mini|hochkant=1.2|Stolpersteine für die Familien Kann und Ostrolenk vor dem Haus Poststraße 30 Die Liste der Stolpersteine in Völklingen enthält die Stolpersteine, die vom deutschen Künstler Gunter Demnig in der saarländischen Stadt Völklingen verlegt wurden. Stolpersteine sind Opfern des Nationalsozialismus gewidmet, all jenen, die vom NS-Regime deportiert, ermordet, in die Emigration oder in den Suizid getrieben wurden. Demnig verlegt für jedes Opfer einen eigenen Stein, im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz.

Die ersten Verlegungen in Völklingen fanden am 5. Juli 2012 statt.

Opfergruppen Die Stolpersteine von Völklingen sind Opfern des Holocaust und der nationalsozialistischen Krankenmorde sowie Widerstandskämpfern gewidmet. Die Stolperschwelle erinnern an Zwangsarbeiter.

mini|hochkant=1.2|Die Eisenwerke in den 1940er Jahren 12.393 Männer, Frauen und Kinder aus 20 Ländern waren während des Zweiten Weltkrieges als Zwangsarbeiter in der Völklinger Hütte registriert. 261 von ihnen verloren ihr Leben, darunter 60 Kinder und Kleinkinder.

Es gab nur wenige jüdische Völklinger. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurden die jüdischen Bewohner der Stadt in die Jüdische Gemeinde Saarbrücken aufgenommen. Abgesehen von den Vorgängen im Zusammenhang mit dem Generalstreik vom Oktober 1919 schienen die Juden im Saarland bis 1930 gut in die Gesellschaft integriert gewesen zu sein, es gab keine nennenswerten antisemitischen Aktionen. Als sich danach die Wirtschaftskrise verschärfte, setzte aber eine Hetzkampagne der rechten Presse gegen die jüdische Bevölkerung ein. Den Nationalsozialisten gelang es, obwohl sie nur wenige Wähler hatten, sich durch lautstarke Propaganda und Gewaltakte Gehör zu verschaffen. Am 13. Januar 1935 fand die Saarabstimmung statt, bei der sich der Großteil der Bevölkerung des Saarlands für den Wiederanschluss an das bereits von den Hitler regierte Deutsche Reich entschied. Das bekannteste Opfer der Novemberpogrome 1938 in Völklingen war der Kinderarzt Dr. Rudolf Fromm aus Luisenthal. Die lokale SA organisierte vor seinem Haus eine „Demonstration“, die in Beschimpfungen und Steinwürfe ausartete. Der Arzt wurde in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Dachau verschleppt, auch seine Haushälterin wurde verhaftet. Rudolf Fromm kam im Januar 1939 wieder frei – unter der Auflage, umgehend seine Emigration vorzubereiten. Er flüchtete in die USA, wo er 1946 im Alter von 52 Jahren starb.Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: Saarbrücken, abgerufen am 6. Juli 2024

Im Saarland waren der kommunistische, der Alltags- und der konfessionelle Widerstand am weitesten verbreitet, so Helmut Rönz. Die Widerstandsgruppen entwickelten sich überwiegend aus jenen Gruppierungen, die 1935 gegen den Anschluss des Saarlands an das Deutsche Reich gekämpft hatten. Auch hier entwickelte sich die Polizei bis 1939 zum willigen Vollstrecker der Gewaltherrschaft, auch im Saarland war die Justiz war nicht milder als anderswo im Reich.H/SOZ/KULT: Widerstand an der Saar 1935–1945, Tagung am 15. und 16. Mai 2014Stadt Völklingen: AUSSTELLUNG UND VORTRAG: „GESCHICHTEN VON MUT UND WIDERSTAND“, 27. Juni 2024

Auch im Saarland wurden mehrere Tausend Menschen Opfer der Aktion T4, der systematischen Ermordung von Kranken und Behinderten durch das NS-Regime. Deren genaue Zahl ist aufgrund der vielfältigen Verschleierungsaktionen nicht bekannt.Deutschlandfunk Kultur: „Ich wäre so gern heimgekommen“, NS-Euthanasie im Saarland, 16. Dezember 2014

Stolperschwelle Verlegt am 19. August 2014 zum Gedenken an hunderte Zwangsarbeiter, die in Völklingen litten und starben.

