Mario Brero (* 29. März 1946) ist ein italienischer Privatdetektiv, der in Genf fünf Unternehmen leitet.
Frühes Leben und Ausbildung Mario Brero wurde am 29. März 1946 geboren. Er studierte 1967 ein Semester lang an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, bevor er sein Studium abbrach.
Frühe Karriere 1986 exportierte Brero über die Schweiz Computer und Halbleiter aus den Vereinigten Staaten in den Ostblock. 1988 ermittelte die US-Regierung gegen Brero und seine Firma Samata SA und kam zu dem Schluss, dass Brero mithilfe von Strohmännern an der Umgehung eines Ausfuhrverbots von Computern und Halbleiterfertigungsanlagen beteiligt war. 1991 wurde er deshalb angeklagt.https://www.govinfo.gov/content/pkg/FR-1995-07-03/pdf/95-16219.pdf Bei den Computern und Halbleitern handelte es sich dabei um Güter der nationalen Sicherheit, die unter ein Ausfuhrverbot des US Bureau of Export Administration fielen.https://archives.federalregister.gov/issue_slice/1988/5/2/15581-15587.pdf Brero bestritt die Vorwürfe, erklärte sich aber bereit, das Geschäft nach dem Entzug seiner Vertriebslizenzen einzustellen.
Alp Services 1989 Beeinflusst von Jules Kroll, dem Begründer der modernen Wirtschaftsspionage und seiner internationalen Wirtschaftsdetektei gründete Brero 1989 das private Ermittlungsunternehmen Alp Services in Genf, laut Le Monde zunächst als Subunternehmer für Kroll, der sich auf Banken, Anwaltskanzleien und vermögende Kunden konzentrierte. Die Firma wurde am 18. September 1989 im Genfer Handelsregister eingetragen.Alp Services SA, Registre du commerce de Genève, abgerufen am 20. Februar 2026
Seiner Klientel bot er „Beratung, Unterstützung, strategischer Führung, diplomatischer Vermittlung und Organisation in den Bereichen Krisenmanagement und Imagepflege“ sowie mit „nationalen und internationalen Ermittlungen und Untersuchungen, insbesondere im Wirtschafts- und Finanzbereich, zur Bekämpfung von Geldwäsche, Fälschungen, Parallelmärkten, Wirtschafts- und/oder Computerkriminalität; Überwachung und Schutz von Einzelpersonen und Unternehmen, Krisen- und Risikomanagement, Suche nach Vermögenswerten, Due-Diligence-Prüfung, Wirtschaftsprüfung“.
Im Jahr 2011 erhielt Anne Lauvergeon, ehemalige Leiterin der Bergbauabteilung des französischen Atomkonzerns Areva, von Alp Services einen anonymen Bericht mit Informationen über das von Areva erworbene Unternehmen UraMin. Der Bericht enthielt ebenfalls Informationen über Lauvergeons Ehemann Oliver Fric: über seine Hotelaufenthalte in Genf, seine Bankdaten und eine Liste von Telefonnummern, die er angerufen hatte. Im Dezember 2011 erstattete Lauvergon Anzeige gegen Brero wegen illegaler Abhörmaßnahmen. Nach einem Ermittlungsverfahren klagte die Staatsanwaltschaft Brero wegen „Beihilfe zur Verletzung des Berufsgeheimnisses“ und „Verheimlichung der Verletzung des Berufsgeheimnisses“ zum Nachteil von Olivier Fric vor dem Pariser Strafgericht an. Der Prozess fand 2014 statt. Während seiner Einvernahme sagte Brero aus, dass er Mitarbeiter von Telefongesellschaften dafür bezahlt hatte, die Anrufdaten von Lauvergeon und ihrem Ehemann weiterzugeben.
