Der Chrysler New Yorker der Modelljahre 1979 bis 1981Die zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen von Kalenderjahren in der Regel ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen den neuen Modellen angepasst werden, ein neues Modelljahr. Üblicherweise liegt dies im September oder Oktober. ist eine auf der R-Plattform basierende viertürige Stufenhecklimousine, die der US-amerikanische Chrysler-Konzern in den Modelljahren unter eigener Marke vor allem in Nordamerika verkaufte. In dieser Zeit war der New Yorker das Spitzenmodell des Konzerns. Er gehörte zu den größten serienmäßig hergestellten PKWs seiner Generation und konkurrierte auf dem heimischen Markt mit dem Lincoln Continental sowie Cadillacs DeVille und Fleetwood Brougham. Die schwach motorisierten, stark dekorierten und oft mangelhaft zusammengebauten Autos gelten als typische Vertreter der Malaise Era.

Entstehungsgeschichte Die erste Ölpreiskrise 1973 führte Mitte der 1970er-Jahre zu erheblichen Absatzeinbußen der verbrauchsintensiven amerikanischen Full-Size-Modelle, die bis zu sechs Meter lang waren und zum Teil ein Leergewicht von über 2,5 Tonnen hatten. Während General Motors und Ford 1977 bzw. 1978 als Reaktion darauf kleinere Full-Size-Fahrzeuge auf den Markt brachten, die 300 bis 400 kg leichter und 250 bis 360 mm kürzer waren als ihre Vorgänger,Im Sommer 1976 erschienen zum Beginn des Modelljahrs 1977 zunächst die neuen GM-B- und C-Plattformen, auf denen die Modelle Buick Le Sabre und Electra, Cadillac DeVille, Chevrolet Caprice, Oldsmobile 88 und 98 sowie Pontiac Parisienne basierten; ein Jahr später brachte Ford die Panther-Plattform mit den Varianten LTD und Mercury Marquis heraus. produzierte der zu dieser Zeit wirtschaftlich schwer angeschlagene Chrysler-Konzern seine großen Modelle, die auf der 1965 eingeführten C-Plattform basierten, noch bis in die späten 1970er-Jahre hinein weiter.

Bei der Kernmarke Chrysler war die alte C-Plattform bis 1978 mit den Schwestermodellen Newport und New Yorker vertreten.Die Produktion der Parallelmodelle Dodge Royal Monaco und Plymouth Gran Fury hatte der Konzern bereits mit Ablauf des Modelljahrs 1977 jeweils ohne direkten Nachfolger eingestellt. Der New Yorker dieser Generation war 1974 zunächst als Imperial LeBaron auf den Markt gekommen und nach der Einstellung der Marke Imperial 1975 äußerlich und technisch unverändert als Chrysler weiterproduziert worden.Damit war ein kompliziertes Badge Shifting verbunden: Das bis 1975 produzierte Basismodell Newport wurde ab 1976 zum Newport Custom, während das Auto, das bis 1975 als New Yorker verkauft worden war, ab 1976 als Newport (ohne Namenszusatz) im Programm stand. Der bisherige Imperial wurde daraufhin ab 1976 zum New Yorker.

1979 kam es zu einer Neuaufstellung des Chrysler-Konzerns im Full-Size-Segment. Weil Chrysler unter der Leitung von Lee Iacocca für die 1980er-Jahre eine Umstellung der gesamten Modellpalette auf kompakte Frontantriebsfahrzeuge der K-Car-Familie plante, waren die neuen großen Fahrzeuge von Beginn an nur als Übergangsmodelle gedacht. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, entwickelte Chrysler deshalb – anders als General Motors und Ford – für die neuen Full-Size-Cars keine komplett neue Plattform, sondern überarbeitete lediglich die alte B-Plattform,Übersicht über die Chrysler-Modelle der einzelnen Plattformen auf www.teamchicago.com (abgerufen am 15. Juli 2024). die erstmals 1962 erschienen und ursprünglich für Intermediate-Fahrzeuge bestimmt war. Die überarbeitete Version erhielt die Bezeichnung R-Plattform.

Die R-Body-Familie debütierte Anfang 1979. Sie war zunächst nur bei Dodge (St. Regis) und der Kernmarke Chrysler vertreten; bei Plymouth erschien eine schwach ausgestattete und vor allem für Flottenbetreiber gedachte Basisversion als Gran Fury erst mit einem Jahr Verspätung. Die Kernmarke Chrysler bot wie üblich zwei Varianten an: eine einfacher ausgestattete Version unter der Bezeichnung Newport und eine als New Yorker bezeichnete Spitzenversion. Während es technisch keinerlei Abweichungen der beiden Modelle voneinander gab, war der New Yorker an Front- und Heckpartie individuell gestaltet; außerdem hatte er eine wesentlich bessere Ausstattung.

