Zu Beginn der Koalitionskriege 1792 hatte die britische Armee nur eine bescheidene Größe von etwa 40.000 Mann. Diese Truppe bestand hauptsächlich aus Freiwilligen und sogenannten „Fencible“-Regimentern, die nur für den Einsatz im Inland ausgebildet waren. Um die wachsende Bedrohung durch das revolutionäre Frankreich abzuwehren, begann die britische Regierung jedoch, die Armee systematisch aufzurüsten. Bis 1799 war die Truppenstärke auf über 200.000 Mann angewachsen. Die Ausbildung und Ausrüstung dieser Truppen wurde deutlich verbessert, um sie für den Kampf gegen die hochmobile französische Armee zu wappnen. Trotz einiger Rückschläge zu Beginn der Koalitionskriege, konnte die britische Armee ihre Präsenz auf dem europäischen Kontinent kontinuierlich ausbauen. Mitte der 1810er Jahre zählte sie über 250.000 Soldaten, die entscheidend zum Sturz Napoleons beitrugen. Dieser Aufstieg zur führenden Landmacht Europas war das Ergebnis einer systematischen Modernisierung und Professionalisierung der Streitkräfte, die es der britischen Armee erlaubte, sich den neuen Herausforderungen des Krieges zu stellen.

Führung, Kontrolle und Organisation Oberkommando Am Ende des 18. Jahrhunderts waren die Bedingungen, unter denen die Armee existierte, nachdem sie mehr als hundert Jahre lang dem Druck des Parlaments ausgesetzt gewesen war, im Großen und Ganzen wie folgt. Die Armee war nur der Krone verpflichtet und stand unter deren Kommando, was nach der Restauration einer vom Parlament befehligten Armee vorgezogen worden war. Für die Größe der Armee war der Secretary of State, ein dem Parlament verantwortlicher Minister, zuständig. Dagegen konnten Teile der Armee nur mit der Genehmigung eines zuständigen Ministers, in der Regel des Kriegsministers, verlegt und einquartiert werden. Die Verwaltung der Armee, abgesehen von den internen Abläufen, wurde also bewusst den Militärs vorenthalten und fest in den Händen der Zivilverwaltung gehalten. Am Anfang des 19. Jahrhunderts besaß die Armee noch keinen Generalstab. Dem König als Oberbefehlshaber standen aber zwei Assistenten zur Verfügung. Der Quartermaster-General verantwortlich für die Festlegung, Kartierung und Planung der Marschrouten, die Einrichtung von Lagern und die Suche nach Quartieren für die Truppen. Und der Adjutant-General verantwortlich für die Erteilung aller Befehle und die Erstellung von Berichten, Statuten und Dienstplänen.

Im Frieden war das wichtigste Amt das des Kriegsministers. Er war der oberste Verwalter der Armee. Er genehmigte die Stärke der verschiedenen Regimenter die Besoldungssätze und Zulagen für verschiedene Eventualitäten und beantwortete alle Fragen, in denen sich die Interessen der Öffentlichkeit und der Armee gegenüberstanden. Im Frieden waren die Befugnisse des Staatssekretärs für Krieg und nach 1801 für Kolonien in der täglichen Verwaltung der Armee nicht sehr ausgeprägt. Im Krieg jedoch war er die Kraft, die die gesamten militärischen Anstrengungen auf allen Kriegsschauplätzen vorantrieb. Unabhängig davon unterstanden die Royal Artillery und Royal Engineers weiterhin dem Master-General of the Ordnance. Der Master-General war selbst Militärangehöriger, saß aber als ziviler Minister im Parlament, wo er für das Ordnance Department verantwortlich war. Sein Zuständigkeitsbereich war wiederum unterteilt in einen zivilen Teil, der sowohl die Armee als auch die Marine mit Nachschub und Munition versorgte, und in einen militärischen Teil, die der Artillerie und der Pioniere, die er als Soldat befehligte.

