Der Nashornalk (Cerorhinca monocerata) ist eine Art aus der Familie der Alkenvögel, die zusammen mit anderen Meeresvögeln in großen Kolonien brütet. Der Name Nashornalk leitet sich von einer hornartigen Wulst auf dem Schnabel ab, die nur während der Brutperiode sichtbar ist.

Der Nashornalk ist der einzige rezente Vertreter der Gattung Cerorhinca. Es werden keine Unterarten für diese Art anerkannt.

Die Bestandssituation des Nashornalks wurde 2016 in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN als „“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.Factsheet auf BirdLife International

Erscheinungsbild Der Nashornalk ist ein mittelgroßer Alkenvogel und erreicht eine Körperlänge von 35 Zentimeter. Die Männchen sind mit durchschnittlich 510 Gramm etwas schwerer als die Weibchen, die durchschnittlich 457 Gramm wiegen.Gaston et al., S. 271 In ihrer Gestalt erinnern sie etwas an Papageitaucher, jedoch hat diese Art einen rundlicheren Kopf und vor allem einen mächtigeren Schnabel. Nashornalken nehmen an Land selten eine aufrechte Körperhaltung ein, sondern ruhen auf ihren Läufen, der Oberkörper ist dabei fast in der Horizontalen. Gelegentlich berühren sie den Boden auch mit dem Sternum. Die Iris ist hell gelb, die Beine und Zehen sind gelb mit bräunlicheren Schwimmhäuten und schwarzen Zehennägeln.

Im Prachtkleid ist der Nashornalk auf der Körperoberseite rußig braungrau, Kehle, Halsseiten und Brut sind etwas aufgehellt. Der Bauch ist weißlich. Ähnlich wie die Aethia-Arten weist auch der Nashornalk verlängerte weiße Gesichtsfedern auf. Sie verlaufen in einer Linie vom Auge bis in den Nacken, eine zweite Linie verlängerter Gesichtsfedern verläuft von der Schnabelbasis in Richtung des Mantels. Der Schnabel ist orange. Der hornartige Wulst liegt über den Nasenlöchern und kann eine Länge von bis zu 25 Millimeter haben.Gaston et al., S. 270 Das Schlichtkleid ähnelt dem Prachtkleid, es fehlt jedoch der Schnabelwulst und die verlängerten weißen Gesichtsfedern. Der Schnabel ist von einem matten Braun, der Bauch ist dunkler als im Prachtkleid gefärbt.

Jungvögel gleichen adulten Nashornalken im Schlichtkleid, jedoch ist ihr Schnabel etwas kürzer und schlanker. Die Körperoberseite ist dunkel schwarzbraun mit dunkelgrauen Kopfseiten, die Kehle ist etwas aufgehellt und eine scharfe Linie trennt die dunklere Oberbrust von der weißen Brust und dem weißen Bauch. Letzteres weist einzelne graue Federn auf, die eine undeutliche Querzeichnung bilden.

Stimme Nashornalken haben ein sehr umfangreiches Rufrepertoire. Während der Brutzeit sind in den Kolonien nachts Rufe zu hören, die entfernt an das Muhen von Kühen erinnern. Zum Repertoire gehören außerdem kurze, bellende Rufe sowie einzelne Laute, die aus den Nistbauen zu vernehmen sind. Ein rauer, quietschender Ruf wird von Vögeln auf hoher See ausgestoßen, die sich bedroht fühlen.Gaston et al., S. 275

Die Ruffrequenz in den Brutkolonien ist sehr hoch. Es wird vermutet, dass sich dort auch die Paarbildung noch nicht brütender Vögel vollzieht und dass deshalb so viele Rufe zu vernehmen sind.Gaston et al., S. 279

Verbreitungsgebiet mini|Schwimmender Nashornalk Das Verbreitungsgebiet des Nashornalken ist der Nordpazifik. Er brütet auf Inseln von den Aleuten bis in den Norden von Honshū sowie an der Ostküste des Pazifiks bis zur Küste Kaliforniens. Zwischen der Alaska-Halbinsel und dem Norden Japans kommt die Art jedoch nur vereinzelt vor.Gaston et al., S. 271 und S. 272