Der R-Body-New-Yorker blieb bis 1981 im Programm. Seine Produktion fiel in eine Phase einer schweren wirtschaftlichen Krise des Chrysler-Konzerns. 1979 und 1980 stand Chrysler mehrfach am Rand der Zahlungsunfähigkeit und überlebte nur durch Kredite, die von Staatsbürgschaften abgesichert waren. Die anhaltenden Insolvenzgerüchte dieser Jahre beeinflussten die Nachfrage nach den großen Chrysler-Modellen wie dem New Yorker nachteilig.

Im Modelljahr 1982 übernahm vorübergehend eine Variante der hinterradgetriebenen M-Plattform den Namen New Yorker, bevor 1983 die erste New-Yorker-Generation mit Frontantrieb erschien.

Modellbeschreibung Karosserie mini|Große Überhänge vorn und hinten mini|Heckpartie eines Chrysler New Yorker (1979)

Die neue Fullsize-Klasse war ausschließlich als viertürige Limousine mit Stufenheck und fest stehender B-Säule erhältlich; Chrysler bezeichnete diese Karosseriebauform – streng genommen widersprüchlich – als Pillared Hardtop (sinngemäß: Hardtop mit Mittelsäule). Ein zweitüriges Coupé und einen großen Kombi, die noch bei den Vorgängern zur Modellpalette gehörten und die die Konkurrenten nach wie vor im Angebot hatten, gab es nicht.

Die Grundkarosserie des New Yorker stimmt mit den Karosserien des Newport, des Dodge St. Regis und des Plymouth Gran Fury überein; Unterschiede gab es nur bei den Front- und Heckmasken sowie beim Dekor.

Bei der Gestaltung der Karosserien der R-Body-Familie hatten die Designer Wert darauf gelegt, trotz kürzerer Abmessungen den Eindruck unveränderter Größe zu erwecken.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 197. Der Kofferraum und die Motorhaube blieben lang, während die Fahrgastzelle einen gedrungenen Eindruck machte.Vgl. Geschichte der R-Body-Familie auf allpar.com (abgerufen am 16. Juli 2024). Der New Yorker war 33 mm länger als der Newport. Damit war er nach Einstellung der alten Lincoln Continental der größte Serien-PKW aus US-amerikanischer Fertigung.Albert R. Bochroch: American Cars of the Seventies. Warne’s Transport Library, London 1982, ISBN 0-7232-2870-1, S. 62.

Der New Yorker hat als einziges Mitglied der R-Body-Familie Scheinwerfer, die im ausgeschalteten Zustand von einer in Wagenfarbe lackierten Klappe abgedeckt sind. Die Kühlermaske ist in der Mitte zugespitzt. In den Modelljahren 1979 und 1980 bestand das Gitter aus senkrecht angeordneten, schachtelartigen Elementen; für 1981 änderte Chrysler die Kühlermaske geringfügig.

Anders als bei den übrigen R-Body-Modellen ist die C-Säule des New Yorker mit Vinyl bezogen. Die Gestaltung imitiert ein Landaudach. Das kleine Seitenfenster der hinteren Türen ist in den Vinylüberzug eingebettet; das rechteckige Zusatzfenster wurde in der Werbung als Opera window bezeichnet.

Der Heckabschluss des New Yorker unterscheidet sich von dem der übrigen R-Body-Modelle. Der New Yorker hat ein über die ganze Breite gehendes Leuchtband oberhalb des Stoßfängers; die Kennzeichenhalterung ist in die Stoßfänger integriert.

Fahrwerk Das Fahrwerk des New Yorker entspricht weitestgehend der Konstruktion der alten B-Body-Modelle: An den einzeln aufgehängten Vorderrädern hat er Drehstabfedern, die in ihrer Grundform bereits 1957 eingeführt worden waren; hinten ist es eine Starrachse mit Blattfedern.Zu den technischen Merkmale der R-Plattform s. www.allpar.com (abgerufen am 16. Juli 2024). Vorn hat der New Yorker Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen.

Motorisierung und Kraftübertragung Im Gegensatz zu den Schwestermodellen war der New Yorker ausschließlich mit Achtzylinder-V-Motoren aus der LA-Reihe (Small Block) erhältlich; den Slant Six genannten Reihensechszylindermotor mit 3,7 Liter Hubraum, der bei allen anderen R-Body-Modellen zumindest als Wunschmotorisierung im Programm stand, gab es im New Yorker nicht.

