Golzheimer Heide ist eine Flurbezeichnung für eine ehemalige Heide, die sich im Düsseldorfer Norden auf einer Sandbank am Rhein entwickelte.

Lage mini|Kartenausschnitt Düsseldorf mit Stockum, Golzheim, Golzheimer Heide, Adressbuch 1929 Die Golzheimer Heide erstreckte sich ganz oder teilweise über die heutigen Stadtteile Golzheim, Stockum, Derendorf, Lichtenbroich, Lohausen und Unterrath. Sie reichte im Süden bis an den Rheinpark. Im Norden bzw. Osten lagen das Rheinstadion sowie die Flächen des Düsseldorfer Flughafens und des Nordfriedhofs in ihrem Bereich. Im Westen grenzte das Gebiet an den Rhein. Im heutigen Stadtteil Unterrath erstreckte sich die Heide zwischen Thewissenweg, Deikerstraße, Eckenerstraße und Kalkumer Straße als eine durchgehende Sandfläche.

Entstehung Die Golzheimer Heide entstand auf einer Sandanwehung. Sie war Ergebnis einer Sukzession auf unfruchtbarem Boden, hauptsächlich Dünen- und Flugsand sowie Kies mit eingelagerten Lehmschichten. In vorgeschichtlicher Zeit zeigte sich dieses Gebiet geprägt durch den Rhein als Wald- und Bruchlandschaft. Aufgrund von intensiver Beweidung während der letzten Jahrhunderte wurde das Gelände zunehmend entwaldet, wodurch es verheidete. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gebiet urbanisiert.

Geschichte Funde von Artefakten weisen auf die Fauna der Eiszeit vor rund 14.000 Jahren,Julia Brabeck: Wie Falko ein Mammut fand. In: Rheinische Post, 15. Januar 2010, D 4. 5.000 Jahre Kulturgeschichte im Düsseldorfer Norden,Jörg A. E. Heimeshoff: Ausstellung „Vom Steinbeil zum Schmelzofen-5.000 Jahre Kulturgeschichte im Düsseldorfer Norden“. In: Düsseldorfer Jahrbuch, Bd. 78, S. 369–370, Droste 2008. frühe Siedlungen in der EisenzeitJost Auler: Eine Hofstelle aus der älteren vorrömischen Eisenzeit zwischen Düsseldorf und Ratingen. In: Düsseldorfer Jahrbuch, Bd. 75, S. 431–442, Droste 2005. und keltische Landnahme hin.vgl.: Geschichte der Stadt Düsseldorf. Aus der späten Bronzezeit, der Römerzeit und auch Frühmittelalter liegen Reste von Urnengräberfeldern vor, wovon dasjenige auf der Golzheimer Heide ausgedehnt groß war.(…) das bedeutendste Gräberfeld aber zieht sich vom Kaiserhain über die Golzheimer Heide hin und hat in der neusten Zeit eine grosse Ausbeute an germanischen Graburnen und einigen Gefässen geliefert. In: Geschichte der Stadt Düsseldorf. Zur ältesten Geschichte des Stadt- und Landkreises Düsseldorf. S. 4 (uni-duesseldorf.de) Nach der Erhebungsurkunde von 1288 bestand das damalige Stadtgebiet aus einem Innen- und einem Außenbezirk. 1394 wurden der Außenbezirk durch die Einverleibung der Hundschaften Golzheim und Derendorf erweitertI. Stadtgebiet und Stadtgemeinde. In: Geschichte der Stadt Düsseldorf Zur Verfassungsgeschichte der Stadt Düsseldorf. S. 52 (uni-duesseldorf.de), und die Bewohner erhielten vom Herzog Adolf V. von Berg das volle Bürgerrecht. Unter Jan Wellem wurden die Ortschaft Golzheim, Derendorf, Bilk und Hamm in den Stadtverband aufgenommen. Südlich von Kaiserswerth war nicht in Dörfern gesiedelt worden, sondern in einzelnen Höfen. Die Bauernhöfe, die zu dieser Zeit im Bereich Golzheim und Derendorf lagen, waren begütert. In einer Steuerliste von 1433 lag der Bereich Golzheim und Derendorf, einer von acht Stadtteilen und den zugehörigen Höfen, im Steueraufkommen an dritter Stelle und damit noch vor dem „Stadtbereich“ von 1288.Hugo Weidenhaupt, in: Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert, Düsseldorf 1990, Schwann Verlag, Band 1, ISBN 3-491-34221-X, S. 180.

