Die Fallschirm-Panzer-Division 1 „Hermann Göring“ war eine nicht im Lufttransport einsetzbare Panzerdivision der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, deren Angehörige zur Luftwaffe gehörten. Der Verband wurde durch den Ausbau des 1935 aufgestellten Luftwaffen-Wachverbands Regiment General Göring und dessen Nachfolgeverbände geschaffen.

Die Keimzelle der späteren Division war 1933 zunächst als Polizeiverband im Zuständigkeitsbereich des als Innenminister fungierenden Hermann Göring geschaffen worden.

Nachdem der Polizeiverband zu einer militärischen Einheit geworden war, zählte der persönliche Schutz Hermann Görings und einiger zentraler Standorte des NS-Regimes zu den Aufgaben.

Im Rahmen von Umgliederungen und Ausbau wurde der Verband wiederholt umbenannt.

Als Teil der Streitkräfte war der Verband am Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich, der Besetzung des Sudetenlandes und der Zerschlagung der Tschechoslowakei beteiligt. Im Zweiten Weltkrieg folgten Kampfeinsätze zum Beispiel im Westfeldzug, dem Überfall auf die Sowjetunion, am Afrikafeldzug, dem Italienfeldzug und an den späten Kämpfen an der Ostfront.

Stationiert war der Verband in Berlin in der neuerbauten Hermann-Göring-Kaserne und in Velten.Alfred Otte: Die weißen Spiegel, Vom Regiment zum Fallschirm-Panzerkorps. Dörfler Verlag, ISBN 3-89555-271-2, S. 16 Durch die Namensgebung sollte eine enge Verbundenheit von Wehrmachtstruppenteilen zum Nationalsozialismus hergestellt und gleichzeitig die Hausmacht innerhalb der Parteihierarchie dokumentiert werden.

Die Division war nachweislich 1944 an mehreren Kriegsverbrechen beteiligt.

Zeitliche Übersicht

Polizeiabteilung z. b. V. Wecke – Februar 1933 bis Juni 1933 Landespolizeigruppe Wecke z. b. V. – Juni 1933 bis Januar 1934 Landespolizeigruppe General Göring – Januar 1934 bis September 1935 Regiment General Göring – September 1935 bis Jahresbeginn 1941 Regiment (mot.) Hermann Göring – Jahresbeginn 1941 bis Juli 1942 Brigade Hermann Göring – Juli bis Oktober 1942 Division Hermann Göring – Oktober 1942 bis Juni 1943 Panzer-Division Hermann Göring – Juni 1943 bis April 1944 Fallschirm-Panzer-Division 1 Hermann Göring – April bis Oktober 1944 Fallschirm-Panzerkorps Hermann Göring – Oktober 1944 bis Mai 1945

Historische Herkunft – Polizei mini|Kommandoflagge des Chefs der Ordnungspolizei Bei der Ernennung Hitlers (NSDAP) zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 war Hermann Göring preußischer Innenminister. Dadurch hatte er den Oberbefehl über die gesamte preußische Polizei.

Am 24. Februar 1933 ließ Göring die Polizeiabteilung z. b. V. Wecke (z.b.V.: „zur besonderen Verwendung“) aufstellen. Seine Absicht war, einen Polizeiverband zu schaffen, der dem NSDAP-Regime treu ergeben war. Der Verband war nach seinem Kommandeur Major der Schutzpolizei Walther Wecke benannt, einem Veteranen des Ersten Weltkrieges und Mitglied der NSDAP, und in Berlin-Kreuzberg stationiert. Die Abteilung wurde bald wegen ihrer brutalen Vorgehensweise berüchtigt. In Zusammenarbeit mit der ebenfalls unter Görings Kontrolle stehenden Gestapo war sie an vielen Übergriffen gegen Kommunisten und Marxisten beteiligt und verantwortlich für die Verhaftung von Regimegegnern.

Im Juni 1933 vergrößerte Göring die Abteilung und stellte sie unter das Kommando der Landespolizei. Die Abteilung wurde zur Landespolizeigruppe Wecke z. b. V. umbenannt.

Göring verstärkte die Gruppe weiter und machte zur Voraussetzung, dass alle ihre Angehörigen eine militärische Ausbildung absolvieren mussten. Der Verband wurde in Landespolizeigruppe General Göring umbenannt.Culver: Panzer Colors III 1984 S. 88 Beim sogenannten Röhm-Putsch am 30. Juni 1934 griff Hitler sowohl auf Görings Landespolizeigruppe als auch Himmlers Leibstandarte SS Adolf Hitler zurück. Görings Truppe und die Leibstandarte exekutierten viele führende Mitglieder der SA.

