Das Infanterie-Regiment Großherzog von Sachsen (5. Thüringisches) Nr. 94 war ein von 1867 bis 1919 bestehender Verband der Preußischen Armee, dessen Ursprünge auf das Jahr 1702 zurückgehen.
Vorgeschichte Herzog Ernst Wilhelm von Sachsen-Weimar errichtete am 28. Oktober 1702 eine Kompanie „Garde zu Fuß“, welche als Herzogliche Haustruppe nur für Ehren- und Wachdienst bestimmt war. 17 Jahre später wurde diese Kompanie in ein Regiment mit zwei Bataillonen gegliedert. 1790 bildete Herzog Karl August aus diesen Truppenteilen ein „Scharfschützen-Bataillon“. Am 15. Dezember 1806 mussten die Herzöge von Sachsen-Weimar, Sachsen-Gotha-Altenburg, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Coburg-Saalfeld und Sachsen-Hildburghausen dem Rheinbund beitreten und stellten als Kontingent gemeinsam das „Regiment der Herzöge von Sachsen“ auf. An der Seite der französischen Revolutionsarmee ging die Truppe 1810 in Spanien fast völlig zu Grunde. 1812 etwas erholt, erlitt sie im Russlandfeldzug so schwere Verluste, dass sich nur schwache Reste retten konnten.
Im Frühjahr 1813 wurde für Frankreich ein „Bataillon de Marche“ aufgestellt, das jedoch nach der Niederlage Napoleons als „Thüringer Bataillon“ zu den Verbündeten übertrat.
Kampfhandlungen 1796–1867 1796 gegen Frankreich 1806 gegen Frankreich, Schlacht bei Jena und Auerstedt 1807 an der Seite Frankreichs, Hollands, Italiens und einiger Rheinbundstaaten gegen Preußen Belagerung von Kolberg 1807 1808/09 als Mitglied des Rheinbundes auf der Seite Frankreichs gegen Österreich, Kämpfe in Tirol, im Eisackthal (Sachsenklemme), schwere Verluste 1810 in Spanien: Manresa, Kämpfe und Seuchen lassen das Regiment auf eine Kompanie zusammenschmelzen. Die Fürsten-Division wird für aufgelöst erklärt. 1811 Rückmarsch der restlichen Truppen nach Deutschland. 1812 gegen Russland: das Regiment (wieder alle fünf Fürstentümer) rückt als 4. der Reserve-Division Loison in Russland ein, zu dieser gehört auch das 5. Regiment (Anhalt und Lippe – siehe auch Inf.-Rgt. Nr. 93) und das 6. Regiment (Schwarzburg, Waldeck, Reuss – siehe auch Inf.-Rgt. Nr. 96)). Gefechte bei Wilna, das stark geschwächte Regiment gelangt nach Danzig, wo die Reste der sämtlichen kleineren deutschen Rheinbundstaaten (4., 5., 6. Regiment) die deutsche Brigade bilden. Bei der Kapitulation von Danzig am 30. November 1813 entlassen. 1813 gegen Frankreich: (das von Gotha-Altenburg, Weimar, Meiningen, Hildburghausen für Napoleon aufgestellte „Bataillone de Marche“ kämpfen als Thüringer-Bataillon gegen ihn) Schlacht an der Katzbach, Zuteilung an das Leib-Regiment (Nr. 8), Gefechte bei Wartenburg, Schlacht bei Möckern-Leipzig, Gefecht bei Freiburg am Hörfelberg. Am Rhein wird es 1813 entlassen. 1813 gegen die Verbündeten: bei Hagelberg, in Magdeburg. 1814 (Weimarsches Kontingent) gegen Frankreich: (in der Anhalt-Thüringischen Brigade, je zwei Bataillone Sachsen-Weimar, Gotha-Altenburg, Dessau-Cöthen und Schwarzburg sowie ein Bataillon Bernburg (III. deutsches Bundeskorps), Einschließung von Antwerpen, von Valenciennes, von Conde. 1815 (im Norddeutschen Bundes-Armeekorps) gegen Frankreich: Einschließung von Bouillon, Sedan, Montmedy und Mezieres. 1849 gegen Dänemark: (2. kombinierte Brigade, 1. kombinierte Division) im Sundewitt, Scharmützel um die Düppeler Höhen. 1866 neutral gegen Preußen: in der Bundesfestungen Mainz, Ulm, Rastatt (18. August 1866 Bündnis mit Preußen).
Geschichte Am 26. Juni 1867 schlossen Preußen und Sachsen-Weimar eine Militärkonvention, nach der die Truppe nach preußischem Muster eingerichtet wurde. Zum 1. Oktober 1867 folgte erstmals die Benennung in Infanterie-Regiment Großherzog von Sachsen (5. Thüringisches) Nr. 94. Stab und I. Bataillon waren in Weimar, das II. Bataillon in Eisenach und das Füsilier-Bataillon in Jena stationiert. Der Verband war der 44. Infanterie-Brigade unterstellt und bildete mit der 43. Infanterie-Brigade die 22. Division des XI. Armee-Korps. Im Zuge der Heereserweiterung folgte zum 1. April 1899 die Unterstellung des Regiments zur 83. Infanterie-Brigade, der 38. Division, beide in Erfurt.
