mini|Karl Kling im Mercedes W 196 mini|4-Zylinder-Motor des Ferrari 625F1 mini|Lancia D50A, beim Goodwood Festival of Speed, 2007 Die Automobil-Weltmeisterschaft 1954 war die 5. Saison der Automobil-Weltmeisterschaft, die heutzutage als Formel-1-Weltmeisterschaft bezeichnet wird. In ihrem Rahmen wurde über neun Rennen in der Zeit vom 17. Januar bis zum 24. Oktober 1954 die Fahrerweltmeisterschaft ausgetragen.
Der FIA-Ehrentitel Großer Preis von Europa wurde 1954 an den Großen Preis von Deutschland vergeben.
Das Jahr 1954 brachte ein neues Reglement: Nach den Übergangsjahren 1952 und 1953, in denen auf Wagen der damaligen Formel 2 zurückgegriffen wurde, trat die neue Formel 1 mit einem Hubraum von 2500 cm³ in Kraft. Alternativ waren auch Kompressormotoren mit 750 cm³ zugelassen, aber wie in den Vorjahren entschied sich kein Team für diese Motoren.Werner J. Haller, Christian Eichenberger, Leopold Wieland: Große Regeländerungen und ihre Folgen, Motorsport aktuell, Ausgabe MSA 4/2014, Seite 5.
Das dominante Team der 1930er-Jahre, Mercedes, kehrte Mitte der Saison an die Rennstrecken zurück, mit Juan Manuel Fangio hatte man sich vorher schon den besten Fahrer der Epoche gesichert. Da dieser Weltmeister werden wollte, der Mercedes jedoch erst zur Saisonmitte fertig wurde, bestritt Fangio die ersten Rennen auf Maserati. Karl Kling und Hans Herrmann ergänzten die Mannschaft. Ferrari setzte nach dem Weggang von Alberto Ascari unter anderem auf José Froilán González, Mike Hawthorn und Maurice Trintignant. Ascari und sein Freund Luigi Villoresi unterschrieben beim neuen Team Lancia, doch dieser Wagen war erst zum Saisonende fertig.
Erstmals gab es mit Onofre Marimón einen Toten bei einem Formel-1-Weltmeisterschaftslauf zu betrauern.
Teams und Fahrer
Team Konstrukteur Chassis Motor Reifen Fahrer Maserati 250FA6SSG Maserati Ferrari 625F1553 (1954) Ferrari Gordini T16 (1954) Gordini Ecurie Rosier 500625F1 Ferrari Team Harry Schell A6SSG Maserati Emmanuel de Graffenried A6SSG Maserati Team Robert Mieres A6SSG Maserati Team Jorge Daponte A6SSG Maserati Team Onofre Marimón A6SSG Maserati Ecurie Francorchamps 500 Ferrari Team Bira Team Bira 250F Maserati Team Stirling Moss 250F Maserati Mercedes W196 Mercedes HWM H.W.M. (1954) Alta B.R.M. 250F Maserati Gilby Engineering 250F Maserati Scuderia Ambrosiana 500 Ferrari Vanwall Vanwall(1954/57) Vanwall Team Peter Whitehead Cooper T24 Alta Team Whitehouse Connaught Type A Lea-Francis Team Leslie Marr Connaught Type A Lea-Francis Rob Walker Connaught Type A Lea-Francis Team Sir Jeremy Boles Connaught Type A Lea-Francis Ecurie Ecosse Connaught Type A Lea-Francis R J Chase Cooper T23 Bristol Team Horace Gould Cooper T23 Bristol Team F R Gerard Cars Cooper T23 Bristol Ecurie Richmond Cooper T23 Bristol Hans Klenk Veritas-Meteor BMW Maserati A6SSG Maserati Lancia D50 Lancia
Rennberichte Großer Preis von Argentinien
Platz Fahrer Team Zeit 1 Juan Manuel Fangio Maserati 3:00:55,8 2 Giuseppe Farina Ferrari + 1:19,0 3 José Froilán González Ferrari + 2:01,0 4 Maurice Trintignant Ferrari + 1 Runde 5 Élie Bayol Gordini + 2 Runden Der Große Preis von Argentinien auf dem Autódromo Municipal Ciudad de Buenos Aires fand am 17. Januar 1954 statt und ging über eine Distanz von 87 Runden à 3,912 km, was einer Gesamtdistanz von 340,344 km entspricht.
Viele Teams waren für das erste Rennen des neuen Reglements nicht gerüstet und verwendeten die umgebauten Vorjahrsmodelle. Da Fangios Maserati-Team bei einem Boxenstopp zu viele Mechaniker im Einsatz hatte, rechnete die Ferrari-Teamleitung mit dessen Disqualifikation und signalisierte ihren Fahrern: „Nichts riskieren!“. Der Protest ging im Heimatland des Weltmeisterschaftsfavoriten nicht durch und so gewann Fangio vor drei Ferraris.