Regiment General Göring

Polizei-Regiment Durch eine Umstrukturierung wurde im April 1935 durch die Landespolizei ein Polizei-Regiment gebildet, welches als Regiment General Göring bezeichnet wurde und unter dem Befehl des Oberstleutnant der Landespolizei Friedrich-Wilhelm Jakoby stand. Durch die politischen Veränderungen fiel die Landespolizei im gleichen Jahr unter die Kontrolle von Heinrich Himmler.

Luftwaffen-Verband mini|Besondere Truppenfahne des I. Bataillons des Regiments „General Göring“ Mit Gründung der neuen Luftwaffe 1935 im Rahmen der Wiedereinführung der Wehrhoheit wurde Göring zum Oberbefehlshaber dieser Teilstreitkräfte ernannt. Da Göring den von ihm geschaffenen und nach ihm benannten Verband behalten wollte, wurde der Personalstamm im September 1935 mit Wirkung zum 1. Oktober für die Aufstellung einer Luftwaffen-Einheit mit der gleichen Bezeichnung an die Streitkräfte überstellt. Der Transfer der Polizisten zur Luftwaffe war zudem durch die allgemeine Planung, dass die Landespolizei-Verbände zur Aufstellung neuer Wehrmachtseinheiten herangezogen wurden, abgedeckt. Eine neue Kaserne in Berlin-Reinickendorf wurde der Standort für den Verband.

Bei Jahresbeginn 1936 war das Wach-Regiment einsatzbereit. Für die Repräsentations- und Schutzaufgaben war ein infanteristisch geprägter Verband mit einem Stab, zwei Jäger-Bataillonen, einer Kradschützen- und einer Pionierkompanie aufgestellt worden. Klassisch für einen Verband dieser Größe war ein Nachrichten-Zug, doch eher repräsentativer Natur waren wohl der Reiterzug und das Musikkorps des Regiments.

Das Regiment diente in dieser Zeit Göring als persönliche Leibwache und deckte Hitlers Hauptquartiere mit seinen Flak-Geschützen.

Abgabe zur Aufstellung der Fallschirmjäger-Truppe Am 29. Januar 1936 befahl Göring die Aufstellung einer deutschen Fallschirmtruppe aus Freiwilligen des Regiment General Göring. Im Oktober verlegte das Regiment nach Altengrabow, um dort die Möglichkeiten einer Aufstellung eines Fallschirmjäger-Regiments zu überprüfen. Auf dem Truppenübungsplatz Döberitz wurde den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften des Regiments ein Fallschirmabsprung demonstriert, woraufhin sich 600 Mann freiwillig meldeten.

Diese bildeten das I. Fallschirmschützen-Bataillon des Regiments und damit den ersten Fallschirmjägerverband der Wehrmacht.

Mit einer Neuorganisation des Regiments im November 1936 wurde aus dem Bataillon das IV. (Jäger-)Bataillon/RGG. Im Jahr 1936 wurde dann auch auf dem knapp nördlich von Stendal gelegenen Fliegerhorst Borstel die erste Fallschirmschule der Luftwaffe gegründet. Das IV. Bataillon und die 15. Pionier-Kompanie des Regiments wurden zur Ausbildung dorthin kommandiert.

Durch eine Umbenennung am 1. April 1938 verließen die Fallschirmjäger des IV. Bataillons das Regiment und bildeten nun das neue I. Bataillon/Fallschirmjäger-Regiment 1.

Anschluss Österreichs Der Anschluss Österreichs an die „Deutsche Republik“, der 1919 durch die Siegermächte noch vertraglich verboten worden war, wurde durch die politische Entwicklung bis 1938 in Deutschland und in Österreich durch Nationalisten vorangetrieben. Nach einem Treffen mit dem österreichischen Kanzler Schuschnigg am 12. Februar 1938, bei dem auch mit einem Einmarsch gedroht wurde, ging die österreichische Regierung zuerst auf die Forderung aus Deutschland ein. Ein letzter Versuch der österreichischen Regierung, den Anschluss durch eine Volksabstimmung zu verhindern, führte zur Vorbereitung der militärischen Besetzung durch die Wehrmacht.

Vom 11. auf den 12. März wurde Österreich faktisch annektiert, indem deutsche Truppen einmarschierten. Das Luftwaffen-Regiment Hermann Göring war dabei einer der ersten Verbände, die die Grenze überquerten. Zwei Kompanien landeten mit Transportmaschinen vom Typ Ju 52/3 m auf dem Flughafen Aspern bei Wien.

