mini|Ein grünes Band zwischen Opernplatz und Pfingstweidstraße am Zoo mini|Kontur der ehemaligen Stadtbefestigung
Die Frankfurter Wallanlagen bilden eine ringförmige Grünanlage um die Innenstadt von Frankfurt am Main. Sie entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Gelände der 1804 bis 1812 geschleiften Frankfurter Stadtbefestigung. Um die Wallanlagen verläuft der Frankfurter Anlagenring.
Geschichte mini|August Ravensteins Geometrischer Plan von Frankfurt am Main, 1862, die ehemalige Altstadt von Frankfurt innerhalb der Wallanlagen Die Ursprünge der Wallanlagen liegen in der Stadterweiterung von 1333. Damals erlaubte Kaiser Ludwig der Bayer der Stadt eine enorme Ausweitung ihrer Grenzen. Vor der seit Ende des 12. Jahrhunderts durch die Staufermauer geschützten Altstadt entstand die zunächst dünnbesiedelte Neustadt. 1343 begann der Bau einer neuen Stadtmauer um die Neustadt. Sie bestand aus einer sechs bis acht Meter hohen und an der Mauerkrone etwa zweieinhalb bis drei Meter dicken Mauer und einem vorgelagerten acht bis zehn Meter breiten Wassergraben, der vom Main und verschiedenen kleinen Bächen gespeist wurde. Zur Verstärkung der Mauer wurden im 14. und 15. Jahrhundert rund 40 Türme errichtet, darunter die der fünf Stadttore, von denen heute nur noch der Eschenheimer Turm steht.
Im 16. Jahrhundert war die Mauer durch das Aufkommen der Pulvergeschütze bereits veraltet. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die alten Mauern daher durch eine vorgelagerte Festungsanlage aus insgesamt elf fünfeckigen Bollwerken und dazwischen gelegenen Kurtinen verstärkt. Um 1705 wurden die ersten Lindenbäume an den Wallanlagen gepflanzt und ab dem Jahr 1765 eine durchgehende Allee (Lustallee) um Frankfurt und Sachsenhausen herum.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren die Befestigungsanlagen militärisch wertlos geworden. Sie stellten sogar eine Gefahr für die Stadt dar, weil sie sich im Falle einer Verteidigung der Gefahr einer Beschießung ausgesetzt sah. 1802 beschloss der Rat der Stadt daher den Abriss der Befestigungsanlagen. Wirklich in Schwung kam der Abriss erst auf französischen Druck nach dem Ende der Freien Reichsstadt 1806. Der neue Souverän, Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg, beauftragte Jakob Guiollett mit der Entfestigung. Dieser entwickelte die Idee eines Volksparks um die Innenstadt und beauftragte den Gartenarchitekten Sebastian Rinz mit der Gestaltung.
Die Mauern und Wälle wurden 1806 bis 1812 abgerissen, das Festungsgelände teils parzelliert und mit der Auflage verkauft, dass die Gärten der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen mussten, teils zu einem öffentlichen Landschaftsgarten im englischen Stil umgestaltet. 1827 wurde die noch heute gültige Wallservitut erlassen, wonach dieser etwa 100 Meter breite Grünstreifen unbebaut bleiben muss. Am Anlagenring entstanden prächtige Villen mit großen Gärten. Stadtbaumeister Johann Georg Christian Hess hatte in seiner 1809 erlassenen Bauordnung einen strengen klassizistischen Baustil für alle Neubauten vorgeschrieben.
Die Anlagen wurden beim Abzug der französischen Truppen nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 verwüstet, aber von Stadtgärtner Rinz umgehend neu angelegt.
Unterteilung Die Wallanlagen gliedern sich in sieben Abschnitte, die meistens die Namen der ehemaligen Stadttore tragen. Im Uhrzeigersinn sind dies: Untermainanlage, Gallusanlage, Taunusanlage, Bockenheimer Anlage, Eschenheimer Anlage, Friedberger Anlage und Obermainanlage.
Untermainanlage Koordinate: mini|„Märchenbrunnen“ Die kleinste der sieben Anlagen beginnt im Südwesten der Innenstadt am Mainufer, wo sie in die Parkanlage des Nizza übergeht, und reicht im Norden bis zum Willy-Brandt-Platz.
