Die Katla ([]) ist einer der aktivsten Vulkane in Island. Er liegt unter dem Gletscherschild des Mýrdalsjökull im Süden des Landes.
Namensgebung: Volkssage Der Name Katla ist eine weibliche Ableitung des isländischen ketill (deutsch „Kessel“), aber auch ein in Island geläufiger Frauenname.Ásgeir Blöndal Magnússon: Íslensk Orðsifjabók. Reykjavík 1989, S. 450 [etymologisches Wörterbuch], eigene Übertragung ins Dt.Katla. Nordic Names Wiki – Name Origin, Meaning and Statistics (englisch); abgerufen am 21. April 2010.
Nach einer Volkssage besaß Katla, eine für ihr bösartiges Temperament berüchtigte Arbeiterin in dem nahe gelegenen Þykkvabæjarklaustur Wunderhosen, die denjenigen niemals ermüden ließen, welcher sie trug. Ein Hirtenjunge namens Barði lieh sich die Hosen jedoch ohne die Erlaubnis Katlas aus, weil er Schafe in den Bergen suchen musste. Als er mit den Tieren zurückkam, tötete Katla ihn und ließ seine Leiche in einer Tonne mit Skyr, einem isländischen Magerquark, verschwinden. Als der Skyr im Laufe des Winters zur Neige ging, fürchtete Katla, entdeckt zu werden, lief auf den benachbarten Berg, verschwand darin und löste einen Gletscherlauf des Vulkans aus. Die etwa fünf Kilometer lange Ausbruchsspalte Kötlugjá oben auf dem Gletscher ist ebenfalls nach ihr benannt.Willhardt, Sadler: Island. 2003, S. 342.
Geografie Der Vulkan liegt im Süden Islands gut 50 km östlich des Ortes Hvolsvöllur und etwa 10 km nördlich des Dorfes Vík í Mýrdal. Er ist größtenteils vom Mýrdalsjökull bedeckt, der mit einer Oberfläche von 580 km² viertgrößten Gletscherkuppe Islands.
Topographie und Geologie mini|links|hochkant=1.5|Lage der Katla-Caldera Katla ist der zentrale Vulkan eines Vulkansystems, das etwa 100 km lang ist. Das vom Zentralvulkan beherrschte vulkanische Spaltensystem reicht von der Eldgjá im Nordosten bis zu den der Südküste vorgelagerten Westmännerinseln.
Der Zentralvulkan befindet sich am östlichen Rand der östlichen Vulkanzone, oberhalb einer Kreuzung der linearen Riftzone und eines steilen Anstiegs der Erdkrustendicke.Werner Schutzbach: Katla, die Geschichte eines isländischen Vulkans. Reykjavík 2005, S. 7 (siehe auch: Geologie Islands)
Die 200 bis 700 m dicke Eisplatte des Gletschers Mýrdalsjökull füllt auch die Caldera aus. Die Schlote in der aktivsten Vulkanspalte Kötlugjá werden ebenfalls vom Eis bedeckt. Derzeit umfasst die Caldera zirka 80 km² bei 10 km Breite und 14 km Länge entlang einer Achse in NW-SO-Richtung sowie 500 bis 700 m Tiefe. Die Bergspitzen an ihrem Rand, zumeist rhyolitische Lavadome, sind bis zu hoch.Schutzbach, S. 11
Seismologische Experimente verweisen auf eine relativ knapp unter der Oberfläche (in 2 km Tiefe) bis in ca. 3 km Tiefe hinunterreichende Magmakammer mit einem Fassungsvolumen von ca. 10–12 km³.
Zwischen den Gipfeln am Calderarand reichen Talgletscher bis hinunter in die Ebenen und Täler. Die bekanntesten von ihnen sind Entujökull im Nordwesten und Sólheimajökull im Süden. Der mit Abstand größte Talgletscher ist der sich nach Osten ergießende Kötlujökull, der auch unter dem fälschlichen Namen Höfðubrekkujökull bekannt ist.
Vulkanische Aktivität mini|Mýrdalsjökull mit Katla aus Richtung Hvolsvöllur Der Vulkan brach in den letzten 1000 Jahren etwa zwanzig Mal aus, dabei durchschnittlich etwa zweimal pro Jahrhundert. Dabei ergossen sich enorme Gletscherläufe, sogenannte jökulhlaups, über das umgebende Tiefland, vor allem über den Mýrdalssandur.Ari Trausti Guðmundsson, Halldór Kjartansson: Land im Werden. 1996, S. 42
Bei dem Vulkan handelt es sich nach derzeitigem Wissensstand einerseits um den zweitgrößten von Island, andererseits auch um denjenigen, der einige der explosivsten Vulkanausbrüche in der Geschichte des Landes produziert hat.Thor Thordarson, Armann Holskuldsson: Iceland. Classic Geology in Europe 3. Harpenden 2002, S. 103.