Besetzung des Sudetenlands Seit Ende 1937 gab es seitens der Regierung Hitler Vorgaben an die Wehrmacht für die Planung eines Einmarsch in die Tschechoslowakei, der als „Fall Grün“ bezeichnet wurde. Bereits im Februar 1938 betonte Hitler öffentlich, dass die Frage der Deutschen im Ausland gelöst werden müsse, und arbeitete aktiv daran, die Sudetenkrise herbeizuführen.

Nach der Münchner Konferenz am 29. September 1938, in der ein Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich von Frankreich, Großbritannien und Italien genehmigt wurde, rückten ab dem 1. Oktober 1938 deutsche Truppen in dieses Territorium ein. Zu diesen Einheiten gehörte auch das Regiment General Göring.

Annexion der Tschechoslowakei Auf massiven Druck von Hitler, Göring und Keitel in der Berliner Reichskanzlei unterzeichnete der tschechoslowakische Staatspräsident am Abend des 14. März 1939 ein Dokument, in dem sich die Tschechoslowakei dem Deutschen Reich unterordnete. Die militärische Besetzung der „Rest-Tschechei“ begann am 15. März 1939 und machte aus dem ehemaligen Staat nunmehr das Protektorat Böhmen und Mähren.

Gemeinsam mit Verbänden der Waffen-SS wurde das Regiment bei der Besetzung Prags eingesetzt. In den folgenden Tagen wurde das Regiment auch zur Sicherung des für die künftige Rüstung sehr wichtigen Skoda-Werks eingesetzt.

Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Einheit neue ausgerüstet und gegliedert. Es erfolgte die Ausrüstung mit leichten und schweren Flugabwehrgeschützen sowie Suchscheinwerfern.

Polenfeldzug Während des Angriffskriegs gegen Polen nahm nur ein kleiner Teil des Regimentes an den Kämpfen in Polen teil. Der größte Teil des Regiments verblieb als persönlicher Wachschutz Görings und der NS-Führung in Berlin.

Unternehmen Weserübung Bei dem Unternehmen Weserübung im Frühjahr 1940 wurde wiederum in Norwegen nur ein Teil des Regimentes (das Wachbataillon, eine Kradschützenkompanie und eine leichte Flakbatterie) eingesetzt.

Der größte Teil wurde unter den Tarnbezeichnungen „Flak-Regiment 101“ und „Flak-Regiment 103“ nach Westen zum I. Flak-Korps an die deutsch-niederländische Grenze verlegt.

Westfeldzug Im Rahmen des Westfeldzuges beteiligte sich diese Truppe an der Invasion der Niederlande und Belgiens.

Die Fallschirmjäger der Kampfgruppe Stahl, welche am 10. Mai 1940 in einer Kommando-Operation die Festung Eben-Emael kampfunfähig machten, hatten zumeist zuvor im Regiment General Göring gedient.

Nach der Kapitulation der Niederlande wurde das Regiment in mehrere kleine Kampfgruppen aufgeteilt, welche zu den Panzerdivisionen abkommandiert wurden, die die Speerspitzen des Angriffs bildeten. Schwere Flak-Kampftrupps wurden dabei häufig zur Panzerbekämpfung eingesetzt und zerstörten während eines Gefechtes im Mormalwald 18 französische Panzer mittels ihrer 8,8-cm-Flak.

Besatzungstruppe Frankreich Nach der Kapitulation Frankreichs war das Regiment an der Kanalküste stationiert, bevor die Einheit als Flakverband nach Paris beordert wurde. Neuer Kommandeur wurde im Juni 1940 Oberst Paul Conrath, der das Regiment und die spätere Division bis 1944 führen sollte.

Verlegung in die Heimatgarnison Ende 1940 wurde das Regiment zurück nach Berlin verlegt, um dort vollständig seine alte Aufgabe als Wachverband und Einheit der Luftabwehr wieder aufzunehmen.

Regiment (mot.) Hermann Göring Zu Jahresbeginn 1941 wurde der Verband motorisiert und in Regiment (mot.) Hermann Göring umbenannt, nachdem Göring 1940 zum Reichsmarschall ernannt worden war.

Verlegung nach Rumänien Während des Balkanfeldzugs im Frühjahr 1941 war das Regiment bei Ploiești in Rumänien zum Schutz der dortigen Ölfelder stationiert, um anschließend für den Überfall auf die Sowjetunion bereitgestellt zu werden.

Unternehmen Barbarossa