Die Messerattacke in Southport war ein Amoklauf am 29. Juli 2024 in der nordwestenglischen Stadt Southport. Bei dem Messerangriff wurden drei Mädchen im Alter von 6, 7 und 9 Jahren getötet und zehn weitere Personen, darunter acht Mädchen, zum Teil schwer verletzt. Als Täter wurde ein Jugendlicher festgenommen, der laut"Mr Speaker, now that the conviction has been secured, the families, the people of Southport and the entire country need answers about how this horrendous attack could ever have happened. The government has been constrained in what we could say up to this point about Rudakubana’s past to avoid prejudicing any jury trial in line with all the normal rules of our British justice system. Because nothing was more important than securing justice. But now we can start to lay out that background. Multiple different agencies were in contact with Rudakubana and knew about his history of violence..." https://www.gov.uk/government/speeches/southport-attack-next-steps Innenministerin Yvette Cooper seit Jahren bei mehreren Behörden als Gewalttäter bekannte 17-Jährige Axel Rudakubana, dem dreifacher Mord und zehnfacher Mordversuch vorgeworfen wurden.

Infolge des Verbrechens kam es in Southport und in den Folgetagen auch an anderen Orten im Vereinigten Königreich zu teils gewaltsamen Demonstrationen durch Anhänger der rechtsextremistischen Gruppierungen Patriotic Alternative und English Defence League. Viele Polizisten wurden verletzt, mehr als 400 Personen festgenommen. Auslöser der Unruhen waren vermutlich Falschmeldungen in sozialen Netzwerken über die Identität und den vermuteten islamistischen Hintergrund des Täters.

Tathergang

Am 29. Juli 2024 gegen Mittag verübte ein 17-Jähriger in einem kommunalen Gemeindezentrum in Blowick (einem Vorort von Southport) mit einem Messer einen Amok. In dem Gemeindezentrum wurde zu Beginn der Sommerferien ein Tanz- und Yoga-Workshop mit dem Thema Taylor Swift für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren angeboten. An dem Kurs nahmen insgesamt 25 Kinder teil.Jeremy Culley, Hafsa Khalil: Southport stabbings – what we know about attack. BBC News, 31. Juli 2024. Abgerufen am 6. August 2024 (britisches Englisch).

Der Täter fuhr um 11:45 Uhr mit einem Taxi vor dem Gemeindezentrum vor. Er ging hinein und stach wahllos auf die Anwesenden ein. Insgesamt wurden elf Kinder und zwei Erwachsene durch Messerstiche verletzt. Zwei Kinder, ein sechsjähriges und ein siebenjähriges Mädchen, starben noch am Tatort. Ein drittes, neun Jahre altes Mädchen erlag am 30. Juli 2024 seinen Verletzungen. Einigen Betreuern gelang es, Kinder aus dem Gebäude zu retten. Fünf der acht verletzten Kinder und die beiden Erwachsenen wurden in einem kritischen Zustand in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.Zwei Kinder in England erstochen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Juli 2024. Abgerufen am 6. August 2024 (Quelle: dpa).

Der Täter wurde noch am Tatort von der herbeigerufenen Polizei festgenommen. Da er zum Tatzeitpunkt minderjährig war, gab die Polizei zunächst nur wenige Details zur Person bekannt. Demnach handelte es bei dem Festgenommenen um einen siebzehnjährigen Jugendlichen aus Banks, Lancashire, einer an Southport grenzenden Gemeinde. Erst nachdem in den sozialen Netzwerken Gerüchte über einen islamistischen Hintergrund kursierten und behauptet wurde, der Täter sei 2023 als illegaler Einwanderer bzw. syrischer Bootsflüchtling in das Vereinigte Königreich gelangt, bestätigte die Polizei, dass der mutmaßliche Täter der Sohn von Einwanderern aus Ruanda ist. Er wurde im August 2006 in Cardiff, Wales, geboren; die Familie zog 2013 nach Nordwestengland. Die Familie sei christlich geprägt und in der lokalen Kirchengemeinde aktiv.Andy Gregory: Southport stabbings: What we know about suspect Axel Rudakubana as identity revealed. The Independent, 1. August 2024. Abgerufen am 6. August 2024 (britisches Englisch).Patrick Diekmann: Putin bringt den Stein ins Rollen www.t-online.de, 5. August 2024

