mini|Varnæs Kirke (2023) mini|hochkant|Das Kirchspiel Varnaes (rot) am Aabenraa Fjord Varnæs Kirke ist die evangelisch-lutherische Kirche der dänischen Ortschaft Varnæs (deutsch: Warnitz) im Norden der Halbinsel Sundewitt in Nordschleswig, Dänemark. Zu ihrem Kirchspiel Varnæs Sogn gehören u. a. Siedlungen in Bovrup (deutsch: Baurup) sowie Neder und Over Blåkrog (deutsch: Blaukrug). Das bald nach 1150 erbaute romanische Kirchengebäude der Dänischen Volkskirche gehört heute zum Bistum Haderslev. Es wird angenommen, dass die Kirche dem heiligen Petrus gewidmet war, da dieser auf dem Kirchensiegel abgebildet ist.Varnæs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1890.

Baugeschichte mini|Das Halseisen am Glockenstapel (rechte Bildhälfte) Die Kirche wurde in romanischer Zeit in drei Bauabschnitten errichtet. Zuerst wurden bald nach 1150 der Chor und der Ostgiebel des Kirchenschiffs erbaut. In einem zweiten Bauabschnitt folgte wenig später der Hauptteil des Kirchenschiffs, schließlich wurde in einer dritten Bauphase das Kirchenschiff um ca. 4,5 m nach Westen verlängert. In allen drei Bauabschnitten verwendete man Feldsteine sowie für die Ecken und Öffnungen Granitquader.Varnæs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1892 f.

Die Eingänge befanden sich ursprünglich an der Nord- und Südseite, damit Männer und Frauen die Kirche getrennt betreten konnten. In gotischer Zeit (14. Jahrhundert) kam an der Südseite eine dem heiligen Jørgen gewidmete Kapelle hinzu, der Chorbogen wurde spitzbogig umgestaltet und die Fenster vergrößert. Die Südtür wurde zugemauert und vor die Nordtür wurde im 15. Jahrhundert ein Waffenhaus gesetzt. Südkapelle und Waffenhaus sind aus Backsteinen aufgemauert. 1815/1816 fand eine „totale Reparation“ statt, bei der das bleigedeckte Dach durch Ziegel ersetzt wurde.Varnæs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1895 f. 1868 wurde die Kirche nach Plänen von Laurits Albert Winstrup umfassend restauriert.Hassel/Krogh, Varnæs Kirke, S. 4.

Östlich der Kirche befindet sich ein freistehender, spätmittelalterlicher Glockenstapel aus dem 15. Jahrhundert. An einer Ecke ist noch ein Halseisen angebracht, mit dem Übeltäter sonntags angekettet wurden, um sie den Kirchgängern zur Schau zu stellen.Hassel/Krogh, Varnæs Kirke, S. 2.

Ausstattung mini|Kanzel, Taufe, Chorbogenkruzifix und Altar mini|Der spätgotische Altar Ältester Einrichtungsgegenstand ist die Kumme des Taufbeckens; diese ist romanisch und etwa so alt wie die Kirche (ca. 1150). Sie ist mit zwei Reihen in Fischgrätmuster verziert. Der Fuß des Taufbeckens ist neueren Datums. Der sechsseitige hölzerne Himmel über der Taufe datiert von 1632 und zitiert Bibelverse in niederdeutscher Sprache (, , ). Ebenfalls etwa so alt wie die Kirche ist der gemauerte Altartisch.Hassel/Krogh, Varnæs Kirke, S. 6, 8. Er ist mit Holzpaneelen von ca. 1790 verkleidet, auf deren Vorderseite zwei erbauliche Vierzeiler aufgemalt sind.

Auch das Chorborgenkruzifix ist mittelalterlich. Das 128 cm hohe Korpus ist frühgotisch (ca. 1250–1275); es ähnelt dem in der Kirche von Rieseby und wird ebenfalls der Werkstatt der Hüruper Passion zugeschrieben. Das hölzerne Kreuz, das auf einem sogenannten Kiel- oder Eselsrückenbogen ruht, ist spätgotisch. Im unteren Vierpassfeld des Kreuzes steht auf Lateinisch: „Meine Liebe ist der Gekreuzigte“ (Amor meus crucifixus est).

