J. R. R. Tolkien entwickelte für die von ihm geschaffene Mythologie zahlreiche teilweise fiktive, teilweise auch tatsächlich von ihm konstruierte Sprachen und Schriften.

Viele kennen Tolkien nur als Schriftsteller, jedoch war er vor allem Philologe und beschäftigte sich als solcher beruflich mit dem Ursprung von Sprachen und Wörtern (Etymologie). Er hatte Kenntnisse vieler Sprachen, von alten germanischen Sprachen wie Altisländisch und Gotisch bis zum nichtgermanischen Finnisch und entwickelte dabei etwas wie einen „Lautgeschmack“ (wörtliche Übersetzung des von ihm dafür genannten Quenya-Wortes lámatyávë), der ihn dazu veranlasste, Sprachen zu kreieren, die für ihn den perfekten Klang haben sollten. Nun war er aber als Philologe der Meinung, dass Sprache einen Ursprung und eine Geschichte braucht, und zu diesem grundlegenden Zwecke erfand er Arda und seine Geschichte. Wichtige Facetten dieser Welt wie einzelne Figuren, Gegenstände sowie Regionen und Orte werden in eigenen Artikeln beschrieben.

Die Schreibweise der Eigennamen und einiger anderer Zusammenhänge richtet sich bei Abweichungen zwischen den beiden deutschen Übersetzungen des Herrn der Ringe nach der älteren von Margaret Carroux, da diese noch in Zusammenarbeit mit Tolkien entstand. Die Unterschiede zur Übersetzung Wolfgang Kreges sind in manchen Fällen mit angegeben.

Sprachen Es gibt in den Erzählungen über Mittelerde mehrere von J. R. R. Tolkien entwickelte Sprachen, die im Folgenden hier teilweise etwas genauer beschrieben werden. Zu diesen Sprachen zählen: das Valarin der Valar (Götterwesen) das Eldarin der Elben, die in Valinor lebten. Diese wird auch als Eldarissa ‚Sprache der Wissenschaft‘ bezeichnet. Es entwickelte sich weiter zu Vanyarin, Noldorin und Telerin. das Quendin, besser bekannt unter dem Namen Quenya, die ‚Sprache der Gelehrten‘, und wurde später ähnlich dem Griechischen oder dem Latein bei uns im Mittelalter verwendet. das Vanyarin oder Amanyarin der Vanyarelben, das nur in Valinor gesprochen wird. das Noldórin der Noldorelben, auch Noldorissa ‚Sprache der Erfinder‘ genannt. Noldo bedeutet klug oder geschickt. das Telerin der Telerielben, aus dem sich Sindarin, Nandorin und Lindarin entwickelten. das Sindarin der Sindarelben, welches zunächst besonders in Doriath, später aber in ganz Mittelerde von den Elben als Gemeinsprache benutzt wurde. das Avarin oder Umanyarin der Elben Mittelerdes, die nie nach Valinor gingen. Zu diesen zählt wahrscheinlich auch das Laiquendin der Waldelben. das Indya oder Irindya der Oberbegriff für die Sprachen der Menschen, mit Adûnaisch, Westron und Rohirrisch. das Khuzdul der Zwerge. das Orquin der Orks und Uruk-Hai. das Entisch, das möglicherweise Onodrin heißt, denn ein Onod ist ein Ent.

Darüber hinaus gab es auch die Parmalambië ‚Sprache der Bücher‘, also die Schriftsprache, eine Zeichensprache Matengwië ‚Sprache mit den Händen‘, die bei den Zwergen Iglishmêk heißt, und Geheimsprachen, wie z. B. die Schwarze Sprache Saurons oder eine Kommunikation im Bereich der Telepathie, wie sie beispielsweise Galadriel benutzt, um die Gedanken anderer zu lesen.

Elbensprachen Entwicklung des Elbischen Die wichtigsten Sprachen in Tolkiens Welt sind ohne Zweifel die Sprachen der Elben. Deren geschichtliche Entwicklung stellt sich wie folgt dar: Ursprünglich, als die Elben noch alle zusammenlebten, benutzten sie eine gemeinsame Sprache, die Tolkien schlicht Primitive Elvish (Ur-Elbisch) nannte. In dieser Sprache hätte der simple Satz „Der Mann spricht“ vermutlich (i) ndêro kwêtâ gelautet. Als ein großer Teil der Elben sich auf die Reise in den Westen begab, hatte sich jedoch die Sprache bereits weiterentwickelt, und man sprach das, was Tolkien Common Eldarin nannte (Gemein-Elbisch). Es gab mehrere Mundarten, so beispielsweise das Common Telerin oder das Common Enya; das Common Telerin wurde jedoch westlich des Meeres zum Amanya Telerin. In Mittelerde entwickelten sich daraus zum einen das Alt-Sindarin, zum anderen das Nandorin, das allerdings nicht gut genug überliefert ist, um den obigen Beispielsatz darin zu rekonstruieren. Als Beispiel dieser Sprache hier deshalb: golda dac yrc – „Ein Noldo tötet Orks“. Zum Vergleich: Im Sindarin hieße es golodh dâg yrch.

