mini|Kværs Kirke mit Glockenstapel (links) (2023) mini|Kværs ist das westlichste Kirchspiel der Kirchen-Propstei Sønderborg Kværs Kirke ist die evangelisch-lutherische Kirche der dänischen Ortschaft Kværs (deutsch: Quars) im Westen der Halbinsel Sundewitt in Nordschleswig, Dänemark. Das um 1200 erbaute romanische Kirchengebäude der Dänischen Volkskirche gehört heute zum Bistum Haderslev. Auch die Nordschleswigsche Gemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland hält hier Gottesdienste ab. Das Patrozinium der Kirche ist nicht mehr bekannt.
Baugeschichte Kirchenschiff und Chor wurden um 1200 aus Feldsteinen und behauenem Stein auf einem Sockel errichtet. Das vor der Nordtür aus Backsteinen erbaute Waffenhaus ist schwer datierbar, aber wahrscheinlich nicht mehr mittelalterlich. Der östliche und westliche Dachgiebel wurden 1610 bzw. 1691 in Backstein erneuert; dabei wurden Maueranker mit diesen Jahreszahlen angebracht. 1705 wurde im Inneren der Chorbogen entfernt. An der Nordseite des Chores wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts eine Grabkapelle für die Besitzer des Ladegård angebaut, die seit 1726 das Kirchenpatronat hatten;Vgl. Niels Nielsen, Kværs Sogn bei Trap Danmark, online sechs Särge, die sich hier befanden, wurden 1924 auf dem Friedhof begraben, seitdem ist die Seitenkapelle ein Lager- und Heizungsraum. Ein Glockenstapel wurde erstmals 1685 erwähnt; er wurde jeweils 1720 und 1815 durch einen Neubau ersetzt.Kværs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1951 f., 1961 f.
Ausstattung mini|Inneres der Kirche mit Patronatsloge (oben links), Altar, Taufe, Pastorenstuhl und Kanzel mini|Die romanische Granittaufe von ca. 1200 Ältester Einrichtungsgegenstand der Kirche und ungefähr so alt wie diese ist die romanische Tauffünte aus Granit. Ihre Kumme ist mit zwei Ornament-Reihen verziert, oben Rankenwerk und unten Arkaden (auf Kapitellen ruhende Rundbögen). Der Fuß des Taufbeckens ist mit vier Eckköpfen geschmückt. Als sich im 19. Jahrhundert der Zeitgeschmack gegen alte Steintaufen wendete (so z. B. auch in Havnbjerg), wurde das Taufbecken 1859 an den Hufner Clausen auf dem Hof Tvingholm in Kværs verkauft und dort als Pferdetränke zweckentfremdet. 1902 wurde es dort von Mitarbeitern des Flensburger Stadtmuseums entdeckt und für 200 Mark erworben.Kværs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1957. 1995, zum 75-jährigen Jubiläum der Eingliederung Nordschleswigs in Dänemark, kam es zu einem Austausch von Exponaten zwischen dem Flensburger Museum und dem Museum Schloss Sonderburg. In diesem Zusammenhang wurde die romanische Tauffünte an die Kirche von Kværs zurückgegeben, was einem lange gehegten Wunsch der Gemeinde entsprach.Vgl. auch Informationstafel zur Tauffünte in der Kirche (dänisch) Zwischen 1859 und 1995 wurde in Kværs ein hölzernes Taufbecken im Empire-Stil verwendet, das heute noch in einer Nische an der Nordwand der Kirche steht.Adriansen / Christensen, Kirkerne på Als og Sundeved, S. 114.
Der 1840 in die Kirche gekommene Altar ist einem spätgotischen Flügelaltar nachempfunden. Seine Haupttafel zeigt eine Kreuzabnahme nach Rubens, bleibt aber künstlerisch weit hinter diesem zurück. Die Seitentafeln zeigen Jesus in Gethsemane und die Auferstehung. Die Haupttafel ist signiert mit „H. Henningsen 18..“ (genaue Jahreszahl unleserlich). Der übrige Altar, also die Seitentafeln, sind nach Richard Haupt „in Flensburg gemalt von Jessen“. Damit ist nicht der Apenrader Maler Jes Jessen (1743–1807) gemeint,So missverstanden im Text „Kirche zu Quars“ der Nordschleswigschen Gemeinde, vgl. Weblinks. in dessen Werkverzeichnis der Altar von Kværs auch nicht erscheint,Keine Erwähnung im Werkverzeichnis bei Hanne Poulsen, Jes Jessen. Maleren fra Åbenrå, København 1971, ISBN 87-7016-077-5, vgl. dort zu den kirchlichen Arbeiten S. 20–36, 110–113. sondern der mit diesem nicht verwandte Flensburger Maler Johann Jacob Jessen (ca. 1761–1805).Vgl. Johann Jacob Jessen in Weilbachs Kunstnerleksikon, online Die ursprüngliche Predella in geschwungenen Formen wurde 1924 durch eine einfachere mit dem in Goldbuchstaben aufgemalten Zitat von ersetzt.Adriansen / Christensen, Kirkerne på Als og Sundeved, S. 113.
