Max Gustav Slawinsky (vollständiger Name: Max Gustav Adolf SlawinskyLaut Immatrikulationsantrag/Universität Hamburg vom 15. März 1925 lauteten die Vornamen Slawinskys Max Gustav Adolf; siehe matrikelportal.uni-hamburg.de: Immatrikulationsantrag Slawinsky, Max; abgerufen am 28. Juli 2024.; * 15. April 1897 Berlin; † 10. Dezember 1940 in Finkenwalde bei Stettin) war ein baptistischer Geistlicher, Theologe, Dozent für Altes Testament am Predigerseminar der deutschen Baptisten in Hamburg-Horn sowie Autor christlicher Literatur. Slawinsky war ein Gegner des Nationalsozialismus und wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit sein Opfer. Leben mini|Baptistenkapelle Wattstraße, Berlin-Gesundbrunnen; hier wurde Slawinsky ordiniert. Das Gotteshaus wurde 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. mini|Predigerseminar Hamburg-Horn; Wirkungsstätte Slawinskys 1923/24 sowie 1926–1932 Max Slawinsky entstammte einem evangelisch-lutherischen Elternhaus. Sein Vater, der Konditor Gustav Adolf Slawinsky (1864–1939), war gebürtig aus Kiew. Seine Mutter Marie Auguste Albertine, geborene Mentzel (1873–1919),ancestry.de: Profil Marie Auguste Albertine Mentzel (verheiratete Slawinsky): eingesehen am 26. Juli 2024.ancestry.de: Geburtsurkunde Max Gustav Slawinsky; abgerufen am 25. Juli 2024. stammte aus Torgelow. Während sie auf der Geburtsurkunde ihres Sohnes Max noch als „evangelisch“ bezeichnet wird, findet sich auf ihrer Sterbeurkunde die Konfessionsangabe „baptistisch“.ancestry.de: Sterbeurkunde Marie Auguste Albertine Slawinsky, geborene Mentzel; abgerufen am 25. Juli 2024. Schule, Studium, beruflicher Werdegang Slawinsky verlebte seine Kindheit und Jugend in Berlin.Hans Volker Sadlack: Slawinsky, Max. In: Harald Schultze u. a. (Hrsg.): „Ihr Ende schaut an.“ Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Leipzig, 2008 (2., erweiterte Auflage). S. 471. Nach seiner Reifeprüfung an einem Berliner RealgymnasiumDass Slawinsky ein Realgymnasium besuchte, geht aus seinem Matrikeleintrag (Universität Hamburg) hervor: matrikelportal.uni-hamburg.de: Immatrikulationsanstrag: Slawinsky, Max; abgerufen am 30. Juli 2024. wurde er zum Militärdienst eingezogen.Hans Volker Sadlack: Slawinsky, Max. In: Harald Schultze u. a. (Hrsg.): „Ihr Ende schaut an.“ Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Leipzig, 2008 (2., erweiterte Auflage). S. 471. Während des Ersten Weltkrieges wurde er bei VerdunMarcel Kabaum: Milieutheorie deutscher Pädagogen (1926–1933). Pädagogische Soziologie bei Walter Popp, Adolf Busemann und Max Slawinsky. Ergon Verlag: Würzburg, 2013. S. 23. im August 1917 „schwer verwundet“.des.genealogy.net: Verlustlisten 1. Weltkrieg, Seite 19956: Slawinsky Max (Berlin); abgerufen am 27. Juli 2024. In den Artikeln zum Lebenslauf Slwawinkys findet sich der Hinweis auf eine Bekehrung vor Beginn seines Studiums. Die genaueren Umstände, die dazu führten, werden aber nicht erwähnt. Auch über Slawinskys Konversion zu den Baptisten und dem Empfang der Gläubigentaufe schweigen die bislang bekannten Quellen.Siehe zum Beispiel Roland Fleischer/lexikon.befg.de: Artikel Max Sawinsky; abgerufen am 30. Juli 2024. Belegt ist, dass er sich zum Wintersemester 1918/19 an der Theologischen Fakultät der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität immatrikulierte. Ab 1922 arbeitete er nebenher als Prediger der Baptistengemeinde Berlin, Wattstraße (siehe Bild!),Die Gemeinde hat im Laufe der Zeit ihren Standort öfters gewechselt. Heute befindet sie sich in der Müllerstraße 14a in Berlin-Wedding; siehe boibb.de: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Wedding; abgerufen am 30. Juli 2024. wo er 1923 auch zum baptistischen Geistlichen ordiniert wurde.Roland Fleischer/lexikon.befg.de: Artikel Max Sawinsky; abgerufen am 30. Juli 2024.
