Kiril „Kiro“ Christow Maritschkow (; * 28. Oktober 1875 in Kalofer, Osmanisches Reich; † 17. Februar 1922 in Sofia, Zarentum Bulgarien) war ein bulgarischer Architekt und Stadtplaner, der durch seine Werke im Stil der Secession bekannt wurde und die Grundsätze moderner Stadtplanung in Bulgarien einführte.
Eltern, Geschwister und Jugend Kiril Christow Maritschkow kam am 28. Oktober 1875 als erstes Kind des Lehrers Christo K. Maritschkow () und seiner Frau Elena, geborene Stranskа, in im Balkangebirge gelegenen Kalofer zur Welt. (geni.com) Seine Mutter war die Schwester des Arztes, Revolutionärs und Politikers Georgi Stranski.: (historicalroutes.bg, 2022; deutsch: Srebrina Timofei: Über den charmanten Architekten Kiril Maritschkow - ein Interview mit seinem Enkel Kiril Maritschkow) Der kleine Kiril bekam den Kosenamen Kiro, unter dem er später bekannt wurde. Er hatte drei jüngere Geschwister, seine Schwester Tschona Christowa (* 1877 Kalofer, † 1950 Sofia) (geni.com), seinen Bruder Iwan Christow (* 1879 Kalofer) (myheritage.com) und seine jüngste Schwester Anna Christowa (* 15. Dezember 1880 Kalofer, † 1960 Sofia) (geni.com). Кalofer wurde während des russisch-osmanischen Kriegs am 1877 von irregulären osmanischen Einheiten (Başı Bozuken) angegriffen. Wie viele andere Einwohner konnte sich auch die Familie Maritschkow vor den heranrückenden Truppen in den Wäldern des Balkangebirges in Sicherheit bringen. Der Ort wurde geplündert und nahezu vollständig niedergebrannt. In den Trümmern seines Vaterhauses fand der zweijährige Kiro später ein verkohltes Stück Holz. Dieses bewahrte er als Erinnerung an sein Zuhause bis an sein Lebensende auf. Der junge Kiro Maritschkow besuchte in seiner Heimatstadt die Klosterschule. Sein Schulkamerad und Freund war Georgi Fingow, der später ebenfalls ein bedeutender Architekt wurde.
Schaffen Im Anschluss an die Grundschule, ging Kiro 1890 mit einem Gemeindestipendium nach Österreich-Ungarn, um in Chrudim in Böhmen die k.k. Fachschule für Holzindustrie zu besuchen.Ljubinka Stoilowa: Architekt Georgi Fingow.- In: Museum für die Geschichte von Sofia (Hrsg.): Österreichische Architektureinflüsse in Sofia um die Jahrhundertwende, S. 58 Dort kam er mit den Ideen der Wiener Sezession in Berührung. 1895 schrieb er sich an der Fakultät für Architektur der Technischen Hochschule Karlsruhe ein, der Vorläuferin des heutigen Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Neben Architektur interessierte ihn auch Malerei und Musik. Eines seiner Bilder ist bis heute im KIT ausgestellt. Er spielte zudem ausgezeichnet Klavier. Um einen Nebenverdienst zu haben, fertigte er während seiner Studienzeit mehrsprachige Notenblätter für bekannte Lieder und Romanzen an, die er mit Vignetten im Stil der Secession ausschmückte. 1900 schloss er sein Architekturstudium mit Auszeichnung ab.: (Тема, 28 (196), 2005; deutsch: Iskra Zenkowa: Architekt aus Berufung)
Nach Beendigung seines Studiums kehrte er nach Bulgarien zurück und ließ er sich in Sofia nieder. Dort nahm er eine Stelle als Praktikant im Ministerium für öffentliche Arbeiten, Straßen und Verkehr an. Eine Zeitlang war er für die Direktion der Eisenbahnen und Häfen tätig. In dieser Position arbeitete er mit dem Architekten Nikola Kostow (* 1880, † 1969) zusammen. et al. (deutsch: Iwan Gogew et al. (Hrsg.): 150 Jahre Eisenbahnlinie Ruse–Warna - 150 Jahre Eisenbahninfrastruktur in Bulgarien), S. 102–103 Dieser fungierte als Leiter der Arbeiten am Bahnhof Burgas, während Kiril Maritschkow anfangs die Leitung des Bahnhofsbaus in Warna innehatte. (gotoburgas.com, 2020; deutsch: Bahnhof Burgas) 1902 übersiedelte sein Freund Georgi Fingow von Plowdiw nach Sofia, um die Stelle des Abteilungsleiters für Architektur bei der Gemeinde Sofia anzutreten. Noch im selben Jahr gründeten Georgi Fingow und Kiro Maritschkow ein gemeinsames Architekturbüro. (sofiahistorymuseum.bg, 2024; deutsch: 150 Jahre seit Geburt des Architekten Georgi Fingow) Die beiden bildeten ein kreatives Tandem und entwarfen zusammen über hundert öffentliche und private Gebäude. 1906 waren Kiro Maritschkow und Georgi Fingow Gründungsmitglieder der Gesellschaft „Zeitgenössische Kunst“ (). Deren Ziel war es, junge Künstler und Architekten miteinander in Kontakt zu bringen. Die Kooperation der beiden Architekten endete, nachdem Maritschkow zum stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Sofia gewählt wurde.
