Der Eisenbahn-Panzerzug Paderewski war ein improvisierter polnischer Panzerzug aus der Zeit des Polnisch-Sowjetischen Krieges von 1919 und wurde noch im Zweiten Weltkrieg eingesetzt.

Geschichte Am 10. September 1919 wurde der Panzerzug Paderewski als dritter Panzerzug in den Eisenbahnwerkstätten in Lemberg gebaut. Vorher verließen die Panzerzüge Lis-Kula und Pionier die Werkstätten. Der nun dritte Panzerzug erhielt die Nummer 15 und wurde als Pociąg Pancerny 15 (kurz: P.P. 15, deutsch: Panzerzug 15) gelistet. Die Nummer wurde vom Panzerzug Groźny übernommen, nachdem dieser im September 1919 vorerst aufgelöst wurde. Während einer offiziellen Zeremonie wurde der Panzerzug in Warschau nach dem polnischen Ministerpräsidenten Ignacy Jan Paderewski getauft, welcher ebenfalls anwesend war.

Technische Daten Lokomotive 1919 – 1923 Bewegt wurde der Panzerzug Paderewski durch zwei österreichische Panzerzuglokomotiven der Baureihe 178. Die erste Lokomotive (1.1) wurde 1910 bei der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. Linz gefertigt und hatte die Werksnummer KrLi 6247/10. Ursprünglich für den Transport auf der Strecke zwischen Lemberg und Stojanow eingeplant, erhielt sie bei den k.k. Staatsbahnen die Seriennummer kkStB 178.95. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges gelangte die Lokomotive in polnische Dienste und erhielt dort die Seriennummer Tkp11-17. Während der Nutzung im Panzerzug Paderewski war die Seriennummer 178.95 noch deutlich an den Seiten der Lokomotive zu sehen. Im vorderen Bereich, unterhalb des Schornsteins, war auf den 10 – 15 mm dicken und genieteten Stahlplatten der polnische Adler im Wappenschild angebracht. Direkt unter dem Alder befand sich der Schriftzug Paderewski.

Die zweite (1.2), zeitgleich ziehende, Lokomotive wurden ebenfalls bei der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. Linz mit der Werksnummer KrLi 6353/10 gefertigt. Unterwegs auf der Bahnstrecke zwischen Muszyna und Krynica, erhielt die Lokomotive die Seriennummer kkStB 178.111. Mit Übergabe an Polen erhielt sie die Seriennummer Tkp11-19. Von der Beschriftung unterschied sich diese Lokomotive von der ersten dahingehend, dass dort keinerlei Seriennummern zu sehen waren. Der polnische Adler im Wappenschild befand sich bei dieser Lokomotive kurz vor dem Führerstand, an der Seite unterhalb des Sichtfensters für den Lokomotivführer. Der Schriftzug Paderewski befand sich mittig an der Seite. Aufgrund dessen, dass der Panzerzug mit zwei Lokomotiven ausgestattet war, konnte man den Zug teilen und doppelt einsetzen. So konnte ein Teil des Zuges Verbindungs- oder Patrouillenfahrten durchführen, während der andere Teil eine Brückensicherung durchführte.

Ab dem 23. März 1920 wurde eine erbeutete sowjetische Lokomotive russischen Baureihe Ow dem Zug zugeteilt. Diese war allerdings nur teilgepanzert. Man beschränkte sich hierbei auf die wichtigen Teile und panzerte nur den Antrieb und den Führerstand. Bis Mitte Juli 1920 blieb diese Lokomotive dem Panzerzug zugeteilt.

Nachdem der Panzerzug Mitte Juli 1920 Warschau erreicht hatte, wurde eine neue Lokomotive dem Panzerzuges zugeteilt. Dies war eine gepanzerte Dampflokomotive der Baureihe 229. Diese Lokomotive wurde 1906 in der Lokomotivfabrik der StEG mit der Werksnummer StEG 3311/06 hergestellt. Bei den k.k. Staatsbahnen trug die Lokomotive die Seriennummer kkStB 229.42 und ab 1918 bei den polnischen Truppen die Seriennummer OKl12-7.

1925 Nachdem der Panzerzug 1925 wieder in den aktiven Dienst genommen worden war, bekam der Panzerzug die polnische Standard-Panzerlokomotive vom Typ Preußische G 5.3. In Polen liefen diese Lokomotiven unter der Bezeichnung Ti-3. Die Lokomotive des Panzerzug Paderewski war eine Lokomotive mit der Werksnummer Hohenzollern 1771/1905 und wurde in den Werkstätten der Aktiengesellschaft für Lokomotivbau Hohenzollern hergestellt. Bei der Preußischen Staatseisenbahn lief die Lokomotive unter der Seriennummer P.St.B. Münster 4021 und in polnischen Diensten mit der Seriennummer Ti3-12. Ab 1926 wurde diese Lokomotive an den Panzerzug Danuta abgegeben.

