Kuannersuit () ist ein 685 Meter hoher Berg im Distrikt Narsaq in der Kommune Kujalleq im Süden Grönlands. Nach ihm benannt ist die gleichnamige bedeutende Lagerstätte für Seltene Erden und Uran.

Etymologie mini|hochkant=1.5|Die Lagerstätte Kvanefjeld ① im Ilimmaasaq-Komplex bei Narsaq Kuannersuit ist das grönländische Wort für „Große Engelwurze“, basierend auf dem Stamm kuanneq, einer Entlehnung aus dem altnordischen hvǫnn, woraus auch das dänische gleichbedeutende dänische Wort kvan hervorgegangen ist. Der dänische Name Kvanefjeld bedeutet somit „Engelwurzberg“.

Geschichtliches Die Lagerstätte Kvanefjeld war erstmals im Jahr 1956 entdeckt worden. Prospektion und Erkundung waren seitdem am Ilimmaasaq-Komplex schon seit längerer Zeit zugange. Die ursprüngliche Entwicklung der Lagerstätte war ganz auf Uran konzentriert – was durch den Besuch des Physikers Niels Bohr in Narsaq im Jahr 1957 unterstrichen wurde. Im Jahr 1983 entschied sich jedoch die dänische Regierung, den Ausbau der Atomenergie nicht weiter fortzusetzen – und so wurden die Entwicklungsarbeiten am Kuannersuit 1984 vorerst eingestellt. Eine weitere Exploration wurde noch im selben Jahr von den grönländischen Behörden untersagt.

Jedoch wurde im Jahr 2007 das Gelände von der Bergwerksgesellschaft Greenland Minerals and Energy Ltd (GMEL) aufgekauft. Bedingt durch den Entscheid der grönländischen Regierung aus dem Jahr 2010, die Betriebsbedingungen für den geplanten Tagebau weniger restriktiv zu handhaben, eröffnete sich jetzt die Möglichkeit, zu einem groß angelegten Abbau überzugehen. So wurde im Jahr 2015 der Antrag für die Abbaulizenz eines offenen Tagebaus der grönländischen Regierung unterbreitet.

Der Hauptaktionär von GMEL war im Jahr 2017 die chinesische Firma Shenghe Resources Holding Co. Ltd, die auf der Börse von Shanghai eingetragen war.

Der geplante Tagebau wurde aber im Jahr 2021 zum Streitthema der Parlamentswahl in Grönland 2021. Aus dieser ging die neue Koalition aus Inuit Ataqatigiit und Naleraq siegreich hervor, deren politisches Programm vor allem vom Widerstand gegen den Uranabbau geprägt worden war. Die regierende Koalition erließ sodann einen generellen Stopp des Uranbergbaus, der den weiteren Ausbau des Projekts beendete.

Geographie mini|hochkant=1.5|Villiaumit-führender Lujavrit vom Kuannersuit

Der Berg Kuannersuit und die assoziierte Lagerstätte liegen 8 km nordöstlich von Narsaq in der Kommune Kujalleq. Sie gehören beide zum Nordwestrand des Ilimmaasaq-Komplexes – einer rund 1160 Millionen Jahre alten, alkalischen Intrusion des Mesoproterozoikums (Stenium). Der Gipfel sitzt auf einer Plateaufläche und bildet Teil des vom Ilimmaasaq (1390 Meter) herabziehenden Südwestgrats, dem auch der Ilimmaasap Allequtaa (Steenstrup Fjeld) (865 m – knapp 2 km weiter im Nordosten des Kuannersuit) angehört. Der Ilimmaasaq ist rund 5 km vom Kuannersuit entfernt. Die Südostseite des Südwestgrats wird vom Kuuk (Narsaq Elv) nach Südwesten zur Bucht Narsap Ilua bei Narsaq entwässert. Der Fluss entspringt 2 km südlich des Ilimmaasaqs.

Geologie Der Berg Kuannersuit und das ihn umgebende Kvanefjeld-Plateau befinden sich geologisch an der Nordwestecke des Ilimmaasaq-Komplexes, und zwar in dessen Dachbereich. Hier berühren Lujavrite die Vulkanite der Eriksfjord-Formation.

Der Berg Kuannersuit und die von ihm aus in Südostrichtung abfallende Lagerstätte liegen vorwiegend auf Lujavriten des Ilimmaasaq-Komplexes – und zwar auf Aenigmatit-Lujavriten. Diese werden umringt von der mesoproterozoischen Eriksfjord-Formation (vorwiegend 1.350 bis 1.140 Millionen Jahre alte Vulkanite und Sandsteine) sowie im Südosten von Augitsyenit und Aegirin-Lujavriten. Im äußersten Nordosten des Berges in Richtung Ilimmaasap Allequtaa (Steenstrup Fjeld) erscheint auch noch ein kleines Vorkommen an Naujait. Die Lagerstätte endet im Südosten im Alluvium des nach Südwest über Narsap Ilua (Dyrnæs) nach Narsaq entwässernden Flusses Kuuk (Narsaq Elv). Die etwas abgesonderte Narsaq-Intrusion erscheint nur knapp einen Kilometer nördlich des Berges, dahinter liegt dann bereits der Fjord Kangerluarsuk.

