mini|hochkant|Wappen derer von Pförtner (Rudolf Stein) Pförtner (auch Pförtner von der Hölle, Pförtner von der Hell) ist der Name eines alten, weitverzweigten schlesischen Adels- und Patriziergeschlechts, das später in den Landadel aufging. Die in den böhmischen Adels- und Reichsritterstand erhobene Familie schloss im Laufe der Jahrhunderte Allianzen mit zahlreichen schlesischen Uradelsgeschlechtern und ratsfähigen Breslauer Patriziergeschlechtern. Außer in Schlesien waren die Pförtner auch in der Niederlausitz und der Mark Brandenburg ansässig und begütert.Genealogisches Taschenbuch der Ritter- und Adels-Geschlechter 1879. 4. Jahrgang, Buschak & Irrgang, Brünn, Wien November 1878, S. 419 f. (Digitalisat).
Geschichte Das Geschlecht stammte aus dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer. Erst von Schweidnitz aus breiteten sich Linien im 15. und 16. Jahrhundert weiter nach Breslau, Neumarkt und Freystadt aus. Bereits Sinapius berichtete von einem Heinze Pförtner († 1299), welcher auf Grund seiner Kriegsverdienste von Herzog Bolko I. von Schweidnitz 1274 das Gut Weizenrodau bei Schweidnitz erhielt und mit dem auch die Stammreihe beginnt.GGT/Alter Adel und Briefadel. 1925. Gotha Herbst 1924, S. 684. 1320 ist Heinrich Pfortner als Bürger von Reichenbach beurkundet.Siehe Lit.: Oskar Pusch (Dortmund 1986), S. 224. Im Oktober 1418 erwarb der Urenkel von Heinze, Ernst Pförtner, das Gut Höllen bzw. Höllau, einen nach Pusch heute nicht mehr existierenden Ort bei Löwenberg. In Folge nannten sich seine Nachkommen Pförtner von der Hölle bzw. Pförtner von der Hell.Siehe Lit.: Oskar Pusch (1986), S. 225.
Linien Breslau, Neumarkt und Schweidnitz Unter den Söhnen von Ernst Pförtner teilte sich der Stamm in drei Linien: Hieronymus Pförtner auf Weizenrodau gründete die Linie Breslau, der kaiserliche Rittmeister und Kriegsrat Heinrich Pförtner die Linie Neumarkt, sowie Balthasar Pförtner die dort verbliebene Linie Schweidnitz. Heinrich Pförtner erhielt am 24. November 1438 einen kaiserlichen Adels- und Wappenbrief. Der Sohn von Balthasar, Dominikus Pförtner († 1540), war Ratsherr, Bürgermeister von Schweidnitz sowie 1520 Kanzler des Fürstentums Schweidnitz-Jauer.Siehe Lit.: Oskar Pusch (Dortmund 1986), S. 229. Am 8. August 1563 erlangte Ernst Pförtner von der Hölle den Adelsstand und Bestätigung seiner vier Heerschilde.Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 712.26 Pförtner von der Hölle (Hell), Ernst, Adelsstand und Bestätigung der vier Heerschilde, Abschrift 1920, 1563.08.08. Von 1596 bis 1657 waren zwei Pförtner im Breslauer Rat vertreten. Als einer der bedeutendsten Angehörigen der Linie Breslau diente Ernst von Pförtner († 1657), auf Pöpelwitz und Pilsnitz, als königlicher Mann- und Landesältester sowie als Präses von Breslau und Direktor des Burglehens Namslau.Ernst Heinrich Kneschke (Leipzig 1867), S. 133. Darüber hinaus war er in diplomatischer Tätigkeit am kaiserlichen Hof in Wien tätig. Im Fürstentum Breslau besaß er unter anderem die Güter Pöpelwitz, Pilsnitz, Schweinern, Groß und Klein Schottgau, Sibischau, Jäschgüttel usw. Seinem Wappen mit der Jahreszahl 1657 zufolge wurde er in der Elisabethkirche in Breslau beigesetzt.Siehe Lit.: Oskar Pusch (Dortmund 1986), S. 228–229.