Die Untermainanlage entstand auf dem Gelände des einstigen Mainzer Bollwerks, einer starken Befestigung zum Schutz des Mainufers. Ihre Fläche wurde trotz der Wallservitut 1902 durch den Bau des Schauspielhauses stark reduziert, so dass als Grünfläche nur noch knapp 5000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Nachdem das Schauspielhaus im Zweiten Weltkrieg bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main schwer beschädigt worden war, diente es seit 1951 als Spielstätte der Oper Frankfurt. 1960 wurde der Gebäudekomplex modernisiert und erweitert, so dass er seither alle Sparten der Städtischen Bühnen aufnimmt. Südlich der Städtischen Bühnen wird die Untermainanlage durch die Hofstraße geteilt. Am Untermainkai befinden sich das klassizistische Jüdische Museum Frankfurt und das National-Haus, ein Hochhaus der Nachkriegsmoderne von Max Meid.
Die Parkanlagen wurden 2003 nach dem Bau einer Tiefgarage für die Städtischen Bühnen vollkommen neu gestaltet. In der Anlage vor den städtischen Bühnen steht der 1910 geschaffene Märchenbrunnen von Friedrich Christoph Hausmann, einer der wenigen Jugendstil-Brunnen in Frankfurt. Für die Figur der Mainnixe hat eine schöne Frankfurter Wäscherin Modell gestanden.
mini|Südliche Gallusanlage am Willy-Brandt-Platz
Gallusanlage mini|Den Opfern mini|hochkant|Schiller-Denkmal und Deutsche-Bank-Hochhaus aus Richtung Taunusanlage Koordinate: Die Gallusanlage beginnt im Süden am Willy-Brandt-Platz und erstreckt sich nach Norden bis zum Taunustor auf einer Fläche von etwa 17.000 Quadratmetern. Dazwischen durchquert die Kaiserstraße die Anlage. Ihren Namen hat sie vom Gallustor, wie das mittelalterliche Galgentor seit dem 18. Jahrhundert genannt wurde. Während der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 trug sie den Namen „Adolf-Hitler-Anlage“.
An der Gallusanlage lag von 1846 bis 1880 der Main-Neckar-Bahnhof. Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände entstand danach das gründerzeitliche Bahnhofsviertel, darunter der neobarocke Prunkbau des Hotels Fürstenhof-Esplanade. Heute ist die Gallusanlage vom Bankenviertel geprägt. Markante angrenzende Hochhäuser sind der Eurotower der Europäischen Zentralbank, der Gallileo und der Taunusturm.
In der Anlage steht das Denkmal Den Opfern von Benno Elkan, das ursprünglich 1920 eingeweiht wurde und an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Frankfurter Soldaten erinnern sollte. Die bronzene Denkmalsfigur, eine schmerzgebeugte, in tiefe Klage versunkene Muttergestalt, entstand bereits 1913/14. Mit seiner Widmung an alle Kriegsopfer, auch die des Gegners, der Betonung der Totenklage anstelle der Heldenverehrung, aber auch der Nacktheit der Figur, zog das Denkmal von Anfang an Kritik aus nationalistischen Kreisen auf sich. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde es umgehend entfernt. Der geplanten Zerstörung entging das Elkan-Denkmal jedoch aus unbekannten Gründen; es überstand den Zweiten Weltkrieg in einem Betriebshof der städtischen Straßenreinigung und wurde im April 1946 an seinem ursprünglichen Standort wieder feierlich eingeweiht.Die Entfernung des Denkmals Den Opfern Am Jahrestag der Novemberpogrome 1938 findet jährlich eine Kranzniederlegung statt.
Des Weiteren stand hier ein 1908 erbautes Bismarck-Denkmal von Rudolf Siemering. Es wurde 1940 als Metallspende des deutschen Volkes eingeschmolzen.Materialspende des Bismarck-Denkmals
Von 1952 bis 2007 hatte auch das Goethedenkmal von Ludwig von Schwanthaler seinen Standort in der Gallusanlage. Die 1844 geschaffene überlebensgroße Statue befand sich bis zu ihrer Beschädigung im Zweiten Weltkrieg am Goetheplatz. Nach ihrer Restaurierung war sie vorläufig an der Gallusanlage aufgestellt worden, bis sie nach der Umgestaltung des Goetheplatzes wieder an ihren ursprünglichen Aufstellungsort umzog. An seiner Stelle wurde 2008 in der Gallusanlage die Skulptur Der Olymp von Weimar von Andreu Alfaro aufgestellt. Ein weiteres Denkmal in der Gallusanlage ist das Objekt Open Cubes von Sol LeWitt.
