung
Geschichte des historischen Neuzeller Klosters (1268 bis heute) Das historische Kloster Neuzelle wurde als Zisterzienser-Abtei am 12. Oktober 1268 von Heinrich dem Erlauchten gegründet und von Mönchen des Klosters Altzella besiedelt. Das Kloster wurde auf einem Odersporn erbaut. Slawische Stämme hatten sich bereits vorher an diesem Ort angesiedelt. 1280 kamen die ersten Mönche nach Neuzelle. 1330 wurde dann die erste Klosteranlage bezogen.Winfried Töpler: Zisterzienser-Abtei Neuzelle. 2010, S. 2. Das Kloster war sehr wirtschaftsstark und konnte so seinen Grundbesitz von anfänglichen acht Dörfern auf 28 im Jahr 1372 ausbauen. 1429 drang ein böhmisches Heer, welche die Lehre von Jan Hus verbreiten wollte, in die Niederlausitz ein und zerstörte unter anderem das Kloster Neuzelle. Die Mönche weigerten sich, sich zu bekehren und wurden subsequent gemartert. Die gemarterten Mönche, aber vor allem Abt Petrus I., werden als Selige verehrt.Winfried Töpler: Zisterzienser-Abtei Neuzelle. 2010, S. 3. Im 16. Jahrhundert konnte Abt Nikolaus III. eine mögliche Verpfändung und Auflösung des Klosters abwenden. Während der Reformation wurde ein Großteil des Gebietes evangelisch.Winfried Töpler: Zisterzienser-Abtei Neuzelle. 2010, S. 5. 1547 lebten 35 Mönche im Kloster, 1585 waren es nur noch 10. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster und sein Grundbesitz geplündert und zerstört. Das Kloster fiel nach Ende des Krieges an den Kurfürsten von Sachsen, durfte allerdings weiterbestehen.Winfried Töpler: Zisterzienser-Abtei Neuzelle. 2010, S. 6 f. Während des Barocks war der Klosteralltag geregelter. In dieser Zeit wurde die Stiftskirche aufwendig erweitert und ausgebaut.Winfried Töpler: Zisterzienser-Abtei Neuzelle. 2010, S. 8. Nach dem Wiener Kongress fiel das Kloster an Preußen und das Kloster wurde durch Kabinettsorder vom 8. Februar 1817 aufgelöst. Das Eigentum ging in eine staatliche Stiftung über.Winfried Töpler: Zisterzienser-Abtei Neuzelle. 2010, S. 9. In der Zwischenzeit wurde das Klostergelände als preußische Schule, NPEA-Schule, DDR-Lehrerbildungsstätte und katholisches Priesterseminar genutzt. Aus dem Priesterseminar gingen 860 Priester, elf Bischöfe und drei Kardinäle hervor.Winfried Töpler: Zisterzienser-Abtei Neuzelle. 2010, S. 10. Heute befindet sich das Kloster sowie der Landbesitz in der Hand der staatlichen Stiftung Stift Neuzelle, die dem Brandenburger Innenministerium untergeordnet ist.
Bestrebungen der Errichtung einer Ordensniederlassung (1993 – 2018) Die beiden Bischöfe von Görlitz, Bernhard Huhn und Rudolf Müller, bemühten sich nach der Schließung des katholischen Priesterseminars in Neuzelle seit den 1990er Jahren um eine neue Ordensniederlassung in Neuzelle. Seit 1993 entstand demnach eine Niederlassung der Armen Dienstmägde Jesu Christi in Neuzelle, die aus drei Schwestern bestand. Diese Gemeinschaft wurde durch Entscheidung der Ordensverwaltung mit Zustimmung des Görlitzer Bischofs, zu dieser Zeit Konrad Zdarsa, zum 31. Juli 2009 aufgelöst. Darauffolgend gab es länger keine Ordensniederlassung mehr in Neuzelle. Im Jahr 2018 schrieb Markus Kremser für das Domradio im Bezug auf die Neugründung der Zisterzienser: „Wenn das neue Zisterzienser-Kloster nun möglicherweise in die ehemaligen Räume des Priesterseminars einzieht, wäre das der Abschluss jahrzehntelanger Bestrebungen“.