Neben den Staatsministerien und dem Büro des Königs bei den Horse Guards gab es eine Reihe kleinerer ziviler Ämter, die sich mit anderen Bereichen der Armeeverwaltung befassten. Die medizinischen Angelegenheiten wurden von drei dieser Ämter wahrgenommen. Der Apothecary-General,per königlichem Erlass von Georg II. zum dauerhaften Ausstatter, einschließlich seiner Nachfolger, aller für den allgemeinen Dienst der Landstreitkräfte Großbritanniens erforderlichen Arzneimittel, ernannt war für die Lieferung von Medikamenten, chirurgischem Material und Instrumenten verantwortlich. Der Purveyor-General lieferte Krankenhauskleidung, Bettzeug und Krankenhauszelte. Das Medical board bestehend aus dem Physician General, dem Surgeon-General und dem Inspector of Hospitals, diente als Vermittler zwischen dem College of Surgeons und dem College of Physicians mit einer eigenen und unabhängigen Aufsicht zur Ernennungen und Beförderungen. Daneben gab es noch weitere Abteilungen wie das Barrackmaster General Department zuständig für den Bau von Kasernen oder das Storekeeper General Department das die Armee mit einer Vielzahl von Waren versorgte.Ward: 1957, S. 6–15.Barnett: 2000, S. 238 f. Division und Brigade

Eine britische Division bestand in der Regel aus zwei Brigaden mit typischerweise zwischen 5.000 und 8.000 Mann, wobei die tatsächliche Stärke variieren konnte. Als die Divisionen 1809 offiziell gegründet wurden, wurden ihnen Offiziere aus beiden Stabsabteilungen zugewiesen, und bald darauf wurden Batterien oder Artillerietruppen, ein stellvertretender Generalquartiermeister und ein Offizier der Royal Engineers zu festen Bestandteilen der Division. Der Stab einer Division bestand aus dem Generalquartiermeister, der für den Transport, die Lager und die Logistik zuständig war, sowie aus dem Generaladjutanten, zuständig für Verwaltung, Disziplin und Personalangelegenheiten. Ein stellvertretender Generalquartiermeister war für die Überwachung der Versorgung und Verpflegung zuständig, während ein Offizier der Royal Engineers technische und ingenieurtechnische Aufgaben wie Befestigungsanlagen und Brückenbau übernahm. Darüber hinaus fungierte der Aide-de-Camp als persönlicher Assistent und Bote des Generals, der die schnelle Übermittlung von Befehlen sicherstellte und die wichtige Kommunikation zwischen dem Kommandeur und den Truppen aufrechterhielt, oft unter gefährlichen Bedingungen. Alle offiziellen Personalernennungen erfolgten durch königliche Kommission, und jedes Mitglied spielte eine bestimmte Rolle bei der Gewährleistung des reibungslosen Betriebs, der Versorgung, der Bewegungen und der Befehlsgewalt der Division.Glover: 1977, S. 136 f., 142 f.

Eine Brigade, die in der Regel von einem Brigadegeneral befehligt wurde, bestand aus zwei oder drei Kavallerie- oder Infanterieregimentern. Manchmal bestand sie aus einzelnen Bataillonen. Die Stärke konnte zwischen 2.000 und 4.000 Mann variieren. Eine Brigade hatte nur einen Stabsoffizier, einen Brigademajor, in der Regel im Rang eines Hauptmanns, der direkt dem Oberbefehlshaber der jeweiligen Armee und dessen Stab unterstellt war.Glover: 1977, S. 141.

Regiment, Bataillon, Kompanie, Zug

Ein Regiment unter dem Kommando eines Obersts bestand aus einem bis vier Bataillonen und hatte eine Stärke von 1.100 bis 4.926 Mann. Das Bataillon unter dem Kommando eines Oberstleutnants bestand einem Stab und zehn Kompanien, die jeweils von einem Hauptmann befehligt wurden, dem zwei Leutnants oder Fähnriche zur Seite standen. Der Stab bestand aus einem Leutnant, zwei Majoren, einem Adjutanten, einem Chirurgen und Assistenzchirurgen, einem Quartiermeister, einem Oberfeldwebel, einem Stabsfeldwebel-Zahlmeister, einem Feldwebel-Waffenschmied, einem Musikkorps-Offizier, einem Unteroffizier-Pionier und zehn Pionieren. Eine Kompanie bestand aus drei Offizieren, zwei Sergeanten, drei Unteroffizieren, einem Trommler und 30 Soldaten, aber für den Kriegszustand stieg die Zahl auf eine theoretische Stärke von etwa 100 Mann. Die Kompanien wurden in Mittel- und Flankenkompanien unterteilt; ein Bataillon hatte in der Regel zehn Mittel- und zwei Flankenkompanien. Die acht Mittelkompanien eines Bataillons wurden ebenfalls in vier „Großabteilungen“ unterteilt, von denen jede zwei Kompanien umfasste, sodass insgesamt 16 „Unterabteilungen“ oder Halbkompanien bzw. 32 Züge entstanden. Bataillone konnten für Marschzwecke in 24 Züge aufgeteilt werden, wenn sie nicht über ausreichende Stärke verfügten.McNab: 2009, S. 117.

