Dieser Artikel bietet eine Übersicht über die Regionen, in denen Olivenöl erzeugt wird, sowie über die zugehörigen Olivensorten. mini|hochkant=1.8|Die Olivenölgebiete im Mittelmeerraum Die Anbaugebiete liegen überwiegend in den Staaten am Mittelmeer, doch sind die Ansprüche der Bäume an Klima, Boden und kulturelle Vorbedingungen so, dass nur eine begrenzte Zahl von Landschaften den Löwenanteil des Olivenöls produziert. Zunehmend wird Olivenöl auch in Amerika, Australien und in Ostasien produziert, aber auch innerhalb Europas jenseits des Mittelmeerraums, wie etwa in Ungarn.Réka Csapó: Villa Olive – Das erste Olivenforum Ungarns, Diplomarbeit, Technische Universität Wien, 2024 (online). Insgesamt wird Olivenöl auf 30 Millionen Hektar Land produziert, die Gesamtproduktion hat sich zwischen 1990 und 2010 etwa verdreifacht.Volker Mrasek: Erfolg mit Schattenseiten, Deutschlandfunk, 6. Juni 2013.

Mittelmeerraum Spanien mini|hochkant=1.6|Die für die Produktion von Olivenöl relevanten Anbaugebiete in Spanien: (Andalusien): 1. Sierra de Cádiz; 2. Antequera; 3. Estepa; 4. Lucena; 5. Priego de Córdoba; 6; Poniente de Granada; 7. Baena; 8. Jaén Sierra Sur; 9. Montes de Granada; 10. Sierra Mágina; 11. Sierra de Cazorla; 12. Sierra de Segura; 13. Campiñas de Jaén; 14. Montoro-Adamuz; (Extremadura) 15. Monterrubio; 16. Gata-Hurdes; (Kastilien-La Mancha) 17. Aceite Campo de Montiel; 18. Campo de Calatrava; 19. Aceite Montes de Alcaraz; 20. La Alcarria; 21. Montes de Toledo; (Balearen) 22. Aceite de Mallorca; (Katalonien) 23. Baix Ebre-Montsià; 24. Oli de Terra Alta; 25. Siurana; 26. Les Garrigues; 27. Oli de l'Empordà; 28. Aceite de La Rioja; (Navarra) 29. Aceite de Navarra; (Aragón) 30. Aceite del Bajo Aragón; (Comunidad Valenciana) 31. Aceite de la Comunitat Valenciana; (Madrid) 32. Aceite de Madrid In Spanien gibt es 23 offiziell anerkannte Anbau- und Erzeugerregionen (Denominación de Origen Protegida/DOP) für Olivenöl (aceite de oliva virgen), die meisten davon im wichtigsten Anbaugebiet Andalusien, woher 90 % der Erträge stammen. Insgesamt rechnet man mit 215 Millionen Olivenbäumen in zehn Anbauregionen.

Die wichtigsten Olivensorten, aus denen Öl gewonnen wird, sind Picual – sie stellt allein rund die Hälfte der Ernte, ist robust und variiert im Geschmack je nach Anbaugebiet sehr stark –, dann Arbequina, wohl eine der bekanntesten spanischen Sorten. Sie ist fruchtig, mild, leicht süßlich und lässt Artischocken ahnen, Blanqueta, eine sehr blasse Sorte aus der Region Levante an der Costa Blanca (Mandeln, sehr mild, dennoch intensives Aroma), Cornicabra (stellt rund ein Achtel der Gesamternte, der Name „Ziegenhorn“ leitet sich von ihrer Form ab, reicht von süßlich bis scharf), Empeltre (sehr alte Sorte der Balearen, fruchtig, apfelig), Hojiblanca (Sevilla, Granada, Córdoba und Málaga sind ihre Anbaugebiete, rund ein Sechstel der Gesamternte, zartbitter und pikant nach Kräutern), Lechin de Sevilla (weißlicher Saft, würzig, ein wenig bitter), Manzanilla (aus den Bergen von Alicante in Cáceres, meist Tafelolive, da ihr Öl ein wenig bitter schmeckt), Picudo (vor allem in Andalusien, fruchtig nach Mandeln und Äpfeln), Verdial oder Morisca (Extremadura, besonders süß und fruchtig).

Es waren nicht erst die Phönizier und die Griechen, die den Olivenbaum auf die Iberische Halbinsel brachten, denn er lässt sich schon für die Bronzezeit nachweisen.Jan Schneider: Ländliche Siedlungsstrukturen im römischen Spanien. Das Becken von Vera und das Camp de Tarragona – zwei Mikroregionen im Vergleich (= Archaeopress Roman Archaeology 22), Oxford 2017, S. 11. Zu Zeiten der Herrschaft Aragoniens (13. Jahrhundert) wurde Olivenöl nach Nordafrika exportiert.

