mini|Mozartdenkmal Salzburg
Das Mozartdenkmal auf dem Mozartplatz in Salzburg erinnert an den deutschen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791). Es wurde im Jahr 1842 im Auftrag der Stadt Salzburg nach Entwurf des Bildhauers Ludwig Schwanthaler im Stil des Klassizismus errichtet.
Geschichte Erste Denkmale an Mozart Wolfgang A. Mozart starb im Jänner 1791. Als erstes Denkmal an den einer Freimaurerloge angehörigen Komponisten gilt der sog. Mozarttempel in der steirischen Landeshauptstadt Graz. Er wurde schon 1792 von einem Logenbruder und Verehrer Mozarts, dem Kaufmann Franz Deyerkauf d. Ä., in dessen Privatgarten aufgestellt. Es handelt sich dabei um einen achteckigen Pavillon, der ursprünglich mit Fresken versehen war, die die Musen sowie Gott Apollo zeigten, der ein Bildnis Mozarts in die Höhe hob. Der Bau steht heute unter Denkmalschutz, ist aber öffentlich nicht zugänglich.
Als das nächstfolgend errichtete Denkmal an Mozart wird das Mozart-Denkmal im Schlosspark Tiefurt bei Weimar angesehen. Das von 1799 stammende Werk besteht in Form eines runden Altarsteins, auf dem eine Lyra und zwei Theatermasken in antiker Form (für Tragödie und Komödie) aufgesetzt sind. Der Stein trägt die Aufschrift Mozart und den Musen. Während im Grazer Denkmal Mozart selbst abgebildet war und auch mit weiteren Abbildungen allegorisch auf das Werk Mozarts Bezug genommen wurde, findet sich hier nur ein symbolhafter Bezug zu Mozarts Musik- bzw. speziell Bühnenmusikwerk.
Versuch der Errichtung eines Denkmals in Wien Der Wiener Musikverleger Sigmund Anton Steiner (1773–1838) hielt Joseph Haydn und W. A. Mozart für die Grundsäulen der TonkunstSo formuliert in der Allgemeinen musikalischen Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat in der Ausgabe vom 21. April 1819, zit. n. Rudolph Angermüller: Das Salzburger Mozart-Denkmal. Eine Dokumentation (bis 1845) zur 150-Jahre-Enthüllungsfeier. Salzburg, Internationale Stiftung Mozarteum, 1992, S. 15. und unternahm 1819 den Versuch, für die beiden Komponisten in Wien ein Denkmal errichten zu lassen, zumal es im ganzen Land bislang ein solches nicht gebe. Im Gegensatz zu den bereits bestehenden Denkmalen für Mozart in Graz und bei Weimar auf privatem Grund sollte dieses Monument an einer öffentlich zugänglichen Stelle stehen.
Die Kosten für die Errichtung sollten auf Subskriptionsbasis, also in einer historischen Form von Crowdfunding erfolgen. In der Allgemeinen musikalischen Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat schrieb Steiner im April 1819 sein Vorhaben aus und kündigte die Einrichtung einer Subskriptionsliste (Liste von Interessenten, die bei Zustandekommen einen finanziellen Beitrag leisten) an. In einer nachfolgenden Ausgabe der Zeitung berichtet Steiner diesbezüglich von regem Interesse. Welcher Gestalt das Denkmal für Haydn und Mozart sein sollte, blieb aber unbekannt. Steiner empfahl als Standort einen geschützten Raum und favorisierte das Innere einer Kirche. Antonio Salieri, damals k. k. Hofkapellmeister und oft als ein Gegner Mozarts angesehen, schlug die Wiener Karlskirche vor.
Sigmund Anton Steiner begründete Wien als Standort für das Denkmal mit der Tatsache, dass dies der Ort sei, in dem Mozart seine Hauptwerke verfasst hatte und die Stadt sein Sterbeort war. Der Plan des Musikverlegers kam jedoch nicht zur Ausführung, vermutlich aus letztlich zu geringem Interesse seitens potenzieller Geldgeber. Als später bereits die Planung zur Errichtung des Mozart-Denkmals in Salzburg im Gang war, gab es Stimmen aus Wien, die gegen die Aufstellung in Salzburg protestierten und neuerlich versuchten, ein solches nach Wien zu bringen. (Derartige, ebenfalls vergebliche Bemühungen hatte es dann auch in Prag gegeben.)
