mini|Titelbild einer Ausgabe des Romans von 1907 Die Malavoglia (italienischer Originaltitel: I Malavoglia; in deutschen Übersetzungen auch Die Familie Malavoglia, Die Malavoglias) ist der Titel eines 1881 publizierten Romans des italienischen Schriftstellers Giovanni Verga. Erzählt wird, in einem breiten Bild einer sizilianischen Dorfgesellschaft in den 1860er und 1870er Jahren, die tragische Geschichte der Fischerfamilie Toscano, genannt Malavoglia. Die erste deutsche Übersetzung von Charlotte Sauer erschien 1940, drei weitere folgten. Inhalt Überblick Verga erzählt die Geschichte der Fischerfamilie Toscano in Trezza, einem kleinen sizilianischen Dorf in der Nähe von Catania. Padron 'Ntoni muss erleben, wie eine Reihe von Schicksalsschlägen seine Familie trifft und fast alles zerstört, symbolisiert durch den Schiffbruch des Bootes „Provvidenza“ (Vorsehung). Die Tragödie beginnt, als er seinen Sohn Bastiano mit einer Bootsladung auf Kredit gekaufter Luzerne nach Riposto schickt, um sie dort gewinnbringend zu verkaufen. Doch das Schiff geht in einem Sturm unter. Sein Enkel 'Ntoni kehrt aus dem Militärdienst ins Dorf zurück und findet sich nicht mehr zurecht. Er wird als Schmuggler zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Sein Bruder Luca fällt in der Seeschlacht vor Lissa. Mutter Maruzza stirbt an Cholera, eine ihrer Töchter, Rosalia, wird Prostituierte, die andere, Filomena, identifiziert sich so sehr mit dem Ansehensverlust ihrer Familie, dass sie die Werbung des Fuhrmanns Alfio ablehnt und im Haushalt ihres Bruders Alessio bleibt. Diesem gelingt ein Neuanfang als Fischer mit einem eigenen Schiff. Er kauft, ca. 10 Jahre nach Beginn der Handlung, das Haus mit dem Mispelbaum zurück, heiratet seine Kinderliebe, das Nachbarmädchen Nunziala, und gründet eine eigene Familie.

Die Malavoglia Im Zentrum der Handlung steht die fleißige, geachtete Fischerfamilie Toscano, die seit Generationen von der Bevölkerung Malavoglia (deutsch ‚widerwillig, lustlos‘) genannt wird. Sie wohnt im Haus mit dem Mispelbaum. Der konservative Großvater 'Ntoni führt nach traditionellen Vorstellungen patriarchalisch die Familie: Sohn Bastiano (Bastianazzo), seine Frau Maruzza (die Longa) und ihre fünf Kinder 'Ntoni, Luca, Filomena (Mena oder Sant'Agata), Alessio (Alessi) und Rosalia (Lia). Mit ihrem Boot „Provvidenza“ verdienen sie ihren Lebensunterhalt. Durch eine Unglückskette steigt die anfänglich wohlhabende Familie, unterbrochen durch Erholungsphasen, stufenweise in der gesellschaftlichen Hierarchie ab:

Tod Bastianos Die Haupthandlung beginnt, als im Dezember 1863 der 20-jährige 'Ntoni, wie viele andere junge Männer, zum Militärdienst, zur Marine, einberufen wird und für die Familie ein schicksalhaft schlechtes Jahr folgt. Padron 'Ntoni muss tageweise Menico Locca als Helfer anheuern und es ist schwer, die Familie allein vom Fischfang zu ernähren. So lässt er sich auf einen Deal ein, auf Kredit für 40 Unzen vom Händler Crocifisso (genannt Campana di legno, Holzglocke) eine Ladung Lupinen zu kaufen, sie von Bastiano und Menico mit dem Boot nach Riposto zu bringen und sie dort gewinnbringend zu verkaufen (Kap. 1). Während der nächtlichen Fahrt gerät die Provvidenza in einen Sturm und erleidet Schiffbruch: Die Seeleute sterben und die Ladung geht verloren (Kap. 3). Während der Trauerfeier bemitleiden die Nachbarn die Witwe und ihre Kinder und spekulieren zugleich über ihre Zukunft (Kap. 4): Die Familie Malavoglia befindet sich nämlich in einem dreifachen Unglück: Bastiano, der wichtigste Arbeiter der Familie, ist tot, das Schiff wurde schwer beschädigt an die Küste gespült (Kap. 5) und die Ehre verlangt es, dass die Schulden für den Lupinenkauf bezahlt werden. Man munkelt über eine Verheiratung Menas mit Brasi, dem Sohn des reichen Grundbesitzers Cipolla, um die Ernährung der Familie zu erleichtern. Für Mena wäre dies keine Liebesheirat, denn sie liebt den armen Fuhrmann Alfio Mosca, der mit seinem Eselskarren Waren transportiert (Kap. 5). Auch ein Verkauf des Hauses, „Casa del Nespolo“, wird diskutiert, aber dies wäre nur mit Maruzzas Einwilligung zu realisieren, weil sie durch ihre Mitgift Mitbesitzerin ist.