Zum Wintersemester 1923/24 wechselte er an die Universität Hamburg, wo er sich an der Philosophischen Fakultät einschrieb und die Studienfächer Pädagogik, Philosophie und Semitistik belegte.matrikelportal.uni-hamburg.de: Immatrikulationsanstrag: Slawinsky, Max; abgerufen am 30. Juli 2024. Gleichzeitig unterrichtete er als Hilfslehrer die Fächer Neutestamentliches Griechisch, Archäologie und Deutsche Grammatik am Predigerseminar der deutschen Baptisten an der Rennbahnstraße in Hamburg-Horn.1997 verlegte das Predigerseminar seinen Sitz nach Wustermark; der heutige Name der Einrichtung lautet Theologische Hochschule Elstal. Dort befand sich auch während seiner Hamburger Studienzeit sein Wohnsitz.In Slawinskys Immatrikulationsantrag findet sich die Hamburger Adresse Rennbahnstraße 119; siehe matrikelportal.uni-hamburg.de: Immatrikulationsanstrag: Slawinsky, Max; abgerufen am 30. Juli 2024. Es folgte ein kurzer Studienaufenthalt an der Universität Würzburg. Am 3. Juli 1925 wurde Slawinsky zum Dr. phil. promoviert. Das Thema seiner Dissertation lautete Milieupädagogik. Versuch einer pädagogischen Gruppensoziologie. Sie erschien 1926 im Tilsiter Emil-Linde-Verlag und war 2013 Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung.Marcel Kabaum: Milieutheorie deutscher Pädagogen (1926–1933). Pädagogische Soziologie bei Walter Popp, Adolf Busemann und Max Slawinsky. Ergon Verlag: Würzburg, 2013. Slawinsky kehrte nach Hamburg zurück und wirkte ab September 1926 bis Januar 1932 als Theologiedozent am bereits erwähnten Predigerseminar der deutschen Baptisten.Predigerseminar (Hrsg.): Festschrift zur Feier des 75järigen Jubiläums des Predigerseminars der Ev.-Freikirchlichen Gemeinden (Baptisten) in Deutschland. Selbstverlag: Hamburg-Horn, 1955. S. 66.
Im Anschluss an seine Lehrtätigkeit ging Slawinsky nach Stettin. Dort wirkte er bis zu seinem Tod als Prediger der Baptistengemeinde in der Johannisstraße 4.Roland Fleischer (RF): Artikel Max Sawinsky im Historischen Lexikon des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (HistoLex)Heute befindet sich im renovierten Kirchengebäude neben einer polnischen Baptistengemeinde das Christliche Zentrum Stettin; siehe Friedemann Gillert: Das christliche Zentrum in Stettin. Feierliche Wiedereinweihung brachte das christliche Licht in die historische Baptistenkapelle. In: Preußische Allgemeine (…) vom 29. Januar 2023; (online). Hier begegnete er auch dem Landwirt und Politiker Wilhelm Schritt,Schritt hatte sich vor der Machtergreifung Hitlers in der DDP engagiert. Nach dem II. Weltkrieg war er innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone zunächst Mitglied der KPD, dann der SED ud schließlich der VdgB und der Ost-CDU; siehe dazu Klaus Schwabe: Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 1946. Begleitheft zur Ausstellung im Landtag Mecklenburg-Vorpommern vom 28. August bis 20. Oktober 1996, Schwerin 1996. der zur Stettiner Baptistengemeinde gehörte und zeitweilig auch Mitglied ihres Vorstandes war. Schritt berichtete später über Slawinskys Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus. Danach provozierte er mit dem abgewandelten Hitlergruß „Heil Christus“. Außerdem weigerte er sich, zum Führergeburtstag an der Stettiner Baptistenkapelle die Hakenkreuzfahne zu hissen. Auch sein Einsatz für ein aus politischen Gründen verhaftetes Gemeindemitglied wurde von den nationalsozialistischen Behörden registriert.Wilhelm Schritt: Zum Tode von Dr. Max Slawinsky. In: Zeitschrift Die Gemeinde, Nr. 41/10. Oktober 1971. J. G. Oncken Nachf.: Kassel, 1971. S. 2. Nachdem seine NS-Gegnerschaft bekannt geworden, ließ ihn die Gestapo beobachten und verhörte ihn auch mehrfach.Roland Fleischer / Historisches Lexikon des BEFG: Max Slawinsky; abgerufen am 8. November 2025.