Schwellex340px|zentriert Inschrift Ort Rathausstraße 75–79, vor dem damaligen Haupteingang der Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke

Stolpersteine In Völklingen wurden in den Jahren 2011 bis 2022 insgesamt 30 Stolpersteine verlegt. Sie finden sich an 19 Adressen. Die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTEGERTRUDE BERMANNGEB. HIRSCHJG. 1885FLUCHT 1936 HOLLANDINTERNIERT WESTERBORKDEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET 5.2.1943 Völklinger Straße 61Ludweiler geb. Hirsch(1885–1943) 120px HIER WOHNTEJULIUS BERMANNJG. 1924FLUCHT 1936 HOLLANDDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 30.9.1942 Völklinger Straße 61Ludweiler (1924–1942) 120px HIER WOHNTEKURT SALOMONBERMANNJG. 1913FLUCHT 1935 FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 19.8.1942 Völklinger Straße 61Ludweiler (1913–1942) 120px HIER WOHNTESAMUEL BERMANNJG. 1872FLUCHT 1936 HOLLANDINTERNIERT WESTERBORKDEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET 5.2.1943 Völklinger Straße 61Ludweiler (1872–1943) 120px HIER WOHNTEWILHELM BERMANNJG. 1880FLUCHT HOLLANDINTERNIERT WESTERBORKDEPORTIERT 1943SOBIBORERMORDET 2.7.1943 Völklinger Straße 60Ludweiler (1880–1943) 120px HIER WOHNTEBERTA BERMANN-KELLERGEB. KELLERJG. 1880FLUCHT 1939 HOLLANDINTERNIERT WESTERBORKDEPORTIERT 1943SOBIBORERMORDET 2.7.1943 Völklinger Straße 60Ludweiler geb. Keller(1880–1943) 120px HIER WOHNTEANDREAS CLOSENJG. 1896VERHAFTET 1937GRENZGÄNGERSTREIKBERGLEUTE1938 'LANDESVERRAT'GEFÄNGNIS LERCHESFLURERMORDET 4.6.1938 Köhler Straße 7Lauterbach (1896–1938) 120px HIER WOHNTEANTON DETEMPLEJG. 1905VERHAFTET 4.3.1939DACHAUFLOSSENBÜRGENTLASSEN 1941ÜBERLEBT Hauptstraße 293aLauterbach (1905–1981) 120px HIER PRAKTIZIERTEDR. RUDOLF FROMMJG. 1894'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUFLUCHT 1939USAÜBERLEBT Bahnhofstraße 2Luisenthal (1894–1946) 120px HIER WOHNTEALBERT GRIMMJG. 1906IM WIDERSTANDFLUCHTHELFER IMBESETZTEN POLENVERHAFTET 8.12.1941AUSCHWITZERMORDET 8.9.1942 Warndtstraße 87Gaislautern (1906–1942) 120px HIER WOHNTEALICA KAHNGEB. JUDAJG. 1898FLUCHT 1933 FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1944ERMORDET INAUSCHWITZ Poststraße 30Innenstadt geb. Juda(1898–1944/45) 120px HIER WOHNTEBENNY KAHNJG. 1897FLUCHT 1933 FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1944ERMORDET INAUSCHWITZ Poststraße 30Innenstadt (1897–1944/45) 120px HIER WOHNTEHERMANN KAHNJG. 1888'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUZWANGSEVAKUIERT1939 KÖLNDEPORTIERT 1941RIGAERMORDET Moltkestraße 19Innenstadt (1888–1941/45) 120px HIER WOHNTEKLARA KAHNGEB. WEILJG. 1881'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUZWANGSEVAKUIERT1939 KÖLNDEPORTIERT 1941RIGAERMORDET Moltkestraße 19Innenstadt geb. Weil(1881–1941/45) 120px HIER WOHNTEODETTE KAHNJG. 1927FLUCHT 1933 FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1944ERMORDET INAUSCHWITZ Poststraße 30Innenstadt (1927–1944/45) 120px HIER WOHNTEROBERT KAHNJG. 1930FLUCHT 1933 FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1944ERMORDET INAUSCHWITZ Poststraße 30Innenstadt (1930–1944/45) 120px HIER WOHNTEABRAHAM KAISERJG. 