Die durch das Zusammentreffen von Eis und Magma aufgrund der Lage unter dem Gletscher erzeugten hydromagmatischen Eruptionen der Katla sind sehr explosiv und haben neben beträchtlichen und weitreichenden Ascheniederschlägen besonders verheerende Gletscherläufe (isländisch: jökulhlaup) zur Folge.
Vorgeschichte Aktivitäten des Vulkans lassen sich über mindestens 200.000 Jahre zurückverfolgen. Dabei wurden große Mengen basaltischen Magmas produziert, aber auch nennenswerte Anteile an rhyolithischen Laven und Ignimbriten (wie z. B. auf dem Sólheimasandur) oder dazitische Tephra.
Rund um den Vulkan findet man die Spuren von über 100 basaltischen und mindestens zwölf rhyolithischen Tephralagen, die bei subglazialen Eruptionen von der Eiszeit bis zur Besiedelung von Island, d. h. in den letzten 10.000 bis 1.000 Jahren ausgeworfen wurden. Außerdem entdeckte man die Spuren von fünf bis zehn effusiven Eruptionen, bei denen hauptsächlich flüssige Lava am Nordrand des Mýrdalsjökull austrat.
Die Sólheimar-Eruption 10600 v. Chr. mini|Sólheimajökull Etwa 10600 v. Chr. fand der gewaltigste bekannte Ausbruch der Katla statt, die sogenannte Sólheimar-Eruption, die vom Typ her eine Plinianische Eruption war, die einzige bislang an diesem Vulkan nachgewiesene. Diese produzierte 10 km³ rhyolitischer Tephra. Lahare strömten über Mýrdal ebenso wie pyroklastische Ströme, was man an zahlreichen Haufen von vulkanischen Lockermaterialien und den sogenannten Sólheimar-Ignimbriten erkennt. Die Spuren von Lockermaterialien reichen weit nach Süden bis ins Meer und sind damit Anzeichen eines der gewaltigsten Ausbrüche, die in Island überhaupt bekannt sind.
Vermutlich hat sich die Caldera des Vulkans bei dieser Gelegenheit durch Einbruch einer Magmakammer während ihrer Entleerung gebildet oder sie ist zumindest stark vergrößert worden.
Die Aschen dieser Eruption findet man überall rund um den Nordatlantik und sie werden zur Tephrochronologie verwendet unter dem internationalen Namen „ash 1“, in Island Skóga-Tephra, in anderen skandinavischen Ländern Vedde-Tephra genannt.Thor Thordarson, Armann Holskuldsson: Iceland. Classic Geology in Europe 3. Terra, Harpenden 2002, S. 106
Eruption 822/823 n. Chr. Spät im Jahr 822 oder früh im Jahr 823 kam es im nordwestlichen Bereich des Mýrdalsjökull zu einem Ausbruch der Katla. Die Eruption verursachte einen Gletscherlauf, der ein Gebiet von ca. 600 km² überflutete, darunter das westlich der Katla gelegene besterhaltene prähistorische Waldgebiet Islands, das Birkenwäldchen Drumbabót. Anhand der bei der Überflutung unter einer 40–70 cm tiefen sandig-moorigen Schicht begrabenen und subfossil erhaltenen Baumstümpfe konnte 2017 das Ereignis datiert werden.
Das Ereignis fiel in die in Teilen Europas und Asiens besonders kalten und feuchten Jahre 821–824, die mit Ernteverlusten und Hungerkrisen verbunden waren. Wahrscheinlich waren die Eruption der Katla und weitere, nicht-lokalisierte Eruptionen in den Jahren zuvor hierfür die Ursache.
Eldgjá-Eruption in den 930er Jahren n. Chr. Eldgjá ist eine mit dem Vulkan Katla verbundene Vulkanspalte, die diskontinuierlich vom Mýrdalsjökull ausgehend fast bis zum Südwestrand des Gletschers Vatnajökull reicht. Ihr Zentrum bildet eine Ausbruchsspalte von acht Kilometern Länge und 150 m Tiefe, die Eldgjá, dt. die Feuerspalte, genannt wird. Dabei handelt es sich um ein altes Grabensystem, das bei dem historischen Ausbruch in den 930er Jahren über einen längeren Zeitraum reaktiviert wurde. Es gibt verschiedene Datierungen für den Beginn des Ausbruchs: am häufigsten wird 934 genannt,Thor Thordarson, Armann Hoskuldsson: Iceland. Classic Geology in Europe 3. Terra, Harpenden 2002, 109 jüngere Arbeiten weisen auf das Jahr 939 hin. Die Aktivität hielt wahrscheinlich bis mindestens in den Herbst 940 an. Die Eruption hatte auch einige explosive Phasen und sandte insgesamt etwa 219 Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre,Thor Thordarson, Armann Hoskuldsson: Iceland. Classic Geology in Europe 3. Terra, Harpenden 2002, 110 das ist die etwa 24-fache Menge der Eruption des Pinatubo von 1991.
