mini|Umzeichnung der Inschrift BOĞAZKÖY 21 (Südburg) Die Hieroglypheninschriften aus Boğazköy, dem antiken Ḫattuša, bilden eine bedeutende Sammlung epigraphischer Zeugnisse aus der hethitischen Hauptstadt. Die Inschriften entstanden zwischen dem 14. und dem frühen 12. Jahrhundert v. Chr. und sind auf einer Vielzahl von Textträgern überliefert, darunter auf Stelen und auf Orthostaten, als Felsinschriften und als Graffiti. Sie wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts erschlossen. Die Texte sind in luwischen Hieroglyphen verfasst und beinhalten königliche Proklamationen, Berichte über militärische Erfolge, Widmungen an Gottheiten und Namen von Schreibern. Besonders hervorzuheben sind die monumentalen Inschriften wie diejenige von Nişantaş und die Südburg-Inschrift, die detaillierte historische Informationen liefern. Die Boğazköy-Inschriften bieten wertvolle Einblicke in die politische, religiöse und soziale Struktur des hethitischen Reiches. Ihre Erforschung und Interpretation durch Wissenschaftler wie John David Hawkins haben wesentlich zur Entzifferung und zum Verständnis der luwischen Hieroglyphenschrift beigetragen.

Boğazköy bezeichnet in der wissenschaftlichen Literatur traditionell den Fundort von Ḫattuša, nach dem alten Namen des Ortes Boğazkale. Siegel oder Siegelabdrücke, die meist nur den Namen und die Titulatur des Besitzers enthalten, sind in der Liste nicht aufgeführt. Ebenfalls nicht behandelt werden hier die Götterreliefs des Heiligtums von Yazılıkaya, die jeweils nur den Götternamen als Beischrift haben. Außerdem ist dort dreimal die Namenskartusche des Großkönigs Tudḫaliya IV. zu sehen.

Überblick Der Fundort Boğazköy beim heutigen Ort Boğazkale wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts erforscht, seit den 1930ern unter der Leitung des Deutschen Archäologischen Instituts. Dabei wurden zahlreiche Textdokumente ergraben. Dazu gehören über 30.000 Tontafeln mit Inschriften in Keilschrift in verschiedenen Sprachen. Die Texte der Tontafeln können in Annalen, Edikte, Verträge, Gesetze und Urteile, Protokolle und Verwaltungstexte, Briefe, religiöse Texte, Rituale und Feste gruppiert werden.John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 1: Inscriptions of the Iron Age. Teil 1: Text. Introduction, Karatepe, Karkamis, Tell Ahmar, Maraş, Malatya, Commagene (= Studies in Indo-European Language and Culture. Band 8,1). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-010864-X, S. 2.

Im Gegensatz zu den Nachbarn aus Mesopotamien benutzten die Hethiter für die monumentalen Inschriften auf Steinen nicht die Keilschrift, sondern Hieroglyphen.John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 1: Inscriptions of the Iron Age. Teil 1: Text. Introduction, Karatepe, Karkamis, Tell Ahmar, Maraş, Malatya, Commagene (= Studies in Indo-European Language and Culture. Band 8,1). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-010864-X, S. 2. Eine Zusammenstellung aller bekannten hieroglyphenluwischen Inschriften nach Stand 2000 ergab 95 größere und über 50 kleinere erhaltene Texte, deren Zahl sich durch neue Funde noch erhöhen wird. Zu dieser Gesamtzahl zählen die Hieroglypheninschriften aus Boğazköy, die das Thema dieser Liste sind.John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 1: Inscriptions of the Iron Age. Teil 1: Text. Introduction, Karatepe, Karkamis, Tell Ahmar, Maraş, Malatya, Commagene (= Studies in Indo-European Language and Culture. Band 8,1). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-010864-X, S. 13 und 35. Zusätzlich wurde in Boğazköy eine Anzahl von Siegeln und Siegelabdrücken gefunden, die meist mit Keilschrift und Hieroglyphen beschriftet waren und nur den Namen des Besitzers oder eines Gottes enthalten.John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 1: Inscriptions of the Iron Age. Teil 1: Text. Introduction, Karatepe, Karkamis, Tell Ahmar, Maraş, Malatya, Commagene (= Studies in Indo-European Language and Culture. Band 8,1). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-010864-X, S. 2; John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 3: Inscriptions of the Hittite Empire and New Inscriptions of the Iron Age. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2024, ISBN 978-3-11-077039-1, S. 46–47.