Das Alt-Sindarin hat im sich ständig wandelnden Mittelerde diverse Entwicklungsstufen in verschiedenen Dialekten durchgemacht; man unterscheidet im ersten Zeitalter mindestens zwischen den Dialekten der Küste, von Doriath, der Mithrim, der Noldor und der Edain (Menschen), die sich wiederum allesamt in ältere und modernere Formen unterteilen lassen (man könnte so z. B. von Mittel-Mithrim-Sindarin usw. sprechen). Ins zweite Zeitalter jedoch überlebt in erster Linie der Dialekt der Küste, auf den auch das allgemeinere Sindarin des dritten Zeitalters im größten Maße zurückgeht. Seit Beginn des dritten Zeitalters wird in Mittelerde aber vorwiegend „Neu-Sindarin“ gesprochen, das sich aus dem ursprünglichen „Alt-Sindarin“ heraus entwickelt hat und von den meisten der Eldar gesprochen wird, zumindest jenen, die bis ins vierte Zeitalter in Mittelerde zurückblieben.

Als Beispiel hier der Satz „der Mann spricht“: Primitives Elbisch Gemein-Eldarin Gemein-Enya Quenya Gemein-Telerin Aman-Telerin Alt-Sindarin Gemein-Sindarin Neu-Sindarin (i) ndêro kwêtâ i ndêr kwêtâ i nér quéta i nder queta i ndêr pêtâ i dēr pēta i ndêr peta i nîr pêd i ner pēd Im Sindarin und Quenya werden in schriftlicher Form, anders als zum Beispiel im Deutschen, wo Buchstabenkombinationen verwendet werden, Lautzeichen benutzt. Diese setzt Tolkien u. a. deshalb ein, weil auch in Europa lange Zeit die Wörter so geschrieben wurden, wie sie sich anhören. Heute beobachtet man das häufig noch bei Schreibanfängern. So lässt sich auch erklären, dass beispielsweise der Name Meier (Maier, Mayer, Meyer, Meyr, Meijer …), trotz identischer Aussprache, in unterschiedlichen Schreibweisen existiert.

Quenya

Entstehung Das Quenya war zwar nicht die erste Sprache, die Tolkien erfand (er hatte etwa bereits vorher eine Weiterentwicklung des Gotischen versucht), sie war aber die erste von denjenigen Sprachen, die er später in seine Mythologie integrierte. Im Jahre 1912 entdeckte Tolkien die finnische Sprache. Er war so beeindruckt von dem Erlebnis, das ihm das Lesen des finnischen Nationalepos Kalevala verschaffte, dass er beschloss, auf Grundlage der finnischen Phonetik, die er als besonders schön empfand, eine eigene Sprache zu erfinden. „Im Grunde“, schrieb Tolkien, „könnte man sagen, dass es auf einer lateinischen Basis komponiert ist, mit noch zwei weiteren (Haupt-)Ingredienzien, die mir nun einmal ein ‚phonästhetisches‘ Vergnügen bereiten: Finnisch und Griechisch.“Zit. nach J. R. R. Tolkien, Briefe. S. 233 (Nr. 144 An Naomi Mitchison). Zum Ursprung des Quenya vergleiche auch Carpenter, J. R. R. Tolkien. S. 74 f.

Nach ISO 639-3 lautet das Sprachkürzel für Quenya qya.ISO 639 code sets – qya auf sil.org

Sprachliche Entwicklung Quenya ist die Sprache jener Elben, die in grauer Vorzeit in die Unsterblichen Lande (Valinor) gingen und von denen einige später nach Mittelerde zurückkehrten. Die Sprache ähnelt in Klang und Grammatik in mancher Hinsicht dem Finnischen, im Vokabular jedoch nicht. Tolkien hat das Quenya von allen seinen erfundenen Sprachen weitaus am besten dokumentiert, es ist daher relativ gut rekonstruierbar.

Im Dritten Zeitalter von Mittelerde hat Sindarin das Quenya als gesprochene Sprache fast völlig verdrängt; Quenya existiert praktisch nur noch in altem Schrifttum, ähnlich dem Latein in Europa oder dem Sanskrit in Indien. Die Bezeichnung „Hochelbisch“ für das Quenya bezieht sich auf dessen Status einer Gelehrtensprache.

