Stefan Luft (* 1961 in Hannover) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und arbeitet als Privatdozent an der Universität Bremen.
Leben und Wirken Luft lebt in Bremen. Er wurde in Hannover geborenMarcel Freihorst: Die Stimme von Stefan Luft. In: Junger Schlüssel. Das Magazin der JU Bremen & Bremerhaven. 1, 2013, S. 10 (Interview und Vita). und wuchs in Coburg in Oberfranken auf. Er erhielt 1980 das Abitur am Gymnasium Ernestinum in CoburgGesellschaft für Sicherheitspolitik e. V. und studierte Geschichte und Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er 1992 auch promoviert wurde. Im Anschluss war er für die Konrad-Adenauer-Stiftung in der Begabtenförderung tätig. Von 1995 bis 1999 war er Pressesprecher und persönlicher Referent des Innensenators Ralf Borttscheller (CDU) in der Freien Hansestadt Bremen, von 1999 bis 2004 stellvertretender Sprecher des Senats der Freien Hansestadt Bremen, dabei 1999 bis 2003 Sprecher für Finanzsenator Hartmut Perschau (CDU), 2003 bis 2004 Sprecher für Wirtschafts- und Häfensenator Perschau. Er war CSU-Mitglied, trat aber 2004 aus. Im selben Jahr wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Bremen und habilitierte sich dort 2008 zum Thema "Staat und Migration. Zur Steuerbarkeit von Zuwanderung und Integration." 2009/2010 übte er einen Lehrauftrag an der Universität der Bundeswehr München aus.
Stefan Luft ist verheiratet und hat vier Töchter.
Forschungsschwerpunkt Zu seinen Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählt Regierungslehre und Politikfeldanalyse. Er publizierte in erster Linie zu den Themen Flucht und Migration und ist dabei neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch durch Beiträge in Zeitungen und Beteiligungen im Rundfunk im öffentlichen Diskurs präsent. In neuerer Zeit veröffentlichte er verstärkt zur Sicherheits- und Entspannungspolitik. Auch zu Fragen der Entspannungspolitik war er Gast von Fernsehrunden. In der Phoenix Runde „Zwischen Rüstung und Diplomatie - Wie kann die NATO den Frieden sichern?“Aufzeichnung der Sendung bei Youtube vom 11. Juli 2024. Zuletzt abgerufen am 12. Juli 2024. am 10. Juli 2024 mit Anke Plättner war Stefan Luft beispielsweise neben Cathryn Clüver Ashbrook, dem Militärökonomen der ETH Zürich, Marcus Keupp und dem polnischen Journalisten Jan Opielka als Vertreter einer anderen Meinung geladen. Darüber hinaus zählen zu seinen Forschungsthemen auch Föderalismus, Kommunal-, Lobby- und Medienpolitik.
Rezeption und Kritik Ein breites Medienecho löste Luft mit einem 2022 in der Zeitschrift für Politik veröffentlichten AufsatzStefan Luft: Das Verschwinden des Pluralismus. Hegemoniale Diskurse in der Migrationsforschung und die Wissenschaftsfreiheit, in: Sandra Kostner (Hrsg.): Wissenschaftsfreiheit. Warum dieses Grundrecht zunehmend umkämpft ist. Zeitschrift für Politik. Sonderband 10, Baden-Baden: Nomos 2020, S. 131–146. aus.Thomas Thiel: Politik der Denunziation. Der Migrationsforscher Stefan Luft wirft seiner Disziplin vor, unkritisch die Agenda von Wirtschaft und Politik zu bedienen und zum eigenen finanziellen Vorteil ein geschöntes Bild der Wirklichkeit zu zeichnen. Zu Recht?, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 8. März 2023, Nr. 57, S. N4. Darin vertrat er die These, dass "die Politisierung der Migrationsforschung Züge einer intellektuellen Hegemonie angenommen hat, die vielfältige Forschungszugänge untergräbt".Sandra Kostner: Hochschulen in den 2020er-Jahren. Intellektuelle Vielfalt oder intellektuelle Lockdowns?, in: dies. (Hrsg.): Wissenschaftsfreiheit. Warum dieses Grundrecht zunehmend umkämpft ist. Zeitschrift für Politik. Sonderband 10, Baden-Baden: Nomos 2020, S. 7–30, 30. Noch im April 2026 griff der Migrationsforscher Alexander Kustov Lufts Analyse in einem Gastbeitrag für die FAZ zustimmend auf.Alexander Kustov: Gut gemeinte Desinformation. Die politische Umdeutung wissenschaftlicher Befunde zur Migration verhindert eine vernünftige Einwanderungspolitik, FAZ, 1. April 2026, Nr. 77, S. N4.