Am 25. Oktober 1912 bestimmte Kaiser Wilhelm II., dass der Verband zukünftig die Bezeichnung Infanterie-Regiment Großherzog von Sachsen (5. Thüringisches) Nr. 94 zu führen hat.Kriegsministerium (Hrsg.) Armee-Verordnungsblatt. Nr. 23 vom 26. Oktober 1912, S. 299.
Deutsch-Französischer Krieg mini|Forstturm Jena mit den Namen der 1870/71 Gefallenen des Regiments Im Krieg gegen Frankreich nahm das Regiment 1870/71 bei der 22. Infanterie-Division an den Schlachten bei Wörth und Sedan, dem Ausfallgefecht am Mont Mesly, Gefecht bei Artenay, Treffen bei Orleans, Erstürmung von Chateaudun, Einnahme von Chartres, Rekognoszierungsgefecht bei Courville, Vorpostengefechte bei Levarille St. Sauveur, Gefechte bei Chateauneuf en Thimerais, bei Bretoncelles, Scharmützel bei Brou, Schlacht bei Loigny-Poupry, bei Orleans, bei Beaugency-Cravant, Gefecht bei La Fourche, Schlacht bei Le Mans (Gefechte bei Le Chene-Les Cohernieres, bei La Croir), Gefecht bei Alencon, Beschließung von Marsal, Beobachtung und Einschließung von Pfalzburg, Einschließung und Belagerung von Paris teil. mini|Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht bei Wörth am 6. August 1870, 5. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 94 (Großherzog von Sachsen)
Erster Weltkrieg 1914 Westfront 22. bis 25. August – Eroberung von Namur
September 1914 bis September 1915 Ostfront 5. bis 15. September – Schlacht an den Masurischen Seen 4. bis 5. Oktober – Gefechte bei Opatów und Radom 9. bis 20. Oktober – Schlacht bei Iwangorod 22. bis 28. Oktober – Kämpfe an der Rawka 14. bis 15. November – Schlacht bei Kutno 16. November bis 15. Dezember – Schlacht um Łódź 30. November bis 4. Dezember – Schlacht bei Lask-Pabianice ab 18. Dezember – Schlacht an der Rawka-Bzura bis 3. Juli – Schlacht an der Rawka-Bzura 13. bis 17. Juli – Durchbruchsschlacht bei Przasnysz 18. bis 22. Juli – Verfolgungskämpfe zum unteren Narew 23. Juli bis 3. August – Schlacht am Narew 4. bis 7. August – Schlacht am Orz 8. bis 10. August – Schlacht bei Ostrow 11. bis 12. August – Schlacht bei Tschishew-Sambrow 13. bis 18. August – Verfolgungskämpfe am oberen Narew und Nurzec 19. bis 25. August – Schlacht bei Bielsk 26. August bis 5. September – Verfolgungskämpfe am Swislocz und an der Naumka-Werecia 6. bis 7. September – Schlacht bei Wolkowyszk 8. bis 16. September – Verfolgung vom Njemen zur Beresina 16. bis 17. September – Schlacht an der Szczara und Jelnia 17. bis 18. September – Verfolgungskämpfe in den litauischen Sümpfen
Oktober 1915 bis 1918 Westfront ab 9. Oktober – Kämpfe an der Aisne bis 14. März 1916 – Kämpfe an der Aisne 13. Mai bis 8. September – Schlacht um Verdun 18. bis 29. Mai – Kämpfe um Höhe 304 18. Oktober bis 17. November – Schlacht an der Somme 18. November bis 17. Dezember – Stellungskämpfe an der Yser ab 18. Dezember – Stellungskämpfe an der Somme bis 15. März – Stellungskämpfe an der Somme 15. März bis 5. April – Stellungskämpfe an der Aisne 16. März bis 11. April – Kämpfe vor der Siegfriedfront 16. bis 20. Mai – Frühjahrsschlacht bei Arras 21. Mai bis 4. Juni – Stellungskämpfe in Flandern und Artois 8. Juni bis 6. August – Schlacht in Flandern 7. bis 27. August – Reserve der OHL beim Gouvernement Antwerpen 28. August bis 7. November – Stellungskämpfe in Flandern und Artois 8. November bis 3. Dezember – Herbstschlacht in Flandern ab 4. Dezember – Stellungskämpfe in Flandern bis 9. April – Stellungskämpfe in Flandern 4. bis 30. April – Stellungskämpfe in Flandern und Artois 9. bis 18. April – Schlacht bei Armentières 1. Mai bis 4. August – Stellungskämpfe in Französisch-Flandern und Artois 5. bis 6. August – Kämpfe vor der Front Ypern-La Bassée 8. bis 20. August – Abwehrschlacht zwischen Somme und Avre 8. bis 9. August – Tankschlacht zwischen Ancre und Avre 10. bis 12. August – Schlacht an der Römerstraße 21. August bis 2. September – Abwehrschlacht zwischen Scarpe und Somme 22. August bis 2. September – Schlacht Albert-Péronne 3. bis 7. September – Kämpfe vor der Siegfriedfront 8. September bis 8. Oktober – Abwehrschlacht zwischen Cambrai und St. Quentin 9. bis 15. Oktober – Kämpfe vor und in der Hermannstellung 15. bis 19. Oktober – Kämpfe zwischen Deûle-Kanal und Schelde 20. Oktober bis 4. November – Kämpfe in der Hermannstellung an der Schelde 5. bis 11. November – Rückzugskämpfe vor der Antwerpen-Maas-Stellung 12. November bis 19. Dezember – Räumung des besetzten Gebietes und Marsch in die Heimat