Charakteristik Im Gegensatz zu seinem Nachfolger Sindarin kann Quenya als eine flektierende Sprache bezeichnet werden, die vom Finnischen inspiriert ist. Es kennt zehn Kasus und vier Numeri und hat damit ausgeprägtere Deklinationen als die indogermanische Ursprache. Mit fünf Tempora, keinem distinkten Passiv sowie nur syntaktisch oder durch Partikel angezeigten Modus ist die Verbalmorphologie jedoch verglichen mit dem Indogermanischen stark eingeschränkt.

Sindarin mini|Beispiel für Sindarin und Tengwar-Schriftzeichen

Sindarin war im ersten Zeitalter die Sprache der Sindar (Grauelben, Teleri) und breitete sich später auch unter den anderen Elben aus. Tolkien hat zum Sindarin weniger schriftliches Material hinterlassen als zum Quenya, daher lassen sich heute nur noch die Grundzüge des Sindarin klären.

Nach ISO 639-3 lautet das Sprachkürzel für Sindarin sjn.ISO 639 code sets – sjn auf sil.org

Sprachgeschichte Sindarin ist mit Quenya verwandt, aber kein direkter Abkömmling dieser Sprache. Es entwickelte sich aus der Sprache derjenigen Teleri, die bei der Großen Wanderung der Eldar nach Westen in Beleriand zurückblieben. Die Sprache wurde, weil Elu Thingol (König von Beleriand) das (von den anderen gesprochene) Quenya aufgrund der Bluttaten der „Einwanderer“ an ihren Verwandten verbot, später auch von den nach Mittelerde zurückgekehrten Noldor sowie einigen Menschenstämmen angenommen.

Geschichte (extern) J. R. R. Tolkien mochte die Walisische Sprache. Einige grammatische und vor allem phonologische Grundzüge von Sindarin sind auf Walisisch zurückzuführen. So beispielsweise die Anlautmutationen, die eine Innovation der inselkeltischen Sprachen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie darstellen. Die Sprache lässt sich allerdings durchaus als „real“ bezeichnen, da das Sindarin ja auch eine Vorgängersprache hat, von der sich all seine Wurzeln ableiten lassen.

Menschensprachen Adûnaisch Adûnaisch war die Sprache derjenigen Menschen, die im ersten Zeitalter nach Beleriand kamen und sich nicht mit Melkor (dunkler Herrscher) verbündeten. Nach dem ersten Zeitalter wurden diese Menschen (die Dunedain = Westmenschen) von den Valar als Belohnung mit einer Insel beschenkt: Númenor. Dort blieb das Adûnaische weiter die Muttersprache der meisten Menschen, und gegen Ende von Númenor wurde es wieder zur ersten und einzigen Sprache erklärt; auch die Könige bekamen wieder adûnaische Namen, nachdem sie vorher Quenya-Namen gehabt hatten. Das Adûnaische leitet sich vom Quenya ab, basiert aber wie das Khuzdul (und die semitischen Sprachen) auf Drei-Konsonanten-Wortwurzeln. Zu diesen gehört jedoch noch ein „charakteristischer Vokal“, welcher im Allgemeinen zwischen dem ersten und zweiten Konsonanten steht: z. B. g-m-l +i für mit „Stern“ verwandte Begriffe; demzufolge lauten Entsprechungen zu „Stern“ in verschiedenen Kasus und Numeri gimli, gimlê, gimlîya. Bei verwandten Wörtern kann der Vokal aber auch z. B. vor die Konsonantengruppe wandern: So steht igmil für „sternförmig“. Gleichzeitig bleibt Adûnaisch eine flektierende Sprache. Von Adûnaisch existiert ein Wortschatz von etwa zwanzig Vokabeln.Nachrichten aus Mittelerde – Eine Beschreibung der Insel Númenor. Laut dem Silmarillion zeigt ein Zirkumflex (^) im Adûnaischen einen langen Vokal an.Silmarillion, Anhang: Aussprache der Elbennamen.J. R. R. Tolkien: Lowdham’s Report. In: Christopher Tolkien (Hrsg.): Sauron Defeated (The History of Middle-earth. Band 9).

Westron Das Westron war im dritten Zeitalter von Mittelerde die allgemein anerkannte Verkehrssprache. Es wurde von fast allen Völkern gesprochen, von vielen auch als Muttersprache. Im Herrn der Ringe wird diese Sprache in der Fiktion Tolkiens als Englisch wiedergegeben. Die einzigen Sprachzeugnisse finden sich im Anhang zum Herrn der Ringe, in welchem der Erzähler erklärt, dass er aus erzählerischen Gründen Personen- und Ortsnamen mit Mitteln der englischen Sprache nachgebildet habe, sodass etwa Meriadoc Brandybocks eigentlicher Name Kalimac Brandagamba gelautet habe. Fraglich und nicht zu klären ist, ob Tolkien diese „Originale“ erst nachträglich aus Gründen der Vollständigkeit gebildet hat. Von Westron existiert ein Vokabular von rund 200 Wörtern.

Entwicklung