Ab 1930 erhielt der Panzerzug dann eine neue Lokomotive der gleichen Bauart wie zuvor. Diese Lokomotive wurden bei Henschel mit der Werksnummer Henschel 6555/1904 produziert. Bei der Preußischen Staatseisenbahn lief die Lokomotive mit der Seriennummer P.St.B. Halle 4114 und im polnischen Dienst als Ti3-8.

Artilleriewagen 1919 – 1923 Der Panzerzug verfügte zu Beginn über zwei Artilleriewagen baugleicher Art. Diese waren sehr viel fortschrittlicher als die Panzerwagen des Zuges. Sie wurden mit Stahlplatten statt mit Beton gepanzert und hatten im vorderen Teil einen drehbaren Geschützturm mit einem Schusswinkel von 270°. Die Bewaffnung bestand aus einer österreichischen 8-cm-Kasemattkanone M.94 oder M.95.

Ein weiterer Artilleriewagen im Panzerzug bestand aus Holz und besaß eine Kanone an nur einer Seite. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde dieser durch einen moderneren Artilleriewagen aus Stahl ersetzt. Dieser wurde in den Eisenbahnwerkstätten in Nowy Sącz aus einem österreichischen Flachwagen mit Bremserhäuschen mit der Seriennummer Jke 673 023 gefertigt. Dieser Artilleriewagen hatte auf dem Dach einen drehbaren Geschützturm mit einer österreichischen 8-cm-Festungskanone M.94 und konnte um 360° gedreht werden. 1923 wurde dieser Wagen allerdings wieder entfernt, der Geschützturm abgenommen und zu einem Sturmwagen mit der Seriennummer 631 550 umgebaut. Dieser Sturmwagen wurde dann bis 1939 beim Panzerzug Groźny eingesetzt.

1925 – 1930 Nach der Wiederindienststellung erhielt der Panzerzug einen vierachsigen Artilleriewagen mit zwei Geschütztürmen, welcher die Seriennummer 660 601 bekam. Dieser Wagen war mit einer 122-mm-Haubitze wz. 1909 und einer 7,6-cm-Feldkanone wz. 1902 ausgerüstet.

Zusätzlich gab es einen zweiten vierachsigen Artilleriewagen mit zwei Geschütztürmen und gleicher Bewaffnung wie der erste. Dieser Wagen war sowjetischer Herkunft, hatte die Seriennummer 450 012 und wurde später abgegeben und beim Panzerzug Groźny eingesetzt.

1930 – 1939 mini|1. Artilleriewagen des Panzerzug Paderewski mini|2. Artilleriewagen des Panzerzug Paderewski Ab 1930 verfügte der Panzerzug über zwei vierachsiger Artilleriewagen mit zwei Geschütztürmen mit den Seriennummern 658 641 und 660 588. Beide Wagen hatte jeweils eine 7,5-cm-Feldkanone wz. 92/26 und eine österreichisch-ungarische 10-cm-Haubitze wz. 14/19A (Škoda) in drehbaren Türmen. Die Kanonen konnten in einem horizontalen Winkel von 240° – 270° wirken. Für jedes Geschütz des Wagens wurden 100 – 125 Artilleriegeschosse mitgeführt. Zur Nahverteidigung gab es vier schwere 7,92-mm-Maschinengewehre wz. 08, zwei an jeder Seite des Zuges. Der Wagen mit der Nummer 660 588 hatte vier zusätzliche Maschinengewehre, jeweils eins rechts und links vom jeweiligen Geschütz. Zusätzlich bekamen die Wagen ein Flugabwehr-Maschinengewehr auf dem Dach des Wagens in einem eigenen kleinen Geschützturm. Das Maschinengewehr konnte darin maximal 90° nach oben gerichtet werden. Für die Maschinengewehre wurden 3.750 Schuss mitgeführt.

Beide Wagen wurden zweimal umgebaut und mit Teilen von erbeuten Wagen und Zügen verbessert. Äußerlich unterschieden sich die beiden Wagen dennoch nur geringfügig, da sie auf denselben vierachsigen amerikanischen Fahrgestellen vom Typ Diamond beruhten. Unterschiede waren allerdings bei der Konstruktion der Wände und den Türmen zu erkennen. Die Panzerung bestand aus zwischen 10 mm und 20 mm dickem Kesselstahl. Den Einstieg in den Wagen ermöglichten große Türen an den Seiten und kleinere Luken unterhalb. Die Besatzung eines Wagens bestand aus 35 Mann.

Sturmwagen 1919 – 1923 Die ersten Wagen des Panzerzuges waren hölzerne Güterwagen, welche zu Sturmwagen umgebaut wurden. Innen wurden diese Sturmwagen mit Beton gepanzert. Um eine Schusswirkung nach außen zu haben, wurden für Gewehre und Maschinengewehre Schießscharten angebracht.