Im Einzelnen ist die Geologie am Kuannersuit sehr kompliziert, da mehrere Gesteinstypen des Komplexes, Nebengesteine, Gabbros und auch Anorthosite als Einschlüsse zusammen in einer Matrix auftreten, welche ihrerseits aus mindestens zwei verschiedenen Lujavriten aufgebaut ist. Hinzu kamen eine starke Metasomatose-Überprägung und hydrothermale Einflüsse. Das Gebiet wird ferner von einigen späten Lamprophyrgängen durchquert.

Eine recht neue Interpretation geht dahin, Kuannersuit als einen Ableger eines an Arfvedsonit reichen Lujavritmagmas anzusehen, welches entlang einer Bruchzone am Nordrand des Komplexes eindrang. Ein sehr spät differenzierter Lujavrit ist sehr reich an Naujakasit und Steenstrupin-(Ce). Diese Gesteine stehen am Ende einer sehr langen Entwicklung des Stammmagmas und sind hyperagpaitisch. Wegen ihres außergewöhnlichen hohen Gehalts an Seltenen Erden sind sie von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

Gipfelaufbau Der Gipfel des Kuannersuit wird von den Vulkaniten der Eriksfjord-Formation gebildet. Diese nehmen in etwa das obere Drittel des Plateaus ein und gehen dann mit einem scharfen Kontakt in Lujavrite über. Die Lujavrite ziehen das gesamte restliche Plateau bis zum Kuuk (Narsaq Elv) hinunter, welcher dann seinerseits von recht hellen Naujaiten unterlagert wird. Am Südwestgrat unterhalb des Gipfels überlagern die Vulkanite direkt mittel- bis grobkörnige M-C-Lujavrite, die linsenartig dem bräunlichen Augitsyenit aufsitzen. Der Augitsyenit bildet dann die Fortsetzung des Südwestgrats und reicht ebenfalls bis zum Kuuk hinunter.

Im unteren Drittel des Plateaus ist eine Gletschertrimmlinie schön zu erkennen.

Minerale Der Kuannersuit ist die Typlokalität von 10 Mineralen (Stand 2025): Carlgieseckeit-(Nd), Kvanefjeldit, Nabesit, Nacareniobsit-(Ce), Orthojoaquinit-(La), Rohait, Sørensenit, Townendit und Vitusit-(Ce) sowie der nach der Typlokalität benannte Kuannersuit-(Ce).Typlokalität Kuannersuit-Plateau beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 27. September 2025.

Insgesamt konnten an verschiedenen Fundstätten am Kuannersuit bisher über 70 anerkannte und zum Teil recht seltene Mineralarten entdeckt werden. Außer den bereits genannten sind dies unter anderem Albit, Analcim, Bartonit, Beryllit, Chkalovit, Chlorbartonit, Dorfmanit, Epistolit, Eudialyt, Hydrocerussit, Mikroklin, Lomonosovit, Lorenzenit, Lovdarit, Manganoeudialyt, verschiedene Monazite, Moskvinit-(Y), Murmanit, Natrolith, Natrophosphat, Nephelin, Neptunit, Pektolith, Polylithionit, verschiedene Rhabdophane, Sodalith, Sphalerit, Trona, Tugtupit, Ussingit, Villiaumit, Vuonnemit und Yofortierit.

Geochemie Hauptelemente Die folgenden geochemischen Analysen der Hauptelemente vergleichen den primären Augitsyenit mit verschiedenen Lujavriten des Ilimmaasaq-Komplexes (Aegirinlujavrit und Arfvedsonit-Lujavrit) und des Kvanefjelds (Arfvedsonit-Lujavrit, Villiaumit-Arfvedsonit-Lujavrit und Naujakasit-Lujavrit) OxidGew. % Augit-Syenit Aegirin-Lujavrit Arfvedsonit-Lujavrit Villiaumit-Arfvedsonit-Lujavrit Naujakasit-Lujavrit SiO2 53,24 52,38 52,25 51,22 48,25 50,02 TiO2 2,44 0,22 0,23 0,24 0,25 0,22 Al2O3 14,79 13,20 12,23 12,06 12,30 13,12 Fe2O3 2,64 10,90 6,06 5,44 7,03 4,27 FeO 8,66 1,96 8,72 8,80 7,72 9,40 MnO 0,24 0,37 0,64 0,56 0,54 0,70 MgO 1,60 0,10 0,12 0,06 0,02 0,03 CaO 4,94 1,20 0,27 0,26 0,14 0,19 Na2O 4,68 10,72 9,25 9,90 14,31 12,41 K2O 4,26 2,82 3,23 3,31 3,41 3,28 P2O5 0,74 0,18 0,54 0,73 0,58 0,48 H2O− 0,19 0,28 0,24 0,09 0,09 0,07 H2O+ 0,29 3,44 3,65 3,41 1,78 1,94 Al/K+Na 1,20 0,64 0,65 0,61 0,46 0,55 Al/K+Na+Ca 0,69 0,58 0,64 0,59 0,45 0,54

