Die Schlacht bei Breitenfeld von 1631 zwischen einem schwedisch-sächsischen Heer und dem Heer der Katholischen Liga fand statt am Die gelegentlich vorkommende, davon abweichende Datierung auf den 18. September 1631 geht letztlich wohl auf eine Ungenauigkeit bei Cicely Veronica Wedgwood: The Thirty Years War von 1938 zurück. In dem auch in Übersetzung mehrfach aufgelegten Buch wird zwar korrekterweise Mittwoch als Wochentag der Schlacht genannt, im Widerspruch dazu als Tagesdatum jedoch der 18. September, der 1631 de facto ein Donnerstag war (Hermann Grotefend: Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. Hahnsche Buchhandlung, 11. verb. Auflage 1971, S. 202 f., Tafel 30). – Es gilt offensichtlich, was Axel Gotthard: Der Dreißigjährige Krieg: Eine Einführung. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2016, ISBN 978-3-8252-4555-9, S. 370 (als Vorschau online bei Google Books) in seinem Quellen- und Literaturkommentar unlängst über Wedgwoods Buch äußerte: zum Schmökern sehr empfohlen – weniger freilich zur Prüfungsvorbereitung! Gotthard selbst nennt in Übereinstimmung mit dem Gros der älteren und neueren Forschung als Datum der Schlacht den 17. September 1631 (S. 221 und 368)., ein Jahr nach dem Eingreifen Schwedens in den Dreißigjährigen Krieg und nur wenige Tage nach dem Abschluss eines Bündnisvertrages zwischen Schweden und dem Kurfürstentum Sachsen. Der Ort der Schlacht liegt nördlich von Leipzig zwischen den Dörfern Breitenfeld und Seehausen. Das Heer der Katholischen Liga erlitt eine schwere Niederlage.
Verlauf Entwicklungen vor der Schlacht Das Heer der Katholischen Liga unter dem Liga-Heerführer Tilly hatte am 14. September die Festung Pleißenburg erobert, dann in der Stadt Leipzig ausgiebig geplündert und große Beute gemacht. Als Lager für das Heer wählte Tilly ein erhöhtes Areal in der Nähe der Stadt, das die Gewähr bot, dort nicht angegriffen werden zu können. Bei einer Erkundung der näheren Umgebung entdeckte der Stellvertreter von Tilly und Führer der Liga-Kavallerie Pappenheim am 16. September mit seiner Kavallerietruppe das Feldlager des schwedischen Heeres und wurde dabei in ein Gefecht verwickelt, aus dem er sich nicht gefahrlos befreien konnte. Pappenheim, der zu spontanen, unüberlegten Aktionen neigte und Tilly für zögerlich, unfähig und senil hielt, forderte Tilly mit einem Boten auf, ihn und seine Kavallerietruppe, dort wo er stand, gegen den Feind zu unterstützen. Tilly hatte aber einen anderen Zeitplan verfolgt und erwartete die Verstärkung seines Heeres durch das aus Mantua zurückkommende Korps von Johann von Aldringen.Das Korps von Aldringen, das tatsächlich im Anmarsch war, kam am Tag der Schlacht bis in die Nähe von Leipzig und musste dann nach der inzwischen beendeten Schlacht von Aldringen im Thüringer Wald vor den siegreichen schwedischen Truppen verborgen werden. Tilly war über die Eigenmächtigkeit von Pappenheim sehr verärgert, entschloss sich aber trotzdem, dessen Aufforderung zu folgen.Tilly äußerte „Der Kerl bringt mich um meine Ehre und den Kaiser um sein Land und sein Heer.“ Er zog mit dem Heer zum gewünschten Standort beim Dorf Breitenfeld, 6 km nördlich von Leipzig, ließ das Liga-Heer mit 40.000 Mann dort lagern und auf einer langgestreckten freien Ebene eine vorteilhaft leicht erhöhte Position einnehmen.Cicely Veronica Wedgwood: Der 30jährige Krieg. Cormoran Verlag, München 1999, ISBN 3-517-09017-4, S. 259–265.
