mini|Samaneh Atef Samaneh Atef (; * 1989 in Bandar Abbas) ist eine iranische autodidaktische Künstlerin, deren Werk sich der Art brut zurechnen lässt.

Leben Samaneh Atef wurde 1989 in Bandar Abbas geboren und wuchs mit drei Geschwistern auf. Als Kind litt sie unter den häufigen Ortswechseln und Abwesenheiten ihres Vaters, der Offizier der Marine war. Obwohl sie Kunst studieren oder eine Ausbildung zur Grafikerin machen wollte, studierte sie den Erwartungen ihrer Familie folgend ab 2009 in Lahidschan an der Islamischen Azad-Universität Lāhīdschān Informatik, gab daneben Computerunterricht, um finanziell unabhängig zu werden und zeichnete viel. Ihr Leben war von den Einschränkungen, denen Frauen im Iran unterliegen, geprägt und nachdem eine Liebesbeziehung an den kulturellen Konventionen ihres Umfelds gescheitert war und ein naher Freund Suizid beging, entwickelte sie Depressionen,Presstexts for the exhibition: Outsider Art under the Crescent Moon. In: Open art museum. Abgerufen am 27. Juli 2024 Ängste, Gefühle der Einsamkeit und Isolation und chronische, unbestimmte körperliche Schmerzen, hörte aber nie auf zu zeichnen.Colin Rhodes: Injured Spirits. In: Raw Vision, Frühjahr 2020, Ausgabe 105, S. 72–77. Abgerufen am 22. Juli 2024 Sie drückte damit ihre Gefühle, aber auch Kritik an der iranischen Gesellschaft und der Rolle der Frau aus.Artists at Risk Connection (ARC): Samaneh Atef. In: Art Is Power: 20 Artists on How They Fight for Justice and Inspire Change. PEN America, 2023, S. 53–57 Nach Abschluss des Studiums in „Software Technology Engineering“ arbeitete sie als InformatikerinKlaus Mecherlein: Euward 9. Samaneh Atef. S. 5–9 und widmete sich ab etwa 2014/2015 ernsthaft der Malerei.Samaneh Atef exhibition. In: La biennale de lyon. Abgerufen am 23. Juli 2024

Samaneh Atef verbreitete ihre Bilder über das Internet, was ihr den Zugang zu Ausstellungen im Ausland ermöglichte. Im Jahr 2016 verließ sie zum ersten Mal den Iran, um an einer Ausstellung im Museum für naive und marginale Kunst (MNMA) in Serbien teilzunehmen. Da Samaneh Atef aufgrund ihrer kontinuierlichen Bemühungen, ihre Werke im Iran zu präsentieren, immer wieder mit Enttäuschungen konfrontiert war, verließ sie ihre Heimat Iran und ging im Februar 2020 mit einem Stipendium nach Frankreich. Nach ihrem Aufenthalt in Lyon erwarb die Stadt Lyon mehrere ihrer Werke für die städtische Sammlung.Cyrille Noirjean: Samaneh Atef, art brut ?. In: URDLA vom 6. Mai 2021. Abgerufen am 23. Juli 2024

Zur documenta fifteen war Samaneh Atef 2022 für das Podiumsgespräch „Dissident Artists in Exile“ des Instituto de Artivismo Hannah Arendt eingeladen.Dissident Artists in Exile. In: documenta fifteen. Abgerufen am 23. Juli 2024 Sie lebt und arbeitet in Südfrankreich.Die Preisträger*innen des euward9 (2024). In: Euward. Abgerufen am 15. Oktober 2025

Werk In ihren Werken konzentriert sich Samaneh Atef „auf Frauen – ihr Leben, ihre Erfahrungen, ihre Stärke“ und thematisiert „Unterdrückung, Selbst-Entfremdung, Leid, Folter und Tod der Frauen in der Welt“. Ihre Werke „erzählen die Geschichte der Frau von der Lebensspenderin bis zur Gefangenen, von der gefeierten Gebärerin und Heilerin bis zum Sündenbock und allem, was dazwischen liegt“. Neben den Frauengestalten ist ein Pfirsichbaum, der in ihrer Kindheit vor ihrem Fenster stand, ein wiederkehrendes Motiv in ihren Bildern. In ihren Bildern finden sich einige der formalen Elemente der persischen oder iranischen Kunst „mit dekorativen Mustern, Ornamenten, fast versteckten Figurengruppen und einer großen weiblichen Figur als Hauptmotiv“.Andrejka Vabič Nose: Samaneh Atef. Zavedanje – Awareness. Center za izobraževanje in kulturo, Galerija likovnih samorastnikov (Hrsg.), Trebnje 2021 Ihre Arbeiten tragen Titel wie „Aufstehen“, „Die Welt ohne einander“, „Ein Teil von mir“, „Meine ganze Geschichte begann mit meinem Körper!“, „Es gibt keine Geschichte mehr zu erzählen“ oder „Ich gehe weg, Aber ich werde nicht gehen, ohne mich zu verabschieden“.Klaus Mecherlein: Euward 9. Samaneh Atef. S. 68–69

Obwohl sie unterschiedliche Materialien und Techniken verwendet, benutzt sie für den Großteil ihrer Arbeiten verschiedene Zeichenstifte, von Bleistift und Tinte bis hin zu Farb- und Filzstiften, Finelinern und Markern auf Papier und Leinwand. Manche ihrer Werke sind mit Chinatusche oder Wasserfarben auf Landkarten gezeichnet und gemalt.