Politische und philanthropische Aktivitäten Kiro Maritschkow war ein überzeugter Demokrat. Parteipolitisch engagierte sich in der Demokratischen Partei (). Zwischen 1908 und 1911 amtierte er als stellvertretender Bürgermeister von Sofia. Zusammen mit seiner Frau Ljuba (geni.com), seinem Bruder Iwan (geni.com), seiner Schwester Tschona sowie seiner Mutter Elena (Sammelband Kaloferer Freundschaft, Band 2), S. 1 war er Mitglied in der Freundschaftsgesellschaft Kalofer (). Ziel dieser Vereinigung war die Vernetzung ehemaliger Einwohner von Kalofer, die Erforschung der Stadtgeschichte sowie die Unterstützung bedürftiger Menschen aus Kalofer, die in der Stadt Sofia lebten. (kaloferheroes.blogspot.com, 2013; deutsch: Die großen Kaloferer …!)
Ehe und Familie Er heiratete die Opernsängerin Ljuba Atanassowa Karakaschewa (; * 26. März 1886 Russe; † 9. November 1939 Sofia). Ljuba beendete daraufhin ihre Bühnenkarriere und wurde Hausfrau. Ihr Sohn Kiril Kirilow kam am 1. Oktober 1919 in Sofia zur Welt. (geni.com) Ihr Enkel war der Rockmusiker Kiril Maritschkow (* 1944, † 2024).Diljana Tratschewa: Tausende Fans nahmen Abschied von Kiril Maritschkow (bnr.bg, 2024) Um der Wohnungsnot in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu begegnen, verabschiedete die Nationalversammlung ein Gesetz, das die Vermietung nicht selbst genutzter Räume vorschrieb. Ministerpräsident Aleksandăr Stambolijski erließ eine Ausnahmeverordnung für das Haus von Ljuba Maritschkowa. Seine Begründung lautete, dass die Witwe und das kleine Kind des großen bulgarischen Architekten nicht gestört werden dürfen.
Bauten und Wettbewerbsbeiträge Gemeinschaftsarbeiten mit Georgi Fingow (Auswahl) mini|Die ehemalige Klinik von Dr. Funk im Jahre 2009 1903: Klinik von Dr. Adolf Funk, Boul. Knjaz Aleksandăr Dondukow 59, Sofia ().Ljubinka Stoilowa: Architekt Georgi Fingow.- In: Museum für die Geschichte von Sofia (Hrsg.): Österreichische Architektureinflüsse in Sofia um die Jahrhundertwende, S. 60–61 Es ist das erste Gebäude Sofias, das im Stil der Secession errichtet wurde. Die Bauarbeiten endeten im Jahre 1904. Das Gebäude stellte ein Vorbild für andere Architekten dar. Heute ist es Sitz der Zentrale der Allianz Balgaria Holding ().: (, III, 47, S. 32, Sofia; deutsch: Krasimir Nentschew: Das schöne Haus von Doktor Funk) Erster Platz beim Wettbewerb um den Entwurf des III. Knabengymnasiums, ul. Pirotska 68, Sofia (). Heute ist es die 18. Sekundarschule William Gladstone (18-то Средно Училище „Уилиям Гладстон“).
1904: Zweiter Platz beim Wettbewerb zur Neugestaltung der Plätze Sweti Aleksandăr Newski () und Narodno Săbranie () im Zentrum von Sofia.
1905: Wohnhaus von Stefan und Wera Drenkowi, ul. San Stefano 31, Sofia (). Das Gebäude dient heute als Residenz des griechischen Botschafters. Wohnhaus von Generalleutnant Kiril Botew, ul. Schipka 23, Sofia ().: (historicalroutes.bg, 2022; deutsch: Stiftung Historische Routen: Historische Routen: Sofioter Häuser und „Paläste“) Wohnhaus der Gebrüder Iwanow, ul. Angel Kantschew 3, Sofia ().