Portugal In Portugal, wo zwei Drittel der Oliven im Alentejo produziert werden, bestehen sieben Regionen, die ein Herkunfts- und Qualitätssiegel (Denominação de Origem Protegida) tragen, das von der EU anerkannt ist, nämlich Azeite: de Moura, de Trás-os-Montes, do Ribatejo, do Norte Alentejano, da Beira Alta, da Beira Baixa und Alentejo Interior. 2011 bestanden Olivenhaine auf einer Fläche von 430.000 ha. Dabei produzierten 1472 Ölmühlen insgesamt zwischen 50.000 und 80.000 t Olivenöl.Paul Vossen: Growing Olives for Oil, in: Ramón Aparicio, John Harwood (Hrsg.): Handbook of Olive Oil. Analysis and Properties, 2. Aufl., Springer, 2013, S. 19–56, hier: S. 25. Kooperativen sorgten für die Abfüllung. Vier Fünftel der Ernte basierten bis etwa 2005 auf den kleinen Oliven der Sorte Galega, hinzu kommen Cordovil und Carrasquenha.

Seit dem Bau des Alqueva-Damms löst in Portugal die industrielle Olivenölproduktion vielfach die traditionelle, auf Familienbetrieben basierende Produktion ab. Seit 2003, dann erneut seit 2011, seit die Regierung eine entsprechende Initiative mittels günstiger Kredite und billigen Landes einleitete, stieg der Anteil des Alentejo an der portugiesischen Produktion auf 77 %, der Anteil der Olivenhaine gar auf 85 %.

Meist dominieren den Anbau seither spanische Unternehmen, die inzwischen die Hälfte des Alentejoöls herstellen. Mit dem Wechsel zu spanischem Kapital kamen auch spanische Sorten ins Land, die Sorten Arbequina und Hojiblanca herrschen mittlerweile vor. Diese Unternehmen üben einen enormen Preisdruck auf die Kleinproduzenten aus, denen für ihr besseres, aber teureres Öl die Absatzkanäle fehlen. Viele der traditionellen Ölproduzenten haben ihre Betriebe bereits aufgegeben.Daniel Dawson: The Changing Face of Alentejo’s Olive Oil, in: Olive Oil Times, 11. Februar 2019.

Marokko mini|hochkant=1.2|Wilder Olivenbaum in Marokko, 1965 In Marokko wird aus Baldi Picholine, auch Picholine Marocaine genannt, über 90 % des Öls gewonnen. Auch wenn die Olive entweder über Land aus Ägypten oder über See aus Südspanien oder dem Mittelmeer sehr viel früher ankam, so finden sich die ersten Nachweise erst aus römischer Zeit um Volubilis, Lixus und Tingis. Um Fès, Marrakesch und Tlemcen wird sie durch arabische Reiseberichte des 11. bis 17. Jahrhunderts belegt, um Sousse und im Tafilalt erst im späten 17. Jahrhundert. Möglicherweise hing diese vergleichsweise späte Einführung mit der Konkurrenz mit anderen Ölen, wie dem Arganöl zusammen.

Während der Kolonialzeit wurde der Anbau gefördert, aber es war eine Rede des Königs am 3. Oktober 1986, der die kostenlose Verteilung von Samen folgte, die zu einer stärkeren Verbreitung der Olivenbäume führte. 2010 wurde ein nationaler Plan verkündet, nach dem Olivenbäume auf einer Gesamtfläche von einer Million Hektar angepflanzt werden sollen.Abdelmajid Moukhli, Hicham Haouane, Cherkaoui El Modafar, Bouchaib Khadari: Histoire de l’introduction et de la diffusion de l’oléiculture au Maroc, in: Hélène Ilbert, Yavuz Tekelioglu, Selim Çagatay, Selma Tozanli (Hrsg.): Indications géographiques, dynamiques socio-économiques et patrimoine bio-culturel en Turquie et dans les pays méditerranéens. CIHEAM, Montpellier 2013, S. 169–196 (online).

Bis 2013 entstanden 600.000 ha Olivenhaine in 400.000 Betrieben. Sie produzierten zwischen 60.000 und 108.000 t Olivenöl. 2013 bestanden 350 Ölmühlen neben 16.000 traditionellen Pressen.Paul Vossen: Growing Olives for Oil, in: Ramón Aparicio, John Harwood (Hrsg.): Handbook of Olive Oil. Analysis and Properties, 2. Aufl., Springer, 2013, S. 19–56, hier: S. 25.

Algerien Olivenöl spielte in römischer Zeit eine erhebliche Rolle. Eine wichtige Quelle sind die Tabulae Albertini, die 1928 am Djebel Mrata entdeckt wurden und die auf 45 Holztafeln geschriebene Urkunden aus den Jahren 493 bis 496 umfassen. In den meisten Fällen handelt es sich um Grundstückskäufe, Land auf dem unter anderem Oliven geerntet wurden, hinzu kommt ein Verkauf einer Olivenpresse.