Indianapolis 500
Platz Fahrer Team Zeit 1 Bill Vukovich Kurtis-Offenhauser 3:49:17,27 2 Jimmy Bryan Kuzma-Offenhauser + 1:09,95 3 Jack McGrath Kurtis-Offenhauser + 1:19,73 4 T. Ruttman/D. Carter Kurtis-Offenhauser + 2:52,68 5 Mike Nazaruk Kurtis-Offenhauser + 3:24,55 Das Indianapolis 500 auf dem Indianapolis Motor Speedway fand am 31. Mai 1954 statt und ging über eine Distanz von 200 Runden à 4,023 km, was einer Gesamtdistanz von 804,600 km entspricht.
Das „Indy 500“ war kein Formel-1-Rennen, das Ergebnis wurde aber von der FIA einige Jahre zur Fahrerweltmeisterschaft gezählt. Europäische Teams und Fahrer waren wie üblich nicht am Start, ebenso nahmen Indy-500-Fahrer fast nie an Formel-1-Rennen teil.
Bill Vukovich, aus der siebten Reihe gestartet, arbeitete sich konsequent nach vorne und erzielte seinen zweiten Indy-Sieg in Folge.
Großer Preis von Belgien
Platz Fahrer Team Zeit 1 Juan Manuel Fangio Maserati 2:44:42,4 2 Maurice Trintignant Ferrari + 24,2 3 Stirling Moss Maserati + 1 Runde 4 M. Hawthorn/J. F. González Ferrari + 1 Runde 5 André Pilette Gordini + 1 Runde Der Große Preis von Belgien auf dem Circuit de Spa-Francorchamps fand am 20. Juni 1954 statt und ging über eine Distanz von 36 Runden à 14,120 km, was einer Gesamtdistanz von 508,320 km entspricht.
Nach Motorschäden bei Farina und González war das Rennen ein leichtes Spiel für Fangio. Glück hatte Roberto Mieres, dessen Maserati in der ersten Runde völlig ausbrannte. Er trug nur leichte Verletzungen davon.
Großer Preis von Frankreich
Platz Fahrer Team Zeit 1 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz 2:42:47,9 2 Karl Kling Mercedes-Benz + 0,1 3 Robert Manzon Ferrari + 1 Runde 4 Prinz Bira Maserati + 1 Runde 5 Luigi Villoresi Maserati + 3 Runden Der Große Preis von Frankreich auf dem Circuit de Reims-Gueux fand am 4. Juli 1954 statt und ging über eine Distanz von 61 Runden à 8,302 km, was einer Gesamtdistanz von 506,422 km entspricht.
Der Große Preis von Frankreich brachte das lang erwartete Debüt der Mercedes. Mit ihrer flachen und breiten Bauweise und zudem Vollverkleidung für schnelle Strecken wirkten sie bereits optisch dem übrigen Feld mit schmalen, hochbeinigen Fahrzeugen überlegen. Das Rennen endete mit einem Doppelsieg von Fangio vor Kling. Neuling Hans Herrmann erzielte zudem vor seinem Ausfall die schnellste Runde. Zitat Fangio: „Die Konkurrenten sahen wir an diesem Tag eigentlich nur beim Start und bei Überrundungsmanövern.“
Der Termin des Sieges war ein historischer: genau 40 Jahre nach dem Sieg Christian Friedrich Lautenschlagers auf Mercedes beim Großen Preis von Frankreich 1914. Kurz nach dem überlegenen Mercedes-Doppelsieg wurde die deutsche Fußballnationalmannschaft beim „Wunder von Bern“ Weltmeister.
Großer Preis von Großbritannien
Platz Fahrer Team Zeit 1 José Froilán González Ferrari 2:56:14,0 2 Mike Hawthorn Ferrari + 1.10,0 3 Onofre Marimón Maserati + 1 Runde 4 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz + 1 Runde 5 Maurice Trintignant Ferrari + 3 Runden Der Große Preis von Großbritannien auf dem Silverstone Circuit fand am 17. Juli 1954 statt und ging über eine Distanz von 90 Runden à 4,711 km, was einer Gesamtdistanz von 423,945 km entspricht.
Alle erwarteten für den britischen Grand Prix erneut einen Mercedes-Sieg, doch die Vollverkleidung erwies sich auf dem 4,8 Kilometer langen Kurs mit acht Kurven und nur kurzen Geraden als hinderlich. Auf der von Strohballen umgebenen und mit sandgefüllten Fässern markierten Strecke waren präzise zu steuernde Fahrzeuge mit freistehenden Rädern von Vorteil, und so gewann José Froilán González auf Ferrari das Rennen. Fangio verbeulte gar den unübersichtlichen Mercedes drei Mal und wurde nur Vierter. Eine erstaunliche Leistung vollbrachte Onofre Marimón. Wegen Versäumnissen seiner Mechaniker konnte er nicht trainieren und musste als Letzter starten. In der ersten Runde überholte er 19 Fahrzeuge und wurde schließlich Dritter.
