mini|Die Wallanlage umschließt die roten Bereiche Altstadt, Neustadt und Radewig mini|Der Wall und die Stadtmauer Mitte des 17. Jahrhunderts mini|Die Wallanlage um 1650 Die Herforder Wallanlage ist eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Stadtumgänge in Deutschland. Sie umschließt die Innenstadt, die aus den Stadtvierteln Altstadt, Neustadt und Radewig besteht. Entlang der 3,5 Kilometer langen Wallanlage verlief seit dem 13. Jahrhundert die Herforder Stadtbefestigung. Die Wälle sind weitgehend mit Ein- und Zweifamilienhäusern und mit einzelnen Villen bebaut. Weitere bedeutende Gebäude werden in den einzelnen Wallabschnitten erwähnt. Von Norden im Uhrzeigersinn besteht die Wallanlage aus folgenden Teilen: Wilhelmsplatz Lübbertorwall, Bergertorwall, Pöppelmannwall, Unter den Linden, Deichtorwall, Steintorwall und Schulwall.
An fünf Stellen der Wallanlage beziehungsweise der Stadtbefestigung befanden sich die fünf Herforder Stadttore Lübbertor, Bergertor, Renntor, Deichtor und Steintor. Die Bezeichnungen für die Örtlichkeiten haben sich auch nach Abriss der Tore erhalten. An den Stadttoren beginnen jeweils die wichtigsten Herforder Ausfallstraßen. Am Lübbertor beginnt die Mindener Straße, am Bergertor die Salzufler Straße, am Renntor die Ahmser Straße, am Deichtor die Bielefelder Straße und am Steintor die Engerstraße.
Geschichte mini|Blick von der Fußgängerbrücke am Lübbertorwall über die Werre. Links ist der nördliche Teil des Wilhelmsplatzes zu sehen (2021). mini|Wittekinddenkmal auf dem Wilhelmsplatz (1967) mini|Wilhelmsplatz 7 (2011) mini|Lübbertorwall (2005) mini|Fußgängerbrücke zwischen Lübbertorwall und Werregärten (2021) mini|Lübbertorbrücke über die Werre, links die Lübberstraße, rechts die Mindener Straße (2008) Ursprünglich befand sich im Bereich der Wälle die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete Herforder Stadtmauer und außen davor ein Stadtgraben. Während im 14. Jahrhundert ein zweiter Stadtgraben gebaut wurde, ist der erste Stadtgraben zwischenzeitlich komplett verfüllt. Obwohl zwei Flüsse durch die Stadt flossen, wurden alle Stadtgräben künstlich angelegt. Die Werre, die heute parallel zum Bergertor- und Lübbertorwall fließt, hatte damals einen anderen Verlauf. Sie wurde als Stadtgraben entlang der beiden Wälle um die Stadt herum angelegt. Am Mündungsdelta der Aa, teilte sich die Werre ursprünglich in mehrere Arme, insbesondere die Bowerre und die Kleine Werre. Beide, Werre und Aa, wurden im Mittelalter als Stadtgraben in die Stadtbefestigung einbezogen und dabei zusätzlich geteilt; während Bowerre und Kleine Werre quer durch die Herforder Neustadt flossen, wurde die (kanalisierte) Werre außen herumgeleitet. Kleine Werre und Bowerre wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet, so dass vom Bergertor bis zur Aa-Mündung heute nur noch der künstliche Werre-Kanal existiert.
Erhalten geblieben ist der Stadtgraben am Deichtor- und Steintorwall. Am Deichtor zweigt er von der Aa ab und im Bereich des Steintorwalls mündet er wieder in die Aa.
Mitte des 17. Jahrhunderts hatte Herford seine stärkste militärische Befestigung. Sie bestand aus einer sechs bis acht Meter hohen Stadtmauer, in die die 14 Türme und ein gutes Dutzend Bastionen und Rondelle integriert waren. Außerdem gab es den komplett die Stadt umfließenden, teilweise doppelten Stadtgraben mit den fünf Mehrtoranlagen (Stadttoren) und ihren Brücken.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1680–1648) verfielen die Verteidigungsanlagen und Teile der Stadtmauer wurden abgebrochen. Während ein Teil des Walls verpachtet wurde, blieben die Stadttore und Stadtgräben erhalten. 1765 wurde der Wall an 14 Herforder Bürger verkauft. Lediglich der Bereich zwischen Lübber- und Bergertor blieb als Exerzierplatz der Garnison im städtischen Besitz. Nachdem die Stadtmauer von der Stadt Stück für Stück meistbietend verkauft worden war, wurde diese von den Käufern abgebrochen. Lediglich an der Mühlengasse ist ein kleines Stück der Stadtmauer erhalten. In der Kleinen Mauerstraße und der Renntorwallstraße sind einige Gebäude der Mauerbebauung erhalten.