Am 1. August 2024 wurde der mutmaßliche Täter formell vor dem Crown Court in Liverpool angeklagt wegen dreifachen Mordes, zehnfachen versuchten Mordes und wegen des Besitzes einer Stichwaffe. Die Gerichtsverhandlung wurde auf den 20. Januar 2025 terminiert. Das Tatmotiv sei unklar, die Polizei schließe einen terroristischen Hintergrund aus.17-Jähriger wegen dreifachen Mordes angeklagt. Süddeutsche Zeitung, 1. August 2024. Abgerufen am 6. August 2024 (Paywall) Nach Angaben der Anklage sei bei dem Tatverdächtigen Autismus diagnostiziert worden.Daniel Sandford, Gemma Sherlock, Tom Mullen: Teen, 17, accused of Southport murders named. BBC News, 1. August 2024. Abgerufen am 6. August 2024 (britisches Englisch)

Während weiterer Ermittlungen wurde bekannt, dass der Täter wegen der Herstellung von Rizin und wegen des Besitzes islamistischen Propagandamaterials der Terrororganisation al-Qaida angeklagt werden sollte. Entgegen früherer Verlautbarungen wurde der Täter deswegen auch wegen einer terroristischen Straftat angeklagt.Southport stabbings: teen suspect faces ricin, terrorism charges. Reuters, 29. Oktober 2024. Abgerufen am 2. November 2024

Gerichtsverfahren und Verurteilung Am 23. Januar 2025 verurteilte der Liverpool Crown Court Axel Rudakubana zu lebenslanger Haft mit einer Mindeststrafe von 52 Jahren. Obwohl er neben den drei Morden auch den Besitz eines Al-Qaida-Trainingshandbuchs sowie die Herstellung des Giftstoffs Rizin zugegeben hatte, stellte Richter Julian Goose ausdrücklich fest, dass es keine Beweise dafür gebe, dass Rudakubana eine terroristische Zielsetzung verfolgt habe. Die Staatsanwaltschaft erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, dass er einer bestimmten politischen oder religiösen Ideologie anhing; sein einziger Zweck sei das Töten gewesen. Der nationale Koordinator der Counter Terrorism Policing bestätigte in einer offiziellen Erklärung, dass das Fehlen von Belegen für ein Motiv bedeute, dass diese Taten die rechtliche Definition von Terrorismus nicht erfüllten. Rudakubana war zwischen 2019 und 2021 dreimal dem Präventionsprogramm Prevent gemeldet worden, wurde jedoch nicht aufgenommen, da keine Belege für eine terroristische Ideologie vorlagen – ein Versäumnis, das eine anschließende Überprüfung als strukturellen Fehler des Programms identifizierte.

Reaktionen auf das Verbrechen mini|Polizei-Fahrzeug in Flammen, Southport, 30. Juli 2024 mini|Tithebarn Rd, Southport 30. Juli 2024 Der britische Premierminister Keir Starmer zeigte sich betroffen von den „grausamen Nachrichten“. Bei einem Besuch in Southport am 30. Juli sagte Starmer, das ganze Land stehe unter Schock. Zuvor hatte bereits Innenministerin Yvette Cooper den Tatort besucht und Blumen niedergelegt. Auch König Charles III. und Queen Camilla zeigten sich von dem „absolut grausamen Messerangriff zutiefst geschockt“, ähnlich reagierten der Prince of Wales und seine Ehefrau in einem Beitrag im sozialen Netzwerk X.Alexander Menden: „Wie etwas aus Amerika, nicht wie das sonnige Southport“. Süddeutsche Zeitung, 30. Juli 2024. Auch die portugiesische Regierung kondolierte, da die Familie des neunjährigen Opfers von der portugiesischen Insel Madeira stammt.Attaque au couteau à Southport: une des victimes est portugaise. Le Matin, 30. Juli 2024. Abgerufen am 6. August 2024 (Schweizer Französisch)

Die US-Sängerin Taylor Swift, der der Kinder-Workshop in Southport gewidmet war, schrieb auf Instagram: „Das Grauen des gestrigen Anschlags in Southport spült unaufhörlich über mich hinweg, und ich stehe völlig unter Schock.“ Ihre Fans – „Swifties“ genannt – spendeten mehrere hunderttausend Pfund für die Opfer der Attacke.Emma Guinness: Taylor Swift fans raise over £275,000 on JustGiving for Southport stabbing victims. The Independent, 31. Juli 2024. Abgerufen am 6. August 2024 (britisches Englisch)

Am Abend des 30. Juli kamen mehrere hundert Menschen zu einer Gedenkveranstaltung an der Atkinson Art Gallery and Library im Zentrum von Southport zusammen.Ausschreitungen nach Messerangriff in Southport – Dutzende Polizisten verletzt. Der Spiegel, 31. Juli 2024. Abgerufen am 6. August 2024 Viele legten am Tatort Blumen, Stofftiere und Beileidsbekundungen nieder.