Als der Panzerzug Mitte Juli 1920 in Warschau ankam, wurde anstelle der alten und improvisierten Sturmwagen ein neuer vom Typ Warschau dem Zug zugeordnet. Der Sturmwagen war für den Transport eine Infanterie-Sturmzuges vorgesehen. Ursprünglich als Breitspurwagen geplant, wurde dieser aufgrund der Ereignisse auf Normalspur umgebaut und dem Panzerzug Paderewski zugeteilt. Neben Paderewski wurde auch der Panzerzug Bartosz Głowacki mit zwei dieser „Halbtonnen“-Sturmwagen ausgerüstet. Halbtonnen deshalb, weil die Form der Wagen an eine längs durchschnittene und somit halbe Tonne erinnerten. Aufgebaut war der Wagen auf dem Fahrgestell eines sowjetischen Flachwagens. An den Seiten gab es Doppeltüren, welche unterschiedlich angebracht waren. Auf der einen Seite waren diese mittig, auf der anderen Seite mehr zum Fahrzeugende versetzt. Zusätzlich verfügten die Wagen an beiden Enden über Türen, welche einen Übergang von einem Wagen zum anderen ermöglichten. Diese wurden mit abklappbaren Abdeckungen geschützt.

Zur Nahverteidigung besaß der Wagen vier 7,92-mm-Maschinengewehre wz. 08 mit 3.750 Schuss Munition. Der Sturmzug der Infanterie bestand aus einem Offizier, sieben Unteroffizieren und 24 Mannschaftssoldaten. Die Offiziere waren mit Pistolen, die Mannschaftssoldaten mit Gewehren, Maschinengewehren und Handgranaten ausgerüstet. Neben den 32 Mann des Sturmzuges gab es noch acht Mann als feste Besatzung des Wagens, welche Funker, Mechaniker und Sanitäter waren.

1930 – 1939 mini|Sturmwagen (425 627) mit Rahmenantenne 1930 wurde ein Sturmwagen mit der Seriennummer 425 627 dem Panzerzug zugeteilt. Dieser hatte eine rechteckige Form mit abgerundeter Oberkante. Die Panzerung war etwas dünner als die der Artilleriewagen. Das Fahrgestell war vermutlich ein polnischer Flachwagen und 10 m lang. Als Bewaffnung besaß der Wagen vier 7,92-mm-Maschinengewehre wz. 08, zwei an jeder Seite. In diesem Sturmwagen fanden ebenfalls 32 Infanteristen Platz, zusammen mit acht Soldaten Wagenbesatzung. Zur Ausrüstung gehörte ein Langstreckenfunkgerät RKD/P mit einer Reichweite von bis zu 100 km. Bei Telegrafie erreichte das Gerät eine Reichweite von 50 – 80 km. Dieses war in einer separaten Funkkabine in der Mitte des Wagens untergebracht. Zum Betreiben des Funkgerätes gab es einen eigenständigen Stromgenerator zur Stromerzeugung, Batterien und eine umlaufende Rahmenantenne. Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der Wagen dem Panzerzug Danuta übergeben.

Der zweite Sturmwagen hatte die Seriennummer 430 044, stammte vom Panzerzug Poznańczyk und wurde aus einem Stahlartilleriewagen mit Dachgeschützturm umgebaut. Das Fahrgestell war ein preußischer offener Wagen. 1930 wurde der Wagen erst dem Panzerzug Poznańczyk zugeteilt, 1937 dann dem Panzerzug Paderewski. Die Bewaffnung zur Nahverteidigung bestand aus vier 7,92-mm-Maschinengewehren wz. 08, je zwei an den Seiten. Auch hier wurden 3.750 Schuss Munition mitgeführt. Die Panzerung bestand aus 8 mm bis 12 mm dicken Stahlplatten. Wie auch beim älteren Sturmwagen vom Typ Warschau verfügte der Sturmwagen über einen Sturmzug von 32 Mann und eine Besatzung von acht Mann. Auch dieser Wagen besaß ein Langstreckenfunkgerät RKD/P, einen eigenen Generator zur Stromerzeugung, Batterien und eine umlaufende Rahmenantenne.

Abstoßwagen 1930 – 1939 An beiden Enden des Zuges befanden sich jeweils ein zweiachsiger Flachwagen, welche als Abstoßwagen dienten. Sie dienten dazu, den Panzerzug vor Minen oder Entgleisung zu schützen und Gefahren vor den wichtigen Wagen zu beseitigen. Zusätzlich dienten sie zum Transport von Material wie Schienen, Bahnschwellen, Fahrrädern oder sonstigem Material. Die Flachwagen waren vom Typ Pdks VIII C mit einem Eigengewicht von 10 t und einer Länge von 17,5 m.

Einsatz Polnisch-Sowjetischer Krieg