Auch nachdem die mittelalterliche Stadtmauer verkauft und abgebrochen wurde, blieben die fünf Stadttore und die Stadtgräben noch als Abgrenzung und Schutz zwischen der Innenstadt und den Feldmarken erhalten. In den dort errichteten Torwärterhäusern lebten und arbeiteten Zöllner, die bis 1854 Zölle und Chausseegelder einzogen. Danach wurden die Fachwerkgebäude und die immer mehr verfallenden Toranlagen abgebrochen. Lediglich die Brücken erinnern noch an die alte Stadtbefestigung.
Ab 1870 wurden die Wälle zu Promenaden umgestaltet. Dabei engagierte sich überwiegend der kurz zuvor gegründete Verschönerungsverein. Im Rahmen des Einbaus von Wasserleitungen wurden die Wallanlagen Ende des 19. Jahrhunderts noch einmal instand gesetzt. Seit 2006 wird der Wall in einzelnen Bauabschnitten umgestaltet.
Einzelne Abschnitte Wilhelmsplatz Der Wilhelmsplatz ist eine Grünanlage innerhalb der Herforder Wallanlagen. Der Bereich wurde ab 1870 erschlossen und 1885 nach dem damaligen deutschen Kaiser Wilhelm I. benannt. Der nördliche Bereich und ein Teil auf der Südseite des Wilhelmsplatzes ist bebaut und mit Fahrzeugen von der Schillerstraße aus zu erreichen. Unter anderem steht dort das Gebäude des Berufskollegs am Wilhelmsplatz und des Studienzentrums der Hamburger Fernhochschule. In diesem Bereich zweigt nach Norden die Augustastraße ab.
Am östlichen Ende geht der Wilhelmsplatz in den Lübbertorwall über, der nur für Fußgänger und Radfahrer freigegeben ist. In diesem Bereich stehen südlich des Wilhelmsplatzes Häuser und auf der Nordseite die Petrikirche, die einzige evangelisch-reformierte Kirche der Stadt Herford.
Im südlichen Teil des Wilhelmsplatzes steht das Wittekinddenkmal, das den Widersacher Karls des Großen Widukind auf einem Pferd sitzend darstellt. Das Reiterstandbild stellt das Quellwunder dar, nach dem sich Widukind christlich taufen ließ. Als sein Pferd nämlich beim Ritt durch das Wiehengebirge scharrte und eine Quelle hervortrat, sah Widukind dieses als Zeichen an, sich zum Christentum zu bekennen.
Die Südseite des Wilhelmsplatzes bildet die Wilhelm-Oberhaus-Schule. Daneben führt ein Weg zur Berliner Straße und in die Innenstadt.
Im Haus Wilhelmsplatz 7 soll der sogenannte Wunderheiler Bruno Gröning im Jahre 1949 angeblich einen unheilbar kranken Jungen geheilt haben.
In den Jahren 2019 und 2020 wurde der Wilhelmsplatz grundlegend umgestaltet.
Lübbertorwall und Lübbertor Der Lübbertorwall verläuft zwischen dem Wilhelmsplatz und dem Lübbertor südlich der Werre. Die Südseite des Walls, der nur für Fußgänger und Radfahrer freigegeben ist, ist bebaut. Seit 1973 verbindet eine Fußgänger- und Fahrradbrücke den Lübbertorwall mit den nördlich der Werre gelegenen Werregärten und dem Friedrichs-Gymnasium. Eine private Brücke, die sich seit 1900 in diesem Bereich befand, wurde vom Februarhochwasser 1946 mitgerissen.
Am Lübbertor stand eines der Herforder Stadttore, wo in Richtung Innenstadt die Lübberstraße beginnt und stadtauswärts die 1964/1965 mit vier Fahrstreifen neugebaute Lübbertorbrücke die Werre überquert. Seit 1975 verläuft unter der Straße eine Fußgängerunterführung. Die heutige Mindener Straße führte früher einmal zum Gelände des sächsischen Hofes Libbere, der um 1225 in die Stadt verlegt wurde. Er befand sich vermutlich im Bereich des Schulhofes der heutigen Wilhelm-Oberhaus-Schule. Nach dem Hof sind die Lübberstraße, der Lübbertorwall und das Lübbertor benannt.
Der Lübbertorwall wurde letztmals in den Jahren 2016 und 2017 saniert. 2019 wurden im Zusammenhang mit der Sanierung der Wallanlagen Reste eines im 16. Jahrhundert errichteten und im 18. Jahrhundert abgebrochenen Teils der Herforder Stadtbefestigung freigelegt.
Bergertorwall und Bergertor mini|Die Werre am Bergertor (2020) Zwischen Lübbertor und Bergertor verläuft entlang der Werre der Bergertorwall, der ähnlich wie der Lübbertorwall in den Jahren 2016 und 2017 saniert und umgestaltet wurde. Er ist ebenfalls auf der Südseite bebaut und nur für Fußgänger und Radfahrer freigegeben.