Reparatur der Provvidenza Nach sechs Monaten nimmt 'Ntoni seinen Abschied vom Militär und kehrt von Neapel zur Familie zurück. Der stattliche junge Mann tritt im Dorf großspurig auf, spielt bei den jungen Frauen sein Ansehen als ehemaliger Soldaten aus und bringt durch seine Flirts einige Heiratswünsche durcheinander, z. B. den des Gemeindesekretärs Silvestro mit Barbara Zuppiddu. Doch der Großvater drängt ihn zur Arbeit und plant ihn in sein Sanierungsprogramm ein (Kap. 6). Um die Reparatur der Provvidenza zu finanzieren, arbeiten er und 'Ntoni als Tagelöhner auf Cipolas Fischerboot „Carmela“, Luca trägt Steine für den Bau der Eisenbahnbrücke, Alessa sammelt Würmer als Angelköder, Maruzza arbeitet zusätzlich als Wäscherin und webt zusammen mit Mena Stoffe zum Verkauf. Im nächsten Jahr wollen sie mit ihrem Schiff wieder Fische fangen und den Kredit zurückzahlen.

Doch ihre Einkünfte reichen nicht, um die an Weihnachten fällige Summe an Crocifisso zu zahlen. Um nicht selbst aktiv werden zu müssen, verkauft dieser zum Schein seine Kreditforderung an den zwielichtigen Makler Agostino Piedipapera und dieser schickt den Gerichtsvollzieher mit einer Mahnung zu den Malavoglia, was im Dorf für Aufregung sorgt. 'Ntoni bietet die reparierte Provvidenza als Bürgschaft an, doch Piedipapera lehnt ab, da er keine Verwendung dafür habe. Da die Familie in Rechtsfragen unerfahren ist, kommt Maruzza auf die Idee, den Gemeindesekretär Don Silvestro um Rat zu fragen, und dieser schickt sie, als Gegenleistung für zwei Hühner, zum jungen Rechtsanwalt Dr. Scipioni. Zum vergleichsweise günstigen Preis von 25 Lire berät er sie sachkundig: Da kein offizieller Vertrag vorliege, müssten sie die Schulden nicht bezahlen. Doch Padron 'Ntoni fühlt sich aus Gründen der Ehre an seine mündliche Absprache gebunden. Wieder wird Silvestro um Vermittlung gebeten. Dieser überredet die über ihre Rechte nicht informierte Maruzza, auf ihren Anspruch am Haus zu verzichten und dem Verkauf zuzustimmen. Dem scheinbar widerwillig reagierenden Crocifisso, der Silvestro für seine wohlwollende Vermittlung mit Sojabohnen belohnt, ringt er einen Aufschub bis Ostern ab (Kap. 6).

Zu Weihnachten ist die Provvidenza repariert und wird unter Beteiligung der Dorfbevölkerung zu Wasser gelassen (Kap. 7). Überschattet ist das Ereignis von der Einziehung Lucas zum Militär. Doch die Malavoglia haben große Hoffnung, dass sie mit guten Fischfängen im nächsten Jahr Turi Zuppiddu die ausstehenden 50 Lire für seine Reparatur und den Kredit bei Piedipapera bzw. Crocifisso bezahlen können, um die Absicherung, das Schiff und das Haus, behalten und Mena mit Brasi Cipola verheiraten zu können. Tod Lucas und Verkauf des Mispelhauses Anstelle des Aufstiegs setzt sich die Unglückskette fort: Zu Ostern kann 'Ntoni nur einen Teil der Schulden, 100 Lire, zurückzahlen. Der Rest soll nach einem guten Fischjahr folgen. Crocifisso und Piedipapera setzen ihr Spiel fort, indem der eine auf die Zuständigkeit des anderen verweist und Piedipapera die ganze Summe haben will und mit dem Gerichtsvollzieher droht.

