mini|Die Bildmarke des Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg (IFFMH) Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg (kurz IFFMH) findet jährlich im November in den beiden Städten Mannheim und Heidelberg statt.
Das 1952 in Mannheim als Kultur- und Dokumentarfilmwoche gegründete Filmfestival ist ein Treffen des internationalen Autorenkinos. Seit 1994 ist die Nachbarstadt Heidelberg zweiter Standort. Der Fokus des Festivals liegt auf der Entdeckung und Förderung junger Talente – gezeigt werden hauptsächlich Erst- oder Zweitwerke junger Regisseure. Mit dem „International Newcomer Award“, gestiftet zum zweiten Mal seit 2020 durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung, werden talentierte junge Nachwuchsregisseure ausgezeichnet.
Das 73. Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg fand vom 7. bis zum 17. November 2024 statt und zählt zu Deutschlands wichtigsten Filmfestivals.
Geschichte Im Mai 1952 fand die Eröffnung der ersten „Mannheimer Kultur- und Dokumentarfilmwoche“ statt. Kurt Joachim Fischer war Gründungsdirektor und der Mannheimer Oberbürgermeister Hermann Heimerich hielt die Eröffnungsansprache.
1960 wurde erstmals auf der Kultur- und Dokumentarfilmwoche in Mannheim der FIPRESCI-Preis vergeben.
Ein Jahr später, 1961, wurde die „Mannheimer Kultur- und Dokumentarfilmwoche“ in „Internationale Filmwoche Mannheim“ umbenannt.
1984/1985 geriet die Internationale Filmwoche Mannheim in eine existenzbedrohende Krise, als drastische Einsparungen gefordert wurden. „Nicht zuletzt dank der Protestartikel in den Zeitungen sowie den Wertschätzungen in den anderen Medien werden die Einsparungen letztendlich rückgängig gemacht.“
1991 wurde die „Internationale Filmwoche Mannheim“ in „Internationales Film Festival Mannheim“ umbenannt.
Seit 1992 war Michael Kötz Festivalleiter. Nach erneuten finanziellen Schwierigkeiten konnte die Stadt Heidelberg als Partner gewonnen werden. 1994 wurde dann das „Internationale Film Festival Mannheim“ in „Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg“ umbenannt und findet seitdem in beiden Städten statt.
Neben dem Wettbewerb etablierte sich ab 1996 die neue Sektion „Internationale Entdeckungen“. Der „Projekt-Markt“, der jetzt ebenfalls Filme aus Europa berücksichtigte, wurde integraler Bestandteil des Festivals. Die anvisierten Treffen von Filmemachern und (Co-Produzenten) liefen seit 1997 unter dem Namen „Mannheim Meetings“.
Eine Sonderreihe mit neuen deutschen Lang- und Kurzfilmen machte 2003 auf eine neue Generation von Filmemachern aus Deutschland aufmerksam, darunter Christoph Hochhäusler mit seinem Erstlingsspielfilm Milchwald.
2005 wurde das Festival des deutschen Films von Michael Kötz, Festivalleiter von 1992 bis 2019 des Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg, gegründet.
2008 wurde der „Filmkulturpreis Mannheim-Heidelberg“ zum ersten Mal verliehen. Der nicht dotierte Preis zeichnet Unternehmen, Institutionen und Fernsehfilmredaktionen aus, die wesentlich zur Filmkultur in Deutschland beitragen. 2010 ging der Filmkulturpreis Mannheim-Heidelberg an die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin.
„Die Veranstaltung zieht nach Angaben der Organisatoren jährlich etwa 60 000 Besucher an.“ 2019 übernahm Sascha Keilholz die Festivalleitung mit neuem Team. Damit verbunden war eine komplette Neugestaltung der Corporate Identity des IFFMH, die mit dem German Brand Award ausgezeichnet wurde. Außerdem wurde eine Sektionsstruktur mit neuen, dotierten Preisen geschaffen und das „Cutting Edge Talent Camp“ zur Unterstützung junger Filmschaffender ins Leben gerufen. Das Camp wird von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt. Die Talentförderung bleibt weiterhin zentrales Anliegen des Festivals.
2020 konnte das Festival trotz der Covid-19-Pandemie digital stattfinden. 2021 dann sogar vor Ort mit einer Onlineerweiterung. Erstmals wurde der Grand IFFMH Award verliehen, und zwar an Guillaume Nicloux. Der französische Regisseur und Schriftsteller war ebenso persönlich anwesend wie zwei weitere Gäste, die in Form von Hommagen geehrt wurden: Regisseur Claude Lelouch und Produzentin Bettina Brokemper. Der Neustart des IFFMH wurde von der Presse aufgenommen, z. B. von der FAZ, dem Deutschlandfunk Kultur oder dem Tagesspiegel.