1880'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUDEPORTIERT 1941RIGA-JUNGFERNHOFERMORDET Saarbrücker Straße 19Fürstenhausen (1880–1941/45) 120px HIER WOHNTEMINNA KAISERGEB. BERMANNJG. 1877DEPORTIERT 1941RIGA-JUNGFERNHOFERMORDET Saarbrücker Straße 19Fürstenhausen geb. Bermann(1877–1941/45) 120px PHILIPP KAUFMANNJG. 1896GEMEINDEVERORDNETER KPD1932 – 1935IM WIDERSTANDVERHAFTET 1944BUCHENWALDTOT 7.3.1945 Am Bürgermeisteramt 5Ludweiler (1896–1938) 120px HIER WOHNTEALFRED KÖCHERJG. 1928SEIT 1936 IN MEHRERENHEILANSTALTEN'VERLEGT' 20.2.1943HEILANSTALT HADAMARERMORDET 11.3.1943 Freiherr-vom-Stein-Straße 31Innenstadt (1928–1943) 120px HIER LERNTEFRITZ LIESERJG. 1915FLUCHT 1935 FRANKREICHVERHAFTET 1942INTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 17.11.1942 Hohenzollernstraße 28Innenstadt (1914–1942/45) 120px HIER WOHNTEMARIA BARBARAMEYERJG. 1904SEIT 1927 IN MEHRERENHEILANSTALTEN'VERLEGT' 16.8.1944HEILANSTALT HADAMARERMORDET 6.9.1944 Bismarckstraße 210Innenstadt (1904–1944) 120px HIER WOHNTEROBERT MÜLLERJG. 1897SEIT 1909 IN MEHRERENHEILANSTALTEN'VERLEGT' 2.9.1944HEILANSTALT HADAMARERMORDET 15.9.1944 Hofstattstraße 72Innenstadt (1897–1944) 120px HIER WOHNTEFELIX OSTROLENKJG. 1914VERHAFTET 1939SACHSENHAUSEN1941 DACHAU1942 BUCHENWALDDEPORTIERT 1942ERMORDET INAUSCHWITZ Poststraße 30Innenstadt (1914–1942/45) 120px HIER WOHNTEGITTA OSTROLENKGEB. KATZJG. 1871FLUCHT 1939FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1942ERMORDET INAUSCHWITZ Poststraße 30Innenstadt geb. Katz(1871–1942/45) 120px HIER WOHNTEROSA OSTROLENKJG. 1906FLUCHT 1934FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1942AUSCHWITZBEFREIT / ÜBERLEBT Poststraße 30Innenstadt (1906–) 120px HIER WOHNTEJOSEF SCHIRRAJG. 1889IM WIDERSTAND / KPDFLUCHT 1935 FRANKREICHVERHAFTET 1941DEPORTIERTDACHAUERMORDET 18.6.1942MAUTHAUSEN Hauptstraße 293aInnenstadt (1889–1942) 120px HIER WOHNTEJUTTA SPEICHERJG. 1921IM WIDERSTANDVERHAFTET 1944RAVENSBRÜCKERMORDET 2.3.1945 Beethovenstraße 21Innenstadt (1921–1945) 120px HIER WOHNTEBENJAMIN BENNOWANGJG. 1915FLUCHT 1935FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 8.10.1942 Burgstraße 17Innenstadt (1915–1942) 120px HIER WOHNTEFREDI WIEDERSPORNJG. 1924EINGEWIESEN 1939PFLEGEANSTALT SCHEUERN1941 HADAMAR'VERLEGT' 1941SONNENSTEIN / PIRNAERMORDET 3.4.1941AKTION T4 Saarstraße 33 , genannt Fredi(1924–1941)

Verlegedaten 5. Juli 2012: Am Bürgermeisteramt 5, Saarstraße 33, Völliger Straße 60 und 61 18. März 2013: Bahnhofstraße 4, Hohenzollernstraße 28, Moltkestraße 19 und 49, Poststraße 30 (Familie Kahn) 2. Mai 2014: Hauptstraße 293a, Köhler Straße 7 19. August 2014: Beethovenstraße 21, Burgstraße 17, Poststraße 30 (Fam. Ostrolenk), Rathausstraße 75–79, Saarbrücker Straße 19, Warndtstraße 87 8. September 2022: Bismarckstraße 210, Freiherr-vom-Stein-Straße 31, Hofstattstraße 72

Literatur Klauck, Hans Peter; Mayer, Klaus: Gelöst ist die Schnur – gebrochen das Band, Die jüdische Gemeinde Saarwellingen 1700–1940. Hg. v. Gemeinde Saarwellingen und Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis e.V., Saarwellingen 2013

Weblinks

Stolpersteine in Völklingen

Einzelnachweise

Volklingen Völklingen Stolpersteine