Entstehung und geistiger Hintergrund des Salzburger Denkmals mini|hochkant|Grab von Julius Schilling, dem Initiator des Denkmals, im Salzburger Petersfriedhof mini|hochkant|König Ludwig I. von Bayern, prominenter Förderer der Mozart-Statue mini|hochkant|Ludwig Schwanthaler, Bildhauer mini|hochkant|Johann Baptist Stiglmaier, Gießer und Zeichner Ab den 1820er- und 1830er-Jahren wurde es gewissermaßen Mode, berühmte Persönlichkeiten mit Denkmalen an öffentlichen Plätzen zu ehren. Bis zur Planung des Salzburger Mozart-Denkmals hatte es im deutschsprachigen Raum erst wenige Statuen von Künstlern und noch keines für einen Komponisten gegeben. Der Wunsch nach einem solchen für Mozart war auch schon nach dem 1819 vorgenommenen Versuch in Wien vereinzelt laut geworden, und die Errichtung eines Mozart-Denkmals wurde immer mehr geradezu als Pflicht empfunden:
Als Begründung für die Errichtung eines Denkmals für Mozart in Salzburg wird die Stadt als dessen Geburtsort genannt und der Umstand, dass Mozart dort seine erste musikalische Ausbildung erhielt. Auch wird bereits das Image Salzburgs zum Nutzen für den Fremdenverkehr entsprechend den Verhältnissen und im Geist der damaligen Zeit angesprochen:
Als geistiger Vater des Salzburger Mozart-Denkmals kann der aus Polen nach Salzburg zugewanderte Schriftsteller Julius Schilling (1800–1870) gelten, der im April 1835 in der Salzburger Zeitung einen Aufruf zur Errichtung einer Mozart-Statue abdrucken ließ (obige Zitate daraus). Schilling war Mitglied im Salzburger Museumsverein, einem Verein für Literatur, Konversation und Unterhaltung für gutsituierte Kreise,Die Bezeichnung Museum im Namen des 1811 bis 1872 existierendes Vereins bezieht sich auf die alte Wortbedeutung ‚Studiersaal, Lesesaal‘. Es handelte sich bei der Vereinigung ursprünglich um eine Art Lesezirkel und Salon für das honorige Bürgertum und um den einzigen gesellschaftlichen Treffpunkt von Bedeutung in Salzburg zu jener Zeit. Zum Verein vgl. Franz Martin: Die Museum-Gesellschaft. Salzburgs ältester Verein, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 75 (1935), S. 119–132, (online auf ANNO). der unter anderem auch karitativ tätig war und in dem Schilling Mitstreiter für seine Idee fand. Der Verein bzw. ein 1836 aus dessen Mitgliedern gegründetes Komitee, das sog. Mozart-Komitee, war in der Folge verantwortlich für die Entstehung und Errichtung des Denkmals. Mitglied im Komitee war neben Schilling unter anderem auch Alois Lergetporer, der Bürgermeister von Salzburg, sodass man mit ihm einen verlängerten Arm bei Magistratsentscheidungen aufzuweisen hatte.
Die Finanzierung des Vorhabens erfolgte zum einen in der Form, wie es auch für Wien vorgesehen gewesen war. Nach Genehmigung durch die Landesbehörde wurde 1836 ein erster allgemeiner Aufruf zur Subskription in Umlauf gebracht, wonach – damals eine häufiger angewandte Form des Sammelns von Geld für derlei Unternehmen – begüterte Persönlichkeiten sich als Spender in eine Liste eintragen lassen konnten. Erst wenn bei einem solchen Vorhaben ausreichend Mittel beisammen waren, wurden die Beträge dann tatsächlich bezahlt. Zum anderen wurden auch einige politische Führungspersonen und kulturelle Einrichtungen aus nah und fern persönlich kontaktiert. Spenden für das Denkmal kamen auch aus Einnahmen von Benefizkonzerten und Theateraufführungen, dabei aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Derartige Veranstaltungen wurden bis 1839 durchgeführt. Als 1837 eine Spendenaktion auch in München gestartet wurde, erklärte sich der Bildhauer Ludwig Schwanthaler bereit, den Entwurf und das Abgussmodell unentgeltlich anzufertigen. Gleichzeitig wurde auch die Möglichkeit angeboten, dem Gießer, Bildhauer und Zeichner Johann Baptist Stiglmaier, einem engen Mitarbeiter Schwanthalers, den Auftrag für den Guss zu erteilen.
Das Land Salzburg gehörte zur damaligen Zeit zwar bereits seit zwei Jahrzehnten zum Kaisertum Österreich, doch aus der Geschichte war man noch immer auch dem Königreich Bayern zugewandt. Es dürfte der damals regierende König Ludwig I. (1825–1848) – der in seinen Jahren als Kronprinz im Salzburger Schloss Mirabell residiert hatte – maßgeblich am Zustandekommen der Mozart-Statue mitgewirkt haben. Er gab bedeutende materielle Unterstützung, Schwanthaler und Stiglmaier standen in erster Linie in seinen Diensten und außerdem war er es, der kolossale Standbilder liebte und zu jener Zeit etliche solcher aufstellen ließ. Schillings Ansinnen auf die Errichtung eines Mozart-Denkmals war zuerst durchaus bescheidener gewesen; in seinem Aufruf von 1835 hätte das Denkmal ihm vorerst genügt, „wenn es für jetzt auch nur ein einfacher Stein an dem Hause seiner Geburt wäre“. Angeblich hat aber Ludwig I. dem Komitee „ein dem Auge sich sogleich selbst bemerkbar machendes Denkmal im Freyen“So nach Schaffer: Ein Mozartdenkmal für Salzburg. Online-Dokument (s. Literatur). Eine nähere Quellenangabe wird dort nicht gegeben. empfohlen.
Bevor man mit Schwanthaler und Stiglmaier einen Vertrag abschloss, hatte man sich auch um Künstler mit mehr Bezug zu Österreich umgesehen, es gab aber auf die Ausschreibung hin keine Reaktionen. In dieses Bild von Desinteresse oder Ablehnung dem Ansinnen Salzburgs gegenüber passt auch der Umstand, dass Angehörige des bayerischen Hofes beim Guss der Statue, bei einer feierlichen Aufrichtung derselben in München und auch bei der Enthüllungsfeier in Salzburg anwesend waren, bei dem Fest aber kein einziges Mitglied des Hauses Habsburg zugegen war.Hahnl 1992 (s. Literatur), S. 116.
Neben dem Trend, Berühmtheiten ein öffentliches Denkmal zu setzen, war ein zusätzlicher Faktor für die Errichtung eines Mozart-Denkmals die Rückbesinnung Salzburgs auf bessere Zeiten.Vgl. Mielichhofer 1843 (s. Literatur), S. 8f. Die Stadt Salzburg war ja mit dem Verlust der weltlichen Macht des Erzbischofs 1803 und – nach einer turbulenten Phase bis 1816 erst als Kurfürstentum, dann unter französischer Verwaltung stehend und letztlich als Teil Bayerns – mit der neuen Zugehörigkeit zu Österreich, und dabei „nur“ als Teil des heutigen Landes Oberösterreich, von einer europäischen Metropole zu einer relativ bedeutungslosen Provinzstadt gesunken. Zum einen wollte man mit der Errichtung eines derartigen Denkmals an die Blütezeit anknüpfen und zum anderen erhoffte man sich auch einen vermehrten Zulauf nach Salzburg und damit vermehrte finanzielle Einnahmen.Vgl. Schaffer: Ein Mozartdenkmal für Salzburg. Online-Dokument (s. Literatur).
Letztlich war auch ein gewisses Schuldgefühl Mozarts gegenüber vorhanden.
Tatsächlich hat der letzte Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo „historiographisch gesehen keine gute Presse, nicht zuletzt, weil er Mozart so schlecht behandelt hat“Herbert Rosendorfer: Salzburg für Anfänger. Nymphenburger Verlag, München 2003, ISBN 3-485-00962-8, S. 9. und letztlich auf dessen Kündigungsschreiben „mit einem Fußtritt“Herbert Rosendorfer: Salzburg für Anfänger. Nymphenburger Verlag, München 2003, ISBN 3-485-00962-8, S. 11. reagierte. Mozart ging sodann nach Wien und besuchte Salzburg nur noch ein Mal.
Aufstellung mini|Der Michaelsplatz um 1780 mit dem noch vorhandenen Brunnen mini|Ein Teil des Acheloos-Mosaiks, das bei Fundamentarbeiten gefunden wurde