mini|Karte des Gazastreifens im Dezember 2012 Die israelische Sperranlage um den Gazastreifen () verläuft entlang der Grünen Linie zwischen dem Gazastreifen und Israel, wie im ägyptisch-israelischen Waffenstillstand von 1949 am Ende des Krieges um Israels Unabhängigkeit festgelegt. Sie stellt das Pendant zur Sperranlage zum Westjordanland dar. Die Sperranlage hat drei Grenzübergänge: Erez, den hauptsächlich für Beförderung von Gütern nach Israel ausgelegten Kerem Schalom und Rafah in Richtung Ägypten.
Zielsetzung Israel hat den Bau der Anlage mit der Abwehr der Infiltration von Terroristen und Selbstmordattentätern aus dem Gazastreifen in den westlichen Negev sowie der Erschwerung des Schmuggels aus Ägypten begründet. Menschenrechtsorganisationen haben Israel vorgeworfen, durch den Bau die Situation der im Gazastreifen lebenden, aber außerhalb arbeitenden Pendler zu erschweren.
Zwischen 1994 und 2004 überwand ein palästinensischer Selbstmordattentäter die Anlagen, er verübte einen Anschlag in Aschdod am 14. März 2004.
Aufgrund der Sperranlage änderte die Hamas ihre Taktik. Seit 1994 wurde ein Tunnelsystem errichtet, das unter anderem als Waffenlager sowie für den Abschuss von Mörsergranaten und Qassam-Raketen dient. Daraufhin modernisierte Israel seine Grenzanlagen, um auch den Tunnelbau zu unterbinden.
Eigenschaften mini|Frühere Sperranlage (im Jahr 2005) in der Nähe des Übergangs Karni Die 52 Kilometer lange Anlage wurde 1994 unter dem israelischen Regierungschef Jitzchak Rabin errichtet. Sie besteht hauptsächlich aus einem Zaun mit Posten, Sensoren und Pufferzonen.
Auf der Israel abgewandten Seite des Zaunes beansprucht Israel eine zwischen 100 und 300 Meter breite Beobachtungszone, sie darf von Bauern zu Fuß betreten werden. Die ihr vorgelagerte Gefahrenzone hat eine Ausdehnung von 1000 bis 1500 m. (PDF; 18,8 MB) Auch auf der inwärtigen Seite ließen die israelischen Streitkräfte einen Streifen entlang der Anlage räumen.
Entlang der ägyptischen Grenze bei Rafah wurde auf der Philadelphi-Route eine Stahlbetonmauer errichtet, die mit zahlreichen bewaffneten Posten ausgestattet ist. Dort war es in der Vergangenheit oftmals zu Zusammenstößen zwischen Angehörigen der israelischen Streitkräfte und Palästinensern gekommen. Der Befestigungsbau sollte die israelischen Soldaten vor Beschuss schützen und den Schmuggel von Waffen zwischen Ägypten und dem Gazastreifen unterbinden. Diese Grenze steht aber seit 2005 unter ägyptischer Kontrolle.
Von Frühjahr 2019 bis Ende des Jahres 2021 wurde die Sperranlage umfassend ausgebaut und modernisiert (siehe Abschnitt Geschichte).
Übergänge Siehe auch: Tunnel vom Gazastreifen nach Israel, Grenzübergang Erez, Grenzübergang Kerem Schalom und Grenzübergang Rafah.
Die Sperranlage ist lückenlos und ermöglicht den Durchgang nur an dafür bestimmten Übergängen. Nach Israel waren dies Erez, Nachal ʿOz (für Treibstoff), Sufa, Kissufim, der hauptsächlich für Beförderung von Gütern ausgelegten Kontrollpunkt Karni und nach Ägypten der Übergang Rafah. Nach dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen wurde der Übergang Kissufim im August 2005 geschlossen. Der Übergang Sufa folgte im September 2008, er wurde aber noch einmal im März und im April 2011 geöffnet. Nachal ʿOz wurde im Januar 2010 geschlossen und Karni im März 2011. Für die Versorgung des Gazastreifens blieb der Übergang Kerem Schalom. Der Übergang Erez ist nur für Personen ausgelegt. Bis Dezember 2012 galt dies auch für den Übergang Rafah.
