Werner Glasenapp (* 23. Januar 1904 in Libau heute Liepāja in Lettland; † 4. August 1984 in Meckenheim-Merl)Baltisches Biografisches Lexikon digital, abgerufen am 29. September 2026 war ein deutscher Industriedesigner, Goldschmied und Hochschullehrer.
Leben und Karriere Werner Glasenapp wurde am 23. Januar 1904 in Libau/Kurland als Sohn des deutsch-baltischen Goldschmieds Heinrich Wilhelm Glasenapp (1876–1945) geboren.Valda Vilīte; Birgit Schubarth: Glasenapp, Werner. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 56: Glandorf - Goepfart. Saur, München u. a. 2007, ISBN 978-3-598-22796-7, S. 22. Nach dem Abitur 1924 am Deutschen Knabengymnasium in Libau studierte er von 1924 bis 1931 an der Akademie für Kunstgewerbe Dresden, wo er ab 1927 Meisterschüler in der Metallklasse war.Entnazifizierungsakte Werner Glasenapp im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Bestand: NW 1005-G32, Signatur: 2512, abgerufen am 29. September 2026. Von 1932 bis 1939 arbeitete er als technischer Leiter in der 1912 gegründeten, väterlichen Besteckfabrik in Libau. Parallel dazu absolvierte er von 1935 bis 1936 eine Lehre in der Werkstatt des Vaters, die er am 7. März 1936 mit der Meisterprüfung des Gold- und Silberschmiedehandwerks an der Großen Gilde (Mariengilde) in Riga abschloss. 1937 übernahm er zusätzlich den Vorsitz der Prüfungskommission für die Goldschmiedegesellen.
Nach seiner Umsiedlung nach Posen fand Glasenapp 1940 für kurze Zeit eine Anstellung als Geschäftsführer der Handwerkskammer Posen, Nebenstelle Kalisch, ehe er 1941 an die Staatliche Meisterschule Posen berufen wurde. Dort war er bis zu seiner Einberufung zum Wehrdienst 1943 als Fachlehrer und Leiter der Abteilung für Maschinenbauschlosser und Kunstschmiede tätig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wurde Glasenapp 1949 an die Folkwangschule für Gestaltung in Essen-Werden berufen, wo er die Werkgruppe Industrieform (später Industrial Design) aufbaute und bis zu seinem Ruhestand 1969 leitete. Dort prägte er viele Jahre lang die Ausbildung junger Designer und Handwerker, u. a. Norbert Schlagheck (Siemens), Herbert Schwabe (Ford) oder Erich Angerhöfer (Mercedes u. Audi).1948–1954 Folkwangschule Produktdesign Metallklasse, abgerufen am 7. August 2024. 1966 verfasste er das erste ausführliche Berufsbild für den Industrial Designer für die Bundesanstalt für Arbeit.https://ferrum-lasercut.de/en/project/positionable-light/, abgerufen am 7. August 2024.
Von 1970 bis 1977 übernahm Glasenapp eine Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Köln. 1974 wurde er mit dem Bundespreis Gute Form ausgezeichnet.
Werke Um 1930 entwarf Werner Glasenapp bereits während seines Studiums in Dresden mehrere Leuchten für den Leuchtenhersteller Körting & Matthiesen in Leipzig. Darunter waren die Rohrtischleuchte „Kandem Nr. 934“ und die Schwenkleuchte „Kandem Nr. 830“. Schwenkleuchte K830: Sie wurde in den frühen 1930er-Jahren von Werner Glasenapp entworfen und 2022 von dem deutschen Leuchtenhersteller Midgard Licht neu aufgelegt. Sie weist schwenkbare Arme und einen flexibel ausrichtbaren Lampenschirm auf. Flexible Leuchte: Diese basiert ebenfalls auf einem Entwurf von Glasenapp aus den 1930er-Jahren und wurde von Midgard Licht in Zusammenarbeit mit seinem Enkel Uwe Glasenapp neu interpretiert. Der Entwurf des ursprünglichen Handrührgerät Krups 3 Mix stammt von Werner Glasenapp. Es wurde ab 1959 verkauft und ist bis heute erhältlich.Objektsammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Inventarnummer: O 16189-16, abgerufen am 29. September 2026.
Zusammenarbeit mit Unternehmen Werner Glasenapp arbeitete im Laufe seiner Karriere mit mehreren namhaften Unternehmen zusammen. Dazu gehörten u. a.:
Krups: Glasenapp entwarf verschiedene Haushaltsgeräte, die für ihr funktionales und ästhetisches Design bekannt wurden. Küppersbusch: Hier arbeitete er an der Gestaltung von Öfen und Herden zusammen mit seinem Sohn Jörg Glasenapp. Miele: Glasenapp war an der Entwicklung von Waschmaschinen und anderen Haushaltsgeräten beteiligt. Dorma: Hier entwarf er Türschließer und Beschläge.
Einfluss und Vermächtnis Als Lehrer und Designer hinterließ Glasenapp einen bleibenden Eindruck in der Welt des Kunsthandwerks und der industriellen Gestaltung. Mit seiner Fachklasse „Stahl und Leichtmetalle“ wandte er sich über das Material Metall hinausgehend auch den Kunststoffen, neuen Fabrikationsmethoden und dem technischen Gerät zu; Arbeiten der Werkgruppe Metall wurden zu ikonischen Bildmarken für bundesdeutsche Werkkunstschulen.
Das ab 1949 von Glasenapp entwickelte Studienprogramm mit Fokussierung auf das Experiment im Bildungsprozess ist auch heute noch Teil der Designausbildung an der Folkwang-Hochschule. Viele seiner Schüler wurden selbst erfolgreiche Designer und trugen seine Lehren weiter.
Sein Nachlass befindet sich seit 1998 am Werkbundarchiv – Museum der Dinge in Berlin.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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