Großer Preis von Deutschland
Platz Fahrer Team Zeit 1 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz 3:45:45,8 2 M. Hawthorn/J. F. González Ferrari + 1:36,5 3 Maurice Trintignant Ferrari + 5:08,6 4 Karl Kling Mercedes-Benz + 6:06,5 5 Sergio Mantovani Maserati + 8:50,5 Der Große Preis von Deutschland auf dem Nürburgring fand am 1. August 1954 statt und ging über eine Distanz von 22 Runden à 22,810 km, was einer Gesamtdistanz von 501,820 km entspricht. Der Grand Prix trug auch den FIA-Ehrentitel Großer Preis von Europa.
Im Training verunglückte der argentinische Maserati-Fahrer Onofre Marimón tödlich; es war der erste Todesfall bei einem Formel-1-Weltmeisterschaftslauf.
Nach dem Misserfolg in Silverstone hatte Mercedes-Benz die Stromlinienkarosserien durch Fahrzeuge mit freistehenden Rädern ergänzt. Trotz der Trauer um seinen Landsmann gewann Fangio erneut und sicherte sich vorzeitig den Weltmeistertitel. Kling hatte zum Entsetzen von Rennleiter Alfred Neubauer Fangio gejagt und überholt, nachdem sein Wagen Benzin verloren hatte und er hatte nachtanken müssen. „Altstar“ Hermann Lang, der faktische Europameister der Grand-Prix-Europameisterschaft 1939, hatte seinen letzten großen Auftritt; bis zu seinem Ausfall lag er auf Rang zwei.
Mit 3 Stunden und 45 Minuten ist dieses Rennen, nach dem Großen Preis von Kanada 2011, (abgesehen von den nicht vergleichbaren Indy-Rennen) der zweitlängste je ausgetragene Formel-1-Weltmeisterschaftslauf.
Großer Preis der Schweiz
Platz Fahrer Team Zeit 1 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz 3:00:34,5 2 José Froilán González Ferrari + 57,8 3 Hans Herrmann Mercedes-Benz + 1 Runde 4 Roberto Mières Maserati + 2 Runden 5 Sergio Mantovani Maserati + 2 Runden Der Große Preis der Schweiz auf der Bremgarten-Rundstrecke fand am 22. August 1954 statt und ging über eine Distanz von 66 Runden à 7,280 km, was einer Gesamtdistanz von 480,480 km entspricht.
Der GP der Schweiz (der letzte in Bremgarten) brachte einen Start-Ziel-Sieg für Fangio. Stirling Moss im Werks-Maserati konnte anfangs mit ihm mithalten, was das Interesse des Mercedes-Rennleiters Alfred Neubauer an dem Briten weckte (1955 fuhr Moss für die Deutschen). Hans Herrmann erzielte mit dem dritten Platz sein bestes Ergebnis.
Großer Preis von Italien
Platz Fahrer Team Zeit 1 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz 2:47:47,9 2 Mike Hawthorn Ferrari + 1 Runde 3 J. F. González/U. Maglioli Ferrari + 2 Runden 4 Hans Herrmann Mercedes-Benz + 3 Runden 5 Maurice Trintignant Ferrari + 5 Runden Der Große Preis von Italien fand am 5. September 1954 auf dem Autodromo Nazionale Monza statt und ging über eine Distanz von 80 Runden à 6,300 km, was einer Gesamtdistanz von 504,000 km entspricht.
Das Rennen war ein abwechslungsreiches, bei dem sich die Mercedes (Karl Kling und Juan Manuel Fangio), der Ferrari Alberto Ascaris, der wieder ein Rennen für sein ehemaliges Team bestritt, und der Maserati von Stirling Moss an der Spitze abwechselten. Technische Probleme der Konkurrenz erleichterten den Sieg Fangios.
Großer Preis von Spanien
Platz Fahrer Team Zeit 1 Mike Hawthorn Ferrari 3:13:52,1 2 Luigi Musso Maserati + 1:13,2 3 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz + 1 Runde 4 Roberto Mieres Maserati + 1 Runde 5 Karl Kling Mercedes-Benz + 1 Runde Der Große Preis von Spanien fand am 24. Oktober 1954 auf dem Circuit de Pedralbes statt und ging über eine Distanz von 80 Runden à 6,316 km, was einer Gesamtdistanz von 505,280 km entspricht.
Inzwischen war das Lancia-Team fertig und brachte seine Rennwagen erstmals zum Einsatz. Lancia-Pilot Alberto Ascari fuhr Trainingsbestzeit und im Rennen die schnellste Runde (für die es damals einen Extrapunkt gab), schied aber aus. Mike Hawthorn im Ferrari gewann seinen zweiten Grand Prix. Die Mercedes hatten Laub im unvergitterten Kühlerschacht aufgesammelt, was die Ansaugluftzufuhr einschränkte und zu Überhitzung führte, sodass sie nicht in die Entscheidung eingreifen konnten.
Fahrerwertung Für die Fahrerweltmeisterschaft 1954 galten folgende Regeln der Punkteverteilung:
Platz 1 8 Punkte Platz 2 6 Punkte Platz 3 4 Punkte Platz 4 3 Punkte Platz 5 2 Punkte schnellste Runde 1 Punkt
Es gingen nur die besten fünf Resultate aus den neun Rennen in die Wertung ein.