Laut Angaben des UN-Nothilfekoordinators reduzierte sich der Personenverkehr von und nach Gaza seit 2004 von 521.277 Personen auf 85.453 Personen im Jahr 2014. Von und nach Ägypten reduzierte sich die Anzahl der Grenzübertritte von 419.899 Personen 2012 auf 97.690 im Jahr 2014 aufgrund der restriktiven Maßnahmen seitens Ägyptens, die 2013 kurz nach der Machtübernahme durch As-Sisi in Kraft traten.Gaza, ein Landstrich im Abseits Teil 2 (deutsch)
Geschichte In der Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung vom 13. September 1993 wurde auch vereinbart, dass Israel weiterhin die Kontrolle über den Luftraum, die Landgrenze und die Hoheitsgewässer des Gazastreifens behält.
Mit dem Bau der 60 Kilometer (37 Meilen) langen Barriere wurde 1994 begonnen. Im Interimsabkommen vom 24. September 1995 wurde vereinbart, dass der Sicherheitszaun von der Palästinensische Autonomiebehörde akzeptiert wird und keine Festlegung einer Grenze darstellt.
Der Sicherheitszaun wurde 1996 fertiggestellt. Er wurde zwischen Dezember 2000 und Juni 2001 während der 2. Intifada ausgebessert, und es wurden eine einen Kilometer breite Pufferzone hinzugefügt sowie Beobachtungsposten eingerichtet.Jerusalem Center of Public Affairs, englisch, abgerufen am 7. August 2018.
Im August 2017 wurde beschlossen, bis 2019 die Sperranlage um eine bis zu 40 Meter in den Boden reichende unterirdische Mauer zu ergänzen: Das 60 Kilometer lange Bauwerk, an dem Sensoren angebracht sind, die melden, wenn der Beton beschädigt wird oder in der Nähe gegraben wird, ist die Reaktion auf den anhaltenden Tunnelbau der Hamas. Sie soll die Bedrohung der israelischen Ortschaften nahe dem Gazastreifen minimieren, indem sie das unterirdische Eindringen von Terroristen auf israelisches Staatsgebiet verhindert. Die Kosten belaufen sich auf fast 40 Millionen Euro pro Kilometer. Die Hamas kündigte an, dass die unterirdische Mauer „die Fähigkeit des Widerstandes nicht einschränken“ werde und die Hamas „Lösungen finden würden, um diese zu umgehen“.Israelnetz.de vom 13. Oktober 2017: Mauer gegen Terror
Im Mai 2018 wurde mit dem Bau einer Seesperre begonnen, die das Eindringen vom Mittelmeer aus verhindern soll. Die Barriere entsteht an der nördlichen Grenze des Gazastreifens und besteht aus drei Komponenten: einer Unterwasserebene, die von einer Schicht aus steinernen Wellenbrechern und einem Stacheldrahtzaun auf dem Kamm überragt wird. Die Barriere soll zudem von einem befestigten Zaun umgeben sein.Israel baut Seesperre zum Schutz vor Terrorischen In: Israelnetz.de, 28. Mai 2018, abgerufen am 3. Juni 2018.Schutz vor Hamas – Israel baut Grenze durchs Meer In: FAZ-net, 27. Mai 2018, abgerufen am 7. April 2020.
Das israelische Verteidigungsministerium gab am 3. Februar 2019 einen Ausbau und die Modernisierung der Sperranlage bekannt. Seit der Fertigstellung Anfang Dezember 2021 umschließt der auf 65 Kilometer ausgeweitete hochtechnologische Zaun den Gazastreifen vollständig. Zu dem sechs Meter hohen Grenzzaun gehören neben Kameras und Radaranlagen unterirdische Sensoren zum Aufspüren von Tunnelbauten sowie Unterwassergeräte dort, wo der Zaun ins Meer verläuft. Die Absperrung kostete etwa 3,5 Milliarden Schekel (umgerechnet etwa eine Milliarde Euro).
Anschläge Auf die Sperranlage haben palästinensische Terroristen immer wieder Anschläge verübt. Im Rahmen des Terrorangriffs der Hamas auf Israel Anfang Oktober 2023 zerstörten und überwanden mehrere hundert Bewaffnete die Grenzanlagen und drangen auf israelisches Staatsgebiet vor.