Bei diesem ersten Ausbruch der Katla nach der Besiedelung Islands im 9. Jh. wurden etwa 18 km³ Lava produziert, die in zwei Strömen zum Meer floss. Dieses sog. Eldgjá-Hraun liegt inzwischen meist unter neueren Laven etwa der der Ausbrüche von Laki, z. B. nordwestlich von Kirkjubæjarklaustur, und man kann in der Eldgjá-Palagonitlage den Untergrund für nacheiszeitliche vulkanische Schlacken sehen, die teilweise von Lavafontänen stammen.
Eine Lavaflut ähnlich der der Eldgjá wurde auch durch das sogenannte Holmsá-Feuer im Jahre 6600 v. Chr. produziert.Thor Thordarson, Armann Hoskuldsson: Iceland. Classic Geology in Europe 3. Terra, Harpenden 2002, 106
Ab dem 12. Jahrhundert mini|Südliche Gletscherzunge Sólheimajökull Hier konzentriert sich die vulkanische Aktivität der Katla auf die Vulkanspalte Kötlugjá.Thor Thordarson, Armann Hoskuldsson: Iceland. Classic Geology in Europe 3. Terra, Harpenden 2002, 105
Während im ausgehenden Mittelalter die Quellenlage eher schlecht ist, bessert sich dies in der Neuzeit. Relativ gut belegt sind die Ausbrüche von 1580, 1612, 1625, 1660, 1721, 1755, 1823, 1860 und 1918.
Die Ausbrüche waren sehr unterschiedlich stark. Vor allem die Eruptionen von 1262, 1625, 1721 und 1755 verursachten größere Schäden mit Tephra-Fall, der bis auf das skandinavische Festland reichte. Es wurden zahlreiche Bauernhöfe zerstört oder mussten verlegt werden, Weideland verödete großflächig aufgrund von Geschiebeablagerungen und Tephra fiel über Skandinavien und Westeuropa nieder.
Der Pfarrer Jón Steingrímsson, der als sog. Feuerprediger und Chronist der Vulkankatastrophe von Laki bekannt wurde, schrieb über den Ausbruch der Katla von 1660, dass dieser wenig Asche und Lockermaterialien produziert habe, aber dafür einen beträchtlichen Gletscherlauf zur Folge gehabt habe. Dabei wurden z. B. die Kirche und der Bauernhof Höfðabrekka von den Fluten mitgerissen. Daraufhin wurden alle auf dem Mýrdalssandur gelegenen Höfe aufgegeben und noch zur Zeit von Jón Steingrímsson am Ende des 18. Jahrhunderts war die Gegend unbesiedelt. Die heutzutage dort existierenden Höfe sind spätere Neugründungen.W. Schutzbach: Katla. Reykjavík 2005, S. 104 ff.
Im Jahre 1721 fand einer der größten explosiven Ausbrüche mit einem enormen Gletscherlauf statt. Die dadurch ausgelösten Wellen verursachten Schäden auch auf den Vestmannaeyjar (dt. Westmännerinseln). Nach den Annalen gab es allerdings keine Opfer unter den dortigen Bewohnern.
Spätere Ausbrüche sind unterschiedlich gut belegt und erforschbar. Einige mit geringfügigen Gletscherläufen und wenig Tephraniederfall fanden im 19. Jahrhundert statt (1823 und 1860).
Umstritten ist die immer wieder anzutreffende These, ein Ausbruch des Eyjafjallajökull von 1821 habe den Ausbruch der Katla 1823 vorbereitet.Múlakvíslarhlaupið -eldgos eða jarðhiti? Blogeintrag des Geologen Haraldur Sigurðsson, 13. Juli 2011 (isländisch).
Ausbruch 1918 mini|Ausbruch der Katla 1918 Die letzte eindeutig belegbare Eruption fand 1918 statt und hatte einen großen Gletscherlauf zur Folge. Man schätzt die Menge der auf seinem Höhepunkt über den Sander hinunter strömenden Flüssigkeit (Wasser und Schlamm) auf zirka 200.000 m³/s (zum Vergleich: Abflussvolumen an der Amazonasmündung 175.000 m³/s).
Dabei sammelte sich Tauwasser unter dem Gletscher, dieser trieb auf, das Wasser durchbrach die vordere Eisbarriere und ergoss sich mit ungeheurer Wucht auf den Mýrdalssander. Die dabei mittransportierten Eisklötze waren bis zu 200 Meter lang und 18 Meter hoch.
Der Ausbruch kündigte sich am 12. Oktober 1918 um 13 Uhr mit einem starken Erdbeben an. Etwa zwei Stunden später konnte man eine 14 km hohe Eruptionssäule aus der Kötlugjá aufsteigen sehen. Der Tephraausfall war so stark, dass er den Bauernhof Búlandssel in Skaftártunga zerstörte.