Linien Freystadt Die bei Pusch nicht aufgeführte Linie Freystadt ging auf den Ratsherren und Bürgermeister von Freystadt Tiburtius Pförtner von der Hölle († 1553) zurück. Seinem Urenkel Johann Melchior Pförtner wurde am 2. Mai 1722 in Laxenburg der böhmische Adelsstand und am 4. Oktober 1723 in Prag der Reichsritterstand verliehenGenealogisches Handbuch des Adels, Limburg an der Lahn 2002, S. 289. sowie durch ein kaiserliches Reskript an die Breslauer Oberamtsregierung vom 2. Mai 1722 bzw. 4. Oktober 1723 bekannt gemacht.Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. XLII. Jahrgang, Nr. 3, Hrsg. Herold (Verein), Druck Julius Sittenfeld, Carl Heymanns Verlag, Selbstverlag des Herold, Berlin, März 1911, S. 78. (Digitalisat). 1806 erscheint Karl Gottlob von Pförtner auf Döhringau und Netschütz als Landrat des Kreises Freystadt.Siehe Lit.: Leopold Freiherr von Zedlitz-Neukirch (Leipzig 1839), S. 363.
Standeserhebungen 24. November 1438: kaiserlicher Adels- und Wappenbrief 8. August 1563: Wappenbesserung und Adelsbestätigung 2. Mai 1722: böhmischer Adelsstand 4. Oktober 1723: Reichsritterstand
Wappen mini|hochkant|Wappen derer von Pförtner in Siebmachers Wappenbuch
Genealogie (Auswahl) Hauptlinie Der Stammvater aller Pherteners und Phorteners ist Ritter Hainco (auch Heintze) Phortener (* um 1224 in Schweidnitz; † Okt. 1299 auf Weitzenrode (-rodau) bei Schweidnitz). Er hatte eine Tochter und drei Söhne; alle nannten sich Phortener de Weizenrode. Herzog Boleslaw II., genannt Bolco zu Liegnitz und Schweidnitz, beschenkte den Ritter Hainco Phortener 1274 mit dem Rittersitz, Gut und Dorf Weitzenrode bei Schweidnitz im Fürstenthum Schweidnitz-Jauer mit allem Zubehör, Lehensleuten, Gärtnern, Kmetonen ,Zinsen usw. für seine treu geleisteten Kriegsdienste und generelles Wohlverhalten im Kampf. Seine Frau ist unbekannt geblieben. Die Familien der beiden älteren Söhne Nicolaus und Henricus sind erloschen.
Literatur Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B (Briefadel), Band XXIV, Band der Gesamtreihe 129 GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Christoph Franke, Klaus von Andrian-Werburg und andere, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 2002, ISBN 978-3-7980-0829-8, S. 289–290. Oskar Pusch: Die Breslauer Rats- und Stadtgeschlechter in der Zeit von 1241 bis 1741, Band 3, Forschungsstelle Ostmitteleuropa, Dortmund 1986, S. 224–235. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 30. Jahrgang. 1938. Justus Perthes, Gotha Oktober 1937, S. 400–401. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. 18. Jahrgang. 1925. Justus Perthes, Gotha Dezember 1924, S. 684–686. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1918. 12. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha November 1917, S. 668–671. Moritz Maria von Weittenhiller: Genealogisches Taschenbuch der Ritter- und Adels-Geschlechter 1879. 4. Jahrgang, Buschak & Irrgang, Brünn, Wien November 1878, S. 419 ff. (Digitalisat)
Andreas von Assig: Antwort, Auff Beschehene Abdanckung, Bey (Titul) H. Ernst. Moritz von Pförtner und der Höllen, Leichbegängnüß, in Gegenwart Hochansehlicher, Fürstlicher, und anderer Herren Abgesandten, So wol Volckreicher Versam[m]lung Hoch-Adelicher und Vornehmer Leichbegleitenden Personen An deß Wol-Edlen, Gestrengen und Hochbenambten Herrn Ernst von Pförtner und der Höllen, auf Pöppelwitz, Pilßnitz, GroßSchottkaw, Sibischaw und Jäschkittel, Deß Breßlauischen Fürstenthums und zugehörigen Weichbilder Königlichen Manns, Lands-Eltistens, Wolverordneten Praesidis in Breßlaw, und deß Nambßlauischen Burglehns Directoris, Herren Tochterman, un bey diesem actu Stethaltern Dehn Wol-Elden und Gestrengen Herren Georgen von Mutschelnitz und Pulsen, Wie auch Die Wol-Edle, Viel-Ehren und Tugendreiche Fraw Sidonia Susanna Pförtnerin, gebohrne von Handwladin. Baumannische Druckerey, Gottfried Gründner, Breslau 1653. (Digitalisat)
Weblinks Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 712.26 Pförtner von der Hölle (Hell), Ernst, Adelsstand und Bestätigung der vier Heerschilde, Abschrift 1920, 1563.08.08
Einzelnachweise
Kategorie:Schlesisches Adelsgeschlecht Kategorie:Breslauer Patriziergeschlecht Kategorie:Patriziergeschlecht (Schweidnitz)