Alexander Schnickmann (* 28. Juni 1994 in Lünen) ist ein deutscher Autor und Literaturkritiker. Er ist Preisträger des Leonce-und-Lena-Preises der Stadt Darmstadt 2023 und des Deutschen Preis für Nature Writing 2026.
Leben Alexander Schnickmann wurde 1994 geboren und wuchs in Bergkamen im Ruhrgebiet auf. An der Humboldt-Universität zu Berlin studierte er Geschichtswissenschaft und Amerikanistik. Dort arbeitete er u. a. als studentische Hilfskraft von Jörg Baberowski und gab zusammen mit den Kommilitonen Louis M. Berger und Hajo Raupach ein Buch über Wissen, Praktiken und Zeitvorstellungen der Apokalypse im Campus-Verlag heraus.
Schnickmann lebt in Berlin-Charlottenburg und arbeitet hauptberuflich als Referent beim Bildungsforum gegen Antiziganismus in Kreuzberg. Er ist praktizierender Katholik.
Werk Schnickmann nimmt seit 2018 als Autor an Wettbewerben teil. Beim von der Welt 2018 veranstalteten Wettbewerb „Welt von morgen“ für Autoren unter 25 Jahren kam er als einer von fünf Autoren mit dem Text No me llores lagrimitas () ins Finale. Den mit 7.500 € dotierten Preis vergab das Publikum am Ende an die Mitbewerberin Peregrina Walter. 2023 gewann er den Lyrik-Nachwuchs-Preis Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt. Die Jury, zu der u. a. Ulrike Draesner und Jan Koneffke gehörten, begründete ihre Entscheidung wie folgt:
Für die Berliner Zeitung und den Tagesspiegel verfasste er ab 2021 Buchbesprechungen und Essays.
requiem Das Buch requiem, erschienen 2024 bei Matthes & Seitz Berlin, ist eine lyrische Großform, die sich mit dem Klimawandel und dem Artensterben auseinandersetzt. Es wird als „letzte Messe, die man auf Erden erwarten darf: Sie ist eine Liturgie fürs Ende“ beschrieben. Schnickmann verwendet einen Bewusstseinsstrom-Stil, der Themen der Umweltzerstörung, des persönlichen Verlusts und der Liebe miteinander verwebt. Der Kritiker Daniel Graf merkt für die Schweizer Republik an, das Werk schaffe „eine neue Art von Ritual für etwas, das dringend nach Ausdruck verlangt“. Er lobt das Buch für seinen innovativen Ansatz in der Klimaliteratur, der neben den ernsten Themen auch Elemente des Absurden und des Witzes einbeziehe. Der Rezensent hebt Schnickmanns Fähigkeit hervor, „dem climate grief mit literarischen Mitteln Raum“ zu geben. Für Deutschlandfunk Kultur interpretiert der Kritiker Nils Schiederjann den Titel des Werks so, dass der Widerstand gegen die Klimakrise zwecklos erscheint und die einzige angemessene Reaktion die Totenmesse für den sterbenden Planeten bleibt. Das Buch sei trotz der Thematik kein düsteres Buch, sondern vermittle eher eine atemlose Stimmung, die den Leser in ein „orientierungsloses Erleben der Krisen“ hineinziehe. Die Lyrik erinnere eher an die von Ezra Pound als an gängige Climate-Fiction. Der Rezensent zieht ein durchweg positives Fazit und vermutet, dass das Buch auch bei Lesern ankommt, die mit Lyrik sonst eher wenig anfangen können.
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt Christian Metz requiem als ein „lyrisches Hochrisikodebüt“, das einen „Abgesang auf unsere Kultur der Dinge und das nicht enden wollende Krisenstaccato der heutigen Zeit“ darstellt. Er betont Schnickmanns „virtuose Kunst der Polyphonie und Bildüberlagerung“, die den Text zu einem Sog aus Erinnerungsbildern, Naturkatastrophen und persönlichen Reflexionen verdichtet. Besonders hervor hebt Metz die „unheimliche Lust“, die sich beim Bestaunen der beschriebenen Trümmer entfaltet, und erkennt darin ein „Skandalon“ des Textes. Trotz der düsteren Themen biete requiem auch komische Momente, wie etwa die skurrile Einführung eines Staubsaugerroboters namens Brünnhilde, der sich nahtlos in das Untergangsszenario einfügt. Metz lobt das Werk als „bewundernswert rasant“ und „betörend in seiner poetischen Eigenart“, das Leser in seinen Bann ziehe und weit über die gängige Klimaliteratur hinausgehe.
Gestirne 2026 veröffentlichte Schnickmann bei Matthes & Seitz Berlin den Gedichtband Gestirne. Weltraumgedichte. Das Werk widmet sich den Weiten des Kosmos und verbindet astronomische Motive mit urbanen Beobachtungen aus Berlin. Das lyrische Ich schwelgt in der Dunkelheit des Weltalls und denkt an eine entrückte geliebte Person. Schnickmann wechselt in den Gedichten zwischen Deutsch und Englisch und verwendet einen fragmentierten Stil mit durchgebrochenen Verben und unvollständigen Sätzen, den der Rezensent Björn Hayer für die Frankfurter Rundschau beschreibt „als wäre ein Kometenhagel zwischen sie gefahren“. Hayer beschreibt weiterhin die „luzide Schönheit“ des Bandes und hebt die Musikalität der Sprache hervor, die durch Wiederholungen von Versen und Motiven wie Auge und Licht entsteht. Kevin Gensheimer lobt in der Berliner Zeitung das „irre Tempo“ der Verse und befindet „wenn man fertig ist, möchte man es am liebsten sofort nochmal lesen.“ Der Schriftsteller Clemens Meyer lobt im Klappentext: „Das hat poetischen Bums, da spüre ich die Kraft Ginsbergs, den Beat Brinkmanns, den alten Schiller …, aber Schnickmann komponiert seinen eigenen singulären Sound!“ Für die Gedichte recherchierte Schnickmann wissenschaftliche Texte über Planeten und schrieb den Band größtenteils in der Staatsbibliothek am Potsdamer Platz.
Veröffentlichungen
Auszeichnungen 2023: Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt 2026: Deutscher Preis für Nature WritingDeutscher Preis für Nature Writing 2026 geht an Alexander Schnickmann, Börsenblatt vom 20. Mai 2026, abgerufen am 10. Juni 2026 Weblinks
Literatur von und über Alexander Schnickmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Lyrik Kategorie:Essay Kategorie:Literaturkritiker Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1994 Kategorie:Mann