Die Bahnstrecke Mittelherwigsdorf–Varnsdorf–Eibau ist eine Nebenbahn in Sachsen und Tschechien. Die regional als Mandaubahn bekannte Verbindung wurde ursprünglich als Teil der Süd-Lausitzer Bahn erbaut und verläuft von Mittelherwigsdorf über das tschechische Varnsdorf (Warnsdorf) nach Eibau. Die Strecke wird von der DB InfraGO, der Správa železnic und der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE) betrieben. Die Zuständigkeitsgrenzen der Infrastrukturbetreiber befinden sich jeweils an der Staatsgrenze sowie nahe dem Bahnhof Eibau.
Geschichte Die Kgl. Sächsischen Staatseisenbahnen erbauten die Zweigstrecke ausgehend von Mittelherwigsdorf an der inzwischen verstaatlichten Bahnstrecke Zittau–Löbau. Am 2. Januar 1868 wurde Großschönau und am 15. August 1871 Warnsdorf erreicht, das damals zum österreichischen Kronland Böhmen gehörte und heute Teil der Tschechischen Republik ist.
Von Eibau, das ebenfalls an der Strecke Zittau–Bischofswerda liegt, erreichte der Schienenweg am 1. November 1874 Seifhennersdorf. Der Lückenschluss zwischen Seifhennersdorf und Warnsdorf verzögerte sich durch den schwierigen Grundwerb auf österreichischem Territorium derart, dass die Fertigstellung der Verbindung erst zum 6. September 1876Nennung des 15. September 1876 in: möglich war.
Ursprünglich als Hauptbahn gebaut, wurde die Strecke am 1. Juli 1924 zur Nebenbahn abgestuft.
Im damals österreichischen Warnsdorf wurden nur die ein- und aussteigenden Fahrgäste kontrolliert, Durchreisende im Zug nicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 4. August 1945 der fahrplanmäßige Bahnbetrieb zwischen Mittelherwigsdorf und Eibau wieder aufgenommen. Über Varnsdorf verkehrten Sperrwagen, bei denen ein Ein- und Ausstieg nicht gestattet war. Am 11. Januar sperrten die tschechoslowakischen Behörden die Durchfahrt, sodass die Züge nun nur noch bis und ab Großschönau bzw. Seifhennersdorf fuhren. mini|links|Personenzug in Hainewalde (1977) Ab 1951 verkehrten wieder deutsche Korridorzüge über tschechoslowakisches Gebiet, die allerdings in Varnsdorf nicht hielten. Erst am 1. Juni 2006 wurde dieser Halt wieder eingeführt. Im Korridorverkehr (siehe: Streckennutzungsrecht) verkehrten auch tschechische Züge von Rybniště nach Hrádek nad Nisou und Liberec über diese Strecke.
Die Deutsche Bahn (DB) stellte den Güterverkehr zwischen Eibau und Seifhennersdorf zum 31. Dezember 1994 ein. Von 2002 bis 2010 befuhr die Sächsisch-Böhmische Eisenbahngesellschaft (SBE) die Strecke im Auftrag des Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON). Nachdem der Verkehrsverbund bereits 2005 den SPNV auf dem Abschnitt Seifhennersdorf–Eibau abbestellt hatte, fuhr die SBE noch ein Jahr lang ein paar wenige Züge eigenwirtschaftlich. Seit Dezember 2006 findet zwischen Seifhennersdorf und Eibau kein Verkehr mehr statt. Die Strecke wächst seitdem zu. mini|links|Korridorzug der České dráhy in Großschönau (2009)
DB Netz verpachtete im Jahr 2010 den rund neun Kilometer langen Streckenabschnitt von Seifhennersdorf (Grenze) bis kurz vor Eibau an das Eisenbahninfrastrukturunternehmen Deutsche Regionaleisenbahn. Allein dieser Streckenabschnitt verfügt über insgesamt 10 Eisenbahnbrücken und 15 Bahnübergänge. Da noch unter der DB als Betreiber die Schrankenanlage am Bahnübergang Nordstraße vor dem Bahnhof Seifhennersdorf abgebaut worden war, errichtete die DRE vor dem Bahnübergang im Dezember 2010 einen Behelfsbahnsteig, um kurzfristig eine finanzierbare Wiederinbetriebnahme der Strecke von der Staatsgrenze bis nach Seifhennersdorf zu ermöglichen. mini|Der wegen der nicht funktionsfähigen Sicherungsanlage am Bahnübergang Nordstraße betriebene und im November 2019 abgebaute Behelfsbahnsteig in Seifhennersdorf (2011) Seit dem 12. Dezember 2010 betreibt die Vogtlandbahn (heute „Die Länderbahn“) die Linie Liberec–Zittau–Varnsdorf–Rybniště/Seifhennersdorf unter dem Namen Trilex. Der Zweckverband (ZVON) hatte im Februar 2009 in einer erstmals durchgeführten deutsch-tschechischen Ausschreibung von drei ÖPNV-Aufgabenträgern gemeinsam mit den beiden tschechischen Aufgabenträgern Liberecký kraj und Ústecký kraj über die Vergabe des Netzes mit 660.000 Zugkilometern pro Jahr entschieden. Auf dieser Strecke verkehren die Züge im Abschnitt Mittelherwigsdorf–Varnsdorf im Stundentakt, zwischen Varnsdorf und Seifhennersdorf im Zweistundentakt. Es werden Triebwagen vom Typ Desiro eingesetzt, die mit zweisprachigen Zugbegleitern besetzt sind.