Lufts 2016 bei C.H.-Beck erschienenes Buch "Die Flüchtlingskrise. Ursachen, Konflikte, Folgen" erhielt viel Zuspruch.https//www.socialnet.de/rezensionen/24928.phpR.A., Europa und die Flüchtlinge, Neue Luzerner Zeitung, 24. März 2016, S. 20: "Das Buch bietet keine Lösungen des Problems, aber legt fundiert die Fakten dar."Georg Paul Hefty:
Vor lauter Schlagbaum die Grenze verpasst. Flüchtlinge sind nicht gleichbedeutend mit Vertriebenen, auch wenn Katja Kipping dies meint, während Stefan Luft die Krise sachlich betrachtet, FAZ, 12. März 2016, Nr. 61, S. L16.
2025 veröffentlichte Luft zusammen mit Jan Opielka und Jürgen Wendler im Westend-Verlag das Buch Mit Russland. Für einen Politikwechsel. Peter Brandt äußerte sich in dem von der Jungen Freiheit getragenen Magazin Cato lobend.Brandt, Peter, in: CATO, Magazin für neue Sachlichkeit, Heft 6/2025, S. 46–49 Eine positive Rezension erschien außerdem auf dem – wiederholt mit Verschwörungstheorien in Verbindung gebrachten – Blog NachDenkSeiten.Peli, Eva, Europa in der Krise, in: NachDenkSeiten vom 31. Juli 2025 Kritisch äußerte sich demgegenüber die Direktorin der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, Susanne Schattenberg, in der taz:
In einem begleitenden Artikel übte auch der taz-Redakteur Benno Schirrmeister Kritik an dem Buch: „Der Rückgriff auf Daten, Fakten, Empirie oder auch nur die dank der Website dekoder.org sehr leicht zugänglichen oppositionelle Stimmen aus Russland, der Ukraine und Belarus wird geradezu ängstlich vermieden. […] Kurz: Das methodisch indefinite Werk kann bestenfalls als Bekenntnisliteratur durchgehen. Erkenntnisse, neue gar, fehlen.“Innensenator bleibt Buchvorstellung fern. Ulrich Mäurers Luftnummer, in: taz vom 18. September 2025, zuletzt besucht am 28. September 2025.
Im September 2025 organisierte das umstrittene "Bremer Friedensforum" eine Vernissage zum Buch "Mit Russland". In der Bild-Zeitung äußerte sich Hagen Meyer kritisch zu dieser Veranstaltung und beanstandete außerdem, dass das von Günter Verheugen verfasste Vorwort Russlands Rolle im Ukraine-Krieg verharmlose. Nach Kritik vonseiten der Bild-Zeitung sagte Ulrich Mäurer, Bremens damaliger SPD-Innensenator, seine Teilnahme an der Veranstaltung ab."Nach BILD-Anfrage; SPD Senator sagt Rede bei Russland-Verstehern ab", in: BILD vom 16. September 2025 Auch der FDP-Politiker Tobias Huch bezeichnete das "Friedensforum" als "putin-verharmlosend" und äußerte Kritik an dessen Buchvorstellung: "Ein Innensenator hat dort nichts zu suchen. Die einzigen Personen seiner Behörde, die dort anwesend sein sollten, wären die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, um diese Teilnehmer im Auge zu behalten."
