mini|330px|Tempelelefant im Srirangam Tempel, Tiruchirapalli, Tamil Nadu, 2006 mini|330px|Tempelelefantin im Kumbeswarar Tempel, Kumbakonam, Tamil Nadu, 2020
Als Tempelelefant bezeichnet man Elefanten, die in asiatischen Ländern wie Indien und Sri Lanka in Tempeln gehalten werden.
Elefanten spielen allgemein in der hinduistisch und buddhistisch geprägten Kultur Süd- und Südostasiens eine bedeutende Rolle und gelten als heilig. Tempelelefanten nehmen normalerweise an religiösen Ritualen oder Prozessionen teil; Gläubige lassen sich auch von ihnen segnen.„The elephant is made to stand in the temple premises for work such as blessing devotees...“. Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, CUPA/ANCF-Technical Report No 13. Compassion Unlimited Plus Action (CUPA) and Asian Nature Conservation Foundation (ANCF), Bangalore, India, 2009, S. 10 Es kommt jedoch vor, dass ein Tempel mehrere oder viele Elefanten besitzt, die nicht (alle) für Rituale eingesetzt werden.Der Guruvayur Tempel in Kerala besaß 2009 60 Elefanten. Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, CUPA/ANCF-Technical Report No 13. Compassion Unlimited Plus Action (CUPA) and Asian Nature Conservation Foundation (ANCF), Bangalore, India, 2009, S. 89Laut Sangita Iyer wurden um 2019 nur 13 der Elefanten des Guruvayur-Tempels für Rituale verwendet. Sangita Iyer: The dark truth behind Guruvayur Elephants, Video auf Youtube, 12. September 2019 (Englisch; Abruf am 22. Juni 2024)In Kerala allgemein wurden 2009 etwa 7 % der Tempelelefanten nicht für Arbeit verwendet. Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, ..., Bangalore, India, 2009, S. 98 Bei großen religiösen Festivals (z. B. in Thrissur Puram) kommen auch Elefanten aus Privatbesitz zum Einsatz, die aufgrund besonderer körperlicher Merkmale als besonders heilig gelten. Auch sie werden in der Literatur als Tempel- oder Zeremonialelefanten bezeichnet.
Im frühen 21. Jahrhundert ist starke Kritik von Experten und Naturschützern an der Haltung gefangener Elefanten in Tempeln aufgekommen, da die Lebensbedingungen meistens problematisch sind und den Elefanten kaum Möglichkeiten bleiben, ihre natürlichen Bedürfnisse auszuleben.Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, CUPA/ANCF-Technical Report No 13. Compassion Unlimited Plus Action (CUPA) and Asian Nature Conservation Foundation (ANCF), Bangalore, India, 2009, S. 7
Vorgeschichte Im Hinduismus gibt es den elefantenköpfigen Gott Ganesha als eine Verkörperung von Weisheit, Gelehrsamkeit und Wohlstand.Karl Gröning, Martin Saller: Der Elefant in Natur und Kultergeschichte, Könemann, Köln, 1998, S. 127–129 Der heilige weiße Elefant Airavata gilt als Urahn aller Elefanten und spielt als Reittier des Gottes Indra eine hervorragende Rolle.Karl Gröning, Martin Saller: Der Elefant in Natur und Kultergeschichte, Könemann, Köln, 1998, S. 124John Dowson: A classical dictionary of Hindu mythology and religion, geography, history, and literature, Trübner & co., London, 1879, S. 9 (im Internet-Archiv; Englisch; Abruf am 17. Juli 2024) Nach buddhistischen Legenden wurde die Mutter des historischen Buddha erst mit ihm schwanger, nachdem sie einen weißen Elefanten im Traum gesehen hatte; auch soll Buddha später von einem Elefanten, der ihn eigentlich zertreten sollte, gerettet worden sein.Karl Gröning, Martin Saller: Der Elefant in Natur und Kultergeschichte, Könemann, Köln, 1998, S. 130–131 Darüber hinaus gibt es