Kommandeure Kompanie Garde zur Fuß 28. Oktober 1702 Otto Wilhelm von Rumroth 1729 Oberst Prinz Emmanuel Friedrich Wilhelm Bernhard von Sachsen-Weimar
Regiment zu Fuß Sachsen-Weimar-Eisenach 1733: Prinz Ludwig Friedrich von Sachsen-Hildburghausen
Infanterie-Leib-Regiment 12. Januar 1742 Christian Ernst von Stangen 6. Juli 1742 Wilhelm Ludwig von Buttlar 1750 Georg Heinrich von Burgsdorff 1756 Johann Maximilian Albrecht von Laßberg 1784 Christian von Bendeleben
Jäger-Korps, Scharfschützen-Korps 1. Juli 1788 Wilhelm Heinrich von Germar 1797 Friedrich Ludwig von Germar 1805 Johann Christoph Ehrenfried von Hoenning 1806: Friedrich Ernst von Germar
Regiment der Herzöge von Sachsen 1807: August Karl von und zu Egloffstein 3. April 1813 Thüringer Bataillon Major August Lincker von Lützenwick 1813: Magdeburger Bataillon: Major Ferdinand Johann Albrecht Wolfskeel von Reichenberg 1821: Friedrich von Germar 1828: August Lincker von Lützenwick 1830: Friedrich Ernst von Germar 1834: Heinrich Emil Friedrich August von Beulwitz 1840: unbesetzt 10. August 1848 Friedrich von Tümpling 28. Mai 1851 Heinrich Ernst von Poyda 1. April 1863 Fritz von Sydow
Infanterie-Regiment Nr. 94 24. Juni 1867 Julius von Bessel 6. November 1870 Otto von Palmenstein 17. Dezember 1870 Wilhelm Marschall von Sulicki 18. Mai 1876 Fritz von Wangenheim 15. Mai 1883 Heinrich zu Rantzau 10. Juli 1888 Hugo von Hagen 23. Oktober 1890 August von Schmeling 14. Mai 1894 Hugo von Eberstein 20. Juli 1897 Julius von Groß genannt von Schwarzhoff 18. April 1900 Leo von Maercken zu Geerath 18. Juni 1903 Eberhard von Kurowski 14. Juni 1906 Arnold von Winckler 18. November 1907 Klaus von Bismarck 21. April 1911 Leo von Stocken 19. November 1912 Rudolf von Lepel 2. August 1914 Friedrich Digeon von Monteton 12. November 1914 Friedrich von Taysen 13. April 1918 Karl von Rettberg Dezember 1918 – März 1919 Friedrich von Taysen
Sonstiges mini|Gedenktafel in der Weimarer Jakobskirche für die Gefallenen Soldaten des Regiment während des Krieges gegen Frankreich 1870/71 In Weimar stand bis 1949 das Kriegerdenkmal des 94er Regiments. Es wurde 1949 aufgrund der Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats über die Beseitigung deutscher Denkmäler und Museen militärischen und nationalsozialistischen Charakters vom 13. Mai 1946.Carolin Eberhardt: Das 94er Denkmal auf Weimar-Lese. an seinem Standort entfernt.
Siehe auch Beteiligte Staaten der Militärkonvention zum Norddeutschen Bund und zur Preußischen Armee
Literatur Otto Franke: Das 5. Thüringsche Infanterie-Regiment Nr. 94 (Großherzog von Sachsen) im Feldzug gegen Frankreich 1870 und 1871. Verlag Hermann Böhlau, Weimar 1872. Eduard von Heyne: Geschichte des 5. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 94 (Grossherzog von Sachsen). Verlag Hermann Böhlau, Weimar 1869. von Hagen: Geschichte des 5. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 94 (Großherzog von Sachsen). Mittler & Sohn, Berlin 1894. Alexander von Hartmann: Das Infanterie-Regiment Großherzog von Sachsen (5. Thüringisches) Nr. 94 im Weltkrieg. Verlag Klasing & Co., Berlin 1921. Leo von Pfannenberg: Geschichte des Infanterie-Regiments Goßherzog von Sachsen (5. Thüringisches) Nr. 94 und seiner Stammtruppen 1702–1912. Verlag Georg Stilke, Berlin 1912.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Gegründet 1702 Kategorie:Aufgelöst 1919 Infanterieregiment 094