Auszeichnungen und Stipendien 2024: Gewinn des Kunstpreises Euward 9 2022: Atelierstipendium in „Le Grand Large“, Lyon 2021: Residenzstipendium bei URDLA, Villeurbanne 2019: Hauptpreis der Jury, 52. Internationales Treffen autodidaktischer Künstler, Trebnje, Slowenien

Ausstellungen Um 2014 oder 2015 wandte Samaneh Atef sich nach Ermutigung durch einen befreundeten Dozenten der Kunsthochschule verstärkt der Malerei zuSamaneh Atef. In: Le Grand Large. Abgerufen am 21. Juli 2024 und nahm in Folge an unterschiedlichen Ausstellungen teil, wie etwa in einer Einzelausstellung in der Galerie Polysémie in Marseille 2016/2017, den Internationalen Treffen autodidaktischer Künstler im slowenischen Trebnje in den Jahren 2017, 2019 und 2020 und mehreren Outsider Art Fairs in Paris 2019 und 2020 sowie 2022 in New York. Im Jahr 2021 widmete ihr das serbische Museum für naive und marginale Kunst MNMA („Muzej naivne i marginalne umetnosti“, „Музеј наивне и маргиналне уметности у Јагодини“) in Jagodina eine Einzelausstellung. 2023 zeigte das Open art museum in St. Gallen mit Outsider Art unter dem Halbmond eine Ausstellung von Kunst aus islamisch geprägten Ländern mit einem Schwerpunkt auf die Werke Samaneh Atefs.Christina Genova: Open Art Museum St.Gallen zeigt Outsider Art unter dem Halbmond. In: St. Galler Tagblatt vom 4. April 2023. Abgerufen am 23. Juli 2024

Im Jahr 2024 wurde Samaneh Atef mit dem Euward ausgezeichnet. Das Haus der Kunst in München zeigte ab Mitte Mai für zwei Monate in der Ausstellung „Samaneh Atef, Belén Sánchez, Desmond Tjonakoy. euward9“ Werke der Preisträgerinnen und Preisträger sowie der weiteren 16 Finalistinnen und Finalisten als Bestandteil des regulären Jahresprogramms.Joachim Rodriguez y Romero: euward9 – Haus der Kunst in München stellt Preisträger*innen aus. In: Kunstplaza vom 8. Mai 2024. Abgerufen am 21. Juli 2024

Auswahl: 2026: Art Brut Biennale, Hengelo150 deelnemende Kunstenaars uit acht verschillende landen. In: Art Brut Biënnale. Abgerufen am 19. April 2026Sarah van Binsbergen: De Art Brut Biënnale in Hengelo toont ‘rauwe’ kunst: ‘Ik sta hier om mijn verhaal te delen’. In: De Volkskrant vom 11. Mai 2026. Abgerufen am 12. Mai 2026 2024: Samaneh Atef. Théâtre Jacques Carat, CachanSamaneh Atef: un art brut et une parole libre. In: Stadt Cachan vom 8. April 2024. Abgerufen am 24. Juli 2024 2024: Euward 9. Haus der Kunst, MünchenSamaneh Atef, Belén Sánchez, Desmond Tjonakoy. euward9. In: Haus der Kunst. Abgerufen am 21. Juli 2024Tobias Krone: Der Blick von Künstlern mit geistigen Beeinträchtigungen. In: Deutschlandfunk Kultur: Fazit vom 18. Mai 2024 (5:44 Minuten). Abgerufen am 21. Juli 2024 2023: Outsider Art unter dem Halbmond. Open art museum, St. GallenOutsider Art under the Crescent Moon In: Open art museum. Abgerufen am 21. Juli 2024 2021: Museum für naive und marginale Kunst (MNMA), Jagodina, Serbien 2021: Zavedanje – Awareness. „Galerija likovnih samorastnikov Trebnje“ im „Center za izobraževanje in kulturo Trebnje“ (CIK Trebnje), Trebnje, Slowenien 2020: Sexual Personae. Outsider Art Fair, Paris 2017: supernatural. Messe- und Veranstaltungsgelände „Parc Chanot“, Marseille 2017: Copenhagen Outsider Art Gallery, Kopenhagen 2017: 50. Internationales Treffen autodidaktischer Künstler. „Galerija likovnih samorastnikov Trebnje“ im „Center za izobraževanje in kulturo Trebnje“ (CIK Trebnje), Trebnje 2017/2018: Grand Baz'art: festival international d’art marginal, Gisors, Bézu-Saint-Éloi 2018: Palatul culturii Iași (Kulturpalast Iași), Iași, Rumänien 2017: Museum van de Geest, Het Dolhuys Museum, Haarlem 2016: Copenhagen Outsider Art Galerie, Kopenhagen 2016: Museum für naive und marginale Kunst (MNMA), Jagodina, Serbien

Weblinks EUWARD – Der europäische Kunstpreis für Malerei und Grafik im Kontext geistiger Behinderung

Literatur

Einzelnachweise

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