im Hinduismus weitere Mythen, in denen Elefanten eine wichtige Rolle spielen. Dies alles führte nicht nur dazu, dass südostasiatische Tempel oft mit Elefantenskulpturen geschmückt sind, sondern es wurden und werden auch lebende Elefanten in Tempeln gehalten, die nach hinduistischem und buddhistischem Glauben Glück bringen sollen.Temple Elephants, auf der Website der Elemotion Foundation (Englisch; Abruf am 11. Juli 2024)Pooja Marske: Pooja das Elefantenmädchen, Droemer, München, 2006, S. 6 (zu Tempelelefanten: S. 6–27 und 42–81) In einigen Tempeln haben Elefanten eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit einer an diesem Ort verehrten Gottheit.Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, CUPA/ANCF-Technical Report No 13. Compassion Unlimited Plus Action (CUPA) and Asian Nature Conservation Foundation (ANCF), Bangalore, India, 2009, S. 1
Die Tradition der Haltung von Tempelelefanten ist uralt, aber es ist nicht genau bekannt, wann sie begann. Trotz der religiösen Assoziationen sollen Elefanten ganz ursprünglich in erster Linie zum Transport von Wasser vom meist nahegelegenen Fluss zum Tempel gebraucht worden sein; sie mussten außerdem während gewisser „glückverheißender Stunden“ in der Nähe des Tempels stehen, konnten aber in der übrigen Zeit frei im Wald beim Tempel leben. Erst später sollen sich andere, rituelle Funktionen herausgebildet haben. Manche Forscher vermuten außerdem, dass früher auch Kriegselefanten zwischen den Schlachten in Tempeln untergebracht wurden (Ghosh, 2005) – das betrifft vor allem Tempel mit einer Tradition von männlichen Elefanten, wie z. B. im indischen Staat Kerala.Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, ..., Bangalore, India, 2009, S. 87
Indien Herkunft und Eigenschaften Bis heute (Stand 2024) halten bedeutende Tempel vor allem Südindiens eigene Tempelelefanten, die entweder durch Kauf oder als Geschenk erworben werden.Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, ..., Bangalore, India, 2009, S. 6 Dabei ist es jedoch hochwahrscheinlich, dass Elefanten, die Ende des 20. oder im 21. Jahrhundert als „Geschenk“ an einen Tempel deklariert wurden, in Wirklichkeit unter der Hand auf dem illegalen Schwarzmarkt erworben, aber offiziell als „Geschenk“ ausgegeben wurden – das ist eine gängige Praxis, seit 1972 der Handel mit Elefanten und 1982 der Fang wilder Elefanten in Indien verboten ist, aber trotzdem weiterhin bis in die Gegenwart (Stand 2024) illegal florierte (u. a. in Sonpur Mela). Protected birds, animals sold openly inside Asia’s ‘biggest cattle fair’, Artikel auf der Website von: FIAPO – Federation of Indian Animal Protection Organisations, 8. November 2017 (englisch; Abruf am 19. Juli 2023)Ein prominentes Beispiel für einen geschenkten Elefanten ist Sundar, der als Geschenk eines indischen Politikers unter katastrophalen Bedingungen im Jyotiba Tempel in Kolhapur lebte und später gerettet wurde. Sangita Iyer: Gods in Shackles – What elephants can teach us about empathy, resilience and freedom, Hay House, Carlsbad (California)/New York/London/Sydney/New Delhi, 2022, S. 153 (Verbot von Elefantenfang 1982) und 157–166 (Elefant Sundar) Tempel bzw. Festivals in Tamil Nadu und Kerala und anderer Staaten waren/sind auf jeden Fall in den illegalen Elefantenhandel verwickelt. Dabei wurden laut Suparna Ganguly, Gründerin des Wildlife Rescue and Rehabilitation Centre in Bangalore City, Elefantenbabys oder -kinder meistens