Das Bergertor, eines der fünf ehemaligen Herforder Stadttore, trägt diesen Namen, weil es zum Stiftberg führt. Vermutlich befand sich dort bereits vor dem Bau der ersten Brücke eine Furt durch die Werre und von Mitte des 13. Jahrhunderts bis 1969 lag in der Flussmitte eine Insel. Zwischen 1220 und 1250 wurden im Zusammenhang mit der Stadtbefestigung zwei Brücken über die beiden durch die Insel geteilten Werrearme gebaut, die danach mehrmals durch Hochwasser zerstört beziehungsweise beschädigt wurden. Zur Regulierung des Wasserstands wurde oberhalb der Brücken auf beiden Seiten der Insel jeweils ein Wehr gebaut. Während das eine ein feststehendes Überlaufwehr war, konnte bei dem anderen durch bewegliche Elemente (Schütze) der Wasserstand des Oberlaufs reguliert werden.
Nach dem Rückbau des Stadttors und des Zollhauses wurden die beiden hintereinander liegenden Brückenbögen infolge des zunehmenden Autoverkehrs im Jahr 1937 verbreitert. Ab 1969 wurde die Insel zurückgebaut und der östliche Werrearm verfüllt sowie der westliche Arm verbreitert. Anschließend wurden zwei parallel verlaufende Brücken mit zwei beziehungsweise vier Fahrstreifen gebaut, die 1972 freigegeben wurden.
Seit 1968 steht auf einer Grünanlage am Bergertor ein Kriegsopfer-Mahnmal. Diese Grünanlage wird Spatzenwiese oder Weddigenuferpark genannt (siehe Liste der Plätze in Herford). Die Spatzenwiese entstand, nachdem 1940 die Gebäude Bergertorstraße 2, 4 und 6 abgebrochen worden waren, um die Straße zu verbreitern. Ein nicht mehr vorhandener Weg am Gebäude Bergertorstraße 8/10 wurde 1955 nach „Spatz“ Hellweg benannt, einem stadtbekannten Oberamtsinspektor. Richard Hellweg, der 1902 in Herford geboren ist, wohnte seit 1933 im Haus Bergertorstraße 8/10. Als ein Schützenbruderstreich wurde an dem Weg das Straßenschild „Spatzenweg“ aufgestellt. Obwohl der Weg verschwunden ist, hat sich der Name Spatzenwiese für die Freifläche am Bergertor im Volksmund erhalten. Bis in die 1970er Jahre floss die Bowerre, die die Grenze zwischen der Altstadt und der Neustadt markierte, durch die Spatzenwiese. Zwischen 1969 und 1976 wurden die meisten Teilstücke der Bowerre trockengelegt und zugeschüttet. Seitdem ist auf der Spatzenwiese nur noch die Brücke vorhanden, unter der die Bowerre floss, die an dieser Stelle von der Werre abzweigte.
Gegenüber von der Spatzenwiese befand sich auf der anderen Seite der Werre bis 1956 die private Herforder Badeanstalt und daneben gab es einen Bootsverleih.Overbecks Badeanstalt am Bergertor Auf: wolfgangheinrich-mbe.de, abgerufen am 10. Juli 2024Frank-Michael Kiel-Steinkamp: Auflösung Mittwochrätsel: Bergertor an der Werre Auf: nw.de, 22. Juni 2022Das alte Bergertor und seine Mauer In: HF-Magazin Nr. 61 vom 14. Juni 2007
Am 30. Oktober 2010 wurden zwei Pylone, die sogenannten Safety Cones des Künstlers Dennis Oppenheim im Kreuzungsbereich am Bergertor aufgestellt. Der weitläufige Kreuzungsbereich war nach dem Bau der neuen Bergertorbrücken Anfang der 1970er Jahre entstanden.
Pöppelmannwall und Renntor mini|Verbindungsweg zwischen Bergertorwall und Pöppelmannwall (2017) Über einen Fußweg, der parallel zur Werre entlang der Spatzenwiese verläuft, gelangt man zum Pöppelmannwall, und zum Weddigenufer, das weiter in Richtung Südosten parallel zur Werre verläuft. In Richtung Südwesten verläuft bis zum Renntor der Pöppelmanwall. Diesen Namen trägt das Wallstück erst seit 1955. Zunächst wurde es 1886 Renntorwallstraße benannt und um 1900 nur noch Renntorwall. 1912 wurde es in Kaiser-Friedrich-Wall umbenannt und 1936 erhielt der Wall den Namen Daniel-Pöppelmann-Wall, der dann 1955 in Pöppelmannwall verkürzt wurde. Der Wall wurde nach dem in Herford geborenen Erbauer des Dresdner Zwingers, Matthäus Daniel Pöppelmann benannt.