Im Rahmen des Projektes „Lubahn“ wurden auf der Bahnstrecke Seifhennersdorf–Varnsdorf–Großschönau–Zittau–Liberec bis Oktober 2014 attraktivere Verkehrsverhältnisse geschaffen. Neben dem Neubau der Haltestelle Varnsdorf staré nádraží erfolgte die Modernisierung des Haltepunktes Mittelherwigsdorf und des Bahnsteigs 5 des Liberecer Bahnhofes. Gefördert wurde das Projekt, dessen Name sich aus dem tschechischen Wort „Lužice“ für Lausitz und dem deutschen Wort „Bahn“ zusammensetzt, durch den ZVON, den tschechischen Netzbetreiber SŽDC (jetzt Správa železnic), die Region Liberecký kraj und die Europäische Union. Allein für den Bahnsteigneubau in Varnsdorf staré nádraží wurden insgesamt rund 300 000 Kč aus dem EU-Förderprogramm Ziel 3 / Cíl 3 aufgewendet.Informationen zum Haltestellenneubau auf www.varnsdorf.cz Die Eröffnung der neuen Haltestelle erfolgte am 18. Oktober 2013. Mit der Neueröffnung dieses sowie der Einrichtung eines weiteren Haltepunkts an der Brauerei Kocour in Varnsdorf werden steigende Fahrgastzahlen auf dieser Strecke erwartet. Dieser Haltepunkt wurde vom Brauereibetreiber selbst finanziert.
Aufgrund der geringen Nachfrage und von gesunkenen Zuschüssen hatte der ZVON Anfang 2013 in Erwägung gezogen, den Verkehr auf der Strecke Varnsdorf–Seifhennersdorf abzubestellen. In seiner Verbandsversammlung am 17. Juni 2013 beauftragte der ZVON jedoch die Vogtlandbahn auch für das Fahrplanjahr 2013/2014 mit der Bedienung der Strecke. Für eine Weiterbestellung im darauf folgenden Fahrplanjahr machte er zur Voraussetzung, dass die Nachfrage zum Beispiel dadurch gesteigert wird, dass die Stadt Seifhennersdorf den Schülerverkehr auf die Bahn verlagert und dass für den Behelfsbahnsteig in Seifhennersdorf eine dauerhafte Lösung gefunden wird. In Analogie zu den Vorjahren waren jedoch auch im Jahresfahrplan 2015 ganzjährig SPNV-Verbindungen im angenäherten Stundentakt zwischen Mittelherwigsdorf und Varnsdorf sowie im angenäherten Zweistundentakt zwischen Varnsdorf und Seifhennersdorf vermerkt.
Im Frühjahr 2014 schrieb die DRE die nicht mehr befahrene rund sechs Kilometer lange Teilstrecke ab Streckenkilometer 16,346 bis zur Pachtgrenze bei Kilometer 22,600 nahe Eibau zur Übernahme durch andere Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) aus. Nach Aussage der DRE könne sie diesen Streckenabschnitt nicht mehr wirtschaftlich betreiben, da den laufenden jährlichen Instandhaltungskosten in Höhe von 32.000 Euro keinerlei Einnahmen entgegen stünden. Zudem wären in den folgenden fünf Jahren Investitionen in Höhe von rund 5,4 Mio. Euro notwendig, davon rund die Hälfte für Oberbaumaßnahmen sowie 1,7 Mio. Euro für Maßnahmen an den Bahnübergängen und ca. eine Mio. Euro für die Leit- und Sicherungstechnik. Da es nicht zur Abgabe an den einzigen Bieter kam, möchte die DRE die Strecke entwickeln, wobei die Möglichkeit der Verlängerung der „Nationalparkbahn“ von Rumburk nach Eibau gesehen wird. Ein Zwischenziel der DRE war die Wiederaufnahme des durchgehenden Bahnverkehrs nach Eibau, was mit der Stadt Varnsdorf am 29. September 2014 in einem Memorandum bekräftigt wurde.Memorandum na podporu trati do Eibau vom 29. September 2014
Von Seiten des ZVON ist nach Beschlusslage aus dem Jahr 2014 eine Weiterbedienung des Abschnittes Varnsdorf–Seifhennersdorf im ÖPNV bis Dezember 2020 beabsichtigt. Ein in Auftrag gegebenes Gutachten hatte bei einer Einstellung des Schienenpersonennahverkehrs nur geringe Einsparpotentiale für den ZVON aufgezeigt. Stattdessen sollten Maßnahmen ergriffen werden, die die Nachfrage steigern können. An den Infrastrukturbetreiber DRE erging die Forderung, Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur durchzuführen. Neben der Sicherung einer durchgehenden Streckengeschwindigkeit von 50 km/h sollten auch die Bahnübergänge Nord- und Südstraße in Seifhennersdorf saniert werden.