Die Kanzel stammt vom Beginn des 17. Jahrhunderts und zeigt in drei Feldern Mariae Verkündigung, Jesu Geburt und Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes.Kværs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1958. West- und Nordempore von 1803 ersetzen eine ältere Empore von 1716. Am Ostende der Nordempore befindet sich das Gehäuse der früheren Patronatsloge.Kværs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1960. In der Südostecke des Chores steht ein Pastorenstuhl von 1859.Kværs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1959. Das Votivschiff der Kirche ist ein dreimastiger Vollrigger mit der Aufschrift „P. Rasmussen Kværs 1900“.
An der Südwand der Kirche hängen zwei Figuren Johannes des Täufers, die aus untergegangenen mittelalterlichen Haupt- und Seitenaltären von Kværs stammen, die linke, 159 cm hoch, datiert von ca. 1350, die rechte, 150 cm hoch, vom Ende des 15. Jahrhunderts.Kværs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1954. Ebenfalls an der Südwand hängt das Chorbogenkruzifix von ca. 1525 mit Maria und Johannes unter dem Kreuz; nach Abbruch des Chorbogens lag es lange auf dem Dachboden der Kirche.Adriansen / Christensen, Kirkerne på Als og Sundeved, S. 112. An der Nordwand der Kirche hängt ein Prozessionskruzifix von ca. 1475 mit Turbankrone; bis 1924 befand es sich über dem Altar.Kværs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1956. Nicht mehr in der Kirche, sondern im Museum Schloss Sonderburg befinden sich ein Korpus mit fein ausgeführter Figur von ca. 1250 und eine Pietà von ca. 1425–1450.Kværs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1954, 1956, 1958.
Orgel mini|Die Bruhn-Orgel von 1965 Die Kirche bekam ca. 1750 eine einfache Orgel mit ausgesägten Seitenflügeln. 1866 wurde ein Harmonium angeschafft, da die Orgel vermutlich nicht mehr in gutem Zustand war. Das Harmonium wurde seinerseits 1886 und 1890 als schlecht bezeichnet. Am 21. Dezember 1891 lieferte das Orgelbauunternehmen Marcussen & Sohn aus Apenrade eine einmanualige Orgel mit sechs Registern,Leopold Iwan Cirsovius: Orgel-Dispositionen aus Schleswig-Holstein. 194 Dispositionen und Beschreibungen, 1868–1895. Hrsg. von Reinhard Jaehn. Berlin, Kassel: Merseburger, 1986, S. 40, 51, 56. die im alten Prospekt untergebracht wurde. Dieselbe Firma, inzwischen geleitet von L. Zachariassen, ergänzte die Orgel 1911 um zweites Manual mit drei Registern, so dass nun insgesamt neun Stimmen vorhanden waren. 1965 kam ein Orgelneubau der Brødrene Bruhn in die Kirche.Adriansen / Christensen, Kirkerne på Als og Sundeved, S. 111, nennen das Jahr 1963, richtig ist aber mit Pontoppidan Thyssen, Dansk præste- og sognehistorie – Kværs, S. 500, das Jahr 1965, in dem auch eine Restaurierung der Kirche abgeschlossen wurde. Die äußere Gestalt der Orgel wurde von dem Sakralarchitekten Rolf Graae entworfen. Er konzipierte ein zweigeschossiges Gehäuse, bei dem Spieltisch und Schwellwerk ebenerdig und Hauptwerk, Pfeifenprospekt und Pedal auf Emporenhöhe stehen. Die Disposition lautet:
I Hovedværk C–g3 1. Principal 8′ 2. Rørfløjte 8′ 3. Principal 4′ 4. Blokfløjte 2′ 5. Mixtur II II Svelleværk C–g3 6. Gedakt 8′ 7. Rørfløjte 4′ 8. Principal 2′ 9. Kvint ′ Pedal C–f1 10. Subbas 16′ Koppeln: II/I, I/P, II/P Traktur: Schleifladen, vollmechanisch