Der spätgotische Flügelaltar vom Ende des 15. Jahrhunderts zeigt in seinem Mittelteil eine figurenreiche Golgatha-Szene. Links unter dem Kreuz gruppieren sich Frauen um Maria; rechts sieht man römische Soldaten zu Pferde. In den beiden Seitenflügeln stehen die Figuren der zwölf Apostel mit ihren Attributen. Die Werkstatt ist unbekannt, Schrøder vermutet eine deutsche Ostseestadt.Pontoppidan Thyssen / Schrøder: Dansk præste- og sognehistorie – Varnæs, S. 563. Auf der Predella gestaltete der Apenrader Maler Jes Jessen 1790 (ähnlich wie 1783 in der Kirche von Sottrup) eine Abendmahlsszene, flankiert von den gekürzten Einsetzungsworten „Nehmet hin und esset“ sowie „Nehmet hin und trinket“ auf Dänisch. Weiter malte Jessen auf den Holzrahmungen unterhalb der zwölf Apostel deren Namen auf und schrieb unterhalb des Mittelteils auf Dänisch: „Jesu Passion ist all meine Tröstung, Hoffnung und Freude“, wobei alle Beschriftungen in Goldfarbe ausgeführt wurden.Varnæs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1897–1899. Auf der Rückseite der Predella finden sich unautorisierte frühneuzeitliche Einritzungen, vor allem von Initialen und Jahreszahlen (z. B. HR 1728), aber auch ein etwas verunglückter Beginn des lateinischen Vaterunsers.In Versalien: Pater naster qvi es in selvs sangivs vicetvr innona statt richtig „Pater noster, qui es in caelis, sanctificetur nomen tuum“. Es gibt auch eingeritzte Symbole, die als Hausmarken oder magische Zeichen und damit als Ausdruck des Volksaberglaubens gedeutet werden.

Die reich geschnitzte Kanzel von 1606 zeigt in vier Feldern die Verkündigung des Herrn, die Anbetung der Hirten, die Kreuzigung und die Auferstehung, jeweils mit niederdeutschen Bildunterschriften. In den vier Postamentfeldern steht der lateinische Bibelvers Verbum domini manet in aeternum („Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit“, ). Eine weitere lateinische Inschrift berichtet, dass Pastor Petrus Fabricius die Kanzel 1691 auf eigene Kosten renovieren und farbig fassen ließ. Der Schalldeckel über der Kanzel stammt ebenfalls von 1606 trägt die niederdeutsche Stifterinschrift: Ao Christi 1606 i. n. d. h. heft Matz Asmuss tho Warns disse(n) deck tho der karke(n) geven godt ton ere(n) der karken tom beste („Im Jahre 1606 hat im Namen des Herrn Matz Asmuss(en) zu Warnitz diesen Deckel der Kirche gegeben Gott zu Ehren und der Kirche zum Besten“).Varnæs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1900 f.

Im Chor befindet sich an der Südwestecke die Grabplatte von Pastor Peter Meyland sowie an der Nordwestecke die gemeinsame Grabplatte der Pastoren Peter Fabricius d. J. und Barthold Christian Ægidius (Näheres siehe unten unter Pastorengeschichte). Auf dieser Grabplatte steht ein sogenannter Pastorenstuhl (tatsächlich mehr ein hölzernes „Häuschen“ mit Türbogen und Sitzbank), in dem der Pfarrer früher vor und teilweise auch während des Gottesdienstes saß. Die Inschrift lautet auf der wandzugekehrten Seite: Anno domini 1621, auf der raumzugewandten Seite: Nis Thomsen tho Warns dissen stoel der kercken vorehrt. Die Westempore wurde um 1790 eingebaut und von Jes Jessen mit Bildern von Blumensträußen auf dunklem Grund verziert.Varnæs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1902.

Das Votivschiff der Kirche ist eine dreimastige Fregatte mit zwei Kanonenreihen; es trägt keinen Namen, ist aber dem Kriegsschiff Norske Løve von 1765 nachempfunden. Es wurde der Kirche von dem Apenrader Schiffer und Reeder Asmus Jørgensen Smith, der aus Varnæs stammte, 1784 geschenkt.Hassel/Krogh, Varnæs Kirke, S. 8. Der Kronleuchter stammt von ca. 1650 und wurde der Kirche von einem Gutsbesitzer aus der Nachbargemeinde Felsted geschenkt.Varnæs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1903.