In einer Urkunde von 1184 wurden die Worte „Gottholushem“ überliefert. Später wurde daraus „Gottholzehem“ und schließlich „Golzheim“, was so viel wie „Gott hol uns heim“ heißen könnte. Jedoch stammt die Ortsbezeichnung „Golzheim“ eher aus der Kombination von „Heim“ und dem Namen „Gotthold“ ab.

Exerzier- und Übungsplatz mini|Karte eines unbekannten Archäologen, eingezeichnet sind germanische Gräberfelder, Römerstraßen in Rot und der Exerzierplatz Golzheimer Heide, 1884 Das Gebiet vor den Toren Düsseldorfs war zuvor als Exerzier- und Übungsplatz der in Düsseldorf stationierten Soldaten aus Derendorf und Golzheim, der Infanterie und der Kavallerie Ulanen und Husaren, genutzt worden. Die Truppen der Garnison der 14. Division war von Trier in die Kaserne der Carlstadt verlegt worden und nutzten schon im Jahre 1820 die Golzheimer Heide für Truppenübungen.In: Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsvereins 1883. S. 14 (uni-duesseldorf.de) Durch die Übungen der Soldaten wurde der Staub oftmals so aufgewirbelt, dass er wie eine Dunstglocke über dieser Gegend lagerte. Metertiefe Löcher waren schon in wenigen Tagen fast vollständig verweht und nicht mehr aufzufinden. Die Militärverwaltung versuchte diesem Übel abzuhelfen und die wandernden Sanddünen aufzuhalten. In den Jahren um 1870 wurde zu diesem Zwecke am Ostrand der Heide ein 25 Meter breiter Streifen dicht mit Kiefern bepflanzt. Vor diesem Gürtel wurden hohe Palisaden errichtet und davor eine dichte Reihe Weiden angepflanzt. Geholfen hat dies alles jedoch nicht viel. Die Anmarschwege des Regiments an der Tannenstraße zum Exerzierplatz, waren der heutige Thewissenweg, die Rheinlandstraße, die Breisacherstraße und die Eckenerstraße, damalig bescheidene Sandpfade. Im nördlichen Bereich des heutigen Krönerwegs entstand bald ein Schießstand für die Füsiliere. Diese Einrichtung blieb bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Kanoniere probten ihre Geschütze auf dem Heinefeld. Als im April 1877 bekannt geworden war, dass Wilhelm I. in der Zeit vom 3. bis 9. September am großen Herbstmanöver des VII. Korps der Preußischen Armee auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf persönlich teilnehmen würde, wurde für den Kaiser und seiner Gemahlin Augusta am 6. September 1877 das Kaiserfest des Künstlervereins Malkasten veranstaltet. Das gesamte Paradefeld wurde durch einen Drahtzaun abgesperrt und der Weg dorthin aus allen Richtungen für Fußgänger und Wagenverkehr gesperrt.Bekanntmachung die Kaiserparade und das Manöver betreffend. In Düsseldorfer Volksblatt (No. 229), vom 28. August 1877 (uni-duesseldorf.de)

Pferderennen Auch wurde das Gebiet für Pferderennen benutzt. Die Geschichte des Düsseldorfer Reiter- und Rennvereins begann 1836 im Anschluss an das 18. Niederrheinische Musikfest. Am 25. Mai fand das erste Vollblutrennen auf Düsseldorfer Boden in der Golzheimer Heide statt. Adelige Pferdezüchter wie Edmund von Hatzfeldt und Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim sowie weitere Personen gründeten 1836 den „Verein für Pferderennen und Pferdezucht“ als Aktiengesellschaft. Jährlich ließen sie im Frühsommer Pferderennen auf der Golzheimer Heide stattfinden. Dazu kamen eine Fohlen-Schau und ein Pferdemarkt, von dem sich die Bezirksregierung einen Impuls für die örtliche Pferdezucht erhoffte. Bald war die Vereinsführung fest in der Hand der kaiserlichen 14. Kavallerie-Brigade des Ulanen-Regiments und Husaren-Regiments und nannte sich „Reiterverein zu Düsseldorf“. Ab 1851 öffnete sich der Verein einem weiteren Kreis von Interessenten. Mit der Pferdebahn gelangte man vom Bergisch-Märkischen Bahnhof zum Depot Nordstraße und von da aus mit Omnibus oder Droschken über die Kaiserswerther Chaussee bis zum Rennplatz, dem Exerzierplatz auf der Golzheimer Heide. Aufgebaut war eine Tribüne für 1000 Personen, Musik wurde gespielt und für Restauration war auch gesorgt. In der Folgezeit fanden die Rennen mal in der Golzheimer Heide, mal im Bilker Busch, mal in der Benrather Heide statt. 1883 wurde der Vereinsname in „Düsseldorfer Reiter- und Rennverein“ geändert und zog 1884 auf die Lausward Wiesen, wo eine feste Rennbahn eröffnet wurde.Geschichte des Düsseldorfer Reiter- und RennvereinsGeschichte Rennbahn Düsseldorf