Die angeführten Gesteinsproben sind mit Ausnahme des Augitsyenits alle peralkalisch (mit Al/K+Na < 1). Der Augitsyenit ist metaluminos (mit Al/K+Na > 1 und Al/K+Na+Ca < 1). Der SiO2-Gehalt der Lujavrite schwankt zwischen 48,25 und 52,38 Gewichtsprozent und ist somit intermediär. Der Na2O-Gehalt erreicht im Villiaumit-Arfvedsonit-Lujavrit enorm hohe Werte von 14,31 Gewichtsprozent, der gleichzeitig mit 0,46 auch den am stärksten peralkalischen Charakter aufweist. Sämtliche Gesteine sind natriumbetont.

Spurenelemente Die Spurenelemente in den feinkörnigen Lujavriten zeigen hohe Konzentrationen bei Zirconium (bis 5567 ppm), Cer (bis zu 3900 ppm), Lanthan (bis 3210 ppm), Zink (bis 2680 ppm), Rubidium (bis 971 ppm), Neodym (bis 937 ppm), Yttrium (bis 929 ppm), Lithium (bis 882 ppm) und Niob (bis 480 ppm). Recht hoch konzentriert sind neben Uran, Thorium und Seltene Erden generell die residuellen Elemente Phosphor, Fluor, Beryllium, Cäsium, Zinn, Blei, Molybdän, Arsen, Tantal und Gallium. Sehr niedrig konzentriert sind hingegen Barium und Strontium.

Lagerstätte mini|hochkant=1.6|Eudialyt mit Aegirin vom Ilimmaasaq-Komplex mini|hochkant=1.6|Tugtupit vom Kuannersuit

Die Lagerstätte Kuannersuit gilt als zweitgrößtes Vorkommen für Seltene-Erden-Oxide weltweit und als sechstgrößtes Vorkommen für Uran. Es sind auch bedeutende Ablagerungen von Zink und Natriumfluorid (Villiaumit) vorhanden. Der Kuannersuit stellt somit eines der größten Vorkommen mit breiter Elementstreuung dar und ist einzigartig in seiner Art. Die Lagerstätte unterscheidet sich daher durch seine Bandbreite von anderen Seltene-Erden-Projekten.

Vor allem Uran hat sich im Dachbereich in M-C-Lujavriten (Steenstrupin-führenden Lujavriten) angereichert, die Gesteine sind radioaktiv. Das Dach selbst ist fenitisiert und reich an Steenstrupin.

Die höchsten Konzentrationen an Seltenen Erden, Uran und Zink befinden sich somit in den Hangendlagen des Lujavrits. Lujavrit ist eine dunkle (melanokrate), agpaitische, seltene Varietät von Nephelinsyenit, die sich aus Amphibol, Pyroxen (Aegirin), Nephelin und Feldspat zusammensetzt. Rote Flecken im Gestein werden von dem seltenen, wasserlöslichen Halid Villiaumit (NaF – Natriumfluorid) aufgebaut.

Lujavrite (insbesondere die Arfvedsonit-Lujavrite und die M-C-Lujavrite) enthalten innerhalb des Komplexes die höchste Konzentration inkompatibler Elemente (mit der höchsten Konzentration an Lithium, Rubidium, Beryllium, Seltene Erden, Zink, Uran, Thorium und anderen Elementen) und bilden daher bedeutende Erzlagerstätten – wie eben die Lagerstätte Kuannersuit. Sie stehen am Ende einer extremen Fraktionierung, nachdem 99 % des primären Augitsyenits auskristallisiert waren.

Die feinkörnigen Lujavrite können auf dem Kvanefjeld-Plateau in einen Nord- und in einen Südabschnitt unterteilt werden, dazwischen legt sich eine Übergangszone. Der Nordabschnitt folgt dem Nordkontakt des Komplexes und setzt sich dann östlich des Plateaus entlang dem Nebengesteinskontakt als Lujavritgürtel fort. Der Nordabschnitt hat relativ niedrige Gehalte an Uran, Thorium und Seltene Erden, die hyperagpaitische Mineralogie beschränkt sich hierbei auf die stratigraphisch höchsten Abschnitte. Die Übergangszone und der Südabschnitt des Plateaus liegen unter riesigen Massen von Nebengesteinen, die als in situ Überbleibsel des Dachs der lujavritischen Magmenkammer angesehen werden können. Übergangszone und Südabschnitt haben sehr hohe Gehalte an Uran, Thorium und Seltene Erden und enthalten hyperagpaitische Varietäten mit Naujakasit, Steenstrupin und Villiaumit.

Die Schlüsselrolle bei der Bildung der Kvanefjeld-U-Th-REE-Lagerstätte spielte sicherlich das Deckgebirge, das als eine Art undurchdringbarer Deckel für die darunter kristallisierende Magmenkammer fungierte, in welcher sodann flüchtige und residuelle Elemente sich frei bewegen und akkumulieren konnten. Ein ganz ähnlicher Prozess lief auch im Zentrum des Komplexes ab.