1906: Wohnhaus von Ch. Sawow, ul. Rakowski 90, Sofia ().
mini|18. Sekundarschule „William Gladstone“ im Jahre 2014 1907: Wohnhaus von Atanas und Christina Smedowski, ul. Schipka 44, Sofia (). Das Haus wurde zwischen 1907 und 1908 im Stil der Secession erbaut.: (kab-sofia.bg, 2014; deutsch: Mariana Melnischka: Klein-Wien) Später erwarb es der Unternehmer Georgi Gegow. (galenascorner.blogspot.com, 2015; deutsch: Ein Märchen von der Ungerechtigkeit) 1978 ist es in die Liste der architektonischen Kulturdenkmäler von lokaler Bedeutung aufgenommen worden. III. Knabengymnasium, ul. Pirotska 68, Sofia (). Heute ist es die 18. Sekundarschule „William Gladstone“ (). 1906 übernahm Georgi Fingow die technische Leitung der Bauarbeiten. Der Schulbetrieb begann im Jahre 1907. 1939 wurde das Gebäude um eine Etage aufgestockt und um einen Flügel ergänzt. Das Bauwerk gehört heute zu den architektonischen Denkmälern von lokaler Bedeutung. Hauswirtschaftsschule "Maria Luisa", ul. Lawele 30, Sofia (). Heute beherbergt der Bau das Museum des Innenministeriums. Aufstockung des Wohnhauses von General Stefan Paprikow, ul. Krakra 14, Sofia (). Das Haus wurde 1893 von Karl Heinrich (* 1858, † 1940) entworfen.Marcella Stern: Architekt Karl (Carl) Heinrich.- In: Museum für die Geschichte von Sofia (Hrsg.): Österreichische Architektureinflüsse in Sofia um die Jahrhundertwende, S. 34–35 General Paprikow verkaufte es im Jahre 1917. Es gehört heute der Bulgarisch-Amerikanischen Kreditbank AG ().: (nashdom-bg.com, 2019; deutsch: Kalin Jordanow: Das Haus der Generäle und der Barmherzigkeit)
mini|Kulturhaus „Elenka und Kiril D. Awramowi“ in Swischtow (2016) 1908: Generaldirektion der Bulgarischen Staatseisenbahnen, ul. Iwan Wazow 3, Sofia (). Wohnhaus von Elena Gorgas, ul. Oborischte 29, Sofia (). Heute befindet sich darin die Residenz des französischen Botschafters. Erstes bulgarisches nationales Kulturhaus „Elenka und Kiril D. Awramowi“, ul. Dimităr Chadschiwassilew 2, Swischtow (). Der erste Entwurf stammte von Peter Paul Brang aus dem Jahr 1904.Marcella Stern: Architekt Peter Paul Brang. In: Museum für die Geschichte von Sofia (Hrsg.): Österreichische Architektureinflüsse in Sofia um die Jahrhundertwende, S. 33 Dieser konnte aus Kostengründen nicht realisiert werden. Stattdessen entwarfen Georgi Fingow und Kiril Maritschkow ein Gebäude im Stil der Secession. Baubeginn war im Jahre 1906. Das Kulturhaus wurde am 14. September 1908 eröffnet.: (standartnews.com, 2023; deutsch: Angel Karadakow: Wie die "mehrfach leidende Genoveva" Swischtow aufrüttelte)
1909: Krankenhaus des Roten Kreuzes, Boul. General Eduard Totleben 19, Sofia (). Das Gebäude ersetzte einen älteren Bau aus dem Jahre 1900. Die Bauarbeiten wurden 1907 aufgenommen und 1909 abgeschlossen.Ana Anastassowa: The Curious Sofia, S. 188 Das Gebäude ist heute Teil des Krankenhauses "N. I. Pirogow" für Erste Hilfe. Wohnhaus von Dimităr Mamartschew, Boul. Ewlogi i Christo Georgiewi 117, Sofia ().
Gemeinschaftsarbeiten mit Nikola Kostow 1903: Empfangsgebäude des Bahnhofs Burgas ().Atanas Sikarow: , S. 71–72
1907: Erster Platz beim Wettbewerb für das Empfangsgebäude des neuen Bahnhofs Warna ().: (www.jptactis.com, 2005; deutsch: Galina Petrowa: Das wiedererstandene Antlitz des alten Bahnhofs) Die Grundsteinlegung erfolgte am 27. Juli desselben Jahres.: (www.chernomore.bg, 2024; deutsch: Mariza Gărdewa: Die unbekannte Geschichte: Die Verwandlung der Station von Baron Hirsch in einen Bahnhof) Bedingt durch die Balkankriege und den Ersten Weltkrieg kam es zur Einstellung sämtlicher Aktivitäten bis 1919. Die offizielle Eröffnung in Anwesenheit von Zar Boris III. konnte daher erst am 3. März 1925 stattfinden.
Eigenständige Entwürfe (Auswahl) mini|hochkant|Das Haus von Dr. Georgi Lasarow im Jahre 2023 mini|hochkant|Das Wohnhaus von Iwan Motikarow im Jahre 2023 1912: Villa eines Sofioter Bankiers, ul. 6. Septemwri 47, Sofia (). Das Gebäude wird seit 2023 restauriert.: (citybuild.bg, 2023; deutsch: Emma Dimitrowa: Vorstellung eines architektonischen Projekts zur Restaurierung und Renovierung eines Hauses, das zum unbeweglichen Kulturerbe im Zentrum von Sofia gehört) Es ist als Baudenkmal von lokaler Bedeutung klassifiziert.
1914: