Paul Emil Smolny (* 23. Juni 1896 in Berlin; † 25. Januar 1950 in Oberhausen), meist Paul Smolny, war ein deutscher Theater-Schauspieler, Dramaturg, Regisseur und Intendant.

Leben

Frühe Jahre in Berlin, Bern, Freiburg und Wuppertal Sein Vater war der Arbeiter Gottfried Smolny, seine Mutter Auguste Therese Smolny geborene Raabe, beide evangelischer Religion.Geburtsurkunde Nr. 1195, Landesarchiv Berlin; Berlin, Deutschland; Personenstandsregister Geburtsregister, [mit Hinweis „verstorben am 25.1.1950, St. A. Oberhausen Nr. 74/1950“] abgerufen von Ancestry.com (15. Juli 2024). Im Studium beschäftigte er sich mit Literatur, Kunst- und Theatergeschichte, Philosophie, orientalischen Sprachen, Musikgeschichte und Soziologie. Seine Schauspielausbildung erlangte er bei Eduard von Winterstein und Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, wo Smolny auch als Regieassistent beschäftigt wurde.Kölnische Zeitung. „Smolny (Würzburg) Hagener Intendant“. 3. Juni 1930, S. 11. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/Y7NH25S4ISPWEIFF6N4CYJXXTKYZ3A2T?issuepage=11

1918/19 kam er in Berlin auch zeitweise mit dem Film in Berührung. Ab 1919 veröffentlichte er Artikel in der Theaterzeitschrift Die Scene – Blätter für Bühnenkunst, einer der wichtigsten Theaterzeitschriften ihrer Zeit und Organ der Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände, in der Smolny aktives Mitglied war. Er fand in der Schweiz eine Anstellung. Nach einem kurzen Engagement am Stadttheater Solothurn wechselte er im September 1920 zum Stadttheater Bern. Zugleich übernahm er dort die Redaktion der Berner Theater-Zeitung.„Mitteilungen“. (1920, Juni). Die Scene – Blätter für Bühnenkunst, herausgegeben von der Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände, 10. Jg., Heft 6/7, S. 27 (Digitalisat HathiTrust) Er blieb bis 1924 in Bern. Er versuchte sich zeitweise in Deutschland als Botschafter Schweizer Literatur, etwa bei einem Rezitationsabend „Junge Schweizer Dichtung“ im Berliner Meistersaal 1922.[Veranstaltungsanzeige für 28. November 1922] Berliner Tageblatt, 19. November 1922, S. 19, S. 19 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/TL24UVT6ZF75EGBGKV5MJAR5LRK7JCXU?issuepage=19Rezension: „Vortragsabende: Junge Schweizer Dichtung“. Berliner Börsen-Zeitung, 30. November 1922, S. 3 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/LJABVDYK6BK7A2E32XGHKTVVM42WNJN6?issuepage=3

1923 heiratete Smolny in Bern Mathilde Heerdt (* 14. Mai 1890 in Frankfurt am Main: † 30. August 1967 in Mülheim an der Ruhr). Die Theater- und Filmschauspielerin, Schauspiellehrerin und Theaterintendantin trug nach der Heirat den Doppelnamen Mathilde Smolny-Heerdt. Das Ehepaar arbeitete oft zusammen. Beide hatten während ihrer Ehe parallele Engagements in Freiburg, Dresden, Leipzig und kurz vor dem Lebensende Smolnys auch am Theater Oberhausen.(1998) „Smolny-Heerdt, Mathilde“. Deutsches Theater-Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. 4. Band. K. G. Saur: Bern und München, S. 2220. (Digitalisat)

Er verfolgte bald das Ziel, seine Laufbahn in Deutschland fortzusetzen statt im begrenzten Wirkungskreis der deutschsprachigen Schweiz. Beim Landestheater Karlsruhe hatte er 1924 ein kurzzeitiges Engagement („Götz von Berlichingen“).Karlsruher Zeitung. „Landestheater“. 11. März 1924, S. 4 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/FBZFNBHTOEXZRL7QYM5HMLG7ZQOYSIUK?issuepage=4 Zur Spielzeit 1924/25 wurde er als Erster Regisseur und Dramaturg am Schauspiel des Freiburger Stadttheaters verpflichtet und trat damit unter Intendant Max Kräger in die Leitung dieser Sparte ein.Süddeutsche Zeitung. „Kleine Theaterchronik“. 6. Juni 1924, S. 5 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/EZT3EYLMLUDNP6I63ZNX7Z6ACQDWDOVT?issuepage=5Karlsruher Zeitung, 9. September 1924, S. 3 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/EVP67M3FUJ3EKXX7OEFSK6YT5QCDCVLJ?issuepage=3 Hier gelangen ihm Innovationserfolge, etwa mit Schillers Jungfrau von Orleans, Hans José Rehfischs Wer weint um Huckenack? und Max Mohrs Improvisationen im Juni.Stuber, H. „Freiburg i. Br.“ Kölnische Zeitung, 24. November 1924, S. 9 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/5YUY4J66U6PWNUAIF2NZ6DWS4GJ3NOWG?issuepage=9

Paul Smolny kam 1926 als Spielleiter an die Vereinigten Bühnen Elberfeld-Barmen (Wuppertal), wurde aber schon zur Spielzeit 1926/27 als Oberregisseur an das Albert-Theater in Dresden berufen. Dort beteiligte er sich ab Herbst 1926 mehrfach mit musikalisch untermalten Vorträgen und Rezitationen an Rundfunksendungen; um 1929 servierte er eine regelmäßige eigene Sendung „Plaudereien vom Tee“.Sächsische Elbzeitung. „Funk-Ecke“. 25. September 1926, S. 6. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/7KKUGTXRQPQSWAX4ZWDZQ5M45T4AUEYR?issuepage=6

Prägende Jahre in Würzburg Mit 33 Jahren ließ er sich im August 1927 als Nachfolger von Heinrich Karl Strohm an das Stadttheater Würzburg verpflichten. Der Stadtrat wählte ihn unter 90 Bewerbern einstimmig zum Intendanten.Schwäbischer Merkur. „Der neue Würzburger Theaterleiter“. 18. August 1927, S. 6 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/EJNPS2DCPXABEZAJCHIESW4JSYV435FP?issuepage=6 Er war der jüngste Intendant Deutschlands. Diese Jahre sollten für Smolny die karriereprägenden werden, bei denen er nicht nur bei der Auswahl der Stücke, sondern auch durch eigene Regie reichsweit Profil gewann. Er eröffnete die Spielzeit mit Gerhart Hauptmanns Florian Geyer, bei dem er selbst Regie führte.Düsseldorfer Stadt-Anzeiger. „Das Stadttheater Würzburg“. 7. September 1927, S. 9 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/PLNQVUA7QLPKQ2ZWIDXPIQ6XDKVLW4JO?issuepage=9

Sein Vorgänger Strohm hatte das Stadttheater auf einen ehrgeizigen Modernisierungskurs für die Ausdruckskunst des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit gesetzt, der bei Publikum und Presse sehr umstritten war. „Smolny trat nach Strohm kein leichtes Erbe an. Er versuchte im Gegensatz zur Experimentierfreude seines Vorgängers mit seinem Spielplan es möglichst allen recht zu machen“, hält die Stadtgeschichte heute fest. Ein von Smolny initiierte Diskussionsprozess mit örtlichen Vereinen und Institutionen blieb ohne Erfolg. „Smolny versuchte nun, das Beste aus der gegebenen Situation zu machen.“Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, 2004, Band 56, S. 244. (Google Books)

Schon vor dem Einbruch der Wirtschaft 1929/30 geriet das Stadttheater in eine ökonomische und künstlerische Krise, in der wiederholt seine Existenz auf dem Spiel stand. Smolny musste als organisatorischer Krisenmanager agieren und zugleich über die Modernisierungsrichtung entscheiden. Er war bereit für eine behutsame Erneuerung, wollte jedoch auch durch Programm und politische Gesten ausgleichend und integrierend wirken.Schulz, Wolfgang (1970). „III. Kapitel. Neue Ausdrucksformen: 2. Paul Smolny (1927–1930): Um die Existenz des Theaters“. Ders., Theater in Würzburg 1600-1945: Eine soziokulturelle Untersuchung. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität: Würzburg, S. 566ff.

Würzburg erlebte in den Zwanziger Jahren eine intensive Debatte um eine Erneuerung des Kulturlebens und Anschluss an die Moderne, ohne die Kultur der Metropolen wie Berlin nachzuahmen. Smolny war Mitglied der „Kulturellen Arbeitsgemeinschaft“ (KAG), die von 1927 bis 1930 bestand. Die KAG war vor allem eine Initiative junger Kulturschaffender, Studenten und interessierter Bürger, die in allen Bereichen der Kunst einen Aufbruch aus der provinziellen Beschränktheit forderten. Zu den führenden Köpfen gehörten der Staatsarchivrat Ludwig Friedrich Barthel, der auch Texte für das Stadttheater schrieb, der Musikdirektor des Stadttheaters, Hans Oppenheim, und der kommunistische Schriftsteller Johannes Karl Koenig. Smolny war zwar keine treibende Kraft, wurde jedoch aufgrund seiner Stellung als Intendant des Stadttheaters als prominenter Unterstützer wahrgenommen. Die KAG stand in Opposition zu den etablierten Eliten. Sie versuchte, mit Lesungen, Vorträgen und Ausstellungen öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen, was auch in überregionalen Zeitungen und Zeitschriften gelang. Die KAG veröffentlichte 1927 eine 60-Seiten-Streitschrift, Würzburg eine Provinzstadt? oder die kulturelle Sendung Würzburgs.Kulturelle Arbeitsgemeinschaft (1927) (Hrsg.). Würzburg eine Provinzstadt? Oder die kulturelle Sendung Würzburgs. Verlag der kulturellen Arbeitsgemeinschaft Würzburg.Keß, Bettina. (2003). „‚Konservative ‚Bildlesmalerei‘ gegen neue Ausdruckskunst‘ : Kunstleben im Würzburg der Weimarer Republik“. Keß, Bettina, Reese, Beate u. a. (Hrsg.). Tradition und Aufbruch Würzburg und die Kunst der 1920er Jahre ; 15. November 2003 - 11. Januar 2004, Museum im Kulturspeicher Würzburg. Königshausen und Neumann: Würzburg, S. 9–23. (Google Books) Dieses „aufschlussreiche Heftchen“ wurde sogar von Kurt Tucholsky in der Weltbühne gewürdigt: „Wie da gerungen wird; wie da versucht wird, das Gute von außerhalb zu adoptieren und das Eigne zu bewahren — und wie aussichtslos das alles ist […] — machtlos verbluten diese kleinen Gruppen unter den Mächtigen der Stadt und der Provinz.“Wrobel, Ignaz (d. i. Tucholsky, Kurt). (1928, 13. Januar). „Berlin und die Provinz“. Die Weltbühne, 24. Jg., Nr. 11, S. 405. Digitalisat Text auf Textlog.de

Smolny setzte wiederholt auf Kooperationen, um Kosten zu sparen, Einkünfte zu erschließen und organisatorisch Synergien zu erzielen. 1928 schloss Smolny mit der Kurverwaltung Bad Mergentheim eine neuartige Theatergemeinschaft, bei dem die Würzburger in dem Kurtheater Operetten, Schauspiele und Schwänke darboten.Schwäbischer Merkur, 16. März 1928, S. 13 Als beim Landestheater Coburg die Intendanz frei wurde, wurde diese nicht wieder besetzt, stattdessen übertrug man Smolny die Oberleitung in Personalunion mit seiner Aufgabe in Würzburg.Berliner Börsen-Zeitung. „Eine Theatergemeinschaft Koburg-Würzburg“. 18. Juli 2929, S. 8

Im Sommer 1929 kam es zu einem Aufsehen erregenden Arbeitsgerichts-Prozess des Theaterpersonals gegen die Stadt Würzburg, der unter Beteiligung der Bühnengenossenschaft in die Berufung beim Landesarbeitsgericht ging. Die Kommune hatte auf wegbrechende Zuschauerzahlen und Einnahmen mit dem Plan reagiert, Oper und Operette des Dreispartenhauses abzubauen und das Schauspiel zu verkleinern. Smolny wurde vor Gericht vernommen, wo es zu einer „Redeschlacht“ kam. Die Stadt wurde zu hohen Zahlungen an das entlassene Personal verurteilt.Lnl. „Ein interessanter Theaterprozess“. Berliner Börsen-Zeitung, 28. Juni 1929, S. 4 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/5I26UE52CNC42FAL32IGT3VI25ZVYVIL?issuepage=4

In Würzburg blieb er bis 1930. Der Stadtrat war zwar bereit, seinen Vertrag zu verlängern, aber er bewarb sich erfolgreich beim Stadttheater Hagen.Kölnische Zeitung. „Smolny (Würzburg) Hagener Intendant“. 3. Juni 1930, S. 11. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/Y7NH25S4ISPWEIFF6N4CYJXXTKYZ3A2T?issuepage=11

Durch die Wirtschaftskrise in Hagen und Wuppertal