Ehrenämter Stefan Luft hat zahlreiche Ehrenämter übernommen. 2000–2012 war er Mitglied im Landesrundfunkausschuss der Freien Hansestadt Bremen in Radio Bremen, 2008–2011 gehörte er als Sachverständiger der Enquete – Kommission des Landtags Rheinland-Pfalz „Integration und Migration in Rheinland-Pfalz“ an; von 2010 bis 2013 war er als ständiger Sachverständiger der Enquete – Kommission des hessischen Landtags Hessischer Landtag „Migration und Integration“ tätig. In demselben Zeitraum war er auch ein Jury Mitglied der Kulturstiftung des Bundes im Bereich Allgemeine Projektförderung. Luft ist Gründungsmitglied des „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“, das seit 2021 besteht. Seit Oktober 2024 ist er der erste Vorsitzende des gemeinnützigen Bremer Vereins „Mauern öffnen“ https//www.mauern-öffnen.de. Er ist Vertrauensdozent für die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk; am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen nimmt er die Aufgabe des Bafög-Beauftragten wahr.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Leben und Schreiben für den Pietismus. Der Kampf des pietistischen Ehepaares Johanna Eleonora und Johann Wilhelm Petersen gegen die lutherische Orthodoxie. Nordhausen: Traugott Bautz 1994. Die Dynamik der Desintegration. Zum Stand der Ausländerintegration in deutschen Großstädten. München: Akad. für Politik und Zeitgeschehen 2002, . Mechanismen, Manipulation, Mißbrauch. Ausländerpolitik und Ausländerintegration in Deutschland. Köln 2002.https://swb.bsz-bw.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=342125710&PRS=HOL&INDEXSET=21 Ausländerpolitik in Deutschland. Mechanismen, Manipulation, Missbrauch. Gräfelfing: Resch ²2003.https://kxp.k10plus.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=369178955 Abschied von Multikulti. Wege aus der Integrationskrise. Gräfelfing: Resch 2006, 2. Aufl. 2007https://kxp.k10plus.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=592875032. Internationale Migration. Zwischen „braindrain“, Entwicklungshilfe und Steuerungsversuchen. Hrsg. von der Hanns-Seidel-Stiftung und dem Institut für Internationale Begegnung und Zusammenarbeit. München 2008 (Argumente und Materialien der Entwicklungszusammenarbeit 3).
Staat und Migration. Zur Steuerbarkeit von Zuwanderung und Integration. Frankfurt und New York: Campus 2009.https://swb.bsz-bw.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=590296213&PRS=HOL&INDEXSET=21 Wie funktioniert Integration? Mechanismen und Prozesse. München: Akad. für Politik und Zeitgeschehen 2009.https://swb.bsz-bw.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=641925913&PRS=HOL&INDEXSET=21 Die Flüchtlingskrise: Ursachen, Konflikte, Folgen. München: C.H. Beck 2016 (C.H. Beck Wissen 2857). ISBN 978-3-406-69072-3https://swb.bsz-bw.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=890660255&PRS=HOL&INDEXSET=21 Flucht nach Europa. Ursachen, Konflikte, Folgen. Bonn : Bundeszentrale für Politische Bildung 2016 (Bundeszentrale für Politische Bildung: Schriftenreihe Band 1721).https://swb.bsz-bw.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=863300707&PRS=HOL&INDEXSET=21 Ukrainekrieg. Warum Europa eine neue Entspannungspolitik braucht (Hrsg. zus. mit Sandra Kostner). Westend Verlag, Frankfurt am Main 2023. ISBN 978-3-949925115 Mit Russland. Für einen Politikwechsel (Hrsg. zus. mit Jan Opielka und Jürgen Wendler). Westend Verlag, Neu-Isenburg 2025. ISBN 978-3-98791-125-5
Literatur Vita: Dr. phil. habil. Stefan Luft. In: Marcel Freihorst: Die Stimme von Stefan Luft. In: Junger Schlüssel. Das Magazin der JU Bremen & Bremerhaven. 1, 2013, S. 10.
Weblinks Webseite an der Universität Bremen Persönliche Website Perlentaucher: Kurzlebenslauf und Rezensionsnotizen
Einzelnachweise
Kategorie:Hochschullehrer (Universität Bremen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1961 Kategorie:Mann Kategorie:Politikwissenschaftler