Das 1. Königlich Sächsische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 100 war mit dem 2. Grenadier-Regiment Nr. 101 „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ das älteste Infanterieregiment der kurfürstlich, später königlich Sächsischen Armee und wurde am 30. April 1670 als Leibregiment zu Fuß unter dem Kurfürsten und Erzmarschall Johann Georg II. gegründet.

Geschichte Von 1622 an war der Truppenteil als Garde zu Fuß aufgestellt und wurde am 30. April 1670 durch Kurfürst Johann Georg II. von SachsenGeorge Eberhard Hans Ferdinand Julius Freiherr von Hodenberg: Das Königlich Sächsische 1. (Leib-) Grenadier Regiment Nr. 100 in seinen hervorstechenden Erlebnissen und Thaten. Verlag D. Heinrich, Dresden 1883. Digitalisat als Leib-Regiment zu Fuß errichtet. In den folgenden Jahren erfuhr der Name häufig Änderungen und erhielt am 7. Juni 1815 die Bezeichnung Leib-Grenadier-Regiment Nr. 1 und zum Jahresbeginn 1821 den Namen Leib-Infanterie-Regiment Nr. 1. Am 1. Oktober 1849 wurde die Leib-Infanterie-Brigade, bestehend aus den Infanterie-Bataillonen 13 bis 16, gebildet. Zum 1. April 1867 erhielt der Truppenverband die Bezeichnung 1. Königlich Sächsisches Leib-Grenadier-Regiment Nr. 100 .

Übergeordnete Einheiten Das Regiment war Teil der 45. Infanterie-Brigade, die im Verband der 23. Division zum Einsatz kam und zum XII. Armee-Korps gehörte. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der gesamte Truppenverband der 3. Armee unterstellt.

Kampfhandlungen, Gefechte und Schlachten 1673–1675 im Siebenjährigen Krieg gegen Frankreich 1683 Krieg gegen die Türken bei Wien 1688–1695 im Pfälzischen Erbfolgekrieg gegen Frankreich 1695–1697 Großer Türkenkrieg 1699–1706 und 1709–1716 Großer Nordischer Krieg 1709 Spanischer Erbfolgekrieg 1733–1735 Thronfolgekrieg in Polen 1741/42 Krieg gegen Österreich 1744/45 Krieg gegen Preussen (Hohenfriedberg) 1756–1763 gegen Preussen 1778/1779 gegen Österreich 1793–1796 Krieg gegen Frankreich 1806 Krieg gegen Frankreich 1809 Krieg gegen Österreich 1812/1813 Krieg gegen Russland 1813 gegen die Verbündeten (Großbeeren, Dennewitz, Leipzig) 1814/15 gegen Frankreich 1849 Niederwerfung des Aufstandes in Dresden 1866 Deutscher Krieg gegen Preussen (Gitschin, Königgrätz)

Deutsch-Französischer Krieg

18. August 1870 Gravelotte-St Privat 24. August 1870 Verdun 29. August 1870 Nuart 30. August 1870 Beaumont 1. September 1870 Sedan 29./30. November 1870 Etrepagny und Les Thilliers 4. Dezember 1870 Villiers 19. Januar 1871 Groslay-Ferme

Erster Weltkrieg mini|hochkant|Der spätere Schriftsteller Ludwig Renn (eigentlich Arnold Friedrich Vieth von Golßenau) als Leutnant des sächsischen Leib-Grenadier-Regiments (1915)

Mit der Mobilmachung am 2. August 1914 musste das Regiment ein Ersatz-Bataillon zu 4 Kompanien sowie zwei Rekruten-Depots aufstellen bzw. errichten. Am 9. September 1916 wurde die 2. Kompanie ausgegliedert und 1. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 392. Zum 11. September 1918 wurde dem Regiment eine Minenwerfer-Kompanie zugewiesen, die aus Teilen der sächsischen Minenwerfer-Kompanie Nr. 23 gebildet worden war. Das Regiment hatte zahlreiche Gefallene zu beklagen.Online Projekt Gefallenengräber: Verlustliste: Königlich Sächsisches Leibgrenadier-Regiment Nr. 100: Digitalisat. mini|Denkmal der Königlich Sächsischen Grenadier-Regimenter N. 100 und Nr. 101auf dem Ehrenhain des Dresdner Nordfriedhofes

Zu den Kampfhandlungen, Gefechten und Schlachten siehe Gefechtskalender der 23. Division