Auseinandersetzung mit der NS-Ideologie In seinen Schriften und Traktaten setzte sich Slawinsky mit der nationalsozialistischen Ideologie und hier besonders mit den sogenannten deutschgläubigen Kreisen auseinander. Dabei wählte er nicht den konfrontativen Weg; er verwendete die bekannten nationalsozialistischen Begriffe beziehungsweise Redewendungen und deutete sie im biblischen bzw. christlichen Sinne um. So wäre es zum Beispiel nicht der Ariernachweis, der einen Menschen zum „Arier, d.h. Herren“ macht, sondern die Fähigkeit, Herrschaft über sich selbst und damit über alles Niedere im Menschen zu haben. Das sei nur einem gläubigen Christen möglich.Max Slawinsky: Christliche Glaubenskunde. Leitfaden für den christlichen Religionsunterricht. J. G. Oncken Nachf.: Kassel, 1940. S. 29.Marcel Kabaum: Milieutheorie deutscher Pädagogen (1926–1933). Pädagogische Soziologie bei Walter Popp, Adolf Busemann und Max Slawinsky. Ergon Verlag: Würzburg, 2013. S. 22. In einem anderen Zusammenhang schreibt er, dass sich die Qualitäten eines Volkes nicht in seinem Blut befinden, wie die völkische Rasselehre propagiert, sondern allein durch „göttliche Kraft und Vollmacht“ gegeben sind. Diese zeigen sich aber weniger in der Beherrschung anderer Völker als vielmehr in der eigenen Selbstbeherrschung und Tugend. Die mit dem Ariertum verundenenen Erwartungen sind ausschließlich im Christsein realisiert.märtyrer.info.de: Wanderausstellung zu Max Slavinsky; abgerufen am 8. November 2025. In einer anderen Schrift vergleicht Max Slawinsky die Bibel mit der in der Deutschen Glaubensbewegung hochverehrten Edda, einer Sammlung skandinavischer Götter- und Heldensagen.Max Slawinsky: Bibel oder Edda? Evangelischer Preßverband für Deutschland: Berlin-Steglitz, 1937. In seiner Auseinandersetzung mit der Edda – so Slawinsky im Vorwort seiner Schrift – wolle er sich „ernstlich bemühen, diesem alten, ehrwürdigen, nordischen Geistesgut seine volle Würdigung zuteil werden zu lassen“. Am Ende kommt er jedoch zu dem Ergebnis, dass – so bedeutsam die Edda auch sein mag – der Bibel als dem älteren und bewährteren Buch der Vorzug zu geben ist.
Eine gründliche und kritische Durchsicht der Veröffentlichungen Max Slawinskys fehlt bislang; sie ist nach Ansicht seines Biographen Volker Sadlack „ein Desiderat“.Volker Sadlack: Artikel Max Slavinsky. In: "Ihr Ende schaut an..." Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts. (Hrsg. Harald Schultze, Andreas Kurschat). Evangelische Verlagsanstalt: Leipzig, 2008 (2. Auflage). S. 472.
Mysteriöses Lebensende Am Abend des 10. Dezembers 1940 kehrte Mx Slawinsky mit der Bahn von einem auswärtigen Predigtplatz der Stettiner Baptistengemeinde zurück und wurde beim Überqueren der Gleise auf dem Bahnhof des Stettiner Stadtteils Finkenwalde von einem rangierenden oder durchfahrenden Zug erfasst. Die offizielle Version über Slawinskys Tod gründet sich auf Aussagen zweier SS-Männer, die sich auf dem Bahnsteig in seiner Nähe befanden. Danach herrschte an dem Abend aufgrund von Schneetreiben eine schlechte Sicht. Slawinsky habe deshalb den herannahenden Zug übersehen. Die SS-Leute übermittelten die Todesnachricht an die Familie und verfassten über den Vorgang eine kurze Pressenotiz. Der Baptistengemeinde wurde untersagt, einen öffentlichen Nachruf zu verfassen.In der Baptistischen Zeitschrift Der Wahrheitszeuge findet sich unter dem Datum 16. März 1941 (S. 48) dennoch ein Nachruf. Er stammt aus der Feder H. Saborowskis, der allerdings nicht auf die mysteriösen Umstände Todes eingeht. Außerdem ließ die SS den Sarg versiegeln und überwachte den Trauergottesdienst. Schon früh wurde aufgrund dieser merkwürdigen Umstände hinter vorgehaltener Hand der Verdacht geäußert, Slawinsky sei nicht durch einen tragischen Unfall ums Lebe gekommen. Dieser Verdacht wurde durch einen „seltsamen Vorfall im Jahr 1971 erhärtet“. Ein Leser des evangelisch-freikirchlichen Magazins Die Gemeinde erinnerte sich an einen Krankenhausaufenthalt, bei dem er einem Bettnachbarn das in der Zeitschrift veröffentlichte Bild Slawinskys und den dazugehörigen Artikel zeigte. Der Mitpatient habe darauf mit folgenden Worten reagiert: „Das ist ja der Judenknecht, den wir auf dem Stettiner Bahnhof erledigt haben.“märtyrer.info: Wanderausstellung Max Slawinsky; abgerufen am 8. November 2025.
Slawinskys Grab befindet sich noch heute auf dem Friedhof Hamburg-Rahlstedt; dort wurde 1952 auch seine Ehefrau beigesetzt.Roland Fleischer / Historisches Lexikon des BEFG: Max Slawinsky; abgerufen am 8. November 2025.
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