Der Chrysler Newport der ModelljahreDie zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen von Kalenderjahren in der Regel ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen den neuen Modellen angepasst werden, ein neues Modelljahr. Üblicherweise liegt dies im September oder Oktober. 1969–1973 ist ein Full-Size-Automobil des US-amerikanischen Chrysler-Konzerns, das vornehmlich auf nordamerikanischen Märkten vertrieben wurde. Diese Baureihe, die im Fuselage Design gestaltet ist, wird nach verbreiteter Zählung als dritte Generation der Newport-Familie angesehen. Der Newport hat eine Reihe von mehr oder weniger baugleichen, wenn auch stilistisch abgewandelten Schwestermodellen bei den Konzernmarken Chrysler, Dodge, Imperial und Plymouth. Das Modell wurde in fünf Jahren mehr als 660.000-mal gebaut.

Entstehungsgeschichte Im Gegensatz zu den Konzernmarken Dodge und Plymouth, die auch kompakte Wagen und Mittelklassefahrzeuge im Programm hatten, trat die Kernmarke Chrysler in den 1960er-Jahren ausschließlich im Segment der Full-Size-Cars an. Bei ihr gab es mit dem Newport, dem 300 und dem New Yorker eine eng gestaffelte Palette an Modellen, die im Grunde allesamt Varianten einer gemeinsamen Basiskonstruktion waren. In diesem Gefüge war der Newport regelmäßig das Einsteigermodell, das zu den günstigsten Preisen angeboten wurde.

1965 hatte Chrysler für die Full-Size-Modelle seiner Konzernmarken (mit Ausnahme von Imperial) die C-Plattform eingeführt. Die erste C-Body-Generation stand von 1965 bis 1968 im Programm. Zum Modelljahr 1969 erschien die zweite Generation, die sich technisch von der ersten kaum unterschied, stilistisch aber völlig neue Wege ging. Ihre Karosserien sind im Fuselage Styling gestaltet, einem Designkonzept von Elwood Engel, das Größe und Gewicht optisch besonders hervorhebt. Auch der Newport machte 1969 den Wechsel zur zweiten C-Body-Generation mit. Er blieb wie seine Schwestermodelle fünf Jahre lang im Programm und erfuhr dabei bis 1972 jährlich kleinere Designänderungen an den Front- und Heckmasken. Zum Modelljahr 1973 erforderten gesetzliche Bestimmungen allerdings eine umfangreiche Neugestaltung der Frontpartie. 1974 erschien dann die nächste, vollständig neu gestaltete Newport-Generation.

Schwestermodelle mini|Schwestermodelle: Dodge Polara von 1969 (links) und Imperial von 1970 Schwestermodelle des Chrysler Newport der dritten Generation sind bei der Marke Chrysler: 300 und New Yorker bei der Marke Dodge: Polara und Monaco bei der Marke Plymouth: Fury und bei der Marke Imperial: die Baureihen Crown und LeBaron.

Modellbeschreibung

Karosserie Die Karosserie des Newport ist selbsttragend, englisch „Unibody“. Sie besteht aus gepressten (tiefgezogenen) Stahlblechen.

mini|Hohe Gürtellinie, viel Blech, kleine Glasflächen: Fuselage Styling (Chrysler Newport Hardtop Coupé 1972) Die Karosserien aller Newports dieser Generation sind im Fuselage Design gestaltet. Wesentliches Merkmal dieses Designkonzepts sind großflächige Blechpartien mit leicht konvex gestalteten, das heißt nach außen gewölbten Fahrzeugflanken.David G. Briant: 77.980 Imperials: 1969–1973. WPC News, Heft 6/2001, S. 7. Sicken und Knicke in den Blechpartien verlaufen vor allem in waagerechter Richtung, sodass sie den Eindruck der Länge noch verstärken. Die Gürtellinie liegt im Vergleich zu den Vorgängermodellen und auch zu den Fahrzeugen anderer Hersteller außergewöhnlich hoch; dadurch wurden die Blechpartien der Kotflügel und Türen betont. Im Vergleich dazu waren die Dimensionen der Glasflächen reduziert. Die hinteren Radausschnitte sind in der Höhe reduziert und bei den Coupés zudem mit Kunststoffpanelen (Spats) teilweise abgedeckt, sodass die Länge der hinteren Kotflügel zusätzlich betont wird. Stark geneigte A- und C-Säulen lassen die Fahrgastzelle klein erscheinen. Dieser Eindruck wird bei den zweitürigen Varianten noch durch eine vergleichsweise breite B-Säule unterstützt. Wie bei allen Fuselage-Modellen sind die Stoßfänger des Newport vorn und hinten in die Karosserie integriert. Vorn umlaufen sie in verschiedenen Variationen die gesamte Fahrzeugfront.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984. ISBN 0-517-42462-2, S. 194. Die Scheinwerfer und die Verkleidung der Kühleröffnung sind davon eingefasst. Dieses Gestaltungsmodell musste 1973, dem letzten Modelljahr dieser Newport-Generation, aufgrund gesetzlicher Bestimmungen aufgegeben werden. mini|Seltenste Karosserieversion: Newport Convertible (1969) Chrysler hatte vier verschiedene Karosserieversionen im Programm: eine viertürige Limousine mit durchgehender B-Säule (Sedan) eine viertürige Hardtop-Limousine ohne durchgehende B-Säule (Hardtop Sedan) ein zweitüriges Hardtop Coupé ein zweitüriges Cabriolet (nur 1969 und 1970)