Während der Brutzeit werden Nashornalke überwiegend in Gewässern mit einer Oberflächentemperatur zwischen fünf und 16 Grad Celsius beobachtet.Gaston et al., S. 275 In Asien befindet sich eine der großen Brutkolonie auf der Teuri Insel (天売島), die vor der Westküste Hokkaidōs liegt. Dort brüten mehr als 350.000 Individuen. Die übrigen Kolonien an der asiatischen Küste des Pazifiks sind deutlich kleiner und umfassen lediglich einige tausend Brutvögel. Sie befinden sich auf Inseln vor der Koreanischen Halbinsel, vor der Region Primorje, Sachalin und im Süden der Kurilen. An der nordamerikanischen Küste befinden sich die meisten Brutkolonien vor der Küstenlinie des US-amerikanischen Bundesstaates Washington, British Columbia und dem Südosten Alaskas. Zu den südlichsten Brutkolonien zählen die auf Farallon-Inseln, die 43 Kilometer westlich von Golden Gate liegen, sowie die auf Año Nuevo Island.Gaston et al., S. 272

Nach der Fortpflanzungszeit verlassen Nashornalke in der Regel die Region ihrer Brutkolonien und ziehen weiter nach Süden. Vor der Westküste von Vancouver Island können Nashornalke vor allem im August bis September beobachtet werden. Ein großer Teil der nordostpazifischen Nashornalke überwintert vor der kalifornischen Küstenlinie.Gaston et al., S. 274 An der Westküste des Pazifiks ist die Zugbewegung der Nashornalke nicht ganz so ausgeprägt. Im Winterhalbjahr werden Nashornalke vor der Küste von Tokyo beobachtet und sie erreichen gelegentlich auch Kyūshū sowie die Küste Nordostchinas.Gaston et al., S. 272

Nahrung Nashornalken fressen hauptsächlich Fisch wie Sandaale oder junge Heringe, aber auch Krebstiere und Kalmare. Während ihrer Nahrungssuche halten sie sich vorwiegend in der Region von Kontinentalschelfen auf. Generell suchen sie ihre Nahrung fernab der Küste und nur während der Brutzeit sind sie auch in Küstennähe zu sehen. Ausnahmen stellen Buchten oder Sunden wie der Puget Sound oder die Monterey Bay, wo sie auch außerhalb der Brutzeit zu sehen sind.Gaston et al., S. 275 Sie präferieren Gewässer mit einer Tiefe von weniger als 15 Meter und finden ihre Nahrung eher in den mittleren Gewässertiefe und nicht am Gewässerboden. Die Tauchtiefe kann bis zu 60 Meter betragen, sie finden ihre Nahrung jedoch gewöhnlich in einer Tiefe von zehn Meter. Die Tauchlänge in flachen Gewässern beträgt 45 Sekunden, wobei sie durchschnittlich knapp 11 Sekunden zwischen den einzelnen Tauchgängen pausieren.Gaston et al., S. 275 Nach Nahrung suchen sie nur während des Tages und in der Dämmerung. Während der Nahrungssuche sind sie häufig mit Schwärmen anderer Seevögel assoziiert, darunter Silberalken, Trottellumme, Dreizehenmöwe, Pazifiktaucher und Kormorane. Es gibt keine Hinweise, dass Nashornalke bei der Nahrungssuche zusammenarbeiten, indem sie die Fischschwärme beispielsweise gezielt zusammentreiben.Gaston et al., S. 275 bis S. 277

Fortpflanzung Kolonien Nashornalke brüten bevorzugt auf Insel, die mehrere tausend Hektar umfassen und die bewaldet sind oder einen dichten Grasbewuchs aufweisen. Die Vögel kehren zu den Brutkolonien vor der kalifornischen und japanischen Küste bereits im Februar zurück, an Küste von Washington und British Columbia dagegen erst im März und im Alaska im April. Sobald die Jungvögel flügge geworden sind, nimmt die Anzahl der sich in den Brutkolonien aufhaltenden Nashornalke deutlich ab. Einzelne Vögel kehren jedoch zu ihren Bauen noch mehrere Wochen nach dem Ausfliegen der letzten Jungvögel zurück.Gaston et al., S. 279