Zwischen dem 13. März 2015 und dem 11. Juni 2023 durfte zwischen Varnsdorf pivovar Kocour und Seifhennersdorf kein Verkehr durchgeführt werden. Der SPNV wurde in diesem Zeitraum auf Schienenersatzverkehr umgestellt. Hintergrund ist, dass der Infrastrukturbetreiber DRE nicht die betrieblichen Anforderungen „im Zusammenhang mit dem grenzüberschreitenden Streckenbetrieb“ erfüllte. Zwischenzeitlich genannte Termine zur Wiederaufnahme des Bahnverkehrs wurden nicht gehalten, der Zeitraum der Streckensperrung wurde wiederholt verlängert.
Mit dem Bau eines ESTW im Bahnhof Eibau durch DB Netz beabsichtigte die DRE eine Unterbrechung der Strecke im Bahnhof Seifhennersdorf. Damit sollten die Kosten von etwa einer Million Euro für eine Anpassung der Sicherungstechnik eingespart werden, die nicht durch Trassenpreiseinnahmen gedeckt werden können. Da mit dem beabsichtigten Rückbau eine gravierende Kapazitätseinschränkung einhergehen würde, musste die DRE den Bahnhof im Februar 2016 zur Abgabe an Dritte ausschreiben. Da sich bis zum Ende der Bieterfrist am 30. Juni 2016 , Zugriff: 10. Mai 2018 kein Interessent meldete und da sich die Situation in den letzten Jahren nicht verbesserte, schrieb die DRE Mitte Oktober 2017 den bereits 2014 angebotenen Streckenabschnitt von der Pachtgrenze im Bahnhof Eibau bis zur Bahnhofseinfahrt Seifhennersdorf erneut zur Übernahme durch Dritte mit den alten Konditionen aus. Zu einem Verkauf kam es jedoch nicht.
Am 15. November 2019 informierte die DRE darüber, dass die 2015 behördlich verfügte Betriebseinstellung zwischen Varnsdorf Grenze und Seifhennersdorf darauf beruhte, dass die DRE die Voraussetzungen für die nach damaliger Rechtslage erforderliche Sicherheitsgenehmigung nicht erfüllte. Aufgrund einer 2019 vollzogenen Änderung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes ist diese nun nicht mehr erforderlich. Die DRE kündigte daraufhin an, die Strecke und den Bahnhof Seifhennersdorf bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 wieder betriebsbereit herrichten zu wollen. Der Behelfsbahnsteig südlich des Bahnübergangs Nordstraße war bereits in der ersten Novemberhälfte 2019 abgebaut worden.
Im Winter 2020 ließ die DRE die zugewachsene Strecke freischneiden, im Sommer wurden die Schäden am Streckengleis beseitigt. Seit Dezember 2020 ist eine provisorische Lichtzeichenanlage zur Sicherung des Bahnüberganges Nordstraße aufgebaut und der Zugang zum Bahnsteig wieder möglich. Die Abnahmefahrten zur Wiederinbetriebnahme der Strecke fanden am 12. und 13. Januar 2021 statt. Zwischenzeitlich hatte DB Netz der DRE den Pachtvertrag für die Strecke gekündigt, wogegen Widerspruch eingelegt wurde.
Der ab dem 13. Dezember 2020 gültige Jahresfahrplan 2021 sah auf der Linie L7 werktags elf und an Wochenenden zehn Reisezugpaare zwischen Liberec und Seifhennersdorf vor.
Laut einer Pressemeldung vom 31. März 2022 besaß die DRE weiterhin keine Betriebserlaubnis für den Streckenabschnitt, sodass kein regelmäßiger Verkehr aufgenommen werden konnte. Laut Aussage der Bürgermeisterin von Seifhennersdorf stand insbesondere die provisorische Sicherungsanlage am Bahnübergang vor dem Bahnhof Seifhennersdorf deren Erteilung im Wege. Darüber hinaus sollten die tschechischen Partner noch „das geplante Betriebssystem öffentlich“ machen.„Seifhennersdorf: Hausaufgaben für die Bahnfirmen“ auf sächsische.de vom 31. März 2022
Am 11. Juni 2023 wurde der planmäßige Eisenbahnbetrieb zwischen Varnsdorf-pivovar Kocour und Seifhennersdorf nach acht Jahren Schienenersatzverkehr wieder aufgenommen.„Nach acht Jahren Stillstand: Züge rollen wieder bis Seifhennersdorf“ auf sächsische.de
Am 16. Juni 2025 bot die Deutsche Regionaleisenbahn den Abschnitt Seifhennersdorf–Eibau erneut zur Abgabe an.