Mit ihrer Verheiratung in die Familie Cipolla hätte die 18-jährige Mena ein gutes und gesichertes Leben und die Verlobung mit Brasi ist am Abend vor Himmelfahrt geplant (Kap. 9). Genau an diesem Tag trifft die Nachricht vom Untergang der italienischen Fregatte Re d’Italia ein, bei der Seeschlacht bei Vis in der nördlichen Adria am 20. Juli 1866 zwischen Italien und Österreich während des Dritten italienischen Unabhängigkeitskriegs Lucas Name steht auf der Liste der toten Soldaten. Seine Mutter und den Großvater trifft dieser Schlag so schwer, dass sie zunächst keine Kraft mehr haben zu arbeiten. Crocifisso und sein Strohmann Piedipapera nutzen die Situation und schicken den Malavorglia den Gerichtsvollzieher mit ihrer Zahlungsforderung. 'Ntoni versucht mit Hilfe seines Rechtsanwalts vergeblich, eine Fristverlängerung zu erreichen, und akzeptiert schließlich, um einen Prozess zu vermeiden und die Anwaltskosten zu sparen, die Abgabe der „Casa del Nespolo“, mit Rückkaufsmöglichkeit, an Piedipapera. Teil dieser Vereinbarung ist, dass sie wenigstens die Provvidenza behalten dürfen, um täglich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Schweren Herzens räumen sie ihr Haus mit dem Mispelbaum und ziehen als Mieter in ein Haus des Metzgers.

Der Verlust der „Casa del Nespolo“ wird im Dorf als gesellschaftlicher Abstieg gewertet und hat auch Folgen für Mena und den jungen 'Ntoni (Kap. 9). Für Cipolla war die Verheiratung seines Sohnes mit Mena immer mit dem Haus als Mitgift verbunden und er macht jetzt Maruzza für das Scheitern der Ehe verantwortlich, weil sie auf ihren Anspruch und damit auf den ihrer Tochter verzichtet hat. Im Gegensatz zu Brasi ist Mena über den Verlobungsabbruch nicht unglücklich, denn sie liebt den bescheidenen Fuhrmann Alfio Mosca (Kap. 5), der wegen besserer Arbeitsmöglichkeiten nach Bicocca bei Catania ausgewandert ist, und hofft auf seine Rückkehr. Ebenfalls scheitert eine Verbindung 'Ntonis mit Barbara Zuppiddu. Ihre Mutter Venera fordert, dass der junge kräftige Mann nicht mehr mit seiner Arbeit seine Familie unterstützt, sondern für sich selbst sorgt. Da er sich nicht entscheiden kann, bricht Venera die Verbindung zu ihm ab, denn sie fürchtet, dass ihre bereits 22-jährige Tochter andere Heiratsmöglichkeiten verpasst. Nach dem Auszug der Malavoglia aus dem Haus tritt Crocifisso als Besitzer auf. Er hat angeblich die Kreditforderung von Piedipapera zurückgekauft. Tod Maruzzas Nach guten Fängen und neuen Hoffnungen auf einen Wiederaufstieg geraten Padron 'Ntoni, der junge 'Ntoni und Alessi mit der Provvidenza in einen Sturm (Kap. 10) und das Schiff strandet an der Küste. Die Besatzung wird von Zollbeamten aus dem Wasser gezogen, der alte 'Ntoni überlebt schwerverletzt, erholt sich jedoch langsam und die Malavoglia gehen wieder mit dem von Turi Zuppiddu erneut reparierten Schiff auf guten Sardellenfang. Die Frauen weben weiterhin Stoffe und verkaufen außerdem vor dem Haus Orangen, Nüsse, Eier und Oliven. So können sie gut leben und noch Geld für den Rückkauf des Hauses zurücklegen. Patron 'Ntoni findet seinen Spruch betätigt, dass „sich fünf Finger beim Rudern gegenseitig helfen müssen“.Giovanni Verga: Die Malavoglia. Wagenbach, Berlin, 2022, S. 180.

Bald darauf wendet sich wieder die Schicksalskurve. Der junge 'Ntoni ist unzufrieden, nur für die Familie arbeiten zu müssen und kein Geld für sich zu haben, um z. B. wie andere junge Männer öfter ins Wirtshaus zu gehen (Kap. 11). Er hört von zwei Fremden, die das Geld mit vollen Händen ausgeben, vom sagenhaft schönen Leben mit vielen Vergnügungen in Triest oder Alexandria. Doch die Sorge seiner Mutter, einen weiteren Sohn zu verlieren, hält ihn vor einer Auswanderung zu ihrer Lebenszeit zurück. Dann erreicht eine aus Catania eingeschleppte Cholera-Epidemie das Fischerdorf und Maruzza erkrankt und stirbt kurz darauf. Als Folge der Epidemie lassen sich die Sardellen schwer verkaufen und die Familie verbraucht einen großen Teil des für den Rückkauf des Hauses am Mispelbaum gesparten Geldes. Jetzt entschließt sich 'Ntoni, das Dorf zu verlassen, sein Glück in der Fremde zu suchen und verspricht, der Familie Geld zu schicken.