Proteste an der Grenze von Gaza, 2018 350px|mini|Gazastreifen und Zahlen palästinensischer Opfer der Proteste, inzwischen veralteter Stand vom 31. Mai 2018 Am 30. März 2018 begannen Proteste in der Nähe der Sperranlage, die gemäß der UN-Menschenrechtskommission von Ahmed Artema auf Facebook als friedliche Demonstrationen initiiert wurden.United Nations Human Rights Council, „Report of the independent international commission of inquiry on the protests in the Occupied Palestinian Territory“, eingesetzt per UN-Resolution S-28/1, pdf, 25. Februar 2019, S. 186 f.: „The Commission has verified that the map in question originated from a post on the Facebook page, 'The Great March of Return', which was setup in January 2018 by the activist, Ahmed Abu Artema (see the above section on the origins of the demonstrations). (...) In these posts, the Commission found no calls for violence or to cause harm to Israeli civilians, and in earlier posts the page consistently called for peaceful assembly. (...) The ISF and other organizations also drew an association between this Facebook post and some social media posts by Palestinians who called for explicit violence once in Israeli villages. The Commission reviewed the separate posts inciting violence, but found that the individuals who made these posts were not affiliated with the Great March of Return organizers.“ Fünf Zeltlager wurden für diese Zeit errichtet. Am ersten Tag dem Marsch der Rückkehrer nahmen ca. 30.000 Palästinenser teil. Der zweite große Protest fand am 6. April 2018 als Tag des Reifens mit ca. 20.000 Teilnehmern statt.Armee: Hamas trägt die Verantwortung In: Israelnetz.de, 9. April 2018, abgerufen am 7. August 2018. Größere Proteste mit zunächst mehr als 10.000 Teilnehmern gab es an den folgenden Freitagen.Vier Tote bei Gewalt in Grenzregion In: Israelnetz.de, 20. April 2018, abgerufen am 8. August 2018.
Opferzahlen Der Bericht der UN-Menschenrechtskommission gibt 189 Todesopfer auf palästinensischer Seite an, nahezu alle durch scharfe Munition getötet, darunter 35 Kinder, zwei Journalisten und drei Mitarbeiter des GesundheitswesensUnited Nations Human Rights Council, „Report of the independent international commission of inquiry on the protests in the Occupied Palestinian Territory“, eingesetzt per UN-Resolution S-28/1, pdf, 25. Februar 2019, S. 104 f. m. Anm. a; taz, UN-Rat befürchtet „Kriegsverbrechen“, 28. Februar 2019., wobei der Fall der 21-jährigen Rettungshelferin Rouzan al-Najjar ein weltweites Medienecho fand.New York Times, „A Woman Dedicated to Saving Lives Loses Hers in Gaza Violence“, 2. Juni 2018; NBC News, „Protests resume after Palestinian paramedic's Gaza funeral“, 1. Juni 2018; The Guardian, „Mother of shot Gaza medic: ‘She thought the white coat would protect her’“, 8. Juni 2018; Times of Israel, „UN official condemns ‘reprehensible’ killing of Gaza medic“, 3. Juni 2018; Le Monde, „Emotion à Gaza à la suite de la mort d’une infirmière, tuée par l’armée israélienne“, 3. Juni 2018; Frankfurter Allgemeine Zeitung, „Trauer um erschossene Sanitäterin“, 3. Juni 2018; Bild, „Palästinensische Sanitäterin bei Protesten erschossen“, 3. Juni 2018; Neue Zürcher Zeitung, „Geraubte Friedenshoffnung in Gaza“, 4. Juni 2018; O Globo, „Disparo de soldados israelenses mata voluntária palestina na Faixa de Gaza“, 1. Juni 2018; Al Jazeera, „Israeli forces 'deliberately killed' Palestinian paramedic Razan“, 18. Juni 2018; Haaretz, „Anonymous Snipers and a Lethal Verdict“, 5. Juni 2018; +972 Magazine, Orly Noy, „In Memory of Razan al-Najjar“, 3. Juni 2018; Middle East Monitor, „Who killed Razan al-Najjar?“, 2. Juni 2018: „The death of the 21-year-old volunteer paramedic sent shockwaves around the world, not least because Razan had become an iconic symbol before she was shot dead.“