Einige der Steindokumente mit Inschriften wie diejenigen von Nişantaş (BOĞAZKÖY 5) und YazılıkayaKurt Bittel: Das hethitische Felsheiligtum Yazılıkaya (= Boğazköy – Hattuša, Ergebnisse der Ausgrabungen. Band 9). Gebrüder Mann Verlag, Berlin 1975, ISBN 978-3-7861-2212-8. lagen bereits offen zu Tage, die anderen kamen im Laufe der Grabungen ans Licht. Die beiden genannten Inschriften sind als einzige in den anstehenden Felsen gearbeitet. Eine andere Inschrift (BOĞAZKÖY 21+20) ist auf einer Wand eines Bauwerks in der Südburg angefertigt. Bei den übrigen handelt es sich größtenteils um Stelen, Steinblöcke und Fragmente. Eine kleinere Gruppe bilden die sogenannten Graffiti (BOĞAZKÖY 4, 8, 14, 15, 16, 22), die an verschiedenen Stellen des Stadtgebiets zu finden sind, vorwiegend an vielfrequentierten Orten wie Straßen und Toren. Dabei sind die Zeichen mit einem Spitzhammer in den Stein eingepickt. Sie werden meist als Anzeigen von Schreibern interpretiert, die ihre Dienste anboten. Ein Teil der Monumente enthält außer der Schrift auch Reliefabbildungen. Die Stücke sind, soweit sie nicht in situ verblieben, heute im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara, im Archäologischen Museum Istanbul, im Archäologischen Museum Çorum und im lokalen Museum in Boğazkale aufbewahrt.John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 3: Inscriptions of the Hittite Empire and New Inscriptions of the Iron Age. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2024, ISBN 978-3-11-077039-1, S. 5–104.

Eine Zusammenstellung der Inschriften lieferte 2000 der britische Hethitologe John David Hawkins im Appendix 1 des ersten Bands seines Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Dort verwendete er auch die Bezeichnungen der Stücke mit BOĞAZKÖY 1 bis BOĞAZKÖY 25, die heute allgemein gebräuchlich sind.John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 1: Inscriptions of the Iron Age. Teil 1: Text. Introduction, Karatepe, Karkamis, Tell Ahmar, Maraş, Malatya, Commagene (= Studies in Indo-European Language and Culture. Band 8,1). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-010864-X, S. 35. Im 2024 posthum erschienenen dritten Band des Corpus besprach er sie einzeln und fügte auch zwei weitere (BOĞAZKÖY 26 und 27) hinzu. Der italienische Altorientalist Massimiliano Marazzi hat in seinen Veröffentlichungen eine eigene Nummerierung entwickelt, verwendet daneben aber auch die Hawkins-Bezeichnungen.Zum Beispiel in: Massimiliano Marazzi: Schriftlichkeit und königliche Zelebration in Hattusa gegen Ende des 13. Jh. v. Chr. Über die sogenannten „langen“ Hieroglypheninschriften. In: Natalia Bolatti Guzzo, Piotr Taracha (Hrsg.): „And I Knew Twelve Languages“. A Tribute to Massimo Poetto on the Occasion of His 70th Birthday. Warschau 2019, ISBN 978-83-87111-77-9, S. 332–356.

Liste Die Spalte „Textträger“ enthält zunächst Angaben zur Fundgeschichte und darauf folgend eine Beschreibung des Objektes, auf dem sich die Inschrift befindet. Wo vorhanden, sind diesen Informationen noch gängige Alternativbezeichnungen des Stücks vorangestellt. Die Angaben in der Spalte „Inschrift“ sind abhängig davon, wie viel Text erhalten ist und wie viel von den Inhalten sich erschließen lässt. Je nach Umfang und Lesbarkeit des Hieroglyphentextes wird dort eine Zusammenfassung, eine Übersetzung und/oder eine allgemeine Erläuterung gegeben. In jedem Fall schließt die Spalte „Inschrift“ mit einer Angabe zu den Möglichkeiten einer Datierung des Textes ab. Die Spalte „Publikationen“ enthält teilweise lediglich eine Auswahl der Forschungsbeiträge, in denen die jeweilige Inschrift vorgestellt oder thematisiert wird. Die angeführten Publikationen enthalten jedoch ihrerseits Literaturangaben, über die sich die restliche Literatur auffinden lässt.