Orgel mini|Spieltisch der Marcussen-Orgel von 1892 mini|Der Holzgitterprospekt von 1952 Noch 1886 heißt es ausdrücklich, dass die Kirche von Varnæs keine Orgel besaß.Leopold Iwan Cirsovius: Orgel-Dispositionen aus Schleswig-Holstein. 194 Dispositionen und Beschreibungen, 1868–1895. Hrsg. von Reinhard Jaehn. Berlin, Kassel: Merseburger, 1986, S. 40. Das heutige Instrument wurde im Dezember 1892 vom Orgelbauunternehmen Marcussen & Sohn aus Apenrade mit acht Registern geliefert. Zwei weitere Register – die beiden selbstständigen Stimmen für das Pedal – wurden damals nur vorgesehen; ihre Registerzüge waren zwar schon eingebaut, blieben aber als „freie Züge“ unbesetzt.Cirsovius, Orgel-Dispositionen aus Schleswig-Holstein (wie zuvor), S. 60 („Orgel mit 10 Stimmen in Warnitz (bei Apenrade)“, mit Disposition). Im Dezember 1952 wurde die Orgel umdisponiert;Werkverzeichnis von Marcussen & Søn 1848–2020 (PDF; 150 kB). Dass die Orgel laut Werkverzeichnis 1892 sieben und 1952 acht Register hatte, muss ein Versehen sein, denn laut Cirsovius waren bereits 1892 acht Register und die zwei unbesetzten Züge vorhanden. die damals ausgetauschten Register sind an der dänischen Beschriftung der Manubrien gut zu erkennen (Rørfløjte 8 fod, Gemshorn 2 fod, Principal 2 fod). Bei demselben Umbau erhielt die Orgel anstelle eines Pfeifenprospektes einen ungewöhnlichen modernen Gitter-Prospekt aus rechtwinklig aneinandergefügten Holzelementen.Varnæs Kirke: Lundtoft-Vis Herreder. In: Danmarks Kirker. Band 23,3, 1959, S. 1902. Bei Danmarks Kirker (1959) sind übrigens fälschlich elf Register angegeben, da sowohl die beiden vakanten Pedalregister als auch die Calcantenglocke mitgezählt wurden. 1993, 101 Jahre nach dem ursprünglichen Orgelbau, wurden schließlich die beiden bis dahin vakant gebliebenen Pedalregister eingebaut.Hassel/Krogh, Varnæs Kirke, S. 9. Die Disposition lautet:

I Manual C–f3 1. Bordun 16′ 2. Principal 8′ 3. Rørfløjte 8′ (1952)Ursprünglich Doppelflöte 8′ 4. Oktave 4′ 5. Gemshorn 2′ (1952)Ursprünglich Octave 2′ II Manual C–f3 6. Lieblich Gedackt 8′ 7. Flöte 4′ 8. Principal 2′ (1952)Vermutlich die umgesetzte Octave 2′ aus dem ersten Manual; ursprünglich Salicional 8′ Pedal C–d1 9. Subbaß 16′ (1993) 10. Octavbaß 8′ (1993) Koppeln: II/I, I/P und Oktavkoppel I/I super als Tritt Spielhilfen: Calcant Anmerkungen

Glocken mini|Glockenstapel und alte Grabsteine Im Glockenstapel befinden sich zwei Glocken: Die ältere stammt aus einer Husumer Glockengießerei und hat die Inschrift: „H. Petrus Fabricius pastor zu Warns. Claus Asmussen me fecit [lateinisch: machte mich]. Anno 1690“. Die jüngere ist eine sogenannte Wiedereinvereinigungsglocke von ca. 1920 aus der Smithschen Eisengießerei (dänisch: det Smithske Jernstøberi) in Aalborg anlässlich der Wiedereingliederung Nordschleswigs in Dänemark. Ihre Inschrift lautet:Originaltext Min Røst lovprise skal vor Gud og til hver Kristen har jeg bud. Jeg synger om Guds Kærlighed, det største jeg i Verden ved. Deutsche Übersetzung Meine Stimme soll unsern Gott lobpreisen und jedem Christen hab’ ich etwas zu weisen: Von Gottes Liebe kündet mein Sang, das größte, das auf der Welt ich fand. Die Wiedereinigungsglocke ersetzt eine 1917 als Metallspende eingeschmolzene Glocke von 1774 mit der Inschrift: „Peter Meiland Pastor. Peter Hansen, Hans Jürgensen, Kirchgeschworne. Aus reinen Ertz bin ich geflossen, Iohann David Kriesche in Eckernförde hat mich gegossen anno 1774. Der Glocken weiter Mund thut der Gemeine Kund, dass sie sich soll bei Zeiten, zum Tode wohl bereiten. Deo gloria in excelsis“.

Friedhof Der Friedhof von Varnæs wird von einer Feldsteinmauer und einem Kranz von Linden umschlossen. Hier befinden sich zwei Grabdenkmäler für 26 dänische und preußische Gefallene der Schlacht um Düppel 1864, die in den Lazaretten von Varnæs und Bovrup verstorben sind, und ebenso ein Granitstein für 47 im Ersten Weltkrieg Gefallene aus der Gemeinde.Varnæs Kirke: Tilføjelser og Rettelser. In: Danmarks Kirker. Band 23,5, 1963, S. 2646. Außerdem findet sich hier das alte Phänomen des „Totenkirchspiels“ (dän. De Dødes Sogn), d. h. die Geografie des Friedhofs spiegelt die des Kirchspiels, indem sich im Norden die Gräber der Verstorbenen aus Varnæs und im Süden die Gräber der Toten aus Bovrup befinden. So sollten die Begrabenen gewissermaßen nach Hause sehen können und bei der Auferstehung am Jüngsten Tag leichter zu ihrem Familienhof zurückfinden.

Pastorengeschichte und Varnæs-Gesangbuch mini|hochkant|Die Pastorentafel mini|hochkant|Das Varnæs-Gesangbuch von 1717