Ein Kombiwagen mit sechs oder neun Sitzplätzen wurde unter der Bezeichnung Chrysler Town & Country verkauft.

Fahrwerk Die selbsttragende Karosserie des Newport hat vorn einen Hilfsrahmen. Die Vorderräder sind einzeln aufgehängt und haben Drehstabfedern, hinten hat das Auto eine Starrachse mit Blattfedern. Die Bremsanlage besteht vorn aus Scheiben-, hinten Trommelbremsen.

Motorisierung und Kraftübertragung Als Motorisierung standen ausschließlich Achtzylinder-V-Motoren zur Verfügung. Einstiegsmotorisierung war 1969 und 1970 ein 6276 cm³ (383 cui) großer Motor der B-Reihe. Als Chrysler die Produktion dieses Motors Ende 1970 einstellte, kam für zwei Jahre ein Small-Block-Motor der LA-Reihe mit 5898 cm³ (360 cui) Hubraum ins Programm. Mittlere Motorisierung war ab 1971 eine 6551 cm³ (400 cui) große Variante der B-Reihe, die 1971 und 1972 die mittlere Linie und 1973 die Einstiegsmotorisierung darstellte. Als stärkste Motoren standen in allen Modelljahren Varianten des 7206 cm³ (440 cui) großen Big Block aus der RB-Reihe im Programm.

Zum Modelljahr 1972 kam es zu einer Umstellung der Messmethoden für die Motorleistung. Während bisher Bruttowerte veröffentlicht worden waren, nannte Chrysler wie alle anderen Hersteller nun die Nettoleistung, die nominell geringer war als die Bruttoleistung. Tatsächliche Leistungseinbußen waren mit dieser Umstellung allerdings nicht verbunden.Die Brutto-Leistung wurde nach dem Standard SAE J245 gemessen. Dabei wird der Motor auf einem Motorenprüfstand an eine Wirbelstrombremse angeschlossen (daher der Name Bremsleistung) und auf seine Leistungsfähigkeit geprüft. Lichtmaschine, Luftfilter, Kühlmittelpumpe und weitere Nebenaggregate des Motors sind abgebaut, was die Leistung des Motors höher scheinen lässt, als sie tatsächlich ist. Bei der Ermittlung der Nettowerte werden die Nebenaggregate berücksichtigt.

Als Kraftübertragung war serienmäßig ein handgeschaltetes Dreiganggetriebe eingebaut; Chryslers TorqueFlite-Automatik war gegen Aufpreis als Sonderausstattung erhältlich.Verkaufsprospekt von 1969 (abgerufen am 12. August 2024).

Chrysler Newport Übersicht über die MotorisierungenRichard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 209–211. Bauart Ottomotor V8-Zylinder Hubraum 5898 cm³ (360 cui) 6276 cm³ (383 cui) 6551 cm³ (400 cui) 7206 cm³ (440 cui) Leistung (KW) 138Angegeben ist der Nettowert. 190 205 216 223 264 138 141 160 168 182 246 276 280 Leistung (PS) 177 258 279 294 304 335 188 192 218 228 248 335 375 380Verfürbarkeit 1969 - - - Serie - Option - - - - - - - Option 1970 - - - Serie - Option - - - - - - - Option 1971 Serie (Basis, Royal) Serie (Custom) - Option - - - - - - Option Option - 1972 Serie (Royal) - - - - - - Serie (Custom) - Option Option - - - 1973 - - - - - - Serie - Option - - - - -

Ausstattungslinien Newport In den Modelljahren 1969, 1970 und 1973 hatte Chrysler einen Newport ohne Zusatzbezeichnung im Programm. Er war jeweils das Basismodell der Baureihe. 1971 und 1972 wurde das Basismodell dagegen als Newport Royal verkauft. 1971 war der Newport ohne Zusatzbezeichnung die mittlere Ausstattungsvariante; 1972 gab es gar keinen Newport ohne Zusatzbezeichnung. 1973 kehrte diese Variante als Basismodell zurück.