Die Beys von Constantine, die den Deys von Algier unterstanden und ihnen tributpflichtig waren, besaßen bei Olivenöl eine ähnliche monopolartige Stellung wie ihre Oberherren, die das Monopol bereits im 17. Jahrhundert durchgesetzt hatten.

Die französische Kolonialpolitik ließ die Olivenölproduktion Algeriens zwischen 1910 und 1940 von 3,5 Millionen Liter auf 1,65 Millionen Liter einbrechen.Mahfoud Bennoune: The Making of Contemporary Algeria, 1830–1987, Cambridge University Press, 2002, S. 59, ISBN 978-0-521-52432-2. Begonnen hatte sie 1844 mit dem Versuch, die ausgedehnten Olivenbaumbestände von 52.000 ha zur Veredelung zu nutzen. Das Olivengebiet der Kabylei bestand 1978 praktisch nur aus veredelten Bäumen, das Pfropfen war in höheren Lage das gängige Verfahren. Dort wächst praktisch nur die Sorte Chemlal.Franz Bigler: Die Bedeutung der Oleaster für die Populationsdynamik von Dacus oleae GMEL. (Dipt., Trypetidae) in Westkreta, Diss. Bern 1979, S. 11 f.

2013 bestanden bei 300.000 ha Olivenhainen, davon 240.000 für Olivenöl, 1650 Ölmühlen. Die Jahresproduktion lag zwischen 50.000 und 70.000 t.Paul Vossen: Growing Olives for Oil, in: Ramón Aparicio, John Harwood (Hrsg.): Handbook of Olive Oil. Analysis and Properties, 2. Aufl., Springer, 2013, S. 19–56, hier: S. 25.

Tunesien mini|Römische Öllampe, Museum von Lamta Unklar ist, ob die Olivenkultur bereits um 4000 v. Chr. ins Land kam, oder ob die Ölkultur hier erst um 1200 v. Chr. Eingang fand, vielleicht sogar noch später durch die Phönizier.Vincent Lebreton, Sahbi Jaouadi, Simone Mulazzani, Abdelkarim Boujelben Lotfi Belhouchet, Amor Mokhtar Gammar, Nathalie Combourieu-Nebout, Jean-François Saliège, Mohamed Raouf Karray, Eric Fouache: Early oleiculture or native wild Olea in eastern Maghreb: new pollen data from the sebkha-lagoon Halk el Menjel (Hergla, Central Tunisia). In: Environmental Archaeology. 11, (2014), S. 1–9, doi:10.1179/1749631414Y.0000000046. In römischer Zeit war die Ausfuhr von Oliven jedenfalls von größter Bedeutung, insbesondere ab dem 3. Jahrhundert.

Der Marktzugang für tunesisches Öl in die EU ist begrenzt. Die Europäische Kommission schlug 2015 vor, bis Ende 2017 ein zollfreies Kontingent für die Ausfuhr von jährlich 35.000 t tunesischen Olivenöls in die EU zur Linderung der wirtschaftlichen Probleme des Landes zuzugestehen, eine Menge, die zu den bereits im Rahmen des Assoziationsabkommens festgelegten 56.700 t hinzukommt.

In Tunesien herrschen die Olivensorten Chemlali und Chetoui vor, doch finden sich je nach Region auch andere Sorten, wie Zalmati, Chemchéli, Oueslati, Zarrazi, Jerboui, Marsaline, Fouji, Meski, Tounsi, Besbessi, Sahli Mguargueb und so weiter. Promotion Program for Tunisian Olive Oil, auf tunisia-oliveoil.com.

In Südtunesien in der Region von Sfax gedeiht die kleine Chemlali, die sehr widerstandsfähig gegen Hitze und Trockenheit ist und ein mildes Öl mit einem leichten Geschmack nach grünen Mandeln liefert. Die ariden Bedingungen der beginnenden Wüste machen große Abstände zwischen den Olivenbäumen notwendig und erlauben damit eine Anbaudichte von nur 17 Olivenbäumen pro Hektar.

Im Norden Tunesiens wird die Chetoui angebaut. Sie ist größer und liefert ein Olivenöl mit einem fruchtigen, leicht bitteren Geschmack. In Nordtunesien liegt die Anbaudichte bei 100 bis 150 Olivenbäumen pro Hektar.N. Kammoun Grati, M. Khlif: Caractérisation Technologique des variétés d’olivier cultivées en Tunisie. In: Ezzaitouna. numéro spécial, 2001.

Das aride Klima in Tunesien sorgt dafür, dass Pestizide meistens entbehrlich sind. 95 % der tunesischen Olivenhaine werden traditionell gepflegt, ganz ohne Pestizide. Obwohl viele Produzenten ökologisch vorgehen, sind nur wenige als ökologisch lizenziert.

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