Infanterie Bis 1792 war die Infanterie der britischen Armee auf 135 Regimenter angewachsen. Darüber hinaus dienten zahlreiche französische Emigranten und ausländische Regimenter in Großbritannien, sodass auch die Miliz- und Freiwilligenkräfte entsprechend vergrößert wurden. Die regulären Miliztruppen wurden durch eine Abstimmung rekrutiert, und jede Grafschaft musste ihr eigenes Kontingent stellen. Die Milizen traten in den aktiven Dienst ein, wenn sie sich zu festen Einheiten zusammenschlossen und zum aktiven Dienst einberufen wurden, wobei sie sogar zu regulären Linienregimentern zusammengefasst werden konnten. Die lokalen Milizen (im Gegensatz zu den regulären Milizen) fungierten als Reservekräfte mit verstreuten und unregelmäßig verteilten Einheiten, die in Zeiten des nationalen Notstands einberufen werden konnten. Bei den Freiwilligeneinheiten handelte es sich um privat aufgestellte Einheiten, die in der Regel von einem wohlhabenden Gönner oder einer Organisation unterstützt wurden. Sie wuchsen zu einer umfangreichen Truppe heran – 1806 umfasste sie fast 329.000 Personen. Im Zuge der Kriege gegen Napoleon wurden die britischen Streitkräfte durch nachfolgende Parlamentsgesetze erweitert, häufig durch die Aufstellung zusätzlicher Bataillone für bestehende Regimenter, so dass die effektive Stärke der Infanterie zwischen 1793 und 1801 um das Dreifache anstieg. 1803 betrug die Stärke der gesamten britischen Infanterie 126.677 Mann. Auch wenn die Namen der Obersten bis 1803 im offiziellen Sprachgebrauch noch Vorrang hatten, wurden ab 1792 alle nummerierten Infanterieregimenter nach Grafschaften benannt. Jedes Regiment, das von einem Colonel befehligt wurde, konnte zwei oder mehr Bataillone haben. Da aber nur in den seltensten Fällen zwei Bataillone desselben Regiments gemeinsam eingesetzt wurden, war die wichtigste taktische Formation das Bataillon. Es wurde von einem Lieutenant-Colonel befehligt und bestand aus zehn Kompanien, die jeweils einem Captain unterstellt waren. Kavallerie Zu Beginn des Krieges bestand die Kavallerie aus 27 Regimentern die in zehn Trupps, englisch Troops (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Begriff) organisiert waren, von denen jeder offiziell 63 Mann umfasste. Die Trupps wurden mit Buchstaben (A, B, C usw.) und die Eskadronen mit Nummern versehen. Da die Kavallerieregimenter nicht über ein zweites Bataillon verfügten, wurden zwei dieser Trupps, als Regimentsdepot bezeichnet, zu Rekrutierungs- und Ausbildungszwecken dauerhaft in der Heimat belassen. Die kämpfenden Einheiten wurden zu Eskadronen zusammengefasst – in der Regel die kleinste taktische Einheit, die unabhängig operieren konnte. Schwere und mittelschwere Kavallerieregimenter wie Dragoner oder Kürassiere bestanden aus vier Eskadronen, bevor die Zahl bis 1811 auf drei reduziert wurde. Die leichte Kavallerie (Hussaren), behielt nicht nur ihre vier Eskadronen bei, sondern wurde im September 1813 sogar um eine fünfte erweitert.McNab: 2009, S. 159. Artillerie mini|Geschützmannschaft der Royal Horse Artillery beim Laden. Die Artillerie war in Bataillonsartillerie, berittene Artillerie und Parkartillerie unterteilt. Die Bataillonsartillerie bestand meist aus 3 Pfündern oder leichten 6 Pfündern und war normalerweise einem Infanteriebataillon unterstellt. Die berittene Artillerie wurde 1793 gegründet, um eine Art mobile Artillerieeinheit zu schaffen, die der Kavallerie folgen sollte, um ihr mehr Feuerkraft zu verleihen oder sich schnell dorthin zu bewegen, wo mehr Feuerkraft benötigt wurde. Parkartillerie war die Bezeichnung für die schwereren Geschütze wie die 12 Pfünder. Diese Geschütze weniger mobil und wurden dazu verwendet, bestimmte vorteilhafte Positionen einzunehmen, von denen aus ihre größere Durchschlagskraft zum Tragen kommen konnte.