Golzheimer Insel – Ausstellungsgelände

mini|Schaubild der Industrie- und Gewerbeausstellung, im Hinterland die Golzheimer Heide, 1901 Ab 1899 wurde ein Teil der Golzheimer Heide im Zuge der Rheinufervorschiebung für die Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf 1902 und den neuen Kunstpalast trockengelegt. Die Überplanung der Golzheimer Insel als Ausstellungsgelände hatte Heinrich Lueg nach einer Idee des Malers Fritz Roeber seit 1898 verfolgt. Auch der Internationalen Kunst-Ausstellung und Grossen Gartenbau-Ausstellung 1904 diente das aufgeschüttete Terrain als Ausstellungsfläche.

Urbanisierung

Der größte Teil des nördlichen Düsseldorfer Stadtgebietes war allerdings noch weitgehend unerschlossen. Erste Versuche, den Städtebau im Norden zu fördern, hatte man bereits mit einem Bebauungsplan von 1911 gewagt, der unter anderem einen großen Nordhafen vorgesehen hatte und aus dessen Projekt unter anderem der Bau der Neuen Kunstakademie hervorgegangen war. mini|Schaubild der neuen königlichen Kunstakademie in Düsseldorf am Rhein bei Stockum, 1912

mini|Luftbild der Golzheimer Siedlung und Wohnanlagen der britischen Besatzungsmacht, 1953 Der Erste Weltkrieg hatte diese Planungen zunichtegemacht und die Erstellung eines Generalbebauungsplanes um Jahre verschoben. Nach dem Krieg beauftragte man den Stuttgarter Hochschullehrer Adolf Muesmann mit der Erstellung eines Generalbebauungsplanes, der den veränderten Anforderungen nach dem Krieg – insbesondere der Ausweitung des Verkehrsnetzes und die Berücksichtigung von Grünflächen (Schrebergartenbewegung und Kleinsiedlungen) – gerecht werden sollte. Dessen Entwurf berücksichtigte den neuen Hafen in Stockum nicht mehr, um das Nordgebiet von industrieller Bebauung freizuhalten und ausschließlich für Wohn- und Erholungszwecke zu nutzen.Das Ausstellungsgebiet vor der Erschliessung, auf schaffendesvolk1937.de Mit der Reichsausstellung Schaffendes Volk 1937 auf dem Gelände des heutigen Nordparks, entstand in einer Vorbereitungsphase von anderthalb Jahren ein völlig neues Stadtviertel in Düsseldorf. Die zwei angelegten Mustersiedlungen waren die die Siedlung Schaffendes Volk, ab 1937 Schlageterstadt, heute Golzheimer Siedlung, im südlichen Teil des Ausstellungsgeländes mit Wohnraum der gehobenen Ansprüchen für Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Kunst und im Norden des Ausstellungsgeländes die Wilhelm-Gustloff-Siedlung, heute Nordparksiedlung in Stockum, die eine Arbeitersiedlung darstellte, und die Blumensiedlung in Höhe des heutigen Messegeländes von 1971. Nach dem Abzug der französischen Truppen im Jahre 1925 waren in direkter Nachbarschaft zum Schlageterkreuz die so genannten Wilden Siedlungen entstanden: die Thewissensiedlung, die Siedlung Rotes Haus und die weit über die Grenzen Düsseldorfs bekannte Heinefeld-Siedlung.

Luftschiffhafen, Flugfeld Golzheimer Heide

mini|hochkant|Versuchsluftschiff „Veeh 1“ stationiert in der Luftschiffhalle zu Düsseldorf, 1913