Einige der Spalten sind sortierbar. Durch einen Klick auf den Doppelpfeil im Spaltenkopf werden die Spalte „Textträger“ nach dem Funddatum und die Spalte „Publikationen“ nach dem Jahr der Erstveröffentlichung sortiert.

Die Logogramme der luwischen Hieroglyphen werden traditionell mit der lateinischen Übersetzung des jeweiligen Wortes in Großbuchstaben transkribiert, also beispielsweise REX für die Hieroglyphe 15px, die „König“ bedeutet.Günter Neumann: System und Ausbau der hethitischen Hieroglyphen-Schrift (= Nachrichten der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Jahrgang 1992, Nr. 4). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1992, S. 25–48. John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 1: Inscriptions of the Iron Age. Teil 1: Text. Introduction, Karatepe, Karkamis, Tell Ahmar, Maraş, Malatya, Commagene (= Studies in Indo-European Language and Culture. Band 8,1). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-010864-X, S. 4–6, 25–28.

Nr. Bild TextträgerSofern nicht anders angegeben, stammen die Angaben dieser Felder aus John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 3: Inscriptions of the Hittite Empire and New Inscriptions of the Iron Age. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2024, ISBN 978-3-11-077039-1. InschriftJohn David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 3: Inscriptions of the Hittite Empire and New Inscriptions of the Iron Age. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2024, ISBN 978-3-11-077039-1. Publikationen StandortJohn David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 3: Inscriptions of the Hittite Empire and New Inscriptions of the Iron Age. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2024, ISBN 978-3-11-077039-1. Wo Hawkins (durch das Symbol **) explizit angibt, dass die Inventarnummer unbekannt ist, ist das hier in der Tabellenspalte vermerkt. Wo dieser Vermerk bei Hawkins fehlt, ist davon auszugehen, dass das Objekt keine Inventarnummer hat; in diesen Fällen fehlt auch hier die entsprechende Angabe. 1 150px|Boğazköy 1, Photographie von Hugo Winckler 1907 Hugo Winckler fand den Block 1907 bei Schachtarbeiten für ein Grabungshaus am Abhang über dem Haus am Hang. Quaderförmiger Block mit einer Einlassung auf der Oberseite, vermutlich die Aufnahme für den Aufstellzapfen einer Statue oder einer Stele. Das Relief, das als Hieroglypheninschrift interpretiert wird, befindet sich auf einer Seitenfläche. Der Stein bildete wahrscheinlich ein Paar mit BOĞAZKÖY 2. Auf der Vorderseite das Relief einer Figur in einer langen Robe mit einer Rundkappe auf dem Kopf, von der ein Schleier herabfällt. Der Kleidung nach scheint es sich um eine Frau zu handeln. Rechts vor der Gestalt ist ein Gegenstand zu sehen, in dem Hawkins eine geschmückte Basis erkennt, auf der ein doppelbogiges Element steht. Er interpretiert es als Piktogramm mit der Bedeutung „Diese Stele“. Hinter der Figur geben zwei Hieroglyphen den Namen und Titel der Person an, drei weitere die Widmung. Die Figur selbst setzt Hawkins mit dem EGO-Zeichen („Ich“) 30x30px der luwischen Hieroglyphen gleich. Übersetzung: Diese Stele habe ich, …, der Schalenträger, aufgestellt. Die Lesung der Namenshieroglyphe ist unsicher. Der Schalenträger scheint ein Hofbeamter gewesen zu sein. Hugo Winckler, 1907Hugo Winckler: Vorläufige Nachrichten über die Ausgrabungen in Boghaz-köi im Sommer 1907. 1. Die Tontafelfunde. In: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft zu Berlin. Nummer 35, 1907, S. 1–59, hier S. 57–58.