Von vielen erst später berühmt gewordenen Regisseuren wurden hier schon Filme (oft auch Erstlingswerke) gezeigt, darunter François Truffaut, Wim Wenders (1969), Rainer Werner Fassbinder (1969 Uraufführung des Films Katzelmacher), Mike Leigh (1972), Patricio Guzmán, Thomas Koerfer (1973), Krzysztof Kieślowski (1974), Jim Jarmusch (1980), Lars von Trier, Atom Egoyan (1984), Bryan Singer (1993), Guillaume Nicloux (1994), Angela Schanelec, Martin Šulík (1995), Lou Ye (1996) Thomas Vinterberg, Rafi Pitts (1997), Derek Cianfrance (1998), Nicolas Winding-Refn, Luca Guadagnino (1999), Nabil Ayouch, Sarah Gavron (2000), Christian Ole Madsen (2001), Luis Ortega (2002), Felix Van Groeningen (2004) und Ramin Bahrani (2005). Als Gäste oder Jurymitglieder waren unter anderem Fritz Lang (1964), Theodor W. Adorno, Kurt Georg Kiesinger (1965), Bernardo Bertolucci (1966), Werner Herzog (1969), Marcel Reich-Ranicki (1964), Edgar Reitz (2008) und Olivier Assayas (2015) in Mannheim.
Bildergalerie Die Spielstätten des Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg.
Festivalleitung ab 1952 Kurt Joachim Fischer ab 1961 Walter Talmon-Gros ab 1973 Fee Vaillant und Hanns Meier (ab 1987 Lutz Beutling) ab 1991 Michael Kötz Seit 2020 Sascha KeilholzIFF Mannheim-Heidelberg bekommt neuen Leiter. Artikel vom 27. März 2019, abgerufen am 28. März 2019.Mannheim: Sascha Keilholz wird neuer Filmfest-Leiter. Artikel vom 27. März 2019, abgerufen am 28. März 2019.
Sektionen On The Rise ist der internationale Wettbewerb des IFFMH. Pushing The Boundaries ergänzt den Wettbewerb durch einen Blick auf die Filme von Regisseuren nach ihren Erst- und Zweitwerken. Das Kinderfilmfest fördert den Nachwuchs und führt ein junges Publikum an den Kinofilm heran. Facing New Challenges zeigt die aktuellen Möglichkeiten des Bewegtbildes jenseits der klassischen Kinoformate. Retrospektive setzt auf das Entdecken der Möglichkeiten des Kinos durch einen Blick in die Vergangenheit.
Preise Vier unabhängige internationale Jurys vergeben aktuell sechs Preise:
Der International Newcomer Award für die beste Regiearbeit ist der Hauptpreis des IFFMH und mit 30.000 Euro dotiert, gestiftet durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung. mini|Die Awards des IFFMH Der Rainer Werner Fassbinder Award für das beste Drehbuch ist mit 10.000 Euro dotiert, gestiftet von der Rainer Werner Fassbinder Foundation. Eine internationale Filmkritiker-Jury vergibt den FIPRESCI-Preis. Mit dem Ecumenical Award zeichnet die ökumenische Jury, bestehend aus Mitgliedern der interkirchlichen Filmnetzwerke INTERFILM und SIGNIS, ein Werk im Wettbewerb aus, das hohe künstlerische Qualität aufweist, einem menschlichen Standpunkt Ausdruck verleiht und das Publikum für spirituelle, soziale und ethische Werte sensibilisiert. Der Award of the Student Jury ist mit 5.000 Euro dotiert. Der Audience Award geht an den Film, der die besten Bewertungen durch das Publikum erhält und ist mit 5.000 Euro dotiert. Der Grand IFFMH Award ist mit 10.000 Euro dotiert.