Brero wurde zwar nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er vergraulte zwar durch sein Vorgehen viele seriöse Firmen, konnte jedoch zahlreiche weniger skrupellose Kunden akquirieren: Oligarchen aus der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa, VIPs aus kleinen afrikanischen Staaten wie Gabun und dem Nahen Osten. Alp Services unter Brero begann, sich auf die Verbreitung negativer Informationen zu konzentrieren, die er als „offensive virale Kommunikationskampagnen“ bezeichnete. So arbeitete Brero 2012 für Fürst Albert II von Monaco, um Robert Eringer, den ehemaligen Leiter der monegassischen Geheimdienste, zu verleumden. Dies geschah, indem falsche Informationen über Eringer in seinen Wikipedia-Eintrag aufgenommen wurden, die aus einem Blog einer angeblichen Psychologieexpertin „Marie-Jeanne Dubois“ stammten. Von 2015 bis 2017 beliefen sich die Honorare von Alp Services auf fast 6 Millionen Schweizer Franken.
Nach einem Treffen zwischen Brero und Gennady Timchenko, einem russischen Geschäftsmann und Milliardär, der hinter dem Handelsunternehmen Gunvor steht, verfasste Alp Services 2014 einen „streng vertraulichen“ Bericht über die Unterzeichnung von Verträgen zwischen Gunvor und der Republik Kongo, was zur strafrechtlichen Verfolgung mehrerer Gunvor-Mitarbeiter wegen Korruption führte.https://www.publiceye.ch/fileadmin/doc/Rohstoffe/2017_PublicEye_Gunvor_in_Congo_Report.pdf
Bouvier-Affäre 2015 Der Schweizer Geschäftsmann Yves Bouvier beauftragte Mario Brero und seine Unternehmen, sich um eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der Bouvier-Affäre zu kümmern, die im Januar 2015 begann. Der russische Oligarch Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew beschuldigte Bouvier, ihn um fast eine Milliarde Schweizer Franken betrogen zu haben, als er 38 Gemälde für insgesamt 2 Milliarden Euro kaufte.
Laut Heidi.news identifizierte Rybolowlew Brero und Alp Services als die treibende Kraft hinter Bouviers Verteidigung. Im Laufe der Monate wurde eine Reihe von Klagen gegen den Detektiv in Genf, Monaco, Nizza und Paris eingereicht. Einige davon führten zu einer Verurteilung von Mario Brero, wie im Juli 2015 in Genf, wegen Verleumdung. Die Anhänge der Nachrichten des 2021 gehackten Protonmail-Kontos von Mario Brero enthielten ein aufgezeichnetes Gespräch zwischen Brero und seinen Anwälten, in dem es um die Möglichkeit ging, die im Auftrag von Bouvier durchgeführten Recherchen an das gegnerische Lager von Rybolowlew zu verkaufen.
Im Jahr 2021 wurde Brero wegen Nötigung verurteilt.
2021 Auftrag von Corinna Larsen Ein Informationsleck von Alp Services, das 2021 von Heidi.news aufgedeckt wurde, zeigte, dass Mario Brero im Auftrag von Corinna Larsen, der Geliebten des spanischen Königs Juan Carlos I., tätig wurde. In einer Mail von Larsen an Alp Services befürchtete sie, in einer vernichtenden Kritik am Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa, sowohl, dass das Verfahren gegen sie weiter in die Länge gezogen würde, aber auch eine diplomatische Krise im Bezug auf Saudi-Arabien und wollte ungeduldig und empört die Handlungen des Staatsanwalts in Diplomaten-, Medien- und Banken-Kreisen als auch bei der Regierung als Vorgänge mit dem Potenzial einer Krise darstellen (“«Nous devons capitaliser sur ce développement afin de créer une crise absolue pour YB depuis l’intérieur de l’establishment suisse.»”). Die Zeitung 24 heures stellte fest, dass nichts darauf hindeute, dass solche Schritte konkret unternommen worden wären.L’ex-amante de Juan Carlos descend en flammes le procureur Bertossa, 24 heures, 1. Mai 2021