Heutige Ordensniederlassung
Phase der Neugründung (2014 – 2018) mini|Abschrift der Gründungsurkunde des Klosters Neuzelle vom 2. September 2018 Die Anfrage des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt aus dem Jahr 2014 beim österreichischen Kloster Heiligenkreuz hinsichtlich einer möglichen Wiederbesiedelung des Klosters Neuzelle wurde vom Abt des Klosters zunächst abgelehnt. Nach einer erneuten Anfrage im Juli 2015 stimmte der Abt einer Prüfung des Vorhabens zu.
Im März 2016 besuchten einige Vertreter, unter ihnen Ipolt, das Stift Heiligenkreuz für Gespräche. Dabei wurden Besuchstermine der Mönche in Neuzelle vereinbart und die Abstimmung über die Wiederbesiedelung auf den Herbst festgelegt. Im Juli fand ein Probeaufenthalt von vier Brüdern statt. Im selben Monat wurde ein von Wolfgang Ipolt verfasstes Gebet freigegeben und veröffentlicht. Es wird von den Mönchen von Heiligenkreuz täglich im Anschluss an die Non gebetet. Am 10. November 2016 votierte der Konvent des Stiftes Heiligenkreuz für eine Prüfung der Wiederbesiedelung. Am 11. Dezember 2016 konstituierte sich der Förderverein des Klosters. Im Januar 2017 fanden Besuche und Begehungen der historischen Gebäude statt. Am 27. August desselben Jahres wurden die ersten vier Mönche vor dem Pfarrhaus in Neuzelle empfangen.
Am 7. Januar 2018 übernahm Ministerpräsident Dietmar Woidke die Schirmherrschaft über die Feierlichkeiten zur 750-Jahr-Feier der Gründung und begrüßte die Wiederansiedelung der Zisterzienser. Am 20. August 2018 wurden die sechs Gründermönche von Heiligenkreuz aus entsendet. Am 2. September 2018 folgte während der Bistumswallfahrt nach Neuzelle die kanonische Errichtung des Priorats. Es steht in Abhängigkeit des österreichischen Stift Heiligenkreuz und gehört zur Österreichischen Zisterzienserkongregation.
Der ursprüngliche Plan des Görlitzer Bischofs war es, das neue Kloster im historischen Kloster Neuzelle anzusiedeln. Es war hierbei vorgesehen, dass die Mönche im ehemaligen Kanzleigebäude unterkommen. Allerdings gehört das gesamte historische Klostergelände als Teil einer staatlichen Stiftung der Stiftung Stift Neuzelle, die dem Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg unterstellt ist. Diese Stiftung existiert seit 1996 und hatte seit der deutschen Wiedervereinigung mit Geldern im zweistelligen Millionenbereich das Kloster Neuzelle restauriert. Diese Arbeiten dauern teilweise bis heute an. Die Stiftung wollte keine Teile des Klosters verkaufen. Die sonstigen Räumlichkeiten werden von ihr vermietet. Man wollte diese Mietverträge auch nicht aufkündigen. Demnach kommen die Mönche zunächst provisorisch im katholischen Pfarrhaus, der ehemaligen Sommerabtei, unter und planen einen Neubau. Auf dem ehemaligen Stiftsgelände befinden sich neben der katholischen und evangelischen Pfarrgemeinde auch Museen und Schulen. Das Land Brandenburg investiert bis heute viel Geld in die Klosteranlage. So waren im Haushalt 2017/2018 rund 1,9 Millionen Euro für Investitionen in die Klosterstiftung zur Verfügung gestellt. Zu Beginn gab es Pläne, die Mönche im ehemaligen Klausurgebäude unterzubringen. Dafür gab es Gespräche zwischen den Mönchen und der Brandenburger Wissenschaftsministerin Martina Münch. Der Görlitzer Bischof gab weiterhin bekannt, er wolle eine eigene Stiftung für das Klostergelände errichten.
Anfängliche Entwicklungen (seit 2018) Im November 2018 fanden Gespräche zwischen dem Bürgermeister Dietmar Baesler, den Mönchen und der Bürgerschaft statt. Ein Neubau in der ehemaligen Ministerium-für-Staatssicherheit-Liegenschaft Forsthaus Treppeln sollte geprüft werden.