Beteiligung am Massaker von Dinant Am 23. August 1914 waren mehrere deutsche Einheiten beim Durchmarsch durch das neutrale Belgien am Massaker von Dinant beteiligt. In ihrem Buch Deutsche Kriegsgreuel 1914: Die umstrittene Wahrheit stellen die Autoren John Horne und Alan Kramer fest, dass das Grenadier-Regiment 101 den Befehl erhalten hatte, Dinant „einzuschießen“. Bei diesem Manöver wurden durch Eigenbeschuss etliche Soldaten getötet. In der Literatur ist anerkannt, dass das Grenadier-Regiment 100 sich an den Gräueltaten in Dinant beteiligt hat. Die Bundesregierung hat sich erst im Jahre 2001 offiziell für diese Kriegsverbrechen entschuldigt.Netzeitung.de Deutschland: Späte Versöhnung: Digitalisat.

Regimentskommandeure Name Jahr/DatumGeorg von Kuffer1670Lindau von Brand1679von Rommel1681Hans Rudolf von Schönefeld 1682Gustav Schmeiß von Ehrenpreisberg1685Heinrich Ehrenreich von Bornstädt1692Friedrich von Brause1697Johann Eberhard von der Drost1697Hans Hermann Wostromirski von Rockittnigk1699Baron von Degenfeld1700Adam Heinrich Baron von Bose1703von Stojentin1712Gottlieb Baron von Schmettau1718Karl Gustav von Fitzner1719Julius Friedrich Freiherr von Weißenbach1728Christian von Stutterheim1740Fran Noé de Crousaz1745Julius Ferdinand von Winkelmann1752Philipp Christian von Pirch1764Friedrich Adolf von Gersdorff1778Wolf Reinhard von Hartitzsch1778Philipp de Leger1788Eckardt Adam von Stammer1791Wilhelm von Low1794Wilhelm Ludwig von Stieglitz1795Heinrich Anton von BielaGeorg Erdmann von Hayne1800Friedrich Wilhelm von Gerstenberg1801Friedrich Gottlieb Donat1807Friedrich von Hartitzsch1809Heinrich von Zeschau1809Prinz Karl Bernhard von Sachsen-Weimar1814Karl Friedrich Anger1814Heinrich Gottlob von Radeloff1815Thomas von Wohan1817Friedrich Heinrich von Koppenfels1828Karl Heinrich von Einsiedel1836Adolf Heinrich Ludwig von Schulz1845Karl Joseph Theodor von Bourk1848Carl von Sichart1849Karl Freiherr von Hausen1853Ludwig Freiherr von Falkenstein1. Juni 1860Lothar Freiherr von Hausen1861Rudolf von Bünau1866Hugo Garten9. Juli 1868Hermann Ernst von Rex19. August 1870Curt Haubold von Einsiedel1. Juni 1875Edmund August von Mensch30. November 1878Anton Maria von Cerrini di Monte Varchi1. April 1881Curt von Raab20. März 1885Erwin von Minckwitz10. Februar 1889Lothar von Hausen19. April 1891Leo von Carlowitz31. März 1895Hans von Carlowitz24. März 1897Karl Ludwig d’Elsa14. April 1898Georg von Criegern19. September 1900Oskar von Ehrenthal26. März 1903Arndt von Criegern17. August 1906Adolph von Carlowitz15. April 1908Max Leuthold24. September 1909Gustav von der Decken1. April 1913Horst von Tettenborn11. Januar 1915Kurt von Damerau-Dambrowski1915Georg von Watzdorf27. Juni 1917Walther von Witzleben10. Januar 1919 bis 24. März 1919

Literatur Hans-Otto von Schimpff: Geschichte der beiden Königlich Sächsischen Grenadier-Regimenter, Erstes (Leib-) Grenadier-Regiment Nr. 100 und Zweites Grenadier-Regiment Nr. 101, Kaiser Wilhelm, König von Preußen. 2. Auflage, Verlag Carl Höckner, Dresden 1877. Claus von Bredow, Ernst von Wedel: Historische Rang- und Stammliste des deutschen Heeres. III. Teil, Biblio Verlag, Osnabrück 1972, ISBN=3-7648-0847-0, S. 1398. Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 220.

Weblinks

Stammliste der Offiziere des 1. (Leib-)Grenadier-Regiments Nr. 100. 1867–1911 Digitalisat Historische Uniform Sachsen, Leib Garde Grenadier Regiment Sächsisches Corps e. V.

Einzelnachweise

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