Laut El PaisJosé María Irujo: , El Pais, 24. April 2022José María Iruj: , El Pais 4. Juli 2022 und The Times unterzeichnete Larsen den Vertrag mit Alp Services nachdem der Schweizer Staatsanwalt Yves Bertossa sie 2018 wegen eines Geldwäschedelikts angeklagt hatte. Der Fall betraf eine 65-Millionen-Euro-Spende, die Larsen 2012 von Spaniens König Juan Carlos I. erhielt, der diese wiederum 2008 vom saudi-arabischen Finanzministerium erhalten hatte.https://informacion.center/corinna-larsen-contrato-a-una-agencia-de-detectives-para-arruinar-la-reputacion-del-fiscal-suizo-que-la-investiga-espana/ Larsen hatte Brero auch mit Recherchen zu 14 Geschäftsleuten beauftragt, die mit dem ehemaligen spanischen König Juan Carlos I. befreundet waren oder als Strohmänner dienten. Das Verfahren der Genfer Staatsanwaltschaft wurde eingestellt.José María Irujo: , El Pais, 13. Dezember 2021
Im selben Jahr 2021 wurde Alp Services gehackt, die gestohlen oder geleaktenMedien decken unter der Chiffre «Abu Dhabi Secrets» eine «Schmierenkampagne» auf – und verharmlosen in ihrem Eifer Antisemiten und Terroristenfreunde, NZZ, 24. Juli 2023 Daten wurden Anfang 2023 vom Recherche-Netzwerk European Investigative Collaborations (EIC) unter dem Namen Abu Dhabi Secrets veröffentlicht.
2023 Abu Dhabi Secrets Alp Services SA wurde von der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate beauftragt, Bürger in 18 Ländern in Europa und darüber hinaus auszuspionieren. Alp Services übermittelte die Namen von mehr als 1000 Einzelpersonen und 400 Organisationen in 18 europäischen Ländern an die Geheimdienste der VAE und bezeichnete sie als Teil des Netzwerks der Muslimbruderschaft.
Im März 2023 wurden in französischen, amerikanischen, deutschen, österreichischen, schweizerischen, italienischen, spanischen und niederländischen Medien die Abu Dhabi Secrets veröffentlicht, zwei umfangreiche Recherchen über die von Alp Services SA durchgeführten Missionen. Grundlage dafür waren 70'000 Dokumente, welche geleakt oder gestohlen wurden.Medien decken unter der Chiffre «Abu Dhabi Secrets» eine «Schmierenkampagne» auf – und verharmlosen in ihrem Eifer Antisemiten und Terroristenfreunde, NZZ, 24. Juli 2023 Von RTS angefragt erklärte Alp Services, dass alleine aufgrund der Fragestellungen davon auszugehen sei, dass ein Teil der Dokumente gefälscht worden sei.Une entreprise genevoise orchestre une vaste opération d'influence pour le compte des Emirats arabes unis, RTS 19h30, 7. Juli 2023, Minute 12
Laut Médiapart haben die Unternehmen von Brero „insbesondere private Aufklärungsmissionen im Auftrag der emiratischen Geheimdienste durchgeführt“ und auch „Informationen - unter falschen Identitäten im Internet - verbreitet, um den Gegnern der Emirate, vor allem Katar und der Muslimbruderschaft, zu schaden“.
Im März 2023 veröffentlichte der Journalist David D. Kirkpatrick vom The New Yorker die Namen der Geschäftspartner und Kunden von Alp Services SA – darunter die Namen der emiratischen Agenten (Matar Humaid al-Neyadi und sein Vorgesetzter Ali Saeed al-Neyadi). Die beiden emiratischen Geheimdienstagenten konnten aufgrund der Fotos identifiziert werden, die Brero bei Treffen mit seinen Kunden diskret aufgenommen hatte.
Unter Breros Zielpersonen befanden sich französische und deutsche Politiker, der Präsident des Internationalen Gerichtshofs Nawaf Salam und Mitglieder des Zentralrats der Muslime (ZMD). Außerdem konkurrierende Beratungsunternehmen und der Ölunternehmer Hazim Nada und der tunesische Menschenrechtsaktivist Kamel Jendoubi. In der Schweiz war der Politiker Pascal Heinz Gemperli betroffen. In Italien unter anderem der Journalist Gad Lerner und der Bischof von Brescia, Pierantonio Tremolada. In Frankreich wurde die Journalistin Rokhaya Diallo überwacht.