Preisträger 1958 Mannheimer Filmdukat für Arnold Fanck aus Anlass der XII. Internationalen FilmwocheHans-Joachim Bieber: SS und Samurai – Deutsch-japanische Kulturbeziehungen 1933–1945, hrsg. vom Deutschen Institut für Japanstudien. Iudicium Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8620-5043-7, S. 1142 (Online)
1969 Filmdukaten Schwestern der Revolution, Rosa von Praunheim, BRD
1979 Georgische Chronik des XIX. Jahrhunderts, Sowjetunion
2006 Großer Preis von Mannheim-Heidelberg: Vidange perdue, Geoffrey Enthoven, Belgien Spezialpreis in memoriam Rainer Werner Fassbinder: Sønner – Dunkle Geheimnisse, Erik Richter Strand, Norwegen Spezialpreis der Jury: Comme des Voleurs, Lionel Baier, Schweiz Blodbönd, Arni Olafur Asgeirsson, Island Lobende Erwähnung der Internationalen Jury: Bes vakit, Florent Herry, Türkei Jesper Aholt, Dänemark, für seine Rolle in dem Film Kunsten ad graede i kor Iraq in Fragments, James Longley, USA Bester Kurzfilm: Quelquechose en O, Marc Schaus, Belgien Publikumspreis: Kunsten ad graede i kor, Peter Schønau Fog, Dänemark FIPRESCI-Preis: Un jour d’été, Frank Guérin, Frankreich Preis der Ökumenischen Jury: Treseta, Zarkovic, Drazen, Marinkovic, Pavo, Kroatien Empfehlungen der Jury der Kinobetreiber: Kunsten ad graede i kor, Peter Schønau Fog, Dänemark Vidange perdue, Geoffrey Enthoven, Belgien Sista Dagen, Magnus Hedberg, Schweden Master of Cinema: Aleksandr Sokurov
2007 Großer Preis von Mannheim-Heidelberg: Blodsband (Mirush, Mirush und sein Vater), Marius Holst, Norwegen Spezialpreis in memoriam Rainer Werner Fassbinder: Kremen (The Hard-Hearted, Mit kaltem Herzen), Alexey Mizgirev, Russland Spezialpreis der Jury: Kleine Tricks (Sztuczki), Andrzej Jakimowski, Polen Publikumspreis: Desierto Sur (Das Glück meiner Mutter), Shawn Garry, Chile FIPRESCI-Preis: Yin Lichuan, Kanada, für den Film Gong Yuan (The Park, Das Glück im Park) Daniél Espinosa, Dänemark, für den Film Uden for Kaerligheden (Outside Love, Die Muslimin und der Jude) Preis der Ökumenischen Jury: Daniel Espinosa, Dänemark, für den Film Uden for Kaerligheden (Outside Love, Die Muslimin und der Jude)
2008 Die Jury unter Vorsitz von Edgar Reitz kürte folgende Preisträger:
Großer Preis von Mannheim-Heidelberg: Im Regen des Südens (Lluvia), Paula Hernández, Argentinien Spezialpreis in memoriam Rainer Werner Fassbinder: Un Roman Policier (A Police Romance), Stéphanie Duvivier, Frankreich Spezialpreis der Jury: Másik Bolygó (Another Planet), Ferenc Moldoványi, Ungarn Lobende Erwähnung der Internationalen Jury: Isabelle Blais, Kanada, für ihre herausragende Leistung im Film Borderline – Kikis Story (Borderline) Lee Chi Yuan, Taiwan, für den Film Luan Qing Chun (Beautiful Crazy) K. M. Madhusudhanan, Indien, für den Film Bioscope Publikumspreis: Amanecer de un sueño (Awaking From a Dream), Freddy Mas Franqueza, Spanien FIPRESCI-Preis: Lyne Charlebois, Kanada, für den Film Borderline – Kikis Story (Borderline) Preis der Ökumenischen Jury: Lyne Charlebois, Kanada, für den Film Borderline – Kikis Story (Borderline) Empfehlungen der Jury der Kinobetreiber: 14 Kilometer – Auf der Suche nach dem Glück (14 kilometros), Gerardo Olivares, Spanien, Borderline – Kikis Story (Borderline), Lyne Charlebois, Kanada Les murs porteurs (Cycles), Cyril Gelblat, Frankreich
2009 Großer Preis von Mannheim-Heidelberg: Postia pappi Jaakobille (Letters to Father Jakob), Klaus Härö, Finnland Spezialpreis in memoriam Rainer Werner Fassbinder: Miss Kicki, Håkon Liu, Schweden Spezialpreis der Jury: Demsala Dawî:Sewaxan (The Last Season: Shawaks), Kazim Öz, Türkei Untitled, Jonathan Parker, USA Lobende Erwähnung der Internationalen Jury: Séverine Cornamusaz, Schweiz, für den Film Cœur Animal Publikumspreis: Nurse.Fighter.Boy, Charles Officer, Kanada FIPRESCI-Preis: Séverine Cornamusaz, Schweiz, für den Film Cœur Animal Preis der Ökumenischen Jury: Séverine Cornamusaz, Schweiz, für den Film Cœur Animal Empfehlungen der Jury der Kinobetreiber: Retorno A Hansala (Return to Hansala), Chuz Gutierrez, Spanien Untitled, Jonathan Parker, USA Nurse.Fighter.Boy, Charles Officer, Kanada Master of Cinema: Atom Egoyan
2010 Großer Preis von Mannheim-Heidelberg: 10 1/2, Daniel Grou, Kanada Spezialpreis in memoriam Rainer Werner Fassbinder: Xun Huan Zuo Le (The High Life), Zhao Dayong, China Spezialpreis der internationalen Jury: Siyah Beyaz (Black and White), Ahmet Boyacıoğlu, Türkei Lobende Erwähnung der Internationalen Jury: Act of Dishonour, Nelofer Pazira, Kanada