Martin Ludwig Flersheim (geboren am 18. April 1856 in Frankfurt am Main; gestorben am 7. Dezember 1935 ebda.) war ein deutscher Kaufmann, Unternehmer, ein Kunstsammler, Förderer und Mäzen der Frankfurter Kunstszene und wirkte über eine Zeitspanne von knapp vier Jahrzehnten im Vorstand des Städelschen Museums-Vereins.Flersheim, Martin. In: Deutsche Biographie, auf: deutsche-biographie.deMargrit Dibbern (Ausw., Komment., Nachw.): Frankfurter Kunst und Leben um die Jahrhundertwende – Aus den Briefen von Alfred Lichtwark, Weibecker, Frankfurt am Main 1974, , S. 152.Paul Arnsberg: Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution, Bd. 3 Biographisches Lexikon der Juden in den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Bildung, Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt am Main. Hrsg. vom Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Frankfurt am Main. Bearbeitet und vollendet durch Prof. Dr. Hans-Otto Schembs. Eduard Roether, Darmstadt 1983, ISBN 3-7929-0197-8, S. 305.Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Sabine Kößling, Fritz Backhaus (Hrsg.): Jüdisches Frankfurt – Von der Aufklärung bis zur Gegenwart, C. H. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-74134-0, S. 158.Prof. Dr. Hans-Otto Schembs: Jüdische Mäzene und Stifter in Frankfurt am Main, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-7829-0566-4, S. 55.Max Hollein, Uwe Fleckner (Hrsg.): Museum im Widerspruch – Das Städel und der Nationalsozialismus, Akademie Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-05-004919-9, S. 345. Seiner Geburtsstadt stiftete er Kunstwerke, die noch heute in Frankfurter Museen zu besichtigen sind.
Familie mini|hochkant|Porträtiert durch Jakob Nussbaum: Der 48-jährige Martin Flersheim mit seiner 39-jährigen Ehefrau Florence, geb. Livingston, und seinen beiden 16- und 12-jährigen Söhnen Herbert und Friedrich (ganz rechts), Sommer 1904 Er wurde als erstes Kind des seit 1880 in Frankfurts Westend in der Feuerbachstraße 47 (Gebäude nicht erhalten) ansässigen Kaufmanns und Unternehmers Louis Flersheim (geboren am 4. Januar 1826 in Frankfurt am Main; gestorben am 18. Oktober 1904 ebda.) und dessen Ehefrau Gutha „Gitta“ Johanna, geborene Fürth (geboren am 17. März 1836 in Frankfurt am Main; gestorben am 27. November 1919 ebda.), geboren.Lehmann’s Adress-Buch von Frankfurt a. M. und Umgegend 1894, Achter Jahrgang, S. 101, Spalte 1.Mahlau’s Adressbuch von Frankfurt a. Main 1903, 35. Jahrgang, S. 101, Spalte 3. Die Villa der Familie Louis Flersheim stand in freier Lage vis-à-vis dem Palais des Herzogs von Nassau.Lebenserinnerungen von Ernst Flersheim, 1939, maschinenschriftlich, S. 10. In: Leo Baeck Institute, New York City, LBI Memoir Collection (ME 131), Signatur: M.E.432. Die Familie Flersheim war seit dem 17. Jahrhundert in Frankfurt am Main ansässig, zunächst im Ostend (Judengasse), später im Westend.Otto Scholderer: Der Geiger am Fenster. In: Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, auf: staedelmuseum.deFamilie Flörsheim, auch Flersheim. In: Metahub Frankfurt, auf: metahubfrankfurt.de