Im gesamten Produktionszeitraum war im New Yorker eine Small-Block-Variante mit 5210 cm³ (318 cui) Hubraum erhältlich, 1979 und 1980 daneben auch eine größere Ausführung mit 5898 cm³ (360 cui) Hubraum. Im ersten Modelljahr war der 5,9-Liter-Motor das Standardtriebwerk, 1980 und 1981 dagegen wurden die New Yorker serienmäßig mit dem kleineren Motor ausgeliefert. Die Leistungsdaten variieren in den einzelnen Modelljahren in Abhängigkeit von strenger werdenden Emissionsschutz- und Verbrauchsbestimmungen.

Die Motoren sind vorn längs eingebaut. Sie treiben die Hinterräder an. Als Kraftübertragung kam bei allen Motorisierungen ausschließlich ein automatisches Dreiganggetriebe (Typ TorqueFlite) zum Einsatz.

Chrysler New Yorker: Übersicht über die MotorisierungenTechnische Daten des Chrysler New Yorker (Modelljahr 1979) auf auto-catalog.com (abgerufen am 16. Juli 2024)Technische Daten des Chrysler New Yorker (Modelljahr 1980) auf auto-catalog.com (abgerufen am 16. Juli 2024)Technische Daten des Chrysler New Yorker (Modelljahr 1981) auf auto-catalog.com (abgerufen am 16. Juli 2024)Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 211.Bauart Ottomotor V8-Zylinder Hubraum 5210 cm³ (318 cui) 5898 cm³ (360 cui) Leistung 90 kW (122 PS) 97 kW (132 PS) 100 KW (137 PS) 115 kW (157 PS) 97 kW (132 PS) 112 kW (152 PS) 145 kW (198 PS) Verfügbarkeit 1979 – – Optional Optional – Serie Optional 1980 Serie – – – Optional – – 1981 – Serie – – – – –

Fahrleistungen Mit der 122-PS-Version des 5,2-Liter-Achtzylinders erreichte der New Yorker eine Höchstgeschwindigkeit von 159 km/h; die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgte in 15,2 Sekunden. Mit der stärksten, nur 1979 erhältlichen Motorisierung, dem 198 PS leistenden 5,9-Liter-Motor, lag die Höchstgeschwindigkeit bei 187 km/h und der Beschleunigungswert bei 10,6 Sekunden.

New Yorker Fifth Avenue Edition Eine besonders umfangreich ausgestattete Version des Autos wurde als Chrysler New Yorker Fifth Avenue verkauft. Er stellte Chryslers Gegenstück zum Lincoln Continental Williamsburg Town Car dar.Beschreibung des Lincoln Continental Williamsburg Town Car (abgerufen am 31. Juli 2024) Technisch gab es keine Unterschiede zu dem regulären New Yorker; die Besonderheiten der Fifth Avenue Edition beschränkten sich auf äußere und innere Dekordetails. Ein eigenständiges Merkmal der Fifth Avenue Edition sind imitierte seitliche Entlüftungsöffnungen in den vorderen Kotflügeln. Hinzu kommen speziell geformte Chrysler-Embleme und im Innenraum dickere Teppiche und speziell geätzte Gläser im Fond.

Äußerlich war die Fifth Avenue Edition an exklusiven Lackierungen erkennbar, die jährlich wechselten:

1979 war der Fifth Avenue nur in einer „Creme and Beige“ genannten Zweifarbenlackierung erhältlich, wobei das Landaudach eine dunklere Farbe hatte als der Rest der Karosserie.Verkaufsprospekt des New Yorker von 1979 (abgerufen am 16. Juli 2024).

1980 waren zwei Farbkombinationen erhältlich: eine Zweifarblackierung in „Champagner“, die das Muster des zurückliegenden Modelljahrs aufgriff, sowie ein für Dach und Blechteile gleichermaßen verwendeter, „Maroon“ genannter Braunton,Verkaufsprospekt der Marke Chrysler von 1980 (abgerufen am 16. Juli 2024). wobei die Prägung des Vinylbezugs die Struktur von Krokodilleder imitierte.

1981 schließlich war der New Yorker Fifth Avenue in einer Zweifarblackierung aus einem „Mahagoni“ genannten Braunton für die Dachpartie, den Kofferraumdeckel und die Motorhaube und einem dunklen Silber für den unteren Karosserieteil erhältlich.Verkaufsprospekt des New Yorker von 1981 (abgerufen am 16. Juli 2024).