mini|Mathilde Kirschner, neben Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria, 1913 Mathilde Kirschner (* 10. Mai 1875 in Breslau, Provinz Schlesien; † 30. April 1951 in Berlin (West)) leitete mehrere Heime für einkommensschwache Frauen und Kinder in Berlin und dem Ostseebad Ahlbeck. Sie war Stadträtin in Berlin-Tiergarten (1920–1924) und hatte persönliche Kontakte zu Kaiser Wilhelm II. und dessen Ehefrauen.

Leben und Wirken Der Vater Martin Kirschner war Jurist und Stadtrat in Breslau und später Oberbürgermeister von Berlin. Die Mutter Margarete Kirschner engagierte sich in verschiedenen Bildungs- und Sozialprojekten für junge Frauen und Mädchen., hier S. 36, mit kurzen biographischen Angaben zur Mutter Margarete Kirschner (1863–1923) Der Bruder Martin Kirschner wurde ein anerkannter Medizinprofessor.

Mathilde Kirschner absolvierte eine Lehrerinnenausbildung in Breslau und München und danach eine Krankenschwesterausbildung in London. Danach half sie in verschiedenen Frauen- und Mädchenprojekten in Berlin, wo ihre Familie seit 1893 lebte. Seit 1899 schuf sie Wohnmöglichkeiten für einkommensschwache Frauen, zunächst in verschiedenen Wohnhäusern, 1903 auch für Mädchen. 1904 gründete Mathilde Kirschner den Verein Arbeiterinnenwohl e. V. Dieser erwarb 1908 ein Grundstück in Alt-Moabit 38, auf dem sie mit der finanziellen Unterstützung von Bekannten ihrer Eltern ein fünfstöckiges Wohnheim für Arbeiterinnen errichten ließ. Dieses wurde 1909 eröffnet. Es bot den jungen Frauen neben eigenen Zimmern und einem bescheidenen Komfort auch Gemeinschaftsräume, sowie verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten, in Hauswirtschaft, Stenographie, Deutsch, Englisch und weiteren Bereichen.Mathilde Kirschner. Manfred-Nippe.de; mit vielen biographischen Informationen In Berlin-Buch begründete Mathilde Kirschner außerdem einen Kindergarten (Kinderschule).

Dadurch wurde Kaiser Wilhelm II. auf sie aufmerksam. Er bat sie 1910 persönlich, ein Kinderheim in Ahlbeck an der Ostsee zu leiten, das seinen Namen tragen sollte. Sie wurde auch in die baulichen, pädagogischen und weiteren organisatorischen Vorbereitungen einbezogen. Am 3. Juni 1913 wurde das Kaiser-Wilhelm-Kinderheim in Ahlbeck in Anwesenheit des Kaisers und seiner Gemahlin feierlich eröffnet, worüber in der Presse ausführlich berichtet wurde. Sie leitete dieses als Oberin der Schwesternschaft des Kaiser-Wilhelm-Kinderheims, die dafür extra gegründet worden war. Außerdem konnte sie eine Feriensiedlung Sonnendorf für junge Berliner Arbeiterinnen bei Ahlbeck aufbauen, dessen Gelände sie durch die Vermittlung des Kaisers erhalten hatte. Nach 1914 leitete Mathilde Kirschner außerdem vier Wohnheime für Arbeiterinnen von Munitionsfabriken in Spandau und Tiergarten.

Nach 1918 konnte sie ihre Tätigkeiten in Moabit und Ahlbeck fortsetzen, obwohl ihr Förderer Kaiser Wilhelm II. abdanken musste, er unterstützte sie aber weiterhin. Von 1920 bis 1924 war Mathilde Kirschner Stadträtin für Jugend in Berlin-Tiergarten für die Deutsche Volkspartei (DVP). Sie war auch Mitglied der Bezirksversammlung und leitete zeitweise das Jugendamt. Auch nach 1933 konnte sie ihre Tätigkeiten in Moabit und Ahlbeck fortsetzen.

1945 versuchten der kommunistische Bürgermeister von Tiergarten und danach der sozialdemokratische Stadtrat vergeblich, sie als Leiterin des Wohnheims in Moabit abzusetzen, wegen ihrer monarchistischen Gesinnung. Sie unterstellte das Heim der Inneren Mission und danach der Diakonie und konnte es so weiterführen.

1951 starb sie in Berlin. Sie wurde im Ehrengrab der Familie auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde ohne Grabstein beigesetzt.

Soziale Konzepte Mathilde Kirschner bemühte sich, sozial benachteiligten Frauen und Kindern möglichst lebensfreundliche Wohnbedingungen zu schaffen. Sie schrieb über das neue Arbeiterinnenwohnheim in Moabit

Für das neue Ferienheim in Ahlbeck an der Ostsee wurden Berliner Kinder ausgesucht, die besonders von schlechten Wohnverhältnissen und mangelnder Ernährung gekennzeichnet waren.

Ehrungen mini|Mathilde-Kirschner-Heim (rechts) mini|Gedenktafel Schwesternbrosche in Gold, um 1913, als Zeichen ihrer Oberintätigkeit in Ahlbeck, von Kaiser Wilhelm II. das Seniorenheim Mathilde-Kirschner-Heim in Alt-Moabit ist nach ihr benannt Gedenktafel am Heim, seit 1952Mathilde Kirschner. Gedenktafeln in Berlin.

Literatur

Manfred Nippe: Vom Kinderheim des Kaisers zum Ferienheim der Sportjugend. In: Sporthistorische Blätter, 2009, 38; mit biografischen Angaben.

Weblinks

Mathilde Kirschner – die Oberin des Kaisers. Manfred-Nippe.de; mit vielen Informationen und einigen Fotos.

Einzelnachweise

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