mini|Gelbschopflunde verdrängen gelegentlich Nashornalken Nashornalke kehren in die großen Brutkolonien überwiegend während der Nacht zurück. In einigen Gebieten sind sie allerdings auch dämmerungsaktiv und es gibt vereinzelte Brutkolonien, die auch während des Tage von den Nashornalken aufgesucht werden.Gaston et al., S. 277 In den Brutkolonien, die nur nachts von den Nashornalken besucht werden, versammeln sie sich vier Stunden, bevor sie dort in dichten Schwärmen auf den Gewässern in der Nähe der Kolonieanlanden. Mit Beginn des Sonnenuntergangs beginnen die ersten Nashornalken über den Kolonien zu kreisen und landen dort etwa 60 bis 90 Minuten nach Sonnenuntergang. Am Morgen verlassen die ersten Brutvögel die Kolonie zwei Stunden vor Sonnenaufgang, wobei die meisten Vögel dafür die letzte Stunde vor Sonnenaufgang nutzen. An nebligen Tagen verbleiben allerdings einzelne Vögel auch noch nach der Dämmerung in den Kolonien.

Aggressives Verhalten zwischen den Nashornalken kommt in den Kolonien häufiger vor. Verteidigt wird ein schmaler Pfad zum Bau und gewöhnlich auch eine etwas erhöht liegende Stelle in der Nähe des Baues, die die Nashornalke für den Abflug nutzen. Zum Aggressionsverhalten gehört ein Nachlaufen hinter einem anderen Vogel, wobei die Flügel angehoben sind. Gelegentlich ergreifen sie einander an den Schnäbel und versuchen mit den Füßen den Bauch des anderen Vogels aufzukratzen. Jungvögel werden gelegentlich von anderen Nashornalken getötet, wenn sie im falschen Bau Zuflucht suchen.Gaston et al., S. 278 und S. 279 Gelegentlich nisten sie in denselben Kolonien wie Aleutenalk oder Gelbschopflund. Dabei zerbrechen Nashornalke gelegentlich gezielt die Eier von Aleutenalken oder töten gar deren Jungvögel.Gaston et al., S. 279 Auf den Farallon-Inseln werden sie dagegen von den Gelbschopflunden vertrieben. Auf der japanischen Insel Teuri verdrängen Nashornalken auch Japanmöwen.

Niströhre Nashornalken brüten in Bauen, die zwischen einem und fünf Meter tief sind und unter Gras, niedrigem Gebüsch oder Baumwurzeln liegen. Auf Protection Island, einer Insel vor der Küste Washingtons, befinden sich die Baue gewöhnlich mehr als zehn Meter über Meeresniveau. Auf zwei Quadratmeter findet sich dort ein Bau. Bei den Brutkolonien, die auf Inseln vor British Columbia und dem Südosten Alaskas liegen, finden sich Baue bis zu zweihundert Meter über Meeresniveau. Dort liegen sie in den Wälder, der Boden ist nur spärlich bewachsen. Zum Graben der Baue setzen Nashornalken Schnabel und Krallen ein, beide Elternvögel sind am Graben beteiligt. Pro Nacht, in denen sie graben, verlängern sie die Niströhre um bis zu achtzehn Zentimeter.Gaston et al., S. 280

Gelege und Jungvogel mini|Jungvogel des Nashornalkes Der Zeitpunkt der Eiablage ist abhängig von der geographischen Breite. Bei den Brutkolonien vor der Küste Kaliforniens fällt der Höhepunkt der Eiablage auf Mitte April, vor Alaska dagegen auf Ende Mai bis Anfang Juni.Gaston et al., S. 280 Die vorherrschenden Wetterbedingungen beeinflussen jedoch die Eiablage. So unterschied sich der Höhepunkt der Eiablage auf der japanischen Insel Teuri in zwei Beobachtungsjahren vom 25. Mai auf den 8. Juni. Ursache dieser Verschiebung war eine anhaltende Schneedecke.Gaston et al., S. 280 Wie für viele Alkenvögel typisch legen Nashornalken nur ein Ei. Dieses ist elliptisch, weißlich und weist schwache lilafarbene oder violette Flecken auf. Ein frisch gelegte Ei wiegt durchschnittlich 77 Gramm, was etwa 16 Prozent der Körpermasse eines ausgewachsenen Nashornalkes entspricht.Gaston et al., S. 280 Die Brut beginnt sofort nach der Eiablage, wird aber gelegentlich für bis zu vier Tage unterbrochen. Dies hat keine Auswirkung auf die Schlupfrate. Es sind beide Elternvögel an der Brut beteiligt, wobei sie sich in der Regel in Intervallen von 24 Stunden ablösen. Beide Elternvögel weisen je zwei Brutflecken auf. Die durchschnittliche Brutdauer beträgt 45 Tage.