Martin hatte drei jüngere Geschwister, zwei Brüder und eine Schwester, den an Diabetes früh verstorbenen Sally Louis (geboren am 5. Februar 1858 in Frankfurt am Main; gestorben am 16. Januar 1886 ebda.),Frankfurter Zeitung und Handelsblatt, 30. Jahrgang, Nr. 17, Morgenblatt, 17. Januar 1886, S. 3, Spalte 4.Civilstandsregister der Stadt Frankfurt, Verstorbene: Januar 16. Flersheim, Sally Louis, 27 Jahre, Feuerbachstr. 47. In: Frankfurter Zeitung und Handelsblatt, 30. Jahrgang, Nr. 19, Morgenblatt, 19. Januar 1886, S. 3, Spalte 4. Ernst Carl (geboren am 13. Juli 1862 in Frankfurt am Main; ermordet am 29. März 1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen) und Alice (geboren am 18. Dezember 1866 in Frankfurt am Main; gestorben als Alice Koch am 17. Oktober 1936 in Lugano, Kanton Tessin, Schweiz).Expatriierung Ernst Karl Flersheim. In: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Nr. 142, 22. Juni 1938, S. 1, Spalte 2, Nr. 4.Flersheim, Ernst Karl. In: Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945, Bundesarchiv, auf: bundesarchiv.deErnst Flersheim. In: United States Holocaust Memorial Museum, auf: ushmm.orgAlice Flersheim, die eine Mitgift in Höhe von einer halben Million Goldmark mit in die Ehe brachte, war mit dem Frankfurter Juwelier Ludwig „Louis“ Koch (1862–1930) verheiratet, der die 1879 gegründete Firma Robert Koch seines zehn Jahre älteren Bruders Robert (1852–1902) ab 1888 mitbetrieb und nach dessen Tod weiterführte. Das Juweliergeschäft residierte nacheinander unter den Frankfurter Adressen Zeil 61 (ab 1882), Biebergasse 2 (ab 1883), Zeil 51 (ab 1887) und Zeil 53 (ab 1897) sowie in Baden-Baden. In Frankfurt am Main war das Juweliergeschäft ab 1904 an der Ecke Kaiserstraße 25/Neue Mainzer Straße ansässig. Unter wechselnden Besitzern bestand die Firma Robert Koch bis in die zweite Hälfte der 1980er Jahre. – Zitiert nach: Koch, Alice. In: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Proveana, Datenbank Provenienzforschung, auf: proveana.de; Zitiert nach: Samuel Fickinger: Koch, Louis. In: Frankfurter Personenlexikon, auf: frankfurter-personenlexikon.de
Der 30-jährige Martin Flersheim heiratete am 23. Januar 1887 in Frankfurt am Main die 23-jährige US-Amerikanerin Florence Mary Livingston (geboren am 24. Dezember 1864 in San Francisco, Kalifornien, Vereinigte Staaten; gestorben am 4. März 1950 in Buenos Aires, Argentinien).Flersheim, Florence. In: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Proveana, Datenbank Provenienzforschung, auf: proveana.de Das Ehepaar wohnte in Frankfurts Westend in der Mendelssohnstraße 78 (Gebäude nicht erhalten). Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Herbert „Heriberto“ Ludwig Sidney (geboren am 4. November 1887 in Frankfurt am Main; gestorben am 3. Oktober 1954 in Acassuso, Partido San Isidro, bei Buenos Aires, Argentinien) und Friedrich „Fritz“ Georg (geboren am 7. August 1892 in Frankfurt am Main; gestorben als Frederick G. Flersheim im April 1977 in New York City, New York, Vereinigte Staaten).Flersheim, Heriberto L. an Edschmid, Kasimir (Briefe), Entstehungszeit: 1946 bis 1952. In: Deutsches Literaturarchiv Marbach, Zugangsnummer HS.1993.0005, Mediennummer HS005132316, auf: dla-marbach.deFlersheim-Hess oHG, Laufzeit 1955 bis 1967, Flersheim, Herbert Ludwig vs. Regierungspräsidium Wiesbaden als Entschädigungsbehörde. In: Hessisches Hauptstaatsarchiv, Signatur: HHStAW Bestand 518 Nr. 11269.Friedrich George Flersheim, 07-08-1892. In: Stadsarchief Gemeente Amsterdam, archiefnummer 30238, inventarisnummer 241, auf: archief.amsterdamF. G. Flersheim. In: Stadsarchief Gemeente Amsterdam, archiefnummer 5422, inventarisnummer 404, auf: archief.amsterdamFlersheim, Fritz, Dr. Vorstandsmitglied der Königwarter’schen Stiftung. In: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, auf: hessen.deFlersheim, Frederick G. In: The New York Times, 3. April 1977, S. 28.