Aufstellung Am frühen Vormittag des 17. September 1631 rückte das vereinigte schwedisch-sächsische Heer heran, traf auf das bereits aufgestellte Liga-Heer und begann mit der Aufstellung. Das Heer wurde von König Gustav Adolf von Schweden und von Kurfürst Johann Georg geführt und war mit ca. 47.000 Mann dem Liga-Heer zahlenmäßig um ca. 10.000 Mann und an Geschützen deutlich überlegen. mini|Gustav II. Adolf in der Schlacht bei Breitenfeld, unbekannter Maler, 17. Jhdt Die Aufstellung des Liga-Heeres war in der Tradition der herkömmlichen Ordonnanz erfolgt und hatte eine ca. 4 km lange Front ergeben, mit Sonne und Wind im Rücken, so dass bei der herrschenden hohen Temperatur die schwedisch-sächsischen Truppen benachteiligt waren. Fußtruppen im Zentrum (ca. 25.000 Mann) formiert in ca. 15 Gewalthaufen (30 Reihen hintereinander zu 50 Mann, Pikeniere und Musketiere) Kavallerie massiert aufgestellt mit jeweils 5.000 Mann auf beiden Flügeln. mini|Gebet der Schweden vor der Schlacht Die Aufstellung des schwedisch-sächsischen Heeres war ca. 5 km lang und wegen unterschiedlicher Traditionen der beiden Heeresteile nicht einheitlich. Die sächsische Reiterei mit Kurfürst Johann Georg an der Spitze stellte sich am linken Flügel massiert auf und bildete mit ihren schönen Uniformen einen prachtvollen Anblick. Zur Mitte hin schlossen sich sächsischen Fußtruppen an die schwedischen Fußtruppen an.
Gemäß der von Gustav Adolf übernommenen Gefechtsordnung setzten die Schweden auf ein beweglich geführtes Gefecht, was eine völlig neue Art der Organisation und eine weit gefächerte Aufstellung der Truppen erforderlich machte. Wegen einer verbesserten Waffentechnik war bei den Schweden auch ein enges, gut abgestimmtes Zusammenwirken verschiedener Waffen zu einem wesentlichen Teil der neuen Gefechtsordnung geworden. Die Zahl der Pikeniere war zugunsten der Musketiere auf ein Drittel reduziert worden, was zur Folge hatte, dass der Nahkampf an Bedeutung verloren hatte zugunsten des Feuerkampfes der Musketiere. Um eine schnellere Schussfolge zu erreichen, wurden die Musketiere in nur noch sechs Mann tiefen Staffeln mit kniender erster Reihe so aufgestellt, dass die beiden vordersten Reihen gleichzeitig feuern konnten und dann gleichzeitig nach hinten wechselten, um beim erneuten Vorrücken nachzuladen. Die Musketiere bekamen dadurch eine entscheidende Rolle beim Gefecht und deshalb waren die Abläufe und das Nachladen den Söldnern durch enormen Drill eingeübt worden.Die Musketiere waren durch die Erniedrigung der Staffelungstiefe aber auch deutlich länger dem feindlichen Beschuss ausgesetzt, was damals aber keine große Rolle spielte Die Feuerkraft der schwedischen Infanterie erwies sich als dreimal wirksamer als die der Ligatruppen und wurde noch erhöht durch leichte bewegliche Begleitgeschütze, die neben Kugeln auch Kartätschen verschossen, um auf kürzeste Distanz feindliche Formationen zu zerschlagen.
Statt die schwedische Kavallerie massiert am rechten Flügel aufzustellen, wurden kleine Reitergruppen mit Bewegungsfreiräumen zu allen Seiten gebildet. Zwischen den Reitergruppen gab es viereckige Gruppen von Musketieren und Pikenieren mit jeweils nur 6 Reihen hintereinander zu 50 Mann.
Die schachbrettartige Aufstellung machte das schwedische Heer viel stabiler gegen Angriffe von verschiedenen Seiten. Das zeigte sich exemplarisch schon in der 1. Phase der Schlacht, als die ligistische Reiterei unter Pappenheim versuchte, das schwedische Heer auf dem rechten Flügel großräumig zu umgehen und im Rücken die Reservetruppen anzugreifen. Dieser Kavallerieangriff konnte von schwedischen Reitern, verstärkt durch begleitende Musketiere, die sofort zur Stelle waren und bevorzugt auf feindliche Pferde schossen, abgewehrt werden.
Die schwere Artillerie verblieb für massive Feuerzusammenfassungen bei der Reserve.vgl. Siegfried Fiedler: Taktik und Strategie der Landsknechte. Bonn 1985, S. 217ff sowie Georg Orenburg: Waffen der Landsknechte. Bonn 1984, S. 133ff.