Einige Stunden nach der Mahnwache kam es in Southport zu schweren Ausschreitungen. Die Krawalle richteten sich zuerst gegen eine Moschee: diese wurde mit Ziegelsteinen und anderen Gegenständen beworfen. Randalierer griffen die anrückenden Polizisten an und zündeten ein Einsatzfahrzeug an. 39 Polizisten wurden ärztlich versorgt.Helen Regan, Niamh Kennedy, Maija Ehlinger, Duarte Mendonca, Radina Gigova: Violent scenes as far-right protesters ‘hijack’ vigil for 3 girls killed in Southport knife attack. CNN, 1. August 2024. Abgerufen am 6. August 2024 (amerikanisches Englisch) Die meisten der Gewalttäter waren rechtsradikale Hooligans der English Defence League, die nach Ansicht der Polizei von Merseyside vermutlich nach dem Lesen von Fake News im Internet zu den islamfeindlichen Ausschreitungen gekommen waren. Auf dem Netzwerk X wurde zuvor ein Migrant mit arabisch klingendem Namen als Täter bezeichnet. Diese Meldung ging von einem Fake-Account aus und wurde unter anderem von der rechtsextremen Gruppe Patriotic Alternative verbreitet.Emily Pennink: Call for urgent action to tackle ‘tsunami of lies’ behind Southport protest. The Independent, 2. August 2024. Abgerufen am 6. August 2024 (britisches Englisch). Mehrere Experten halten dabei eine russische Einflussnahme für möglich, beispielsweise über die Internetseite Channel 3 Now, die Meldungen im Sinne des Kreml verbreitet.Amy-Clare Martin, Barney Davis, Tara Cobham: Fears of more far-right riots after thugs hijack horrific Southport stabbing. The Independent, 1. August 2024. Abgerufen am 6. August 2024 Die britische Regierung verurteilte die Krawalle in Southport scharf. Premierminister Starmer sagte, die Randalierer hätten das Gedenken an die Opfer des Messerangriffs mit Gewalt und Ausschreitungen gekapert; die volle Härte des Gesetzes werde sie treffen.Johannes Leithäuser: Randale nahe Downing Street nach Messerattacke. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Juli 2024. Abgerufen am 6. August 2024.

Weitere Unruhen

mini|Demonstration gegen Rassismus in Lancaster am 4. August 2024 In den Tagen nach der Messerattacke kam es in weiteren britischen Städten zu teils gewaltsamen Protesten von islamfeindlichen und rechtsradikalen Gruppen. Ungeachtet der Offenlegung der Identität des mutmaßlichen Täters durch das Liverpooler Gericht wurde weiterhin das Verbrechen zum Anlass für Demonstrationen gegen die Migrationspolitik der britischen Regierung genommen, teilweise fanden Kundgebungen vor Asylunterkünften und Angriffe darauf statt.Radina Gigova, Duarte Mendonca, Mia Alberti, Sophie Tanno: Rioters target hotel used to house asylum seekers amid worst UK disorder in years. CNN, 4. August 2024. Abgerufen am 6. August 2024. (amerikanisches Englisch).

Am 31. Juli 2024 kam es bei einer Demonstration unter dem Motto „Enough is enough“ („Genug ist genug“) nahe der Londoner Downing Street, dem Amtssitz des Premierministers, zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Rechtsradikalen und der Polizei, bei denen über 100 Demonstranten vorübergehend festgenommen wurden.17-Jähriger wegen dreifachen Mordes angeklagt. tagesschau.de, 1. August 2024. Abgerufen am 6. August 2024. In den Folgetagen wurden aus zahlreichen Städten im Vereinigten Königreich anti-islamische Demonstrationen vermeldet, die unter anderem in der nordostenglischen Stadt Hull und im nordirischen Belfast zu Randalen geführt hatten.Neue Gewalt in britischen Städten. tagesschau.de, 4. August 2024. Abgerufen am 6. August 2024. Dabei gab es auch zunehmend Gegendemonstrationen antifaschistischer und antirassistischer Gruppen.