Taunusanlage Koordinate: Die Taunusanlage ist eine der größten Wallanlagen. Sie liegt in der Nordwestecke der ehemaligen Stadtbefestigung und umfasst etwa 45.000 Quadratmeter. Ausgangspunkt und Namensgeber ist das Taunustor. Der Name stammt nicht von einem mittelalterlichen Stadttor, sondern von zwei klassizistischen Torbauten, die Johann Friedrich Christian Hess 1810 anstelle der niedergelegten Stadtbefestigungen errichtet hatte. Ihre schmiedeeisernen Gitter wurden noch bis 1864 jeden Abend verschlossen; wer sie außerhalb der regulären Öffnungszeiten passieren wollte, hatte dafür eine Gebühr zu entrichten, den sogenannten Sperrbatzen. Gegenüber vom Taunustor befand sich von 1839 bis 1880 der Taunusbahnhof. Er war der älteste Frankfurter Bahnhof und die östliche Endstation der Taunus-Eisenbahn nach Wiesbaden.
Die Taunusanlage liegt im Frankfurter Bankenviertel. An der Taunusanlage liegen die Hochhäuser Japan Center, Skyper, Taunusanlage 11 und die Zwillingstürme der Deutschen Bank.
Bekannt ist die Taunusanlage auch durch den gleichnamigen S-Bahnhof. Zugänge zur Anlage liegen an der hochfrequentierten Durchgangsstraße, der Junghofstraße. Mit Ausnahme der S7 halten dort alle S-Bahn-Linien der S-Bahn Rhein-Main. Mit ihrer Inbetriebnahme 1978 wurden die bis dahin am Taunustor verkehrenden Straßenbahnlinien 24 und 25 stillgelegt.
Am Opernplatz endet die Taunusanlage. Die Alte Oper ist eines der wenigen Gebäude in den ansonsten zusammenhängenden Wallanlagen. alternativtext=Bild von Gedenkplatte|mini|Gedenkplatte für verstorbene Drogenabhängige Die Taunusanlage war zeitweise Treffpunkt für Drogenabhängige. Am 21. Juli 2006, dem nationalen Gedenktag für Drogentote, enthüllte die damalige Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann dort eine Gedenktafel, die an die Opfer der Sucht erinnern soll.
mini|hochkant|Das Beethoven-Denkmal von Georg Kolbe mini|hochkant|Das Heine-Denkmal von Georg Kolbe (1913) (noch am alten Platz in der Taunusanlage) In der Taunusanlage finden sich zahlreiche Denkmäler: Eine besonders bewegte Geschichte hat das Heine-Denkmal von Georg Kolbe. Es entstand 1913 auf Initiative des Frankfurter Schauspielintendanten Emil Claar als erstes Heine-Denkmal in Deutschland gegen den wütenden Protest antisemitischer Kreise und fand seinen Platz zunächst in der Friedberger Anlage. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung forderte der hessische Staatspräsident Ferdinand Werner am 10. April 1933 den von den neuen Machthabern ernannten Frankfurter Oberbürgermeister Friedrich Krebs auf: „Beseitigen Sie, bitte, das Heine-Denkmal, gegen dessen Frankfurter Erstellung ich in stürmischen Versammlungen vor zwanzig Jahren vergebens kämpfte.“Die Entfernung des Heine-Denkmals
Am 27. April 1933 stürzte eine Gruppe von Hitlerjungen die Denkmalfiguren. Sie wurden geborgen und unter dem neutralen Titel Frühlingslied von Kolbe im Garten des Städel aufgestellt. Während des Bombenkrieges im Keller eingelagert, wurden sie bei der Zerstörung des Städel verschüttet, blieben aber unbeschädigt. Am 14. Dezember 1947 konnte das Denkmal an seinem neuen Standort in der Taunusanlage wieder enthüllt werden. Die Bildnisplakette auf dem Sockel des Denkmals ist das letzte Werk des 1947 verstorbenen Georg Kolbe.Heine-Denkmal 2023 wurde das Denkmal in die Friedberger Anlage versetzt.
Ein weiteres Werk Kolbes in der Taunusanlage ist das 1948 nach einem bereits vor dem Krieg entstandenen Modell gegossene Beethoven-Denkmal an der Junghofstraße. Sein Standort, ein kleiner Hügel, ist ein Rest des Junghof-Bollwerks der ehemaligen Frankfurter Stadtbefestigung. Von 1896 bis 1940 befand sich an dieser Stelle ein monumentales Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. Das Werk des Bildhauers Clemens Buscher wurde, wie auch das nahegelegene Bismarck-Denkmal, 1940 als Metallspende des Deutschen Volkes eingeschmolzen.