Die Schlacht verlief in drei Phasen: Erstens der Angriff der Liga-Truppen, dann deren Vorrücken nach Nordosten und schließlich deren Umschließung und Vernichtung durch die Schweden. mini|Die Schlacht nach einer zeitgenössischen Darstellung
Verlauf der Schlacht
1. Phase
Bereits zum Auftakt der Schlacht bewies das mehrere Stunden bis zum frühen Nachmittag andauernde Artillerie- und Musketengefecht die Feuerüberlegenheit der schwedischen Kanoniere und Musketiere, die auf eine Salve der Ligatruppen mit drei bis fünf Salven aus ihren Rohren antworteten. Am frühen Nachmittag erfolgte ausgehend vom linken Liga-Flügel nach einer weiträumigen Umgehung ein zunächst als geglückt erscheinender Reiterangriff von Pappenheim auf den rechten Flügel der Schweden. Dort traf der Angriff auf die kombinierte Abwehr von Musketieren, Infanterie und Kavallerie, wobei sich die schwedischen Musketiere vor allem darauf konzentrierten, die Pferde der Angreifer niederzuschießen und sich dann in den Schutz von Pikenieren zurückzuziehen. Das Gefecht dehnte sich im gegenseitigen Versuch, den Gegner zu überflügeln, nach Westen aus. Am Ende seines Vorstoßes sahen sich die Reiter Pappenheims selbst umzingelt und entkamen nur mühsam.
2. Phase
mini|Gustav Adolf, umgeben von seinen Generalen, die Schlacht bei Breitenfeld leitend Angesichts der heftigen Kämpfe, die sich aus Sicht Tillys an der linken Flanke zwischen den Liga-Reitertruppen unter Pappenheim und schwedischen Truppen entwickelt hatten, ergriff Tilly die Chance, zu der Zeit, in der die Schweden im vollen Kampf gebunden waren, mit vier Tercios gleichzeitig auch den anderen Flügel der gegnerischen Truppen dort anzugreifen, wo die sächsischen Regimenter und die sächsische Artillerie unter dem Oberbefehl von Arnim und Klitzing aufgestellt waren. Die erst vor kurzem angeworbenen und unerfahrenen sächsischen Söldner hatten während der letzten Stunden dem Beschuss tapfer standgehalten, gerieten dann aber beim Angriff der Tercios unter so heftigen Beschuss, dass in der ersten Reihe ein Blutbad angerichtet wurde und die nächsten Reihen ins Wanken gerieten. Aus dem Wanken wurde nach und nach eine Fluchtbewegung, als die Kroatische Reiterei der Liga-Truppen, angeführt von Palant und Holck unter ohrenbetäubendem Lärm und in eine Staubwolke gehüllt den Schlussangriff führte. Als Erste flüchteten die sächsischen Kanoniere. Ihre Kanonen wurden von den Angreifern übernommen und auf die sächsische Reiterei gerichtet. Das nahm Kurfürst Johann Georg als Anführer der Reiterei zum Anlass, sein Pferd zu wenden und vom Schlachtfeld bis zum 20 km entfernten Eilenburg zu fliehen. Auch der Befehlshaber des sächsischen Heeres Arnim konnte nach der Flucht des Kurfürsten die Flucht der sächsischen Reiterei und der Fußtruppen nicht mehr aufhalten. Die Flüchtenden plünderten beim Passieren des Rückraums die dort stehenden Trosswagen der verbündeten Schweden.
Tilly nutzte die Flucht der sächsischen Truppen und setzte die Liga-Infanterie diagonal zum Frontverlauf in Richtung des wankenden, teilweise schon aufgelösten gegnerischen Flügels in Marsch. Dort konnte die vorstoßende kaiserliche Kavallerie zeitweise sogar in den Rücken der schwedischen Truppen vordringen und damit war der nach der 1. Phase unwahrscheinlich gewordene Sieg der Liga-Truppen jetzt wieder greifbar nahe. Für das schwedische Heer begann eine entscheidende Phase, in der es – jetzt in Unterzahl – der geballten Wucht der Angriffe des Liga-Heeres standhalten musste. Allerdings waren die Pappenheim-Liga-Kürassiere und ihre Pferde nach den anfänglichen Kämpfen auf dem rechten schwedischen Flügel stark dezimiert und ziemlich erschöpft, denn sie waren dort nicht durch Musketiere unterstützt worden. Dagegen standen die schwedischen Reiter-Musketier-Vierecke stabil wie Felsen, zwischen denen die Liga-Reiter dem Beschuss der Musketiere ausgesetzt waren.