in den nördlichen Wäldern von Assam, Bihar oder Arunachal Pradesh illegal gefangen und über mehrere Staatsgrenzen hinweg in südliche Staaten Indiens geschmuggelt, wobei auch Korruption eine Rolle spielt und Schmiergelder an Beamte gezahlt werden müssen.Hier nach: Sangita Iyer: Gods in Shackles – What elephants can teach us about empathy, resilience and freedom, Hay House, Carlsbad (California)/New York/London/Sydney/New Delhi, 2022, S. 153–154 Nur sehr selten wurde ein Elefant in einen Tempel ausdrücklich „gerettet“ –Im Jahr 2009 war von 267 beobachteten Tempelelefanten in 112 Tempeln nur einer (im Jahr 1936) gerettet worden. Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, ..., Bangalore, India, 2009, S. 6 umgekehrt kommt es jedoch öfters vor, dass malträtierte oder überarbeitete Elefanten aus Tempeln gerettet werden mussten.Sangita Iyer: Gods in Shackles – What elephants can teach us about empathy, resilience and freedom, Hay House, Carlsbad (California)/New York/London/Sydney/New Delhi, 2022, S. 156, 157–166 (Elefant Sundar)Gajraj FAQ and Updates, 14. Juni 2017, und In Memory of ‘Gajraj’, Our Beloved Elephant King, 15. Juli 2020, auf der Website von Wildlife SOS (englisch; Abruf am 15. März 2025) Elefanten, die bereits in einem Tempel geboren werden, sind extrem selten, da viele Tempelelefanten allein und in Isolation gehalten werden, keinen oder kaum Kontakt zum anderen Geschlecht haben und außerdem die Fortpflanzungsfähigkeit von Elefantenkühen in Gefangenschaft stark abnimmt, besonders wenn sie sich nicht wohlfühlen; darüber hinaus werden männliche Elefanten in Musth – eine wichtige Voraussetzung für die Paarung – gewöhnlich isoliert und strengstens angekettet.In einer 2009 veröffentlichten Studie hatten nur 26 Weibchen von 267 untersuchten Tempelelefanten Kontakt zu Bullen, aber nur 5 bekamen ein Baby – was aus diesen fünf Kälbern wurde, geht aus der Studie nicht hervor. Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, ..., Bangalore, India, 2009, S. 30–31, 46–47, 71–72, 99–100, 122–123, 141Eine seltene Ausnahme ist ein in Dharmasthala am 1. Juli 2020 geborenes Elefanten-Mädchen namens Shivany. Siehe Youtube-Videos: 1) Baby elephant in Dharmasthala temple named as Shivani, in: Tv9 Kannada, 31. August 2020; 2) Dharmasthala Shivani || ಮುದ್ದು ಗಜರಾಣಿ ಶಿವಾನಿಗೆ ಇದೀಗ 3 ವರ್ಷದ ಹುಟ್ಟುಹಬ್ಬದ ಸಂಭ್ರಮ –ಕಹಳೆ ನ್ಯೂಸ್, in: Kahale News, 29. Juni 2023 (Abruf am 14. Juli 2024) Laut Richard C. Lair (1997) gilt aber auch in „hinduistischen Tempeln ... ein ausdrückliches Zuchtverbot“.„In south India many elephants belong to Hindu temples which have specific prohibitions against breeding.“ Siehe im Kapitel India, den Abschnitt: Captive breeding, in: Richard C. Lair: Gone Astray - The Care and Management of the Asian Elephant in Domesticity. Food and Agriculture Organisation of the United Nations (FAO), Forestry Department, Rome, Italy and Forestry Department Group, Regional Office for Asia and the Pacific (RAP). Printed by Dharmasarn Co., Ltd., Bangkok, 1997 (englisch; Abruf am 23. Juli 2023) Im Jahr 2009 befanden sich unter den Tempelelefanten Indiens keine Tiere unter 6 Jahren, die meisten waren zwischen 16 und 60 Jahre alt.Surendra Varma, S. R. Sujata, M.C. Sathyanarayana, E.K. Easwaran, T.S. Rajeev, Mahesh Agarwal, N. Mohanraj, Nilesh Bhanage: Captive Elephants of Temples of India - An Investigation into the Status, Management and Welfare Significance, ..., Bangalore, India, 2009, S. 6