Glocken Im Glockenhaus befinden sich drei Glocken. Die beiden jüngeren wurden 1971 angeschafft;Pontoppidan Thyssen: Dansk præste- og sognehistorie – Kværs, S. 500. historisch bedeutsam ist die älteste, noch mittelalterliche Glocke. Aus ihrer Inschrift geht hervor, dass sie 1472 für die Kirche von Kliplev gegossen wurde. Diese Glocke zeigt eine Abbildung des damals in Kliplev verehrten Gnadenbildes, eines S. Hjælper, Sankt Hulpe oder Salvator genannten hölzernen Nothelfer-Kruzifixes. Die Relief-Darstellung des Sankt Hjælper auf der Glocke ist nur 6 cm hoch und vermutlich ein Abguss einer der Pilgermarken, die damals in Kliplev verkauft wurden. Die Figur ist Teil einer zweizeiligen, niederdeutschen Inschrift in Fraktur-Buchstaben am Hals der Glocke, die folgendermaßen lautet: na der bort xpi m cccc lxxii iar do ghot bertolt meier mit der hvlpe gades to klipleve desse seier („Nach der Geburt Christi im Jahre 1472, da goss Bertolt Meier mit der Hilfe Gottes zu Kliplev diese Uhrglocke“).
Pastoren- und Gemeindegeschichte mini|Die Pastorentafel in der Kirche mini|hochkant|Epitaph für Pastor Hans Wohnsen Aus dem 16. Jahrhundert ist nur der Name des Pfarrers Fredericus Canuti (latinisiert aus Frederik Knudsen) bekannt, der sich 1572 zum Theologiestudium in Rostock immatrikulierte und nachfolgend in Kværs amtierte. Danach ist erst in einem Visitationsbericht von 1639 wieder von einem Pfarrer die Rede, der ohne Namensnennung lediglich als Danus Ripensis (lateinisch für: „ein Däne aus Ribe“) bezeichnet wird. Ihm wurde vorgeworfen, dass er ortsfremde Leute aus Tondern getraut hatte, ohne zuvor zu untersuchen, ob sie überhaupt die Voraussetzungen für eine Eheschließung erfüllten, so dass er 1640 wieder abberufen wurde. Von 1654 bis 1704 war Kværs ein Annex der Kliplev Kirke und wurde von deren Geistlichen mitbetreut. 1704 wurde Kværs mit dem bisherigen Kliplever Diakon als Pastor wieder selbständige Pfarrkirche.Pontoppidan Thyssen: Dansk præste- og sognehistorie – Kværs, S. 496.
Bedeutendster Pfarrer des 18. Jahrhunderts war Hans Wohnsen aus Slagelse (Amtszeit 1720–1764). Er blieb in der Gemeinde noch lange als strenger und diensteifriger Pastor im Gedächtnis, der z. B. manchen Gemeindemitgliedern einen großen Schrecken einjagte, wenn er plötzlich auftauchte und sie beim Kartenspiel überraschte, das er aus christlichen Gründen ablehnte. In der Kirche hängt heute noch sein lebensgroßes Epitaph, dessen dänischen Text er selbst verfasste. Darin heißt es, dass er, wiewohl „unwürdig“ (ein Bescheidenheitstopos), 1720 von Carl von Ahlefeldt (dem Herrn von Søgård, zu dessen Grundbesitz Kværs gehörte) berufen wurde und dann „aus Liebe zur Gemeinde“ geblieben sei, obwohl er danach noch Rufe auf „viel bessere“ (offenbar gemeint: besser bezahlte) Pfarrstellen an anderen Orten erhalten habe. Als erster hier seit über 100 Jahren begrabener Pfarrer habe er die Kirche von Kværs zur Ruhestätte seines Leichnams ausersehen, „wenn auch nicht ohne großen Widerwillen“ (dän. endskiønt ikke uden stor Viderværdighed; diese Bemerkung ist schwerlich als Kritik, sondern wiederum als Bescheidenheitstopos zu verstehen, da eine Beisetzung in der Kirche als große Ehre galt).Kværs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1960 f.