Da den Mönchen das Neuzeller Kloster durch die Touristen zu unruhig geworden sei, wie der Prior in einem Presse-Interview bekannt gab, und es keine Entfaltungsmöglichkeiten auf dem historischen Klosterareal gab, wie beispielsweise für Klosterbesucher auf Zeit, sollte in Treppeln ein neues Kloster errichtet werden.Interview mit Pater Prior Simeon in der Berliner Zeitung im November 2019. Das Brandenburger Kultusministerium hatte den Verkauf der MfS-Liegenschaft bestätigt. Um die baulichen Gegebenheiten an die Bedürfnisse der Mönche anzupassen, müssten alle vorher auf dem Gelände befindlichen Gebäude abgerissen werden. Nach Fertigstellung des neuen Klosters wollen die Mönche das historische Kloster Neuzelle dennoch nicht verlassen und werden weiterhin die Seelsorge der Pfarrei übernehmen sowie die Wallfahrtsseelsorge und den Wallfahrtsort betreuen.
Im November 2020 bestätigte die Stiftung das Kaufangebot über die Liegenschaft Forsthaus Treppeln, welches Ende November 2020 in Fürstenberg (Oder) notariell beurkundet wurde. Am 24. Januar 2022 wurde ein Holzkreuz auf dem höchsten Punkt des Kerngeländes errichtet, kurz darauf erfolgte die Segnung durch Jean-Claude Kardinal Hollerich. Danach wurden 27 ruinierte Gebäude auf einem 17 ha großen Gelände abgerissen. Am 8. Oktober 2022 besuchte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović, das Kloster Maria Friedenshort, besichtigte den Ort des Klosterneubaus und spendete den Apostolischen Segen.
Seit Juli 2022 besteht ein Konvent der Dienerinnen vom Heiligen Blut in Neuzelle. Die Schwestern arbeiten vor allem in der Pfarrseelsorge mit und helfen in der Betreuung der Kindertagesstätte, halten zudem eigene Veranstaltungen wie beispielsweise die wöchentlich stattfindenden Blut-Christi-Rosenkränze und Herz-Mariä-Sühne-Samstag sowie einmal monatlich eine Nachtanbetung ab.
Nach Abschluss der Abrissarbeiten fand am 30. September 2023 die Schlüsselübergabe auf dem neuen Klostergelände statt, wobei auch der erste Plan unter der Leitung von Architektin Tatiana Bilbao für das Kloster Maria Friedenshort vorgestellt wurde. Grundmaterialien des neuen Klosters sollen vor allem Stein und Holz sein.Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. März 2024. Abgerufen am 25. November 2024 Unter den 450 Gästen dieser Schlüsselübergabe waren unter anderem Abt Maximilian Heim, Bischof Wolfgang Ipolt und Staatssekretär Tobias Dünow. Der Baubeginn der Klosterkirche ist für das Jahr 2026 geplant. Ebenfalls 2023 wurde der Bernhardshof erworben, der wegen der nicht mehr ausreichenden Wohnsituation im katholischen Pfarrhaus in Neuzelle zu einem provisorischen Kloster umgebaut wird und voraussichtlich 2025 beziehbar sein wird. Im April 2024 kam es zur Vertragsunterzeichnung mit der Flächenagentur Brandenburg in Bezug auf den Waldausgleich.
Ende Oktober 2024 trafen zwei Thuiner Franziskanerinnen in Neuzelle ein, die vorerst für ein Jahr mitarbeiten sollten. Im Rahmen des Heiligen Jahres 2025 erklärte Bischof Ipolt die Stiftskirche Neuzelle, neben der Kathedrale St. Jakobus, zu offiziellen Pilgerkirchen des Bistums Görlitz. Die Eröffnung der Kirchen zu diesem Anlass geschah am 29. Dezember 2024, dem Fest der Heiligen Familie.
Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass die Franziskanerinnen weiterhin in Neuzelle bleiben werden und eine Niederlassung der Kongregation wurde offiziell am 8. Oktober gegründet.
Gebäude Historische Stiftsgebäude
hochkant=2|mini|Lagekarte des Klosters Neuzelle und Lage der beiden Klöster in Neuzelle und Treppeln; im Pfarramt befindet sich das provisorische Kloster mini|Blick auf das historische Kloster vom Klostergarten aus; links im Bild das katholische Pfarrhaus