Wirken Als Import-/Export-Kaufmann und Unternehmer war Martin Ludwig Flersheim seit 1887 Mitbesitzer (ab 1892 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Ernst Carl) des zunächst lange in Frankfurts Töngesgasse 17I. (Gebäude nicht erhalten), später in der Mainzer Landstraße 191 (Gebäude nicht erhalten) ansässigen international aktiven Familienunternehmens Flersheim-Hess.Der Familienname Hess, den Lemann „Lemle“ Moses Flersheim (geboren am 20. November 1797 in Frankfurt am Main; gestorben am 5. Mai 1873 ebda.) in den Namen seiner Unternehmung integrierte, geht auf den Geburts- bzw. Mädchennamen der Ehefrau des Firmengründers zurück. Regina „Röschen“ Flersheim, geborene Hess (geboren am 13. September 1796 in Frankfurt am Main; gestorben am 25. Dezember 1882 ebda.), wirkte im 1838 gegründeten Unternehmen als Prokuristin. – Zitiert nach: Staats- und Adreß-Handbuch der Freien Stadt Frankfurt 1855, Dritter Theil, Handlungs-Adress-Buch, S. 23. – Zitiert nach: Hessisches Wirtschaftsarchiv, Flersheim-Hess, 12. Dezember 1838, Signatur: HWA Bestand 3 Nr. 2759. Das Unternehmen importierte u. a. Elfenbein,Staats- und Adreß-Handbuch der Freien Stadt Frankfurt 1854, Dritter Theil, Handlungs-Adress-Buch, S. 18. Fischbein,Adress-Buch von Frankfurt am Main 1842, Bearbeitet u. herausgegeben von G. F. Krug, Handlungs-Adress-Buch von Frankfurt am Main, Dritter Abschnitt, S. 73, Spalte 1. überseeische Hölzer,Staats- und Adreß-Handbuch der Freien Stadt Frankfurt 1855, Dritter Theil, Handlungs-Adress-Buch, S. 90. Horn,Adress-Buch von Frankfurt am Main 1842, Bearbeitet u. herausgegeben von G. F. Krug, Handlungs-Adress-Buch von Frankfurt am Main, Dritter Abschnitt, S. 75, Spalte 1. Perlmutt, Rohr (Stuhlrohr, Bambusrohr) und Schildpatt von anderen Kontinenten wie Afrika, Asien und Südamerika und handelte damit im Hinblick auf eine Weiterverarbeitung. Daraus wurden u. v. a. Billardkugeln, edle Kämme, Bürsten, Besteckgriffe, Knöpfe, Korsettversteifungen, Tabakpfeifen und teils kunstvoll mit Schnitzereien, Intarsien und Edelmetallen verzierte Spazierstöcke gefertigt. Mit solcherart veredelten Endprodukten handelte die Firma Flersheim-Hess ebenso wie mit „Galanterie- und Quincailleriewaaren“ sowie „Kurzen Waaren“.Handlungs-Addreß-Kalender von Frankfurt am Mayn auf das Jahr 1831, S. 18.Staats- und Adreß-Handbuch der Freien Stadt Frankfurt 1854, Dritter Theil, Handlungs-Adress-Buch, S. 20.Staats- und Adreß-Handbuch der Freien Stadt Frankfurt 1856, Dritter Theil, Handlungs-Adress-Buch, S. 88.Sabine Hock: Flersheim, Martin. In: Frankfurter Biographie – Personengeschichtliches Lexikon. Erster Band. A–L (= Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission, Bd. XIX, Nr. 1), Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7829-0444-3, S. 210. In das väterliche Unternehmen war Martin Flersheim bereits als Fünfzehnjähriger eingetreten und hatte dessen Geschäftsentwicklung in der Folge aufmerksam verfolgt und positiv beeinflusst.Georg Heuberger (Hrsg.), Ljuba Berankova (Mitw.): Expressionismus und Exil – Die Sammlung Ludwig und Rosy Fischer, Frankfurt am Main, Buch zur Ausstellung im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, 29. August bis 28. Oktober 1990, Prestel Verlag, München 1990, ISBN 3-7913-1086-0, S. 20. Vor dem Ersten Weltkrieg erreichte das Unternehmen Flersheim-Hess einen Jahresumsatz von 6 Millionen Mark.Prof. Dr. Monika Richarz: Jüdisches Leben in Deutschland – Selbstzeugnisse zur Sozialgeschichte im Kaiserreich, Deutsche Verlags-Anstalt, München 1976, ISBN 3-421-01842-1, S. 261f. Martin Flersheim wurde im Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preussen geführt.Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preussen, Bd. 1, Verlag W. Herlet, Berlin 1912, S. 162.
mini|hochkant|Exlibris von Hans Thoma für Martin Flersheim, 1896 mini|hochkant|Gemäldegalerie der Villa Mendelssohnstraße 78, 1909 mini|hochkant|Villa Liebieg, Frankfurt am Main, 1905 mini|hochkant|Städel-Museum, Frankfurt am Main, um 1929