Eine besondere Variante dieser Newport-Variante war das zweitürige Cabriolet, das nur 1969 und 1970 angeboten wurde.

Newport Royal Der Newport Royal war nur in den Modelljahren 1971 und 1972 erhältlich. In dieser Zeit war der Royal die preiswerteste und am schwächsten ausgestattete Variante der Newport-Reihe.In der Werbung sprach Chrysler von „our lowest price Chrysler“; vgl. Verkaufsprospekt von 1972 (abgerufen am 11. August 2024). Im Modelljahr 1971 lag der Listenpreis des Newport Royal etwa 100 US-$ unter dem des Newport (ohne Zusatzbezeichnung) und 200 US-$ unter dem des Newport Custom.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 209.

Newport Custom Der Newport Custom war in allen Modelljahren die am besten ausgestattete und teuerste Variante der Newport-Reihe. Die Preisdifferenz zum höherwertigen New Yorker betrug etwa 600 US-$.

Die einzelnen Modelljahre 1969

Im ersten Modelljahr war der Newport als Basisversion und als höherwertiger Newport Custom erhältlich. Alle Versionen dieses Jahrgangs haben runde Doppelscheinwerfer und waagerechte Rückleuchten, die über der Stoßstange liegen. Das hintere Leuchtenband hat zahlreiche senkrechte Zierstreben.

Das preisgünstigste Modell war der viertürige Newport Sedan mit durchgehender B-Säule (3414 US-$), das teuerste das Cabriolet (3823 US-$). Insgesamt baute Chrysler in diesem Jahr 155.876 Newports und Newport Customs, 2196 davon als Cabriolet.

1970 mini|Chrysler Newport Four Door Sedan 1970 Für den zweiten Jahrgang der dritten Newport-Generation änderte sich im Bereich der Antriebstechnik nichts. Die gleichen Motortypen, die bereits 1969 erhältlich waren, gab es auch im Modelljahr 1970. Stilistisch änderte sich wenig. Nur die Heckpartie wurde neu gestaltet. Die hintere Stoßstange ist in diesem Jahrgang höher und umlaufend gestaltet; sie bettet die waagerechten Rückleuchten nun ein. Außerdem sind die seitlichen Positionslichter (Side Marker Lights) in den vorderen und hinteren Kotflügeln höher positioniert als im zurückliegenden Modelljahr.

Die Preise der 1970er Newports und Newport Customs lagen jeweils etwa 100 US-$ über denen des Modelljahrs 1969. Die Produktion brach um etwa ein Drittel ein. Alle Varianten zusammengenommen, entstanden 110.292 Fahrzeuge. Das Cabriolet war mit 1124 wie im Vorjahr die seltenste Newport-Version.

1971

Zum Modelljahr 1971 erschien der Newport Royal als neues Basismodell; der Newport ohne Zusatzbezeichnung rückte in die mittlere Position ein, und der Custom war die hochwertigste Ausführung. Das Cabriolet entfiel ersatzlos. Andererseits erweiterte Chrysler die Motorenpalette: Ergänzend zu den 6,6 und 7,2 Liter großen Achtzylindermotoren stand nun der Small-Block-Motor mit 5,9 Liter Hubraum im Programm, der die Serienmotorisierung des einfachen Newport und des Newport Royal war. Stilistisch gab es erneut Änderungen an der Heckpartie: Die Rückleuchten wurden größer und waren nun wieder – wie schon 1969 – mit senkrechten Streben verziert. Die Preise stiegen gegenüber dem Vorjahr um etwa 400 US-$ an: Preiswertestes Modell war nun der Newport Royal Four Door Sedan mit durchgehender B-Säule (4.078 US-$), teuerstes Modell der Newport Custom Hardtop Sedan (4.471 US-$). Der Produktionsumfang lag 1971 auf ähnlichem Niveau wie 1970.

1972